Review "Trambahn" von Helmut Ohley

Fakten

Autor: Helmut Ohley

Spieleranzahl: 2 

Verlag: Lookout Spiele

Spieldauer: 30 Minuten

Alter: ab 8 Jahre

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 17,99 Euro


Spielbeschreibung


Der tech­ni­sche Fort­schritt macht auch vor den Stra­ßen­bah­nen nicht Halt: Die von Pfer­den gezo­ge­nen Bah­nen wer­den schritt­weise durch dampf­be­trie­bene und spä­ter durch elek­tri­sche Bah­nen ersetzt. Die bei­den Spie­ler sind Betrei­ber kon­kur­rie­ren­der Gesell­schaf­ten. Aber am Ende kann es nur eine Straßenbahn-Gesellschaft in Mün­chen geben. Wer wird seine Bah­nen erfolg­rei­cher betrei­ben und den Geg­ner besiegen?

In die­sem Kar­ten­spiel füh­ren die Spie­ler kon­kur­rie­rende Gesell­schaf­ten. Die bei­den Kon­tra­hen­ten kön­nen ihre Hand­kar­ten auf ver­schie­dene Art aus­spie­len: Ent­we­der um das beste­hende Lini­en­netz mit wei­te­ren Hal­te­stel­len aus­zu­bauen oder als Fahr­gäste der ver­schie­de­nen Linien, um dadurch die Wer­tung der ent­spre­chen­den Linie aus­zu­lö­sen oder als Geld, um die Bah­nen für neu errich­tete Linien zu erwerben.

Beim Bau der Hal­te­stel­len müs­sen die Kar­ten aller­dings auf­stei­gend aus­ge­legt wer­den. Dadurch ent­ste­hen inter­es­sante Ent­schei­dun­gen: Mit einer mög­lichst nied­ri­gen Karte begin­nen, die aber nur wenig Sieg­punkte bringt. Oder eine kurze, aber sehr ertrag­rei­che Linie erstel­len. Da jede Linie aber auch durch eine Bahn bedient wer­den muss, und die Preise der Bah­nen ste­tig anstei­gen, müs­sen die Spie­ler genug Kar­ten als Geld able­gen, um ihrer Gesell­schaft das ent­spre­chende Kapi­tal zur Ver­fü­gung stel­len zu können. Nach nur 10 Wer­tun­gen ist das Spiel been­det und der Spie­ler mit den meis­ten Sieg­punk­ten der Gewinner.

Quelle: Lookout Spiele


Hintergrundinformationen

 

Dieses Jahr (2015) hat Helmut Ohley mal wieder (wie soll es auch anders sein ;)) an einer Veröffentlichung zum Thema Zug/Trambahn als Autor mitgewirkt. "Trambahn" "springt auf den Zug" der Spiele für zwei Spieler auf, die in den letzten Monaten mehr und mehr an Popularität gewonnen haben. Zwar erschien dieses Kartenspiel schon vor der Spielemesse, nichtsdestotrotz war der "Hype" gegeben und das Interesse groß.

Bereits im Jahre 2014 erschien das Brettspiel "Russian Railroads", das von Ohley und Orgler entwickelt wurde und den "Deutschen Spielepreis" (2014) gewann. Gelingt Ohley mit diesem Kartenspiel ein weiterer Coup oder fährt der Zug diesmal nach Nirgendwo? ;)


Spielmaterialien

 

Das Spiel besteht aus einer Menge Karten und man muss wirklich sagen, dass sich diese extrem stabil anfühlen und sich sehr gut spielen lassen. Hüllen sind für solche Karten kaum notwendig. Alles richtig gemacht! ;)

                                            6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen basieren auf der Arbeit von Klemens Franz, der sich einiger historischer Postkarten der Stadt München und ihrer Straßenbahnen bedient hat. Mehrere reale Abbildungen zeigen die Entwicklungen der Straßenbahnen zum Jahrhundertwechsel. Grundsätzlich ist zu sagen, dass es im Rahmen der optischen Gestaltung mal etwas anderes ist, reale Abbildungen zu verwenden und in ein Kartenspiel zu integrieren. Dadurch verleiht es dem Spiel einen gewissen Flair und eine historische Note, was wirklich gut zu dem Thema passt. Die Rückseiten der Karten, die einen 1000 Mark Schein realistisch darstellen, ergänzen ideal die weiteren Darstellungen. Die abgebildeten Fahrgäste auf den Karten runden das Gesamtbild ab, obwohl sich der Illustrator in diesem Fall eines anderen stilistischen Mittels bedient hat.

