10.02.18

Review: "Riverboat" von Michael Kiesling

Fakten

Autor: Michael Kiesling

Spieleranzahl: 2-4

Verlag: Lookout Spiele

Spieldauer: 90 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 52,99 Euro


Spielbeschreibung

 

Im Norden der Vereinigten Staaten zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Es ist kein Leichtes, Landwirtschaft am oberen Mississippi zu betreiben, doch es ist eine Zeit der Innovation und Expansion. Die technologischen Fortschritte im Bereich der Flussboote eröffnen euch gänzlich neue Möglichkeiten! Ihr verschifft eure vielfältigen Feldfrüchte entlang des Mississippis immer weiter in den Süden, wo es wertvolle Aufträge gibt. In New Orleans beauftragt ihr Kommissionäre damit, eure Waren zu veräußern und euch in geschäftlichen Angelegenheiten mit Rat und Tat an der Seite zu stehen. Eure Arbeitskräfte geschickt einzusetzen, die Gunst des Hafenmeisters zu erlangen, günstige Gelegenheiten sofort beim Schopfe zu ergreifen und eure Mitspieler stets im Auge zu behalten – das sind die Schlüssel zum Erfolg, um euer eigenes Imperium am mächtigen Mississippi zu errichten!

(Quelle: Lookout Spiele)


Hintergrundinformationen

 

Im Vorfeld zur Erscheinung von "Riverboat" wurde ein Interview mit dem Entwickler Michael Kiesling geführt, das ihr hier lesen könnt. Er berichtet ausführlich über seine Tätigkeit als Spieleautor.


Spielmaterialien

 

"Riverboat" beinhaltet eine Menge Spielmaterialien für bis zu 4 Spieler, wobei die vielzähligen Plättchen sowie Figuren sehr wertig sind und hohe Qualitätsstandards erfüllen. Dementgegen ist negativ aufgefallen, dass sich die Tableaus etwas verbogen haben und sich mitsamt der darauf liegenden Plättchen sehr leicht verschieben konnten. Auch die Karten wirkten für den Geschmack der Tester etwas zu dünn. Zudem wäre es bei solch einer Menge von Materialien angemessen gewesen, dass man ein Sortierungs-Inlay in die Schachtel implementiert hätte, um den umfangreichen Auf- und Abbau wesentlich zu verkürzen. Zudem verrutschten kleinere Marker und Plättchen sowohl auf dem eigenen Tableau als auch auf der Ablage des Spielfeldes, was in den Testpartien etwas ärgerlich war. 

                                                          4 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die optische Gestaltung von "Riverboat" ist ganz o.k. Die Illustrationen wirken sehr unauffällig und konnten die Testspieler nicht vom "Hocker reißen". Zudem war es nicht ganz einfach bei nicht optimalen Lichtverhältnissen die unterschiedlichen Braun- bzw. Grüntöne des eigenen Tableaus zu unterscheiden. Auch lassen die Illustrationen Details und liebevolle Variationen vermissen, die das Gesamtbild aufwerten würden. Am Besten wäre es so auszudrücken, dass es der graphischen Darstellung an Lebendigkeit und Dynamik fehlt. Daher erreicht die Darbietung aus der Sicht der Testspieler nur ein durchschnittliches Niveau.

                                                          3 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie ist die Mechanik zu bewerten?

 

