Review: "Totenstadt" von Florian Möller

Fakten

Autor: Florian Möller

Spieleranzahl: 1-6 

Verlag: Bloodn´Brain

Spieldauer: 45-60 Minuten

Alter: ab 16 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 60 Euro


Spielbeschreibung

 

Totenstadt ist ein Survival Horror Kartenspiel aus Deutschland.

In Totenstadt übernehmen die Spieler die Rolle Überlebender einer globalen Katastrophe, ausgelöst durch den Einschlag mehrerer Meteore. Die Spieler müssen verschiedene Aufgaben erfüllen, um am Leben zu bleiben und um ein Gegenmittel gegen die sich ausbreitende Krankheit zu finden. Neben zufälligen Ereignissen gibt es noch eine Vielzahl an verschiedenen Gegnern, die den Spielern Probleme bereiten werden. Neben den Verrückten und Infizierten treiben sich auch verschiedene Mutationen in der Stadt rum und dann ist da noch die Gefahr durch die Plünderer. Aber nicht alles, was in der Totenstadt gefunden werden kann, ist schlecht, freundliche Überlebende, Händler und auch eine Vielzahl an Ausrüstung können das Leben etwas leichter gestalten… können…

In Totenstadt ist kein Spiel wie das vorherige, alles wird per Zufall zusammengestellt und somit kann man nie sagen was einen an der nächsten Ecke erwartet oder welche Ausrüstung man finden wird.

Selbst die Aufgaben unterliegen dem freundlichen Zufall, daher kann es passieren, dass man die selbe Aufgabe direkt nacheinander erhält und trotzdem verlaufen beide komplett unterschiedlich. Mit über 150 vollfarbigen Karten, welche eine Größe von 105 x 148 haben, sind viele unterschiedliche und aufregende Abenteuer gesichert.

(Quelle: Totenstadt Homepage)


Hintergrundinformationen

 

Im Jahr 2013 wurde bereits über eine Crowdfunding-Plattform versucht, das Spiel "Totenstadt" erfolgreich zu finanzieren. Dieses Vorhaben scheiterte leider, da das Finanzierungsziel nicht erreicht wurde. Im Rahmen der Kampagne wurde das Spiel wie folgt beschrieben: "Florian Möller entwickelte die Idee und die strategische Spielmechanik und verwirklichte somit seinen Traum, all die Dinge, die Filme wie Dawn of the Dead, Prince of Darkness und The Thing so einzigartig machten, in einem einzigen Kartenspiel zu vereinen. Sebastian Kempke zeichnete die Welt von Totenstadt und erweckte das Unaussprechliche zum Leben."  


Spielmaterialien

 

Die großen Spielkarten, von denen reichlich im Spiel vorhanden sind, machen einen edlen Eindruck. Die Darstellungen wirken sehr farbintensiv und die laminierten Folien sind sehr wertig. An manchen Kartenrändern kann jedoch hinsichtlich der Folie noch nachgebessert werden. Des Weiteren sind die Würfel und Marker von extrem guter Qualität. Außerdem lassen sich die Spielmaterialien hervorragend in dem Karton verstauen. Ein großes Manko ist das Regelheft, das leider sehr fehlerhaft ist. Denn es bleiben Regelfragen offen und oft wurden Regeln umständlich erklärt, wodurch es zu Unklarheiten im Spielablauf kam. Eine Verbesserung des Regelheftes mit ergänzenden Abbildungen, sinnvollen Strukturen und grammatikalischen Nachjustierungen ist für die kommende Auflage definitiv ein Muss! Ansonsten wurde hinsichtlich der Materialien sehr vieles richtig gemacht! ;)

                                                  4,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen der vielen Spielkarten wurden von unterschiedlichsten Künstlern angefertigt und man muss sagen, dass diese absolut gelungen sind! Die Darstellungen sind vielseitig, ansprechend und passen hervorragend zum Thema. Auch wenn viele Illustratoren an dem Projekt mitgearbeitet haben, wirken die meisten Karten überwiegend passend. Man kann definitiv sagen, dass in puncto Aufmachung "Totenstadt" sehr gelungen ist. 

Eine tolle optische Darbietung! 

                                                    5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

In der Kampagne wurde der Spielablauf wie folgt beschrieben:

 

Worum geht es in Totenstadt?     

Dem Maya-Kalender wurde der Weltuntergang angedichtet und alle haben gelacht. Doch als am 21.12.2013 die ersten Meteoriten auf der Erde aufschlugen und sich aus den Flammen der Zerstörung das Grauen erhob, lachte keiner mehr. Und die Städte fielen, eine nach der anderen...    