Wirkich schade ist, dass immer nur die gleichen Fahrgäste dargestellt wurden, was die thematische Einbettung stört. Denn durch mehr unterschiedliche Charaktere hätte man den Grad des realistischen Spielgeschehens definitiv steigern können. Dies gilt z.B. auch für unterschiedliche Schaffnerkarten.

Alles in allem dennoch eine stimmige Leistung hinsichtlich der graphischen Aufmachung!

                                           4 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

 

1) Fahrgäste auslegen

Du musst einen oder zwei Fahrgäste auslegen. In der Tischmitte liegen vier Endstation-Karten aus (vier unterschiedliche Farben). An jede Reihe können vier Karten angelegt werden. Du suchst dir jetzt aus deinen Handarten eine oder zwei Karten aus und legst diese in die entsprechende Reihe bzw. in die entsprechenden Reihen. Es wird in dieser Aktion nur die Farbe beachtet und nichts anderes, was auf der Karte vermerkt ist! Beispiel: Du legst eine grüne Karte in die grüne Reihe und eine blaue Karte in die blaue Reihe. Du kannst auch die Schaffnerkarte bzw. zwei dieser Karten (Jokerkarte) in eine beliebige Reihe auslegen. 

 

2) Haltestellen auslegen (optional)

Du darfst beliebig viele deiner Handkarten in deine eigene Auslage legen (diesmal werden die Farben + die Zahlen auf den Karten beachtet). Die Karten müssen immer den Kartenwerten nach aufsteigend platziert werden, wobei Werte ausgelassen werden dürfen. Ist es nicht möglich, eine neue Karte anzulegen, muss eine neue Reihe eröffnet werden. Eine Reihe ist abgeschlossen, wenn die Haltestelle mit dem Wert Zehn ausgelegt wurde. Schaffner (Jokerkarten) dürfen jeder noch nicht abgeschlossenen Reihe zugeordnet werden. Was es mit diesen gesonderten Karten auf sich hat, erkläre ich gleich, wenn ich auf die Wertung eingehe. 

 

3)  Einkommen (optional)

Du darfst beliebig viele Karten umdrehen (auf den Rückseiten sind 1.000 Mark abgebildet) und erhöhst so dein Kapital.

 

4) Trambahn kaufen (optional) 

Du kannst auch eine oder mehrere der ausliegenden Trambahnen kaufen. Die Karten dienen als Multiplikatoren für deine ausgelegten Reihen. Du bezahlst die Kosten und musst die Trambahn einer deiner ausliegenden Reihen (Haltestellen) zuordnen. Hier gilt: nur eine Trambahn pro Reihe und Trambahnen dürfen nicht versetzt werden. Auf jeder Trambahn-Karte ist ein Wert abgebildet, der als Multiplikator gilt, wenn eine Reihe gewertet wird.

 

5) Handkarten nachziehen

Liegen jetzt noch Reihen ohne Trambahn-Karten in der eigenen Auslage aus, werden diese abgeräumt und auf den eigenen Geldstapel gelegt. Anschließend füllst du deine Handkarten auf sechs Karten auf. Wichtig: Sollte der Nachziehstapel aufgebraucht sein, muss jeder Spieler die Hälfte seines Geldes abgeben (ob aufgerundet oder abgerundet wird, steht nicht in der Anleitung ;))

 

Wertungen und Sonderfahrten (so erhält man Punkte):

Wie bereits erklärt, musst du in 1) Fahrgäste (eine oder zwei Karten) in die Tischmitte auslegen, wobei hier nur lediglich die Farben zählen. Legst du die vierte Karte einer Reihe aus, wird gewertet. Beispiel: Du legst eine blaue Fahrgastkarte in die Mitte und es ist die vierte blaue Karte. Nun werden die Haltestellen-Reihen (die Reihen, die du vor dir auslegst) gewertet. Hierbei erfolgt eine Wertung der blauen Reihen beider Spieler. Die Siegpunkte sind auf den Karten angegeben und diese werden mit dem Multiplikator der Trambahn verrechnet. 

