Review: "Mombasa" von Alexander Pfister

Fakten

Autor: Alexander Pfister 

Spieleranzahl: 2-4

Verlag: Pegasus Spiele 

Spieldauer: 75-150 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis:UVP 39,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Zu Zeiten der großen Handelskompanien machen sich die Spieler auf, um auf dem afrikanischen Kontinent Ruhm und Reichtum zu finden. Sie haben erkannt, dass Investitionen in den vier Kompanien Mombasa, Kairo, Saint-Louis und Kapstadt überaus lukrativ sind. Mit Waren wie Kaffee, Bananen und Baumwolle erwerben sie allmählich Anteile an den Kompanien. Doch der Wert einer Kompanie ist vor allem von der Ausbreitung ihrer Handelsposten in Afrika abhängig. Und um diese geschickt voranzutreiben, bedarf es so mancher taktischer Raffinesse. Schnell ist klar, dass hier mehr Verstand als Glück gefragt ist, wenn man seinen Mitstreitern überlegen bleiben möchte.

Mombasa entfaltet mit fein verwobenen Mechanismen ein komplexes Netzwerk strategischer Möglichkeiten und führt dabei in außergewöhnliche spielerische Tiefen. Mit innovativem Kartenmechanismus, einem ausgefallenen Setting und ebenso atemberaubenden wie klar organisierten Illustrationen ist es ein besonderes Highlight für Vielspieler und Experten.

(Quelle: Pegasus Spiele)


Hintergrundinformationen

 

"Mombasa" ist der Gewinner des "Deutschen Spielepreises 2016"! Und schon wieder hat der Autor Alexander Pfister einen Preis abgeräumt ("Broom Service" und "Isle of Skye" hatten ebenfalls Preise gewonnen). Im Vorfeld hagelte es Kritik hinsichtlich der Thematik und doch erreichte das kontrovers diskutierte Spiel Platz 1. Ob dieser Titel aus der Sicht des Brettspiegels gerechtfertigt ist, wird sich im Laufe des Testberichts zeigen. Wenn ihr wollt, könnt ihr mehr über den Autoren erfahren und hier klicken, um zum Interview zu gelangen, das vor einiger Zeit erschienen ist. 


Spielmaterialien

 

"Mombasa" hat definitiv qualitative Spielmaterialien und die Komponenten sind ausnahmslos hochwertig! Pegasus Spiele hat auch in diesem Produkt hinsichtlich der Qualität der Materialien alles richtig gemacht. Die Plättchen, Figuren und Karten hinterließen einen soliden Eindruck. Ebenso konnte die Qualität des Spielplans überzeugen. Nicht ganz so gut haben uns die Bücherplättchen gefallen, die schon recht klein geraten sind und das Ablesen der Symbole erschweren. Aber ansonsten ist alles gut gelungen! Weiter so!

                                                  5,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Leider haben uns die Illustrationen nicht ganz zugesagt! Vor allem fanden wir den Spielplan sehr lieblos gestaltet und kaum ansprechend. Eine thematische Atmosphäre ist fast nicht aufgekommen und der Plan wirkte sehr karg und detailarm. Die Spielertableaus fanden wir hingegen gut, jedoch auch nichts, wo man sagen würde, dass hier ein optisches Meisterwerk verrichtet wurde. Alle Testspieler waren sich einig, dass man definitiv viel detailreicher und schöner das Spiel hätte gestalten können. Aus unserer Sicht  ist "Mombasa" optisch definitiv kein Überflieger. Schade!

                                                     3 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert "Mombasa"?

 

Das Regelwerk von "Mombasa" ist umfangreich, jedoch gut gegliedert. Alle Regeln hier aufzuzeigen, würde definitiv den Rahmen sprengen. Aus diesem Grund werden euch die Regeln hier nochmal zur Verfügung gestellt:

Download
Mombasa Regelwerk
Mombasa.pdf
Adobe Acrobat Dokument 10.4 MB

 

Grundlegend ist zu sagen, dass die Mechanismen außerordentlich gut miteinander verzahnt wurden und man dem Spiel eine lange Entwicklungsphase anmerkt. Die diversen Aktionsmöglichkeiten bieten den Spielern unterschiedliche Optionen, um Siegpunkte zu generieren. Dabei ist zu erwähnen, dass die Aktionen auf den ersten Blick recht erschlagend wirken, aber man als Vielspieler sehr locker in das Spiel einfindet und die gegebenen Optionen verinnerlicht.

Der Kartenmechanismus, mit denen man Aktionen ausführt, ist wirklich hervorragend und ein passender "Motor", der das Spiel antreibt. Denn dieser lässt eine exakte Planung der eigenen zukünftigen Züge zu, was jedem Strategen zugute kommt.

Dennoch kann die Beherrschbarkeit des Spiels durch die Mitspieler arg leiden. Gerade wenn man gezielt auf eine Kompanie setzt und sich andere Spieler gezielt auf eine andere Kompanie konzentrieren, ist man doch in manchen Situationen recht hilflos. Das Blatt kann sich definitiv sehr oft im Spielgeschehen wenden und auch einen Ärgerfaktor verursachen, wenn die Kompanien, von denen man viele Anteile besitzt, von den Mitspielern verdrängt werden. Klar, könnte man noch in letzter Sekunde auf die erfolgreichen Kompanien setzen und auf den "Erfolgszug" mit aufspringen. Aber Spieler einzuholen, die bereits in der "erfolgreichen" Kompanie stark vertreten sind, erweist sich als sehr schwierige Angelegenheit. Man kann das Ausbreitungsprinzip von "Mombasa" gefühlt mit dem von "Risiko" vergleichen. 