Eine Gruppe bunt zusammengewürfelter Helden mit unterschiedlichen Fähigkeiten muss sich im Überlebenskampf in einer Welt der Toten, Infizierten und anderer Gefahren beweisen. Teamwork und kühles Köpfchen sind angesagt! Einen vorgeschriebenen roten Faden gibt es nicht, denn jede Runde wird komplett neu zusammengestellt. Neue Ausrüstung wird gefunden, neue Gegner stellen sich euch in den Weg, neue Ereignisse treffen ein und ein neues Ziel ist zu erreichen. 

Natürlich gibt es auch Stories die das Ganze zusammenhalten und sich Stück für Stück entfalten. In Totenstadt geht es aber in erster Linie um das Überleben in einer Umgebung, die es einfach nicht gut mit einem meint. In Totenstadt ist es möglich, jede Runde spontan zusammenszustellen oder aber die jeweiligen Partien aufeinander aufbauen zu lassen. Ob ihr eure Charaktere behalten wollt und viele Abenteuer Seite an Seite erlebt oder ob euch einfach nach einer komplett neuen Zusammenstellung ist, in Totenstadt ist das alles möglich!

Ihr entscheidet, ob ihr die Ausrüstung aus der überstandenen Runde mitnehmt (ein kluger Entschluss, denn besondere Waffen gibt es nur ein einziges Mal im Kartenset!) und eurem Charakter treu bleibt. Auf diese Weise baut ihr ein Gespür für euren Helden auf und taucht noch tiefer in die Stories der Totenstadt! Für jede Runde werden das Ziel, die Ausrüstung, die Gegner und allerlei anderer Spaß zufällig gezogen und durch zahllose Kombinationmöglichkeiten entstehen zufällig immer neue Szenarien. 

Doch wiegt euch nicht in Sicherheit, denn der Tod lauert hinter jeder Straßenecke. Infizierte der ersten Stufe sind vielleicht ein wenig schizophren, ein wenig gewalttätig, übelste Zeitgenossen, denen das Menschsein abhanden gekommen ist. Die Infizierten der Stufe 2 sind Tote, die aus ihren Gräbern auferstehen, furchtbar entstellt und auf der Suche nach lebenden Opfern. Millionen von ihnen bevölkern die Totenstadt! Die Infizierten der Stufe 3 hingegen sind grauenhafte Mutanten... die... es ist zu furchtbar um es in Wort zu fassen.

Schnappt euch eure Waffen und geht strategisch vor. Nur nicht zu laut sein, sonst sind die Horden der Infizierten auf euren Fersen und eine Flucht wird unmöglich. Wer wird überleben?  

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Anfänglich ist zu sagen, dass es sich bei "Totenstadt" um ein kooperatives Kartenspiel handelt. Im Grunde ist das Spielprinzip nicht sehr komplex, dennoch wurde es durch das umständlich geschriebene Regelheft dann doch leider komplexer als es in Wirklichkeit ist. Viele Regelfragen haben letztlich zu noch mehr Verwirrungen geführt. Nichtsdestotrotz ist zu sagen, dass die Phasen im Spiel logisch aufeinander aufbauen und thematisch gut eingebettet wurden. Einzelne Spielelemente wurden "realitätsnah" in das Spielgeschehen integriert, wie z.B. das Schusswaffen Lärm erzeugen, der begrenzte Platz in den Gurttaschen bzw. Rucksäcken und die Begrenztheit des Tragens von Waffen (einhändige bzw. zweihändige Waffen) etc. Diesbezüglich entsprechen die Mechanismen definitiv der logischen Nachvollziehbarkeit und sorgen für eine thematische Atmosphäre.

Als Kritikpunkt in den vielen Testrunden kam auf, dass extrem viele Zufallsfaktoren im Spiel zusammenkommen, wie z.B. durch das ständige Würfeln, den gezogenen Ausrüstungskarten, den ausliegenden Ereignissen oder den gezogenen Gegnern, sodass uns zu wenig Beherrschbarkeit im Spiel vorhanden war. Zufallselemente in Spielen sind nicht grundsätzlich zu kritisieren, dennoch waren uns diese in dem vorliegenden Spiel einfach zu viel vorhanden. Denn man möchte ja schon das Gefühl haben, dass man im Rahmen der kooperativen Zusammenarbeit gewinnt und nicht nur, indem man gut oder schlecht würfelt.