Nach zehn Wertungen dieser Art ist dann das Spiel zu Ende!

 

Sonderfahrten:

Es gibt auch Sonderfahrten, die nur für den Spieler in Betracht kommen, der acht Karten in einer Reihe aufsteigend zusammengestellt hat. Acht Karten bedeutet natürlich ohne die Trambahn-Karte. Hier kannst du noch die Schaffnerkarten in eine Reihe einbinden, die zwar keine Punkte bringen, dir aber verhelfen, acht Karten in einer Reihe zu erreichen (Schaffnerkarten haben keine Zahlen, bringen keine Siegpunkte und werden vor die jeweilige Reihe ausgelegt).

 

Wie ist die Spielmechanik?

Durch die drei Funktionen einer Karte (Geld generieren, Trambahn kaufen, Fahrgäste und Haltestellen auslegen) muss gut überlegt werden, was man mit seinen Karten anstellt. Dies verlangt ein optimales Ressourcenmanagement, da man in allen drei genannten Bereichen das Beste für sich rausholen muss. Die unterschiedlichen Funktionen liegen sehr eng beinander und beeinflussen sich gegenseitig, was für gut miteinander verwobene Mechanismen spricht. Denn entscheidest du dich Haltestellen auszulegen, musst du finanzielle Einbußen hinnehmen, was sich wiederum auf den Kauf einer Trambahn-Karte auswirken kann etc.

Der Glücksanteil ist in "Trambahn" eindeutig vorhanden, was gar nicht mal so schlimm für ein lockeres Kartenspiel für zwei Personen ist. Das vorliegende Spiel erlaubt mit seinem zügigen Spieltempo, der lockeren Spielweise und den doch eingängigen Spielabläufen  einen gewissen Glücksanteil. Hast du nicht die passenden Karten legst du diese auf deinen Geldstapel und häufst so massig Geld an, um letztlich einen Zug mit einem hohen Multiplikator zu kaufen (was sich wiederum in Siegpunkten auszahlen wird). Natürlich sollte man mit dem Auslegen der Haltestellen nicht zu langsam sein, da Wertungen früh im Spiel eintreten können. 

Es kann natürlich der Umstand vorliegen, dass ein Spieler vom Pech verfolgt wird, keine Schaffnerkarten erhält und der Gegenspieler im Besitz mehrere solcher Jokerkarten ist. Und wenn der Gegner dann wirklich phänomenale Kartenreihen aufbaut, dann kann der Spielegott wirklich nur auf seiner Seite gewesen sein ;).

Wie gesagt, einen gewissen Glücksanteil verträgt das Spiel und passt auch hervorragend, jedoch ist der Glücksanteil dann doch etwas zu hoch und man gibt zu viel Kontrolle an das Spiel ab. Ein zusätzlicher Bonus für Karten, die man auf den Geldstapel legt, wäre z.B eine Option, um den Glücksfaktor auszugleichen. Eine weitere Überlegung wäre diesbezüglich, dass jeder Spieler zu Beginn des Spiels bereits drei Schaffnerkarten zur Verfügung hat und diese beliebig einsetzen kann. Das sind aber nur spontane Gedanken, die mir gerade so einfallen und müssen nicht unbedingt funktionieren ;).

Man versucht bereits in einer gewissen Art und Weise einen Ausgleich zu schaffen, mit Karten, die man als Geld weglegt. Jedoch beinhaltet diese Option zu wenig Gewicht, als dass sie dies erreichen würde. Denn durch den Zeitverlust, der durch das generieren von Geld entsteht, verpasst man wertvolle Wertungen und da es in "Trambahn" auf den zügigen Aufbau von Reihen auskommt, kann nicht von einem wirklichen Glücksausgleich die Rede sein.

Alles in allem! Gute Mechanismen mit Defiziten hinsichtlich des doch recht hohen Kartenglücks.

