12.09.17

Review: "Lorenzo der Prächtige" von Simone Luciani, Virginio Gigli, Famina Brasini

Fakten

Autor: Simone Luciani, Virginio Gigli, Famina Brasini

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Verlag: Asmodee

Spieldauer: ca. 60-120 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP  40,99 Euro


Spielbeschreibung

 

Lorenzo de’ Medici war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte. Er war nicht nur ein umsichtiger Diplomat und Politiker in den unsicheren Zeiten der italienischen Renaissance, sondern auch ein leidenschaftlicher Förderer von Künstlern und Dichtern, die Italiens Ruhm zum Höhepunkt brachten. In diesem Spiel wetteifern die Spieler um Ruhm und Prestige, damit sie sich mächtigster und angesehenster Bürger von Florenz nennen können.

(Quelle: Asmodee)


Hintergrundinformationen

 

Das vorliegende Spiel wurde von Simone Luciani, Virginio Gigli und Flaminia Brasini entwickelt. Explizit Simone Luciani hat bereits einige Spiele hervorgebracht, wie z.B. "Tzolk'in", "Auf den Spuren von Marco Polo" und "Grand Austria Hotel", die sich sehr erfolgreich im Markt platzierten. Ihr findet auf diesem Blog ein ausführliches Interview mit dem Autoren, das vor einiger Zeit geführt wurde (klicke: hier). Simone Luciani und Virginio Gigli haben bereits beim Spiel "Grand Austria Hotel" gelungen zusammengearbeitet.


Spielmaterialien

 

Das Spiel "Lorenzo der Prächtige" enthält Karten, Holzfiguren und Pappplättchen. Die Materialien fühlen sich wertig an und konnten in vielen Testpartien einen guten Dienst erweisen. Dennoch ist hinsichtlich des Materials Kritik zu äußern. Die Spielertableaus sind sehr robust und qualitativ, nichtsdestotrotz waren diese leicht gebogen, sodass sie nicht mit der kompletten Fläche mit dem Tisch in Kontakt kamen. Die Folge war, dass die Tableaus schnell verrutschten bzw. sich leicht drehten. Letztlich war es nicht ganz klar, ob dies produktionsbedingt oder aufgrund der Raumtemparatur bzw. der sachgemäßen Nutzung entstanden ist. Weiterhin wurde im Rahmen der Materialien bei den Warenfiguren aus Holz zwischen großen und kleineren Figuren unterschieden, was die Testspieler als suboptimal erachteten, weil die Unterscheidung nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist und es manchmal zu "Fehlgriffen" kam (große Warenfiguren gelten als 5 Einheiten/ kleine Warenfiguren gelten als 1 Einheit). Die Tatsache, dass größere Warenfiguren 5 Einheiten und kleinere Figuren 1 Einheit darstellen, bremst das intuitive Spielgefühl und ist aus der Sicht der Tester keine optimale Lösung, wenn man das Material mit Multiplikatoren ausstattet. Für den gebotenen Spielumfang reichte die Anzahl der Materialien kaum bzw. nur ganz knapp aus, sodass mehr Warenfiguren von jeder Sorte nötig gewesen wären. Trotz alledem erwirbt man mit dem vorliegenden Spiel ein qualitatives Produkt!

 

                                                         4,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Testspieler beurteilten in den Testrunden die optische Darbietung als solide. Es wurden eine Vielzahl an Personenkarten angefertigt, die für die nötige optische Varianz sorgen. Zudem beinhaltet dass Spielbrett alle wichtigen Gebäude/Sehenswürdigkeiten (Türme/Dom), die historisch relevant und mit der Thematik verwoben wurden. Die Spielertableaus konnten die Tester optisch leider nicht zufriedenstellen. Explizit die Darstellung der Bäume löste doch bei manch einem Spieler eine gewisse Verwunderung aus, da das Gefühl aufkam, dass die Darstellungen in dieser Form nicht fertig zu sein schienen.

Die gesamte Optik des Spiels ist zwar kein Highlight, jedoch ganz ansehnlich!

                                                         3,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

 

Anbei findet ihr die Anleitung zu diesem Strategiespiel:

Download
Lorenzo_Spielregel.pdf
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Wie ist die Spielmechanik?

 

"Lorenzo der Prächtige" ist ein klassisches "Euro-Game", das sehr gut verzahnte Mechanismen aufweist. Man muss definitiv alle Begebenheiten des Spielverlaufes beachten, da der Konkurrenzdruck sehr hoch ist. Das Gerangel in den Türmen ist knallhart, da die ersten Spieler, die sich dort platzieren, die meisten Freiheiten haben, was hinsichtlich der eigenen Strategie essentiell ist. Hinzu kommt, dass die nachfolgenden Spieler, die ebenfalls in den bereits besetzten Türmen Karten ergattern wollen, zwangsweise Geld an die Bank bezahlen müssen. Doch nicht nur das Spielfeld, sondern auch das eigene Tableau sollte stets im Auge behalten werden, da man z.B. durch Charaktere zusätzliche Funktionen erhält, oder durch bestimmte Aktionsfelder eine Reihe an Karten seines eigenen Tableaus wirkungsvoll aktivieren kann.

Weiterhin ist positiv aufgefallen, dass die Anpassung des Spielplanes auf unterschiedliche Spielerzahlen sehr gelungen ist. Denn in jeglicher Spielerbesetzung bleibt der charakteristische Konkurrenzdruck bzw. das Gerangel um die Aktionsfelder und Karten gleich hoch, was für eine gute Skalierung spricht.

