Review: "Tides of Time" von Kristian Curla

Fakten

Autor: Christian Curla

Spieleranzahl: 2 

Verlag: Pegasus Spiele

Spieldauer: 15 bis 20 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 9,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Gleichzeitig und von Beginn an miteinander in Konkurrenz legen zwei Zivilisationen ihre Grundsteine. Planvoll werden Gärten und Paläste, Festungen und Tempel unter den wachsamen Augen des Rivalen errichtet. Zwar vergehen die Bauwerke schon bald im Strom der Zeit, doch mit den wertvollen Relikten der Vergangenheit gelangen sie ebenso schnell zu neuer Blüte – wird sie letztlich jene des Gegners überstrahlen? In Tides of Time errichten die Duellanten parallel Königreiche und müssen ihre Kartenhand nach jedem Zug mit dem Gegner tauschen – dessen Reich sollte man also immer im Blick haben.

Tides of Time stellt zwei Spieler mit nur 18 Karten und der fesselnden Drafting-Mechanik vor reizvolle Entscheidungen in jedem Zug. Dank der für ein Kennerspiel außergewöhnlich kurzen Spielzeit ein idealer Pausenfüller und Reisetitel für anspruchsvolle Spieler.

Quelle: Pegasus Spiele


Hintergrundinformationen

 

Kristian Curla hat mit seinem Erstlingswerk "Tides of Time" als Autor den Einstieg in die Brettspielszene begonnen. Ursprünglich ist das Kartenspiel über den polnischen Verlag Portal Games herausgekommen, wobei viele Spiele dieses Verlages auch international vertrieben werden und eine hohe Anerkennung genießen. Bekannte Veröffentlichungen, wie u.a. "Robinson Crusoe", "Imperial Settlers", "Das Vermächtnis - Stammbaum der Macht" haben weltweit für Furore gesorgt. Mal schauen, ob "Tides of Time" an diesen Erfolg anknüpfen kann.


Spielmaterialien

 

"Tides of Time" besteht "nur" aus 18 Karten und vier Holzspielsteinen. Nichtsdestotrotz muss man sagen, dass die Qualität aller Materialien von extrem guter Qualität ist und es nichts zu beanstanden gibt. Ebenso lässt sich alles ordentlich in der Schachtel verstauen. Ein qualitativ hochwertiges Produkt!

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Illustrationen

 

Die Illustrationen sind phänomenal und werten das Kartenspiel extrem auf. Es zu erkennen, dass die 18 Illustrationen mit sehr viel Leidenschaft erstellt wurden und diese regelrecht eine Fantasywelt zum Leben erwecken. Auch wenn das Spiel letztlich sehr mechanisch bleibt, schafft die optische Aufmachung es dennoch, "Tides of Time" in dem vorgegeben Rahmen so atmosphärisch wie möglich zu gestalten.

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Spielmechanik

 

Das vorliegende Kartenspiel ist vom Ablauf her im Grunde ganz simpel. "Tides of Time" verläuft über drei Runden, in denen beide Spieler gleichzeitig eine ihrer fünf Handkarten wählen, die restlichen Karten (Handkarten) miteinander tauschen und die ausgewählte Karte ausspielen, um ihre Königreiche zu vergrößern. Am Ende jeder Runde wird immer eine Wertung durchgeführt, die auf den Effekten bzw. Siegpunkten der unterschiedlichen Karten beruhen. Weiterhin ist es möglich, jeweils eine Karte des eigenen Königreiches für die zweite und dritte Runde zu reservieren (Holzmarker wird draufgelegt), wobei vom Nachziehstapel im Laufe der Partie neue Karten ins Spiel kommen. Die einzelnen Karten geben in vielen Fällen Siegpunkte und weisen unterschiedliche Symbole auf. Durch das Auslegen von Karten und Effekten, wie z.B. Mehrheiten in bestimmten Symbolen oder Sets aus Symbolen etc. ist es möglich, Siegpunkte zu generieren.