Dennoch ist als positiver Aspekt anzuführen, dass grundsätzlich kooperative Elemente im Spiel vorhanden sind, wie z.B. Gegenstände tauschen oder Mitspielern in Kämpfen aushelfen, was gut gelungen ist. Ein weiterer Aspekt in diesem Spiel ist, dass etliche Fähigkeiten bzw. Effekte vorherrschen, die in diesem Spielformat einfach überfrachtet wirken. Eine Reduzierung auf eine geringere Anzahl würde ein immer wiederkehrendes Nachschlagen im Regelwerk verhindern. Ergo wäre es in diesem Rahmen angebracht, Spezialregeln einzugrenzen, um den Fokus auf den Kern zu richten und das Spielgeschehen nicht unnötig mit etlichen Zusatzfähigkeiten zu überfrachten.

Alles in allem funktioniert "Totenstadt", jedoch haben uns einige Aspekte in der Mechanik nicht so gut gefallen.

                                                  3,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das Spielthema "Zombies" ist wahrlich keine thematische Neuheit mehr ;). Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um ein kooperatives Spiel, das mit der sehr individuellen Optik und der "logischen" Nachvollziehbarkeit punkten kann. Neben dem Töten von Zombies, treten Ereignisse und Überlebende auf, die das gesamte Spielgeschehen abwechslungsreich gestalten lassen. Ebenso bringt die Statuskarte "Lärm" ein frisches Element ins Spiel.  Zwar wurde mit "Totenstadt" kein innovativer Meilenstein entwickelt, nichtsdestotrotz sind schöne Ideen in die Thematik mit eingeflossen. Das Thema "Zombies" wurde folglich sehr gut ausgereizt.  

                                                   4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Totenstadt" hat mit Sicherheit seine spannenden Momente, die durch das Würfeln oder dem Nachziehen von diversen Kartensorten hervorgerufen werden. Auf der anderen Seite hat es dann auch seine frustrierenden Momente, indem das Würfel- und Nachziehpech letztlich zur Niederlage geführt hat und man das Spielgeschehen kaum richtig beherrschen konnte. Des Weiteren macht es einfach Spaß, die vielen Karten zu begutachten und unterschiedliche Charaktere auszuprobieren. Ebenso sind die verschiedenen Missionen sehr abwechslungsreich und sorgen für viel Variabilität. Da extrem auf die Thematik und auf Details geachtet wurde, wäre es schön gewesen, wenn noch Ortskarten zur Verfügung gestellt werden würden, damit die Thematik vollends abgerundet und somit die Atmosphäre untermalt wird. "Totenstadt" sorgt demnach für viel Abwechslung und ist definitiv ein "Must-Have" für "Zombiefans", da es von der sehr stark umgesetzten Thematik lebt. Dennoch ist klar zu sagen, dass kein spielerisches Meisterwerk geschaffen wurde und auf jeden Fall in bestimmten Bereichen nachzujustieren ist. 

                                                    4 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Totenstadt" beträgt 60 Euro. Die Spielkarten, machen einen äußerst hochwertigen Eindruck und sind auf jeden Fall wie die Illustrationen sehr lobenswert. Die Mechanismen sind O.K., hatten für uns zu wenig Beherrschbarkeit im Spielgeschehen, wodurch zu viele Glückselemente entstanden. Weiterhin wirkte das Spiel in mancher Sicht zu überfrachtet. Im Rahmen des "Zombiethemas" wurden viele Einfälle getätigt, sodass das Spielgeschehen präsent und frisch wirkt. Der Spielreiz ist durch die Abläufe und der hohen Variabilität vorhanden, dennoch ist "Totenstadt" nichts für Jedermann, da man sich schon mit der Thematik anfreunden muss. Auch sind Strategen bei diesem Spiel wohl fehl am Platz, da enorm viel gewürfelt wird, was auch bei den Testrunden als störend empfunden wurde (kaum Planung u. Beherrschbarkeit). Setzt man all diese Faktoren in Relation zu dem Preis, so kommt es zu folgender Bewertung. 

                                                   3,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Totenstadt", wenn du...

 

- ein Fan vom "Zombiegenre" bist.

 

- ein kooperatives Spiel mit sehr vielen Zufallsfaktoren suchst.

 

- ein "realitsnahes" Spiel suchst, das viele Details enthält und "logisch" Nachvollziehbar ist.

 

 

Lasse die Finger von "Todenstadt" und kaufe dir mit dem Geld die DVD von "The Walking Dead", wenn du...

 

- Spiele nicht magst, die du kaum richtig kontrollieren kannst.

 

- ein grundlegend extrem innovatives Spiel suchst. Das ist "Totenstadt" nicht.

 

 

* Danke an alle Testspieler!

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet!