Review: "The Game" von Steffen Benndorf

Fakten

Autor: Steffen Benndorf

Spieleranzahl: 1-5

Verlag: Nürnberger Spielkarten Verlag

Spieldauer: 20 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 8,40 Euro


Spielbeschreibung

 

The Game - Spiel so lange du kannst

 

Das Spiel ist der Gegner und als Team kann man es besiegen, aber auch wenn die Regeln super einfach sind - leicht wird es nicht. Absprechen und gemeinsam agieren, nur so ist es zu schaffen, alle Karten auf den Stapeln abzulegen.

Quelle: Nürnberger Spielkarten Verlag


Hintergrundinformationen

 

"The Game" wurde von dem Spieleautor Steffen Benndorf entwickelt, der auch für das bekannte Spiel "Qwixx" verantwortlich ist. "Qwixx" wurde im Jahre 2013 zum Spiel des Jahres nominiert. Sein aktuelles Spiel "The Game" weist eine Nominierung zum Spiel des Jahres 2015 auf. Inwieweit dieses Spiel in den Testrunden den Spielern gefallen hat, wird im Laufe der Rezension deutlich.


Spielmaterialien

 

Das Spiel besteht insgesamt aus 102 Karten, die allesamt von hervorragender Qualität sind. Diesbezüglich ist kein Kritikpunkt zu äußern. Ebenso ist das Schachtelformat angemessen und die zwei Aufbewahrungsbereiche ermöglichen ein geordnetes Verstauen der Karten. Sehr lobenswert!

                                            6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Gestaltung und insbesondere die Farbauswahl (Schwarz/Braun) lehnt an das düstere Motto des Spiels: "Spiel... so lange du kannst!" an und untermalt diesen bedrückenden Slogan. Ergo geht die farbliche Gestaltung sowie die Symbolauswahl (Totenkopf) in die richtige Richtung. Allerdings wurde von unterschiedlichen Testpersonen bemängelt, dass keine Variationen hinsichtlich der Symbole zu erkennen sind. 98 Zahlenkarten wurden exakt mit dem gleichen Symbol bedruckt, was wirklich schade ist, da unterschiedliche bzw. aussagekräftige Symbole mehr Variationen in das Spielgeschehen gebracht hätte und auch für das Auge was dabei wäre. Somit wirkt das Spiel eher lieblos gestaltet und in seiner optischen Vielfältigkeit arg begrenzt. Schade !:(

                                            2 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Der Spielablauf dieses kooperativen Spiels ist relativ simpel.

 

Es werden vier Reihenkarten ausgelegt ( 1, 1 und 100, 100). Weiterhin gibt es noch einen Stapel mit 98 Zahlenkarten. Bei drei, vier und fünf Personen bekommt jeder Spieler sechs Karten, bei zwei Spielern erhält jeder Spieler sieben Karten. 

Sobald alle Spieler ihre Karten angesehen haben, beginnt der Startspieler. Dieser muss mindestens zwei Karten an beliebige der ausliegenden Reihenkarten  anlegen. Bei den absteigenden Kartenreihen (100 und 100) müssen die abgelegten Zahlenwerte immer kleiner werden, wobei dies bei den aufsteigenden Kartenreihen (1 und 1) der umgekehrte Fall ist. Nachdem der Spieler mit seinem Zug fertig ist, zieht dieser so viele Karten nach, wie er gelegt hat. Beim Legen (aufsteigend/absteigend) gibt es eine einzige Ausnahme, und zwar den Rückwärts-Trick. Auf einen aufsteigenden Stapel darf der Spieler, der am Zug ist, eine Karte legen, die genau um den Wert 10 kleiner ist. Auf einen absteigenden Stapel darf eine Karte gelegt werden, die genau um den Wert 10 größer ist. Der Rückwärtstrick darf auch mehrfach hintereinander angewandt werden. Bei dem Spiel ist die Kommunikation sehr wichtig, wobei die Spieler niemals nach konkreten Zahlenwerten fragen oder ihre eigenen Zahlenwerte verraten dürfen. 

Wenn der Zugstapel aufgebraucht ist, wird weitergespielt, ohne dass noch Karten nachgezogen werden. Von nun an ist es jedem Spieler gestattet nur noch eine einzige Karte (oder beliebig mehr) abzulegen. Sollte ein Spieler all seine Karten abgelegt haben, so Spielen die anderen Spieler weiter. Das Spiel endet sofort, wenn ein Spieler, der gerade am Zug ist, nicht mehr die geforderte Mindestanzahl an Karten auslegen kann (zwei Karten bei vorhandenem Zugstapel/ eine Karte bei nicht vorhandenem Zugstapel). Die restlichen Handkarten aller Spieler werden gezählt, wobei Ergebnisse unter zehn Karten super sind. Dennoch wurde das Spiel nicht besiegt, da dies nur der Fall ist, wenn alle Spieler ihre Handkarten abgelegt haben, sprich alle 98 Zahlenkarten auf die jeweiligen Stapel abgelegt wurden. 