Es ist eindeutig ersichtlich, dass "Riverboat" von Michael Kiesling sehr gut durchdacht wurde. Die 5 Phasen, aus denen sich die Spieler einige "herauspicken", bauen extrem gut aufeinander auf. Die Geldwährung erlaubt es zudem, dass man von gängigen Abläufen abweichen kann, wodurch der strategische Handlungsspielraum erweitert wird. In "Riverboat" platziert man je nach gezogener Gebietsfarbe eigene "Worker" auf dem eigenen Tableau (am besten nah beinander), woraufhin auf diese besetzten Felder passende Ackerfruchtplättchen gelegt werden, die man wiederum in einer späteren Phase wieder erntet und auf Schiffe beladen kann. Dies entspricht einem logischen Ablauf, der einen starken roten Faden beinhaltet. Zudem existieren noch Sonderplättchen, wie z. B. Brunnen und Scheunen, die spezielle Wertungen auf dem eigenen Tableau ermöglichen und strategisch verfolgt werden können. Es ist außerdem noch sinnvoll, Kommissionäre aus dem eigenen Arbeiterpool zu entsenden, um eine Mehrheitswertung zu gewinnen und den Hafenmeister auf der Leiste "voranzutreiben", damit die Schiffe, die man belädt und dann seinem Tableau hinzufügt, auch gewertet werden können (Der Hafenmeister muss auf der Leiste die Schiffsplättchen kreuzen oder überqueren, damit diese gewertet werden können). Es gibt bei "Riverboat" wirklich viel zu beachten und es sind etliche Bereiche in die eigenen Handlungen einzubeziehen, die strategisch durchdacht werden müssen. 

                                                         6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

"Riverboat" ist kein innovatives Highlight. Es wurden dennoch minimale frische Akzente gesetzt z. B. , dass sich die Spieler zu Beginn einer Runde unterschiedliche Phasen aussuchen. Auch das Setzen der Figuren durch Gebietskarten und die dadurch entstehende Möglichkeit, passende Ackerfruchtplättchen zu legen, lässt einfallsreiche Impulse entstehen. Dennoch ist im Großen und Ganzen zu benennen, dass die bedeutsamen Ideen ausgeblieben sind, die man von dem Autor eigentlich gewohnt ist. Vieles kommt einem bekannt vor und es wurde überwiegend auf gewöhnliche Mehrheitswertungen zurückgegriffen. 

                                                        3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Riverboat" ist ein solides Kennerspiel! Man muss stets konzentriert bleiben und viele Umstände im Auge behalten. Durch die gezogenen Gebietskarten ist natürlich auch ein gewisser Glücksfaktor vorhanden, der jedoch mittels Münzen oder einer strategisch klugen Vorarbeit geschickt ausgeglichen werden kann. Das vorliegende Spiel enthält die klassischen Züge eines "Euro-Games", bei dem zwar jeder auf seinem eigenen Tableau "herumtüftelt", es dennoch genügend Anreize gibt, interaktiv zu spielen. Nichtsdestotrotz fühlt sich das vorliegende Spiel sehr trocken an und lässt nicht im geringsten eine thematische Atmosphäre entstehen, was auch an der leblosen Gestaltung liegen mag. "Riverboat" funktioniert einwandfrei, es hat jedoch nicht genügend Potential, einen sehr langen Spielreiz aufrechtzuerhalten, der über viele Partien hinweg konstant bleibt. Hierbei fehlt es dem Spiel an besonderen Merkmalen sowie außergewöhnlichen Spannungskurven und Emotionen. Dennoch liegt ein gelungenes Kennerspiel vor!

                                                          4 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Riverboat" liegt bei 52,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität, jedoch scheint nicht alles perfekt gelaufen zu sein. Die Illustrationen konnten aus der Sicht der Spieler keine Begeisterungsstürme auslösen. Hingegen ist auf mechanischer Ebene alles perfekt gelaufen und wir finden mit "Riverboat" diesbezüglich ein einwandfreies Spiel vor. Auch wenn es hier und da minimale kreative Impulse enthält, fehlt der frische Wind, der ein neuartiges Spielegefühl hätte entstehen lassen können. "Riverboat" fordert von den Spielern zwar wichtige und interessante Entscheidungen, es kann leider nicht die Emotionen wecken, die es beabsichtigt hatte anzusprechen. 

                                                        3,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Riverboat", wenn du...

 

- ein klassisches "Euro-Game" suchst

 

- ein Spiel spielen willst, das interessante Entscheidungen fordert und strategische Möglichkeiten erlaubt

 

 

Lasse die Finger von "Riverboat", wenn du...

 

- ein lebendiges Spiel kaufen möchtest

 

- ein Spiel haben willst, das thematische Ansätze beinhaltet

 

* Danke an alle Testspieler!