09.01.18

Review: "Reworld" von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling

Fakten

Autor: Wolfgang Kramer, Michael Kiesling

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Verlag: "Eggertspiele"/"Pegasusspiele")

Spieldauer: 50 bis 90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP  39,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Endlich! ExoFox 5 hat den Planeten Eurybia analysiert und bestätigt, dass er derzeit der einzig brauchbare Kandidat für Projekt Reworld ist. Leider kann die Menschheit nicht länger warten – die Zeit läuft davon. Daher liegt es nun an den Spielern, Eurybia so vorzubereiten, dass die nachfolgende Bevölkerungsflotte einen bewohnbaren Planeten vorfindet. In zwei Kapiteln gilt es, zunächst verschiedene Module für die Besiedlung zu erwerben und an die eigenen Frachte zu koppeln sowie anschließend in umgekehrter Reihenfolge auf Eurybia abzukoppeln. Dabei wetteifern die Spieler darum, die größten Städte zu bauen, das Verteidigungsnetz auszuweiten und Siedler anzulocken. Wer diese Aufgabe am besten meistert, dem wird die Menschheit auf ewig für ihre Rettung dankbar sein.

(Quelle: Pegasus Spiele) 


Hintergrundinformationen

 

Das Autorenduo Wolfgang Kramer und Michael Kiesling haben bereits etliche Spiele gemeinsam erfolgreich konzipiert, wie u. a. "Torres" (1999), "Tikal" (1999), "Nauticus" (2013), "Die Paläste von Carrara" (2013), "Abluxxen" (2014) u. v. m. Nun haben sie sich erneut zusammengetan und ein neues Spiel konzipiert, das im Kennerspielbereich anzusiedeln ist. Wenn du möchtest, kannst du dir gerne das Interview mit Wolfgang Kramer (hier) und Michael Kiesling (hier) anschauen, um ausführliche Informationen über die Autoren zu erhalten.


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien können hohen Qualitätsstandards entsprechen! Die vielen Plättchen sind sehr stabil und auch der Stoffbeutel kann einen positiven Eindruck hinterlassen. Das Spielbrett und die Spielertableaus, die ein sehr individuelles Erscheinungsbild haben (Raumschiffe) und sich von vielen gängigen Spielertableaus (quadratische Tableaus) abgrenzen, sind ebenso hochwertig. Als Kritik ist anzuführen, dass es Probleme mit der Startspielerfigur gab und diese, wenn man sie anhebt, auseinander fällt, wodurch der positive Gesamteindruck gemindert wird. Alles in allem liegt im Rahmen des Spielinhalts dennoch ein hochwertiges Produkt vor!

                                                         5,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die optische Darstellung ist sehr gelungen! Der Illustrator Michael Menzel hat mit diesem Produkt bewiesen, dass er auch im Bereich Science-Fiction außergewöhnliche Darstellungen anfertigen kann. "Reworld" wurde stimmungsvoll umgesetzt und das Spiel weckt definitiv die richtigen Assoziationen. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Plättchen und der Begebenheit, dass man immer wieder ein Blick auf die Tableaus der Mitspieler werfen sollte, kam in den Testpartien negativ zum Vorschein, dass die Plättchenarten nicht sehr gut zu unterscheiden waren und man nicht auf den ersten Blick direkt die gesamte Auslage der Mitspieler erfassen konnte. Hier hätte man z. B. die unterschiedlichen Arten durch mehr Farbgebung oder anderen Methoden besser voneinander trennen können. "Reworld" wurde dennoch optisch passend umgesetzt.

                                                         4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie ist die Spielmechanik zu bewerten?

