Review: Splendor von Marc Andre

Fakten

Autor: Marc Andre

Spieleranzahl: 2- 4 Spieler

Verlag: Space Cowboys

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 29,99Euro


Spielbeschreibung

 

Reichtum haben die wohlhabenden Edelsteinhändler der Renaissance genug. Doch sie wollen mehr, sie wollen etwas Besonderes, sie streben nach Prestige und die Gunst des Adels. Also setzten sie geschickt Gold ein, um Minen zu kaufen, Transporte zu organisieren und Handwerker anzuwerben, um so aus den groben Edelsteinen geschliffene Juwelen zu gewinnen. Denn nur wer die schönsten und wertvollsten Schätze präsentieren kann, erhält vielleicht adeligen Besuch. In dem flotten Kartenspiel Splendor sammeln die Spieler durch Entwicklungskarten Boni und Prestige, um so an die Spitze der Gesellschaft zu kommen. Nur wer am Ende das höchste Ansehen genießt, kann gewinnen.

 

Quelle: Amazon


Hintergrundinformationen

 

Splendor, das Spiel von Marc André, erschien im Jahr 2014 und wurde zum Spiel des Jahres in Deutschland nominiert. Weiterhin hat es bei boardgamegeek.com auch einige Preise ergattert wie z.B. "Golden Geek Best Family Board Game (2014)", "Golden Geek Board Game of the Year (2014)". Diese Auszeichnungen sind Grund genug dafür, sich dieses Brettspiel bzw. Kartenspiel einmal näher anzuschauen, zumal der Autor Marc André bis dato kaum bekannt war und ich vor diesem Spiel von dem Verlag "Space Cowboys" auch nie etwas gehört hatte.


Spielmaterialien

 

Im Grunde bietet dieses Spiel im Bezug auf die Spielmaterialien genau drei Komponenten: Die Karten, die Poker... nein ich mein natürlich die Edelstein- bzw. Goldchips und die Adeligen-Kärtchen.

Fangen wir mal mit der Beurteilung der Karten an. Diese sind von guter, aber nicht von sehr guter Qualität, da sie etwas vom Material her dünn erscheinen und am besten mit Kartenhüllen geschützt werden sollten. Und jetzt kommt der Haken: Splendor kommt mit einem vorgefertigten Inlay daher, was einerseits gut ist, da alle Komponenten nach dem Spielen wieder zurück an einen festen Platz sortiert werden können, aber andererseits die Karten in den Hüllen nicht mehr in den für sie bestimmten Platz reinpassen. So ein Inlay hat demnach positive Eigenschaften wie z.B. die Ordnung in der Spielschachtel, bietet dennoch keinen Freiraum für Ergänzungen wie z.B. Kartenhüllen.

Die 40 Chips sind von sehr guter Qualität, was die Erwartungen weit übertroffen hat. Sie sind recht schwer und liegen somit sehr gut in der Hand. Einfach nur perfekt! Auch die Adeligen-Kärtchen zeugen von enorm guter Qualität. Sie wirken sehr stabil, was ebenfalls für einen qualitativen Produktionsvorgang spricht.

Alles in allem sehr gute Materialien!

                                 5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen von Pascal Quidault sind wirklich sehr gut gelungen. Oft wurde berichtet, dass die Darstellungen zu dunkel gestaltet und nicht ästhetisch seien, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Für mich gehört dieses Spiel zu den am besten illustrierten Spielen!

Dennoch muss man anmerken, dass diese im Spielgeschehen leider nicht sehr stark zum Vorschein kommen. Es scheint sogar, dass sie  nebensächlich sind und man eher auf den Bereich der Kosten bzw. Prestigepunkte als auf die eigentliche bildliche Darstellung achtet. Erst nach mehreren Partien ist mir richtig aufgefallen, wie schön die Materialien illustriert wurden. Dennoch wiederholen sich auch einige Illustrationen, was in diesem Spiel hätte vermieden werden können.

Die Frage ist doch,  inwiefern die Illustrationen zu dem Spielgefühl beitragen? Will "Splendor" ein thematisches oder eher abstraktes Spiel sein? "Splendor" versucht in irgendeiner Weise thematisch zu sein, bleibt jedoch in einer sehr abstrakten Ebene hängen. Die Illustrationen tragen demnach weder zum Spielgefühl noch extrem zum Spielablauf bei. Die Materialien sind zwar sehr schön anzusehen, können aber auch überhaupt nicht thematisch eingebettet werden und rücken so sehr stark in den Hintergrund. Man merkt, mit wie viel Leidenschaft die Karten und Plättchen gestaltet wurden, was beweist, dass auf eine thematische Dichte gesetzt wurde. Leider können die Illustrationen dieses Ziel nicht erfüllen, da auch die Thematik in diesem Spiel sehr schwach ist.