Man muss weiterhin lobenswert anerkennen, dass die vielzähligen Karten in einem optimalen Kosten-Boni-Verhältnis zueinander stehen und man merkt es dem Spiel sichtlich an, dass hier viel Wert auf die Entwicklungsarbeit gelegt wurde. Auch die unterschiedlichen Kartenfarben, die für sich gesehen eigene Strategien erlauben, stehen in einem angemessenen Verhältnis zueinander. Der Grundmechanismus, und zwar, dass man Würfelt und die Würfelaugen gleichsam die Stärke der Figuren ALLER Spieler ausmachen, sorgt für einen fairen Ausgangspunkt und gleicht individuelles Würfelpech aus.

Was ist letztlich zu den Mechanismen zu sagen? "Lorenzo der Prächtige" überzeugt mit einem gut austarierten Spielsystem und kann in allen Spielerbesetzungen punkten. Vor allem der hohe Konkurrenzdruck durch die optimale Anzahl an Aktionsfeldern sowie durch die Bestrafung bei bereits besetzten Türmen sorgt für einen sich stets in Bewegung befindenden Spielfluss. Eine super Leistung der Entwickler!

 

                                                         6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Der Grundmechanismus ist im Kerngedanken zwar sehr schlicht, jedoch sehr elegant und neuartig. Es wird zum Rundenbeginn gewürfelt und die Würfelaugen gelten für die Figuren aller Spieler. Dieser Mechanismus wirkt sehr neuartig und belebt das Spiel auf ganzer Linie. Die restlichen Elemente des Spiels sind hingegen sehr gängig, wie z.B. das Anhäufen bestimmter Karten oder das Voranschreiten auf einer Leiste, um Bestrafungen zu entgehen. Die Türme im Spiel sind eine nette Idee, bringen jedoch nicht die innovative Ergänzung, die der Grundmechanismus gebraucht hätte. Der Grundmechanismus ist einfallsreich, jedoch wünscht man sich hier und da kleinere frische Feinheiten, wenn es um die Aktionen geht, da diese den Würfel-Mechanismus etwas "einstauben".

                                                           4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Lorenzo der Prächtige" ist ein klassisches "Euro-Game", das sich auch genauso anfühlt. Es gibt etliche Entscheidungen zu treffen, die Spaß machen und sich gegenseitig stark beeinflussen. Durch die vielen Karten bietet das Spiel einen hohen Wiederspielreiz und das Ausprobieren dirverser "Kartenfarben-Strategien" ist ebenso eine amüsante Angelegenheit. "Lorenzo der Prächtige" ist ein knallhartes "Euro-Game", das keine Fehler verzeiht und spricht deshalb Kenner sowie Experten an. Die reichhaltige Auswahl an Karten kann nämlich erst einmal dazu führen, dass man in der ersten Partie von den ganzen Möglichkeiten überrumpelt wird. Weiterhin konnte das Spiel in den Testrunden überzeugen und es ist diesbezüglich definitiv die Handschrift von Simone Luciani und Virginio Gigli zu erkennen. Trotz aller Lobeshymnen ist anzuführen, dass der Grundmechanismus zwar frisch ist, jedoch alle Begebenheiten bzw. Aktionen, die um den Grundmechanismus herum aufgebaut wurden, sehr "oldschool" sind. Hier wäre der eine oder andere frische Ansatz nötig gewesen, um dem Grundmechanismus gerecht zu werden. Alles in allem handelt es sich beim vorliegenden Spiel um ein "Euro-Game", das es mit seinen vielen Karten zu erkunden gilt und immer wieder auf's Neue Spaß macht.

 

                                                          5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP des Spiels liegt bei 40,99 Euro. Die Spielmaterialien sind überwiegend von einer guten Qualität. Dennoch haben sich die Spielertableaus etwas verbogen, wodurch die Karten nicht mehr so sicher auf dem Tableau liegen. Des Weiteren wären definitiv mehr Holzteile vonnöten gewesen, um problemlos eine Partie mit vier Personen zu bestreiten, ohne dass es zum Mangel von Materialien kommt. Die Illustrationen sind solide und konnten in weiten Teilen überzeugen. Zu den Mechanismen ist zu äußern, dass hier feinste Entwicklerarbeit geleistet wurde. Der Grundmechanismus wirkt frisch, ist einfach, aber kreativ. Die Aktionsmöglichkeiten greifen auf standartisierte Abläufe zurück, wodurch die Innovationskraft nicht vollends ausgeschöpft wird. "Lorenzo der Prächtige" ist ein "Euro-Game" wie es im Buche steht: mechanisch, gut verzahnt und denklastig. Das alles vereint das vorliegende Brettspiel und reiht sich angenehm in die Liste der bisherigen Spiele dieser Sparte ein.

 

                                                        4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Lorenzo der Prächtige", wenn du...

 

- ein klassisches "Euro-Game" suchst, das unzählige Strategien und Entscheidungen erlaubt

 

- ein Spiel mit einem hohen Konkurrenzdruck spielen möchtest (beim vorliegenden Spiel kommt man sich definitiv sehr oft in die Quere, wobei man sich gegenseitig Aktionen und Karten wegschnappt)

 

 

Lasse die Finger von "Lorenzo der Prächtige", wenn du...

 

- ein grundlegend innovatives Spiel suchst, das gerade so vor Ideen strotzt

 

- sehr penibel auf die Materialien achtest. Hierbei sind den Testern einige Ungereimtheiten aufgefallen

 

* Danke an alle Testspieler

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß aufgerundet!