Review: "Luther- Das Spiel" von Martin und Erika Schlegel

Fakten

Autor: Martin und Erika Schlegel

Spieleranzahl: 2-4 

Verlag: Kosmos Verlag

Spieldauer: 45 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 29,99 Euro


Spielbeschreibung

 

Mit seinen 95 Thesen, die den Ablasshandel der Kirche grundsätzlich in Frage stellten, veränderte Martin Luther die Welt. Als Luthers Zeitgenossen treten die Spieler in seine Fußstapfen und bereisen die Städte, in denen er wirkte. Sie treffen dabei auf wichtige Weggefährten des Reformators. Unterwegs sorgen interessante Ereignisse für überraschende Wendungen. Hier kann man Martin Luther ganz spielerisch erleben. Die beiliegende Broschüre gibt weitere spannende Hintergrundinformationen. 


Hintergrundinformationen

 

Bereits dieses Jahr wurde ein Spiel von Martin Schlegel veröffentlicht, das einen gewissen Erfolg genoss, und zwar "West of Africa". Diesmal jedoch stand ihm seine Ehefrau Erika Schlegel zur Seite, die ihm bei der Entwicklung des Spiels "Luther" tatkräftig zur Seite stand. Um ausführliche Hintergrundinformationen zur Entwicklung des Spiels zu erhalten, könnt ihr gerne hier klicken und ihr gelangt zum Interview mit Martin Schlegel.


Spielmaterialien

 

Das vorliegende Produkt erfüllt definitiv die hohen Qualitätsstandards von "Kosmos"! Die Karten, der Spielplan, die Plättchen und Figuren wirken extrem stabil und hinterlassen einen sehr guten Eindruck. Auch das "Inlay" ermöglicht diverse Systematisierungen des Materials, was alle Testspieler sehr angenehm fanden. Es ist zudem lobenswert, dass ein Begleitheft mitgeliefert wird, welches ausführliche Hintergrundinformationen zur Person Luther bietet, sodass man der ganzen Thematik des Spiels gerecht wird. Es gibt nichts zu bemängeln! 

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Illustrationen

 

Grundsätzlich konnten uns das optische Gesamtbild nicht ganz überzeugen! Zwar ist es eine schöne Idee, dass Porträt Luthers und das vieler weiterer essentieller Persönlichkeiten dieser Geschichte in das Spielfeld zu integrieren, wodurch ein historischer "Touch" in das Spielgeschehen gelangt, dennoch wirkt der überwiegende Rest des Spielfeldes fade und kaum originell. Die Proviantkarten sind zwar optisch gut illustriert worden, nichtsdestotrotz wäre es schön gewesen, wenn auf den restlichen Kartenarten außer Textbausteine noch Bilder abgebildet wären. Denn so wirken diese lieblos, leblos und leider kaum ansprechend.  

Alles in allem hätte man optisch aus der Thematik noch viel mehr ausschöpfen können und die bildliche Umsetzung bleibt stark hinter der Erwartungshaltung. Es wurde aus unserer Sicht nicht erreicht, dieses lebendige Thema genauso lebendig "auf´s Blatt" zu bringen. Schade eigentlich.

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Spielmechanik

 

Wie funktioniert "Luther" im Groben?

 

Das Spiel verläuft über mehrere Runden. Am Anfang des Spielzuges sucht man sich ein Pärchen an Proviantkarten aus. Es liegt immer ein Pärchen mehr als Spieler mitspielen aus. Wenn es sich beim Proviant um Brot handelt, zieht der Spieler zusätzlich die oberste Sonderkarte, die auf dem Brot-Feld liegt. Handelt es sich um Käse, zieht er die oberste Sonderkarte des Käse-Feldes. Für Dünnbier erhält der Spieler keine Sonderkarte. Diese Karten haben zumeist höhere Reisewerte als Brot oder Käse. Denn auf der Rückseite dieser Karten sind Zahlen abgebildet, die die Reisepunkte ausmachen, mit denen man von Ort zu Ort reist. Hat man durch den Brot- oder Käsestapel eine Sonderkarte erhalten (rotes Siegel), wird diese vor der eigentlichen Aktion ausgeführt, da Sie ganz bestimmte Begebenheiten verändert (eine Reiseroute kostenlos etc.)

 

Danach hat der Spieler folgende Aktionsmöglichkeiten, von denen er beliebig viele nutzen kann, aber pro Runde jede nur einmal. Die Reihenfolge bestimmt der Spieler selbst.

1) Reisen

2) Luther-Bild erweitern

3) Vorteilskarte spielen

4) beliebig viele Luther- und Vorteilskarten abwerfen und dafür Proviantkarten ziehen 

 

1) Reisen

Für die Reise muss der Spieler Proviantkarten abgeben. Die Zahlen auf den Wegen zwischen zwei Orten geben die Reisekosten in Tagen an. Der Spieler addiert diese Zahlen und muss Proviantkarten abgeben, die in der Summe diesen Kosten entsprechen. Für die zurückgelegte Strecke erhält der Spieler die Hälfte der Reisekosten als Erfahrungspunkte (Siegpunkte), die er mit seinem Erfahrungsstein auf der Zählleiste weiterzieht. Für jeweils 2 Tagesreisen erhält er also 1 Erfahrungspunkt. Des Weiteren sammelt der Spieler das Porträt ein, das auf dem Reiseziel liegt.