                                     4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Die Spielmechanik lässt sich ganz easy erklären:

Es gibt drei Kartenstapel, wobei jeweils vier Entwicklungskarten dieser Stapel ausliegen.

Du hast drei Aktionsmöglichkeiten:

1) Du nimmst dir drei verschiedene Chips.

2) Du nimmst dir zwei gleichfarbige Chips (wenn mindestens noch vier Chips von dieser Farbe ausliegen).

3) Eine Karte reservieren (auf die Hand nehmen) und dann einen gelben Chip (Joker!) erhalten.

4) Eine Entwicklungskarte kaufen (entweder eine von deinen reservierten oder von den ausliegenden Karten vor dir auslegen. Dann wird eine neue Karte des jeweiligen Stapels aufgedeckt, falls du von der Auslage gekauft hast.

 

Stapel 1: geringe Kosten (wenig Punkte), Stapel 2: mittlere Kosten (nicht wenig und auch nicht sehr viel Punkte) Stapel 3: Mensch sind die Karten teuer! Egal, ich kriege auch viele Punkte dafür!

 

Du darfst nicht mehr als über zehn Chips verfügen.

 

Auf den Karten stehen oben links die Prestigepunkte, die du erhältst und unten links die Kosten, die du zum Kauf dieser Karten aufbringen musst. Auf diesen Karten sind noch Symbole abgebildet wie z.B. Rubin, Saphir etc. Das heißt, dass du für deinen nächsten Kauf dann schon einmal einen Rubin weniger bezahlen müsstest, da du ja bereits einen mittels einer Karte vor dir ausliegen hast. Am Anfang bezahlst du somit aus einem Mix aus Chips und deinen gekauften Karten.

Dann gibt es noch die Adeligen-Karten: Wenn du am Ende deines Zuges z.B. drei weiße, drei blaue und drei grüne Karten (Kombination je nach Adeligem) erworben hast, erhältst du die Prestigepunkte, die auf der Karte drauf sind. Du legst somit dieses Plättchen vor dir aus.

Der Spieler, der als erster 15 Prestigepunkten erreicht hat, gewinnt. Es wird noch die letzte Runde zu Ende gespielt und schlussendlich der Gewinner ermittelt. Bei Gleichstand gewinnt derjenige, der weniger Entwicklungskarten gekauft hat.

 

Die Spielmechanik ist nicht sehr tiefgründig, was aber auch nicht der Anspruch von diesem Familienspiel ist. Man kauft Karten, um danach wieder Karten zu kaufen und bezahlt zum größten Teil aus einem Mix aus seinen Chips und seinen ausliegenden Karten.

Die strategischen Möglichkeiten sind begrenzt. Dennoch ist das Spiel auch nicht so seicht, wie man erst vermutet. Der Spieler muss sich einen Überblick über alle ausliegenden Karten verschaffen, entscheiden, ob er sich zwei gleichfarbige oder drei verschiedene Chips nimmt oder sich letztendlich doch lieber eine Karte reserviert. Durch die immer wieder neu aufgedeckten Karten wird Splendor eher zu einem taktischen Spiel und der Spieler muss sein Spielverhalten immer wieder umstellen und an die Kartenauslage anpassen.

Grundsätzlich sollte man von allen Farben Entwicklungskarten kaufen, um ein gewisses Maß an strategischer Flexibilität an den Tag zu legen und um Chance zu erhöhen, die Adeligen-Karten, auf die auch immer ein Auge zu werfen ist, zu erhalten.

Die Spielmechanik von "Splendor" wirkt rund und funktioniert einwandfrei. Oft wird ein Mix und gleichsam eine Balance zwischen der Bezahlung mittels der Karten und der Chips gefordert, was jedem ein gewisses Ressourcenmanagement abverlangt. Die Möglichkeiten wie z.B. zwei gleiche bzw. drei verschiedene Chips zu nehmen, wirken ausgewogen und auch die Möglichkeit einen Jokerchips zu erhalten, wenn man eine Karte reserviert, scheint keine schlechter Alternative zu den beiden anderen Optionen zu sein. Die Mechanismen dieses Spiels, seien sie auch leichter gestrickt, funktionieren in diesem Rahmen (eines Famlienspiels) einwandfrei! Die Glückskomponente, die mit den neu aufgedeckten Karten nach jedem Kauf ins Spiel kommt, wirkt passend (und das sagt jemand, der eigentlich keine Glückskomponente im Spiel mag ;)).

                                    6 von 6 Spiegeln


Innovation

 

Grundsätzlich ist "Splendor" nicht so innovativ, da man „Karten kauft, um wieder Karten zu kaufen“.