                                          3,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das Auslegen von Reihen in aufsteigender Reihenfolge gibt es zu Hauf und ist kaum mehr im Hinblick auf Innovationen zu loben. Naja, Multiplikatoren fühlen sich jetzt auch nicht komplett neuartig an und stellen jetzt auch keinen innovativen Meilenstein dar. Es wurde sich wirklich um eine thematische Atmosphäre mittels der Illustrationen und des Ablaufs bemüht, jedoch verharrt "Trambahn" dann doch auf einer eher mechanischen Ebene und von einem völlig neuartigem Spielthema kann also auch nicht die Rede sein.

Frisch wirkt hingegen eine Art gemeinsame Kartenauslage, an die beide Spieler Karten auslegen (Fahrgäste) und somit direkt Wertungen beeinflussen können. Auch die Rückseite der Karten, die dann die dritte Funktion (Geld) darstellt, ist eine pfiffige Idee (und wirkt sich natürlich auch positiv auf die Produktionskosten aus, da Münzen nicht gedruckt werden müssen ;)). Einige wenige innovative Elemente sind vorhanden, aber "Trambahn" ist jetzt wirklich kein innovativer Meilenstein. 

                                          2 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Trambahn" spielt sich locker und leicht, sodass es immer wieder zu einer Partie einlädt. Die Spieldauer ist nicht hoch, die Hürde zum Einstieg ist leicht zu überwinden und es beginnt ein Wettrennen um die besten Wertungen. Das Kartenspiel von Ohley ist keineswegs langweilig und lässt sich in einer recht kurzen Spieldauer ca. 30 Minuten durchspielen. Besonders gelungen ist, dass das vorliegende Spiel für zwei Spieler ausgelegt ist. Somit kann man immer gut beobachten, was der andere Spieler macht, auf welche Haltestellen er setzt und wie man dementsprechend agieren soll. Diese Beobachtungen verstärken nochmals das Gefühl eines spannenden Rennens. 

Getrübt wird der Spielspaß dann doch durch den recht hohen Glücksfaktor. Ebenso die nicht vorhandenen innovativen Elemente lösen nicht unbedingt einen "Wow-Effekt" aus. Ferner bleibt die thematische Atmosphäre "auf der Strecke" und kommt nicht stark zur Geltung, was sich aber nicht extrem auf den Spielspaß auswirkt ("Russian Railroads" von Ohley war jetzt auch nicht ein sehr thematisches Spiel und hat trotzdem Spaß gemacht ;))

Somit ist der Spielspaß im Rahmen eines lockeren Kartenspiels für zwei Personen gegeben und eine überdurchschnittliche Bewertung  ist angebracht.

                                            4 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis


Die UVP von "Trambahn" liegt bei 17,99 Euro. Das Material, das "nur" aus Karten besteht, ist hervorragend, die Mechanismen unterliegen jedoch einigen Defiziten und auch der innovative Geist ist nicht gerade berauschend. Dennoch macht das Spiel Spaß und ist schön gestaltet worden. Nimmt man all diese Faktoren zusammen und setzt sie in Relation zu der UVP, so erschließt sich folgende Bewertung.

                                           3 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein lockeres Spiel für zwei Personen suchst, das in ca. 30 Minuten gespielt wird, nicht überaus viel Gehirnleistung erfordert und somit als Spiel für "zwischendurch" anzusehen ist. 

 

- einen hohen Glücksfaktor im Spiel ertragen kannst und nicht gleich aus Frust in die nächste "Trambahn" einsteigst und nach Hause fährst ;).

 

- generell Spiele für zwei Spieler magst, weil du dich dann besser auf deinen Gegner fokussieren kannst.

 

Kauf dir das Spiel nicht, wenn du...

 

- grundsätzlich keine öffentlichen Verkehrsmittel magst. Denn auch "Trambahn" wird dich in manchen glückslastigen Momenten genauso frustrieren, wie manch Bahn/Zug im realen Leben. 

 

- ein wirklich innovatives Spiel suchst, das ist "Trambahn" nämlich nicht. 

 

- meinst, dass ein Spiel erst dann ein Spiel ist, wenn es mindestens zwei Stunden dauert und dich an die Grenzen deiner kognitiven, psychischen und physischen Fähigkeiten bringt.

 

* Danke an alle Testspieler

* Gesamtwertung (Aufrundung aufgrund des Spielspaßes)