 

2) Luther-Bild erweitern (Karten mit blauem Siegel)

Der Spieler spielt eine Luther-Karte (diese hat ein blaues Siegel auf der Rückseite und ein Wort auf der Vorderseite), zu der auf dem Luther-Bild noch das Abdeckplättchen mit dem zugehörigen Wort zu sehen ist. Die Luther-Karte ist durch den Käse- und Brotstapel zu erwerben, indem man sich zu Beginn eine entsprechende Proviantkarte aussucht. Dann entfernt der Spieler das zugehörige Abdeckplättchen  (mit dem gleichen Wort) vom Luter-Bild. Das Feld unter dem entfernten Abdeckplättchen bringt 2 Punkte. Jeder bereits freigelegte Teil des Luther-Bildes, der sich in derselben Reihe oder derselben Spalte wie das entfernte Plättchen befindet, bringt 1 Punkt, den der Spieler sofort mit seinem Erfahrungsstein weiterzieht.

   

3) Vorteilskarte spielen (Karten mit grünem Siegel)

Auch diese Karten erhält man durch den Käse- bzw. Brotstapel. Diese Karten bringen ganz bestimmte Vorteile.

 

4) beliebig viele Luther- und Vorteilskarten abwerfen und dafür Proviantkarten ziehen

Einmal in seinem Spielzug darf der Spieler beliebig viele Luther- und Vorteilskarten, die er nicht mehr nutzen kann oder will, abwerfen. Sie kommen zurück in die Schachtel. Für jede abgeworfene Karte zieht er 1 Proviantkarte vom Nachziehstapel. 

 

Waren alle Spieler am Zug, ist die Runde zu Ende. Der Startspieler deckt das oberste Plättchen vom Stapel "Cranach malt" auf und entfernt das entsprechende Abdeckplättchen vom Luther-Bild. Das Spiel endet, wenn alle Plättchen des Bildes entfernt wurden (danach wird noch eine Runde gespielt). 

 

Siegpunkte am Ende des Spiels:

 

Zunächst gibt es Punkte für die gesammelten Porträtplättchen. Je mehr verschiedene Porträts ein Spieler gesammelt hat, desto mehr Erfahrungspunkte erhält er.

Zusätzlich bekommt der Spieler mit den meisten Luther-Porträts 12 Punkte. Der Spieler mit den zweitmeisten Luther-Porträts erhält 6 Punkte.

Für jeweils 5 Tagesreisen, die ein Spieler noch auf seinen Proviantkarten hat, gibt es 1 Punkt.

Jede Luther- und jede Vorteilskarte, die ein Spieler noch hat, erbringt ebenfalls 1 Punkt.

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Das vorliegende Spiel funktioniert! Die einzelnen Aktionsmöglichkeiten wurden gut miteinander verzahnt und ergeben Sinn. Zwar sind recht viele Glückselemente vorhanden, jedoch handelt es sich hier um ein klassisches Familienspiel und der hohe Glücksanteil fällt deshalb auch nicht so arg ins Gewicht. Das Thema wurde eng mit den Aktionsmöglichkeiten und Zügen (Orte, Karten etc.) verwoben, was wirklich gut gelungen ist und einen optimalen Wissenserwerb beim Spielen ermöglicht. Spielerisch sind keine gravierenden Defizite zu erkennen. "Luther" ist leicht zu erlernen und leicht zu spielen.

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Innovationen

 

"Luther" hat im Rahmen von Innovationen leider nicht brilliert! Hier und da sind die Elemente in einer Vielzahl schon in anderen Brettspielen vorgekommen und in den Testrunden kristallisierte sich heraus, dass ein gewisser "Pfiff" fehlt. Sprich ein Mechanismus, der sehr individuell ist und markant in den Vordergrund tritt. Die Auswahl der Proviantkarten ist zwar eine nette Idee, das Spiel fühlt sich jedoch im Ganzen dann doch nicht frisch, lebendig und kreativ an. Schade!

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Spielspaß

 

Das vorliegende Brettspiel konnte in den Testrunden nicht vollends überzeugen! In der Erstpartie war es noch recht spannend und interessant, die geschichtlichen Hintergründe durch die Kartentexte zu erfahren. Doch die thematische Einbettung flaut dann spätestens ab der dritten Partie ab, da keine neuen Informationen mehr ins Spiel gelangen und es nicht von der Hand zu weisen ist, dass "Luther" von der Wissensvermittlung lebt. Ein weiterer Aspekt ist, dass dem Spiel eine klare Innovationskraft fehlt, die sich wiederum negativ auf den Spielspaß abfärbt. Gerade für Strategen und Vielspieler könnte sich der ganze Spielprozess in gewisser Weise zäh anfühlen. Dem Spiel fehlt einfach das gewisse Etwas, ganz bestimmte Stellschrauben und Kniffe, die man als Spieler zu bewerkstelligen hat. 

                                             2,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von Luther liegt bei 29,99 Euro. Die Materialien sind von überaus guter Qualität. Auch ist festzustellen, dass das Spiel definitiv funktioniert und die Mechanismen gut einander greifen. Jedoch halten sich im Gegenzug die Illustrationen, Innovationen und der Spielspaß aufgrund diverser Faktoren (s.o.) in Grenzen. 

                                                3 von 6 Spiegeln


Geamtwertung

 

Kaufe dir "Luther", wenn du...

 

- Wissenswertes über die Person Luther erfahren möchtest.

 

- ein leichtes Spiel für die Familie suchst, das einige Glücksmomente enthält. 

 

- ein solides Spiel suchst, das die "Brettspielgeschichte" jetzt nicht unbedingt umschreiben wird.

 

 

Kaufe dir "Luther" nicht, wenn du...

 

- ein herausragendes Spiel spielen willst, das innovativ ist und einen langanhaltenden Wiederspielreiz hat.

 

- ein Spiel spielen willst, das interessante "Kniffe" und Entscheidungen fordert.

 

* Danke an alle Testspieler!

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie abgerundet!