Die innovativen Elemente, die wirklich herausstechen, sind:

1) Die Chips: Diese werten das Spiel ungemein auf und tragen meist, wenn man von diesem Spiel redet, zur Kaufentscheidung bei. Die Idee, dass man Pokerchips in ein Brettspiel integriert, ist wirklich neuartig und unfassbar gut. Denn dieses Element ist mal etwas anderes als immer nur Figuren oder Plättchen aus Pappe zu nehmen und abzugeben. Die einzigartige haptische Wahrnehmung, die durch die Chips erzeugt wird, ruft ein vollkommen neues und frisches Spielgefühl hervor. Großartig!

Die Illustrationen, die doch etwas "ernster" bzw. realistischer wirken, passen sehr gut zu den "Pokerchips", die ebenfalls auch einen ernsteren und erwachsenen "Touch" in das Spiel hineinbringen.

2) Zweidimensionales Ressourcenmanagement: Man verfügt im Grunde über zwei Ressourcenpools (Chips und gekaufte Karten), die die gleichen Elemente umfassen können und man bedient sich zum Kauf einer Karte aus beiden Pools und setzt diese somit wieder in Verbindung zueinander, was auch wirklich neuartig ist. Normalerweise ist das in fast allen Spielen so, dass man als Spieler einen Vorrat zugesprochen bekommt und dann so viele unterschiedliche Ressourcen wie möglich anhäuft. Demnach ist dieses zweidimensionale Ressourcenmanagemnt sehr innovativ und neuartig.

                                      5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Kurz erklärt und schnell gespielt (ca. 30- 40 Min): Das ist "Splendor". Dieses Spiel macht sehr viel Spaß und ist sowohl für Gelegenheitsspieler als auch für Vielspieler empfehlenswert. Das Spieltempo ist relativ schnell und man befindet sich in einem Rennen mit seinen Mitspielern um die ersten 15 Prestigepunkte. Für Vielspieler ist das Spiel als "Aufwärmer" oder "Absacker für den Spieleabend auch ideal und "Splendor" bietet auch schon einen gewissen Wiederspielreiz.

Auch wenn das Spiel schon etwas glücksabhängig ist, nicht unzählige strategische Möglichkeiten aufweist (das hört bestimmt kein Vielspieler gerne ;)), muss ich schon sagen, dass mir das Spiel wirklich Spaß gemacht hat, was zum größten Teil, und da muss man ehrlich sein, auch an den richtig guten Chips liegt. Anscheinend liegt es an der menschlichen Evolution, dass es ein Instinkt ist, gerne mit "Pokerchips" zu hantieren :).

"Splendor" versucht ein schnelles, taktisches Spiel zu sein, was keinen sehr hohen Anspruch hat, was einwandfrei gelingt. Dies heißt nicht, dass überhaupt kein Anspruch vorhanden ist. Viele Aspekte sollten im Auge behalten werden, um die Partie gewinnen zu können.

Das Spiel ist überhaupt nicht thematisch und eher abstrakt. Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen wirklich gelungen und es macht Freude seine Auslage Runde für Runde zu erweitern, bis zu dem Punkt, an dem man günstige Karten einfach mal so ohne Chips kaufen kann!

YES!

In allen Spielerbesetzungen funktioniert das Spiel ohne Defizite.

                                    5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Das Spiel ist unfassbar teuer! Die meisten Anbieter verkaufen "Splendor" für 29,99 Euro, was schon fast eine Frechheit für ein paar Karten und einigen "Pokerchips" ist. Nur bei Amazon (Prime) gibt es das Spiel für ca. 21 Euro, was meiner Meinung nach für die Qualität und Quantität der Spielmaterialien noch gerade so angemessen ist. Das mit den Chips ist eine tolle Sache und überhaupt nicht zu hinterfragen, aber rechtfertigt das diesen ungeheuren Preis? Eindeutig nicht! Denn die Chips sind im Grunde auch nicht sehr teuer in der Produktion.

Man kriegt bei "Splendor" schon einiges geboten, doch setzt man diese Leistung ins Verhältnis zu dem Verkaufspreis der meisten Händler, so schneidet dieses Spiel des Verlags "Space Cowboys" doch recht schlecht ab.  

                                2 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung


Kauf dir "Splendor", wenn du...


- ein einfaches Spiel spielen willst, was aber nicht zu seicht ist.


- gerne mit Pokerchips spielst.


- ein Spiel schnell erklären willst und es zum Wiederspielen einlädt.


- ein innovatives und schön illustriertes Spiel haben möchtest (Chips und zweidimensionales Ressourcenmanagement).

 


Lass die Finger von "Splendor", wenn du...


- für wenig Materialien auch wenig Geld ausgeben willst.


- sagst, dass Glück nur was für Familienspieler ist und du deine Züge erstmal 30 Minuten ausrechnest, bevor du eine Figur bewegst ;)


- sagst, dass Pokerchips was mit Glücksspiel zu tun haben und du mit solchen kriminellen Machenschaften 

nichts am Hut hast.


- keine kurzweilige und schnelle Spiele magst.