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Die Effekte der einzelnen Karten sind hervorragend miteinander verknüpft und so können sich unterschiedlichste Karten ergänzen wie auch aufeinander auswirken, wodurch eine reibungslose Mechanik in Gang gesetzt wird. Was auf den ersten Blick sehr einfach aussieht "Ich wähle bzw. spiele eine Handkarte in die eigene Auslage, tausche mit meinem Gegner die Handkarten und wähle wieder eine Karte aus..." entpuppt sich als tiefgründiger als gedacht, da stets beide Handkarten (eigene und die des Gegners) intensiv zu beobachten bzw. zu merken sind. Ferner sind die kombinatorischen Effekte der Karten in die Planung miteinzubeziehen und kontinuierlich besteht die Gefahr, dass der Gegner eine gewollte Handkarte wegschnappt und somit stetig ein "Plan B" vorbereitet sowie in Erwägung gezogen werden sollte. Mit Runde Zwei und Drei kommen dann wieder mehr Karten ins Spiel, sodass eine Neujustierung der Strategie gefordert wird. Positiv zu erwähnen ist, dass sowohl am Ende der ersten als auch der zweiten Runde jeweils eine Karte gesichert werden kann (Holzmarker wird draufgelegt), die dann für den Rest des Spiels in der eigenen Auslage liegt und strategisch genutzt werden kann. Einzig und allein die Tatsache, dass auch nach vielen Testpartien das Gefühl aufkam, dass zwei Karten zu stark waren, könnte ein Indiz für eine nicht ganz ausgewogene Spielmechanik sein. Trotz alledem funktioniert der Spielablauf und die Mechanismen bzw. die Effekte greifen gut ineinander.

                                             4,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Der Spielablauf der Weitergabe und des Tauschens von Handkarten lehnt stark an das Spiel "7 Wonders" an. Dennoch entfaltet sich ein neuartiges Spielgefühl, das auf der starken Begrenzung der Karten (18), der Begrenzung der Spieler (2) und den wechselseitigen Wirkungen der Karten basiert. Der grundlegende Ablauf ist zwar kein innovativer Meilenstein, wirkt jedoch in der Einbettung in dieses Spielsystem frisch und neu.  

                                             4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Es ist ziemlich erstaunlich, wie sich ein Spiel auf der Basis von nur 18 Karten entfalten kann. "Tides of Time" bietet zwar einen relativ leichten Einstieg, doch nach kurzer Zeit begegnet man einer Komplexität, die die Spieler echt ins Grübeln bringen kann. Es spricht aber auch Nichts dagegen, das Spiel locker und intuitiv zu spielen, wenn man mal keine 100 % Konzentration aufbringen möchte (natürlich ist dann die Wahrscheinlichkeit schon höher, dass man auf diese Weise verlieren wird). Des Weiteren bietet "Tides of Time" die Möglichkeit, unterschiedliche taktische Optionen in Erwägung zu ziehen und lädt aufgrund der kurzen Spieldauer auch zu mehreren Partien an einem Spieleabend ein. Es macht ebenso Spaß, die wunderschönen Illustrationen zu betrachten, die stimmig auf das Thema angefertigt wurden. Der Wiederspielreiz ist für nur 18 Karten erstaunlich hoch, flaut aber nach einigen Partien ab, da irgendwann der Wunsch nach mehr Karten und somit mehr taktischen Variationen aufkommt. Ebenso das Gefühl, dass einige Karten stärker als andere scheinen, trübt etwas den Spielspaß. Trotz allem bietet dieses kleine, feine Zwei-Spieler-Spiel mit nur 18 Karten einen extrem hohen Spielspaß für so wenig Spielmaterial. Toll!

                                                4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Tides of Time" liegt bei 9,95 Euro. Das Spiel bietet wenige, aber dennoch sehr hochwertige Spielmaterialien, eine ansprechende Optik und eine in den meisten Bereichen funktionierende Spielmechanik. Das Kartenspiel ist zwar kein innovativer Meilenstein, setzt dennoch frische Akzente. Der Spielspaß für dieses kleine 2-Spieler-Spiel ist gegeben und wenn man bedenkt, dass es sich hier nur um 18 Karten handelt, dann ist es doch erstaunlich, inwiefern sich dieses Kartenspiel zu entfaltet weiß und eine Komplexität hervorbringt. Es ist eine sehr gute Leistung, mit sehr wenig Spielmaterialien eine Spieltiefe und einen Wiederspielreiz zu erzeugen, wie es in dem vorliegenden Produkt der Fall ist.

                                               5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- z.B. in den Urlaub fährst und nicht viel Platz im Koffer hast, aber dennoch ein tiefgängiges Spiel suchst.

 

- ein Kartenspiel mit einer schönen optischen Aufmachung spielen willst.

 

- denkst, dass ein Spiel mit "nur" 18 Karten niemals gut sein kann. Überzeug' dich selbst! :)

 

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- gerne ausschließlich nur intuitiv spielst und für dich ein Kartenspiel in deiner Freizeit nur zum relaxen und abschalten existieren sollte. Denn dann kannst du leider das volle Potential von "Tides of Time" nicht ausschöpfen.

 

- ein sehr thematisches Spiel suchst. "Tides of Time" besticht zwar durch eine schöne Optik, die Mechanismen stehen dennoch ganz klar im Vordergrund.

 

 

*Danke an alle Testspieler