Gerade bei zwei Spielern war eine bessere Beherschbarkeit der Kolonien gegeben, wobei bei drei und vier Spielern die gegenseitige Beeinflussung sehr stark war. Bei drei und vier Spielern kann man zwar wie bei zwei Spielern seine eigenen Aktionen gut planen, da der Aktionsmechanismus eine solitäre Angelegenheit darstellt, jedoch ist man hinsichtlich der Kompanien (Ausbreitung) erheblichen Einflussfaktoren der Mitspieler ausgesetzt.

Mechanisch gesehen hat uns das Spiel zu zweit besser gefallen, da die Phase der Ausbreitung nicht so stark unkontrolliert ausgeartet ist wie mit drei bzw. vier Spielern und demnach mehr Spielkontrolle gegeben war. Gerade dieser Umstand der Kontrolle knüpft an die Beherschbarkeit des Kartenmechanismus an, der definitiv darauf ausgelegt ist, seine Züge sturkturiert zu planen sowie durchzuführen.

                                             5,5 von 6 Spiegeln (bei 2 Spielern)

                                            4 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)


Innovationen

 

Die Stärken von "Mombasa" liegen nicht in der thematischen Atmosphäre. Demnach ist nicht zu sagen, dass es sich thematisch frisch anfühlt, da dies keineswegs der Fall ist. Mechanisch hingegen lässt sich jedoch anführen, dass der Kartenmechanismus außerordentlich innovativ ist und auch einzelne Elemente der Aktionsmöglichkeiten definitiv als ideenreich bezeichnet werden können. Alles in allem ist das Spielgefühl neuartig und der Autor hat mal wieder schöne Ideen aus dem Ärmel geschüttelt! 

                                                     5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Mombasa" hat mit Sicherheit seine Berechtigung in jedem Spieleregal eines Vielspielers! Das Spiel macht Spaß, bringt jeden am Tisch zum Grübeln und lässt auch durch den Kartenmechanismus langfristige Strategien zu. Auch wenn die Testspieler der Meinung sind,  dass die Mechanismen im Spiel zu zweit besser funktionieren (mehr Kontrolle bei den Kompanien), muss ergänzt werden, dass das Spiel zu dritt und viert mehr Spaß macht. Klingt komisch, ist aber so! ;) 

Das Spiel hat mit drei und vier Spielern einfach mehr Interaktion, die Spielbegebenheiten verändern sich oft (durch die Kompanien), was neben dem gesteigerten Spielspaß natürlich auch zu Frust führen kann. Je mehr Spieler teilnehmen, umso mehr füllt sich das Spiel mit Leben. Gleichsam steigt auch die Spannung, da die Frage aufkommt, ob die Kompanien, auf die man gesetzt hat, evtl. durch Mitspieler unterstützt werden.

Es ist aber ersichtlich, sich als Gewinner am Spielende folgende Frage zu stellen: "Habe ich jetzt aus eigener Kraft gewonnen, oder nur, weil ich durch Mitspieler in meinem Vorhaben unterstützt wurde?"

                                      4 von 6 Spiegeln (bei 2 Spielern)

                                     5 von 6 Spiegeln (bei 3 und 4 Spielern)


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Mombasa" liegt bei 39,95 Euro. Die Spielmaterialien sind sehr gut. Die Illustrationen sind nicht besonders gelungen und auch die Mechanismen konnten in den Partien nicht in jeder Spielernanzahl überzeugen. Dementgegen hat es der Autor Alexander Pfister geschafft, schöne Einfälle in das Spielgeschehen zu integrieren. Der Spielspaß kam mit vier bzw. drei Spielern mehr auf als mit zwei Spielern. Der Spielspaß ist somit nicht als komplett konstant anzusehen

Im Bezug zu den genannten Begebenheiten ist folgende Bewertung angebracht.

                                                      4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Mombasa", wenn du...

 

- ein strategisches "Euro-Game" suchst!

 

- ein Spiel spielen willst, bei dem die Thematik arg in den Hintergrund tritt und die Mechanik sehr prägnant ist.

 

- kein Problem damit hast, dass sich die Kontrolle bzgl. der Ausbreitung der Kompanien sehr stark in Grenzen hält.

 

 

Lasse die Finger von "Mombasa", wenn du...

 

- meinst, dir Illustrationen das Wichtigste im Spiel sind oder zumindest einer der wichtigsten Kauffaktoren. Das Spiel hat wahrlich nicht das Optimum an Erscheinung herausgeholt.

 

- dir am Ende des Spiels nicht die Frage stellen willst, ob du jetzt zu 100 % verdient gewonnen hast.  Denn Mitspieler können dir auch mal gut unter die Arme greifen, wenn sie einen eigenen Nutzen darin erkennen. 

 

* Danke an alle Testspieler!

* Die Gesamtwertung bei 3 und 4 Spielern wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß aufgerundet.