Review: "Tiefseeabenteuer" von Jun Sasaki und Goro Sasaki

Fakten

Autor: Jun Sasaki, Goro Sasaki

Spieleranzahl: 2-6 

Verlag: Oink Games

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014/ in Deutschland 2016

Preis: UVP 17,99 Euro


Spielbeschreibung

 

"Tiefseeabenteuer" ist ein Spiel bei dem du durch Würfeln immer tiefer tauchst. Das Ziel des Spiels ist mehr Schätze zu sammeln als alle anderen Mitspieler und sie zurück an die Oberfläche zu bringen. Einige Abenteurer sind zusammen in einem U-Boot und wollen die Schätze, die auf dem Meeresboden schlummern, ans Tageslicht befördern. Alle ziehen sich Tauchanzüge an, doch weil das U-Boot seine besten Tage hinter sich hat, gibt es nur einen Sauerstofftank, an dem alle gleichzeitig hängen. Wenn nur einer von ihnen zu tief taucht, geraten alle andere in Lebensgefahr! Ob es wohl alle Abenteurer mit ihren Schätzen wieder an die Oberfläche schaffen?

(Quelle: Oink Games)


Hintergrundinformationen

 

Die japanische Firma Oink Games Inc. hat nunmehr seit einiger Zeit eine deutsche Tocherfirma, um die Brettspiele dem deutschen Markt zugänglich zu machen. Das vorliegende Spiel hat bei der einzigen Brettspielmesse in Japan (Game Market) unter dem Namen (Deep Sea Adventure) letztes Jahr (2015) den ersten Platz gemacht und war ebenso auf der "SPIEL 15" in Essen sehr beliebt. Grundsätzlich sind die "Micro-Spiele" auf dem Vormarsch, die sich dadurch auszeichnen, dass sie mittels weniger Materialien für einen variablen, intensiven wie auch langanhaltendenen Spielspaß sorgen. Mal schauen, wie unser Test abschneiden wird...


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind allesamt von guter Qualität und es gibt kaum etwas zu beanstanden. Die Würfel, Plättchen, Figuren, Marker und das U-Boot sind robust und erfüllen durchweg spielerischen Anforderungen. Aufgrund der wenigen Materialien ist das kleine Schachtelformat angemessen. Ein Kritikpunkt ist dennoch in puncto Schachtel anzuführen. Denn diese lässt sich nur schwerlich und unhandlich öffnen, da Ober- und Unterseite sehr stark aneinander gepresst sind. Ansonsten alles Top!

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Illustrationen

 

Die optische Aufmachung von "Tiefseeabenteuer" gefällt. Sie ist sehr individuell und punktet mit leuchtenden sowie ungewöhnlichen Farben, die hervorragend das Spielthema visualisieren. Gerade das minimalistische Artwork passt hier hervorragend zu diesem "Micro-Game" und zu den leichten Abläufen, da diese optisch widergespiegelt werden. Die Aufmachung ist im Gesamten sehr eigen und hat einen hohen Wiedererkennungswert, wobei das Gefühl eines "Micro-Games" sehr gut zum Ausdruck kommt.

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Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

 

Jedes Spiel besteht aus drei Runden und es gewinnt der Spieler, der am Ende die Schätze mit dem höchsten Wert gesammelt hat. Jeder Spieler führt in seinem Spielzug die folgenden Schritte aus:

 

1) Je nach Anzahl der eigenen Schätze, verringert man die Menge an Sauerstoff. Es zählen nur die Schätze aus der aktuellen Runde. Pro Schatz wird ein Sauerstoffpunkt im U-Boot abgezogen. Die Spieler, die bereits zum U-Boot zurückgekehrt sind, verbrauchen keinen Sauerstoff mehr.