 

"Reworld" ist ein sehr gut verzahntes "Euro-Game", das kaum spielerische Fehler verzeiht. Das Spiel besteht aus 2 langen Phasen: In der ersten Phase beladet man sein Raumschiff mit diversen Elementen (Plättchen) mittels einer Kartenauswahl des gemeinsamen Spielplans. In der zweiten Phase werden dann die entsprechenden Elemente aus dem eigenen Raumschiff ausgeladen, wobei zu beachten ist, dass die letzten Elemente einer Reihe als erstes zu entladen sind. Hierbei sind grobe Fehler möglich, die Anfängern unterlaufen können. Werden also in Phase 1 essentielle Fehler gemacht, sind diese kaum mehr in Phase 2 zu beseitigen, was im Prinzip dafür spricht, dass die Spielphasen sehr gut miteinander verbunden wurden. Des Weiteren besteht das Spiel grundlegend aus Mehrheitswertungen von Plättchen in den unterschiedlichsten Kategorien. Diese Wertungen wurden gut austariert, wobei explizit eine Wertung negativ auffällt und nicht nachzuvollziehen ist. Es handelt es sich um die Wertung, die den Spieler belohnt, der als Erstes 70/60 Punkte erreicht und daraufhin sofort nochmals belohnt wird. Somit erhält der führende Spieler erneut Boni (Siegpunkte), wodurch der sowieso schon vorhandene Vorsprung auf die Mitspieler ausgebaut wird. Alles in allem ist zu resümieren, dass man dem Spiel anmerkt, dass sich die Entwickler über die Abläufe sehr viele Gedanken gemacht haben und diese gereift sind.

                                                         5,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das Spiel entwickelt eine sehr eigene Spieldynamik und unterscheidet sich im Rahmen der Phasen arg von vielen anderen Spielen, da es lediglich auf zwei großen Spielphasen aufbaut. "Reworld" basiert mehr oder minder auf etlichen Mehrheitswertungen, dennoch wirkt der Beladungs- und Entladungsprozess des eigenen Raumschiffes sehr frisch und innovativ. Auch die Plättchenauswahl auf dem gemeinsamen Spielbrett erfolgt durch einen sehr pfiffigen Auswahlmechanismus. Alles in allem überzeugt "Reworld" mit einer hohen Innovationskraft, die mit klassischen Mehrheitswertungen verwoben wurde.

                                                         4,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Reworld" hat den Testspielern gut gefallen! Dennoch konnte das Spiel keinen hohen Wiederspielreiz auslösen, da sich das Spiel auf emotionaler Ebene sehr in die Länge zog. Die Spannungsmomente waren rar und somit konnte es nicht auf ganzer Linie überzeugen. Auch nach vielen Debatten über das Spiel konnte immer noch nicht glasklar der Grund dafür gefunden werden, warum das Spiel nicht zu 100 % "gezündet" hat. Vielleicht mag es an der Thematik oder an den sehr langen Spielphasen liegen. Vielleicht liegt es aber auch an dem Mechanismus, der zwar thematisch jedoch zugleich extrem mechanisch ist. "Reworld" ist ein gutes Spiel, wobei das zu vermittelnde Potential sehr abhängig vom Spielertyp ist.

 

                                                          3,5  von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Reworld" liegt bei 39,95 Euro. Die Spielmaterialien kommen in einer guten Qualität daher, die Startspielerfigur hat jedoch gänzlich enttäuscht. Die Illustrationen sind gut gelungen, wobei anzumerken ist, dass die Unterscheidung bei vielen Plättchen oft schwer gefallen ist. Weiterhin funktioniert das Spiel auf spielmechanischer Ebene, es ist nur in einem ganz bestimmten Fall eine Entscheidung getroffen worden, die sich negativ auf das Balancing auswirkt. "Reworld" ist ein gelungenes Produkt, es konnte jedoch nicht ganz die Erwartungen erfüllen. Es hat sich auf emotionaler Ebene sehr spannungsarm angefühlt und die Thematik konnte auch nicht gänzlich belebt werden, obwohl die Abläufe thematisch gut verwoben wurden. Alles in allem ist im Rahmen dieser Kategorie folgende Bewertung anzuführen.

                                                          4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Reworld", wenn du...

 

- ein "Euro-Game" suchst, das eine sehr individuelle Mechanik aufweist

 

- ein Spiel spielen willst, welches gut mit der Thematik "Science-Fiction" verwoben wurde

 

 

Lasse die Finger von "Reworld", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das "Fehler" verzeiht, denn in "Reworld" werden Fehler, die in der ersten Phase des Spiels gemacht werden, in der zweiten Spielphase bestraft

 

- ein Spiel spielen willst, das Emotionen weckt. "Reworld" bietet immens viele Möglichkeiten und die Spannungskurve bleibt eher auf einer niedrigen Ebene.

 

* Danke an alle Testspieler