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Sehr komplex ist die Spielmechanik nicht, sodass auch keine tiefgründige Analyse erfolgen kann. Grundsätzlich ist dies ein Kartenspiel, welches auf Kommunikation basiert. Die Spieler müssen die vier liegenden Kartenreihen effektiv mit ihren eigenen Karten belegen. Auch wenn der Rückwärts-Trick effektiv ist und die ausliegenden Reihen positiv beeinflusst, muss man zur Kenntnis nehmen, dass dieser Vorgang auf einem reinen Glückselement basiert. Denn wenn man keine passende Karte hat, um diesen Trick durchzuführen, dann hat man halt Pech gehabt. Ein weiteres Problem dieser Mechanik ist, dass das Glückselement über dem Kommunikationspotential der Gruppe liegt. "The Game" ist ein kommunikatives Spiel und die Kommunikation sollte auch den höchsten Stellenwert haben. Folglich sollte man bei einer gut funktionierenden Kommunikation auch die Lorbeeren ernten. Leider ist dies nicht der Fall, denn auch wenn die Gruppe perfekt interagiert, so kann das enorme Kartenpech einem im Wege stehen. Besser wäre eine Mechanik, die die Kommunikation über das Kartenglück stellt, so dass eine gute Teamleistung am Ende des Tages auch belohnt wird. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das Spiel mit zwei Spielern nicht optimal angepasst wurde. Bei zwei Spielern erhält jeder Spieler im Gegensatz zu Partien mit drei, vier oder fünf Spielern lediglich eine Karte mehr. Es ist ganz klar, dass man mit vier Personen eine größere Auswahl an Karten hat (24 Karten/4 x 6), die man in einem kommunikativen Prozess effektiv legen kann. Bei nur zwei Spielern erhält jeder Spieler nur sieben Karten, also sind 14 Karten im Lauf. Es wäre ergebnisorientiert gewesen, wenn zwei Spieler mehr Karten zur Verfügung stehen würden, um einen annähernden Ausgangspunkt wie mit vier Spielern zu erzielen. Ergo bleibt bei zwei Spielern die Auswahlmöglichkeit enorm beschränkter als mit mehr Spielern. 

                             2,5 Spiegel von 6 Spiegeln (bei 3,4,5 Spielern)

                             2 Spiegel von 6 Spiegeln (bei 2 Spielern)


Innovationen

 

Das grundlegende Ablegen von Karten (aufsteigend/absteigend) ist jetzt wahrlich nicht als Innovation anzusehen. Jedoch ist dieser Grundmechanismus mit einem kooperativen Aspekt angereichert worden. Auch der Rückwärts-Trick ist eine variable Ergänzung des Ablaufes. Nichtsdestotrotz wurden im Kontext der Innovation keine sehr großen Meilensteine gesetzt.

                                          2,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Grundsätzlich ist hervorzuheben, dass "The Game" mit drei, vier und fünf Personen aufgrund der Interaktionskomponente sowie der Vielzahl an Handkarten, die im Umlauf sind, mehr Spaß macht, als mit zwei Personen. Gerade, wenn man Spiel nicht besiegen konnte, möchte man gerne sofort einen neuen Versuch starten. Frustrierend ist hingegen, dass auch bei bester Kommunikation nicht das gewünschte Ergebnis erreicht werden kann, wenn das Glück einem nicht hold ist. "The Game" hat dennoch anfänglich einen hohen Wiederspielreiz ausgelöst, der jedoch mit einigen Partien abnahm, da kaum Variabilität geschaffen wird.

                                3 von 6 Spiegeln (bei 3,4,5 Spielern)

                                2,5 von 6 Spiegeln (bei 2 Spielern)


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "The Game" liegt bei 8,40 Euro. Die Spielmaterialien sind von hervorragender Qualität, wobei im Gegenzug die Illustrationen enttäuscht hat. Auch die Mechanismen weisen Defizite auf, indem der Kooperationsaspekt durch das Glückselement übertrumpft wird. Grundlegende innovative Mechanismen sucht man vergebens, aber kleinere einfallsreiche Ergänzungen sind dennoch vorhanden. "The Game" mach in seinen Anfagspartien viel Spaß, jedoch ist ein prägnanter Wiederspielreiz aufgrund der mangelnden Variabilität nicht gegeben. Setzt man diese Begebenheiten in Relation zu dem Preis, ist folgende Bewertung angebracht.

 

                                            2,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- kurzweilige, kooperative Spiele magst.

 

- nicht enttäuscht bist, wenn ihr als Team euer Bestes gebt, jedoch das Glück nicht auf eurer Seite steht und ihr das Spiel verliert.

 

- keinen illustrativen Schnick-Schnack magst.

 

 

Schau dir lieber einen Horrorfilm an und kauf dir das Spiel nicht, wenn du...

 

- ein variables Spiel mit einem enorm hohen Wiederspielreiz suchst.

 

- die Meinung vertrittst, dass jegliche Kommunikation in einem Kartenspiel überflüssig ist, da die Karten "für sich selbst sprechen".

 

- die Ansicht äußerst, dass Kartenspiele mit wenig illustrativer Variabilität kaum eine thematische Atmosphäre erzeugen können.

 

 

*Danke an alle Teststpieler!

* Abrundung aufgrund der Kategorie Spielspaß