 

2) Entscheiden ob man tiefer taucht oder zurückkehrt: Man muss allen mitteilen, in welche Richtung man schwimmt. Wenn man sich in einer Runde einmal dafür entscheidet umzukehren, kann man sich nicht mehr umentscheiden. Wer zurückkehrt, dreht seine Figur in Richtung U-Boot. Je tiefer man taucht, desto wertvollere Schätze kann man erhalten, aber man sollte zum U-Boot zurückkehren, bevor der gemeinsame Sauerstoff leer ist.

 

3) Würfeln und sich fortbewegen: Man würfelt mit beiden Würfeln gleichzeitig und setzt seine Figur anschließend so viele Schritte auf den Entdeckungschips vor oder zurück, wie die Summer der Würfelaugen ergibt. Chips, auf denen ein anderer Abenteurer steht, werden nicht mitgezählt und übersprungen. Wichtig: Wenn man in dieser Runde schon Entdeckungschips gesammelt hat, wird die Anzahl derer von der Summer der Würfelaugen abgezogen und die Schrittzahl verringert sich. Demnach wird es schwieriger voranzukommen oder zum U-Boot zurückzukehren, wenn man in der laufenden Runde immer mehr Schätze einsammelt. 

 

4) Erforschen: Wenn man seine Figur entsprechend der Würfelaugen bewegt hat, tut man entweder nichts oder man sammelt den Entdeckungschip ein. Wenn man diesen einsammelt, legt man an dessen Stelle einen leeren Chip (mit X markiert) und stellt seine Abenteuerfigur oben drauf. Man darf den Wert der Schätze nicht überprüfen, bis man wieder im U-Boot angekommen ist. Es ist gestattet, so viele Entdeckungschips einzusammeln wie man möchte, es sollte jedoch beachtet werden, dass je mehr Schätze man erhält, die Fortbewegungsmöglichkeiten erschwert werden. Als dritte Option kann man noch einen Entdeckungschip wieder hinlegen, den man in der laufenden Runde eingesammelt hat, wenn man mit seiner Figur auf einem leeren Chip  stehen bleibt. So kann man seine Fortbewegung wieder erleichtern und schneller zurück zum U-Boot gelangen, bevor der Sauerstoff leer ist.

 

Hat man alle Schritte durchgeführt, ist der nächste Spieler im Uhrzeigersinn an der Reihe. 

 

Eine Runde endet, wenn alle Abenteurer wieder im U-Boot angekommen sind oder wenn der gemeinsame Sauerstoff aufgebraucht wurde.  

Spieler, die es zurück ins U-Boot geschafft haben: Die Entdeckungschips des Spielers werden umgedreht und der Spieler darf diese nun besitzen. Auf den Plättchen sind Siegpunkte abgebildet.

Spieler, die es nicht ins U-Boot zurück geschafft haben: Alle Schätze, die man in dieser Runde gesammelt hat, fallen zurück auf den Meeresboden. Die verlorenen Schätze werden beginnend bei den Schätzen des Spielers, der am weitesten vom U-Boot entfernt ist, hinter das Ende der Schatzlinie gelegt. 

 

Am Schluss der dritten Runde gewinnt der Spieler, der zusammengerechnet die wertvollsten Schätze gesammelt hat. Die aufgedruckten Werte werden einfach addiert.

