07.02.19

Interview zu "Glen More 2" von Matthias Cramer

 

Hallo Matthias,

schön, dass du für das Interview Zeit gefunden hast. Bald erscheint dein Spiel "Glen More 2: Chronicles".

 

1) Vor einigen Jahren ist dein Spiel "Glen More" über den Verlag "Ravensburger" erschienen. Wie ist "Glen More 2: Chronicles" einzuordnen? Ist es eine Fortsetzung, Erweiterung, oder hat es womöglich ein komplett eigenes Spielprinzip?

 

"Glen More II: Chronicles" ist ein waschechtes "Glen More", bei dem ich zuerst ein paar Fehler beseitigen wollte, dann ein paar gute und weniger gute Ideen hatte und zum Schluss ein eigenständiges Spiel entstanden ist. Es gibt immer noch das Rondell mit der besonderen Zugreihenfolge und auch der Markt ist so geblieben. Aber dazwischen habe ich einiges durcheinandergewirbelt. Vom alten Plättchen-Set ist nicht mehr allzu viel übrig. Zwei neue Typen von Plättchen sind hinzugekommen, die neue Spielweisen erlauben. Und durch die Chronicles wird das Spiel variabel und immer wieder neu.

 

 2) Über welche Vertriebswege wird das Spiel erscheinen?

 

"Glen More II: Chronicles" wird von "Funtails" verlegt und erscheint in der ersten Auflage für unsere "Kickstarter-Backer". Da dies auch die letzte heiße Phase der Entwicklung ist, können die Geldgeber der Kampagne den letzten Schliff des Spiels mit beobachten und auch beeinflussen. Danach kann es weitere Auflagen geben, aber das ist im Moment nicht sicher.

 

3) Welche Zielgruppe spricht das vorliegende Spiel an und wie verhält es sich mit der Komplexität?

 

Eigentlich haben wir das Spiel für die Freunde des Originals entwickelt. Durch die ganzen Tests sind wir aber überrascht, wie gut das Spiel auch bei denen ankommt, die Kritikpunkte am Original hatten. Die Komplexität des Spiels ist variabel und frei wählbar. Das Grundspiel entspricht vom Spielgefühl ungefähr dem von "Glen More 1". Aber mit den Chronicles (den kleinen Erweiterungen) kommen neue Aspekte und Mechaniken in das Spiel. Ein oder zwei Chronicles ergeben ein typisches Eurogame, das in 90 Minuten gut spielbar ist. Alles darüber hinaus ist Hardcore, aber möglich.

 

 4) Wie lange arbeitest du schon an dem Prototypen und welche Hürden gab es zu meistern?

 

Da "Glen More" 2009 in wenigen Monaten entstanden ist, war es mir wichtig, mir Zeit zu lassen. Normalerweise brauche ich 3 Jahre für ein Spiel und mittlerweile gehört auch "Glen More II: Chronicles" in diese Kategorie. Gerade, wenn man mit verschiedenen Modulen arbeitet, wie den Chronicles, gibt es sehr viel zu testen und noch mehr zu verwerfen. Nicht alle Chronicles funktionieren und nicht alle Chronicles, die funktionieren sind gut für das Spiel. Mir war es besonders wichtig, dass jede Chronicle das Spiel um einen eigenen Aspekt bereichert, anstatt einfach nur ein paar weitere Plättchen zu ergänzen. Dieser Prozess frisst natürlich viel Zeit.

 

5) Was macht das vorliegende Spiel aus deiner Sicht so besonders?

 

Für mich gibt es sehr viel Besonders. Es ist mein erstes Spiel, bei dem eine 5-köpfige Verlagsmannschaft mitarbeitet und mittestet. Ich stehe zwar im Mittelpunkt des Designprozesses, komme aber manchmal aus dem Staunen nicht heraus, weil die Leute von "Funtails" regelmäßig neue Ideen in die Ohren setzen. Gerade in der heutigen Zeit, in der viele Verlage immer mehr Spiele auf den Markt werfen und sich kaum noch Zeit für das einzelne Spiel nehmen, ist es völlig untypisch, dass ein Verlag sich soviel Zeit nimmt und derart intensiv an dem Spiel arbeitet. Wir haben auch inzwischen eine professionelle Testgruppe, die das Spiel in allen Kombinationen durchspielt.

Die zweite große Besonderheit ist der Entwicklungsprozess. Normalerweise entstehen Erweiterungen, wenn ein Spiel bereits fertig ist und gut läuft. Das schränkt die Möglichkeiten, gute Erweiterungen zu bauen, erheblich ein. "Glen More II: Chronicles" ist ein Spiel, das von Anfang an komplett modular entwickelt wurde. Das bedeutet zwar viel Arbeit, aber auch viel Möglichkeiten für bekloppte Autoren ;).

 

Danke für das Interview! Wir sind sehr gespannt auf das Spiel.