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Die Mechanismen funktionieren, sind einfach und passen hervorragend zu dieser Art des "Micro-Spiels". Gerade durch die immer wiederkehrenden Entscheidungsphasen zwischen "tiefer tauchen" und "zum "U-Boot zurückkehren" stehen die Spieler dauernd vor wichtigen Entscheidungen. Denn es gilt im rechten Zeitpunkt im U-Boot einzutreffen, bevor der Sauerstoff alle ist, aber gleichsam wertvolle Schätze gesammelt zu haben. Die Komponente des gemeinsamen Sauerstoffs ist in gewisser Weise ein kooperatives Element, das die Spieler hervorragend miteinander verbindet. Dementgegen muss jeder Spieler im gleichen Moment für sich die besten Schätze einsammeln, was wiederum kompetitiv ist. Gerade die Reduzierung der Würfelaugen durch bereits gesammelte Schätze kann weitere Entscheidungsmomente hervorrufen, die das Abwerfen von Schätzen zum Gegenstand haben, um den Bewegungsradius zu erhöhen und dadurch noch rechtzeitig zum U-Boot zu gelangen. Ebenso ist es möglich, auf dem Rückweg Schätze einzusammeln und dadurch Mitspieler, die relativ tief getaucht sind, zu bedrängen, da nun mehr gemeinsamer Sauerstoff verbraucht wird. Das Glückselement ist durch die Würfelaugen und den verdeckten Schätzen gegeben. Es passt jedoch hervorragend zum Spiel und lässt die Spannung über den gesamten Spielverlauf aufleben. Nichtsdestotrotz sind eigene Handlungen und Risikoabwägungen wie auch Entscheidungen vonnöten, sodass man dem Glück nicht vollständig ausgeliefert und auch noch über ausreichend Handlungsspielraum verfügt. Die Mechanismen funktionieren in diesem Spiel hervorragend!

                                                 6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Mit "Tiefseeabenteuer" kommt ein kleines, feines Spiel auf den Tisch, das aber ein großes wie auch frisches Spielgeschehen erzeugt. Die komplette Aufmachung wirkt individuell und ebenso die Abläufe sind kreativ sowie einfallsreich. Das Spiel verläuft semi-kooperativ ab, da man für sich selbst die besten Schätze ergattern will, aber gleichsam immer wieder der Fokus gen gemeinsamer Sauerstoffanzeige zu richten ist. Mit "Tiefseeabenteuer" werden gekonnt Abläufe minimalistisch in ein "Micro-Game" implementiert und gerade diese Art von Spielen, die mit wenig Materialien auskommen, werden mit "Tiefseeabenteuer" und den damit verbundenem kreativen Spielelementen, bereichert. Top!

                                                   5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Tiefseeabenteuer" kommt zwar nicht mit unzähligen Materialien um die Ecke, hat allen Testspielern dennoch wirklich gut gefallen. Die Spannung wird das ganze Spiel durch wesentliche Entscheidungen, den kooperativen Elementen und dem Glücksanteil aufrecht erhalten. Zudem ist ein hoher Wiederspielreiz durch die Leichtigkeit des Spiels und den emotionalen Momenten gegeben. Auch Kinder und Vielspieler konnten sich an "Tiefseeabenteuer" erfreuen. Gerade Vielspieler waren überrascht, dass man mit so wenig Materialien ein spannendes Spiel entwickeln kann. Wer jetzt überhaupt keine Glückselemente mag, der sollte sich "Tiefseeabenteuer" dann natürlich nicht kaufen oder geschweige denn spielen. 

                                                 5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Tiefeeabenteuer" liegt bei 17,99 Euro. Es sind nicht viele Materialien vorhanden, die dennoch qualitativ hochwertig sind. Die Mechanismen funktionieren einwandfrei und das Spiel ist glasklar als innovativ zu bezeichnen. "Tiefseeabenteuer" hat allen beteiligten Spielern gefallen und konnte sich durch einen hohen Wiederspielreiz behaupten. In Anbetracht des Preises und der Tatsache, dass es sich hier um ein "Micro-Game" (wenig Spielmaterialien) handelt, ist folgende Bewertung angebracht.

                                                 4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Tiefseeabentuer", wenn du...

 

- ein lockeres, kompaktes Spiel suchst, das Potential hat, spannungsvolle Momente zu erzeugen.

 

- mit und gleichzeitig gegen deine Mitspieler spielen willst.

 

- durch die kurze Spieldauer und den geweckten Emotionen einen hohen Wiederspielreiz haben willst.

 

 

Lass die Finger von "Tiefseeabenteuer" und kaufe dir lieber ein Aquarium, wenn du...

 

- ein komplexes Spiel suchst, das kaum Glücksmomente hat.

 

- überhaupt nichts mit der Thematik "Taucher und Schätze" anfangen kannst.

 

* Danke an alle Testspieler

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet