Review: "La Granja" von Andreas Odendahl und Michael Keller

Fakten

Autor: Andreas Odendahl, Michael Keller

Spieleranzahl: 1-4 

Verlag: PD-Verlag 

Spieldauer: 120 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 44,80 Euro


Spielbeschreibung

 

In "La Granja" bewirtschaften die Spieler kleine Bauernhöfe in einem fruchtbaren Tal rund um den Weiler Alpich in der Nähe des Städtchens Esporles auf Mallorca. Im Laufe des Spiels bauen die Spieler ihren Hof aus und bestellen neue Felde. Ihre Erzeugnisse liefern sie an den Markt und die Handwerksbetriebe in Esporles. Übernimm einen der kleinen Bauernhöfe, um ihn schließlich zum bedeutenden Landgut La Granja auszubauen!

"La Granja" ist ein faszinierendes Strategiespiel für 1-4 Spieler, das genaue Planung und gutes Timing erfordert. Die Mitspieler im Auge zu behalten und die vielfältigen Möglichkeiten der Karten und Würfelergebnisse für sich zu nutzen, ist eine stets neue Herausforderung.

(Quelle: PD-Verlag)


Hintergrundinformationen

 

Als die erste Auflage von "La Granja" 2014 über den Verlag "Spielworxx" veröffentlicht wurde, war der "Aufschrei" groß und das Spiel gewann mehr und mehr an Popularität in der Brettspielszene. Letztes Jahr (2015) wurde dann eine Neuauflage über den Verlag "PD" veranlasst. Ob sich die folgende Rezension dem Lob und der Anerkennung anschließen kann, werdet ihr im Verlauf dieses Berichtes erfahren...;) 


Spielmaterialien

 

An den Spielmaterialien gibt es kaum etwas zu kritisieren! Die Spielertableaus, das Spielbrett, die Würfel, die vielen Karten und Marker sind von herausragender Qualität und deuten auf eine lange "Spielbarkeit" hin. Was nicht so gut in den Testrunden ankam, waren die "Universalmaker", die im Endeffekt in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden können (unterschiedliche Ressourcen etc). Solche Marker dämpfen in vielen Fällen die thematische Dichte, was ein negativen Beigeschmack mit sich bringt. Ansonsten ist ganz klar ein qualitativ hochwertige Produkt entstanden! Sehr gut!

                                                 5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Der Illustrator hat hier bewusst auf einen "Landhausstil" gesetzt und diesen versucht, in einem "Brettspielsetting" umzusetzen. Die prägnante Farbwahl (Grün, Gelb) wurde hinsichtlich der Thematik passend gewählt. Nichtsdestotrotz konnte uns die optische Umsetzung nicht überzeugen, da kaum Variationen der Abbildungen zu erkennen waren und die ganze Aufmachung sehr mechanisch und "unbelebt" wirkte. Gerade bei einem solchen Thema wünscht man sich doch, dass eine sehr dichte Spielatmosphäre aufkommt und die Tableaus, der Spielplan bzw. Karten mit schönen, thematischen und individuellen Aufmachungen überzeugen können. Leider ist dies nicht der Fall und "La Granja" ist im Rahmen der Optik "nur" O.K.!

                                                   3 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert "La Granja" im groben?

 

Grundsätzlich erhält man hauptsächlich Siegpunkte, indem man z.B. seine eigenen Warenkarten beliefert oder Lieferungen an Handwerksgebäude der Stadt (gemeinsamer Spielplan) durchführt. Zu Beginn jeder Runde setzt man einige seiner Handkarten ein und zieht danach eine bestimmte Anzahl nach. Diese Karten können in diverse Aussparungen des eigenen Spielertableaus gelegt werden, um z.B. Personen mit sehr unterschiedlichen Effekten zu erhalten, sein Hof auszubauen (Felder = Rohstoffe) oder Warenanforderungen im Rahmen eines Wagenkarrens entstehen zu lassen etc. Folglich sind die Karten je sehr verschiedenartig einsetzbar und flexibel. 

Im Kontext der Ertragsphase erhalten Felder Erntegüter und Schweine Nachwuchs (Voraussetzung: Stall angebaut). Daraufhin kann man in der Spielerreihenfolge Dachmarker kaufen, die im Spielverlauf einmalig eingesetzt werden können und bestimmte Effekte sowie Siegpunkte bringen. Daran angeknüpft werden Würfel gewürfelt, die bestimmten Aktionen entsprechen. Bei zwei Spielern nimmt sich jeder Spieler zwei Würfel, wobei der dritte Würfel für beide Spieler aktiv wird. Bei diesen Felder hat man u.a. die Chance mehr Ressourcen zu generieren, die dann nicht auf den Feldern, sondern in bestimmten Depots auf dem eigenen Spielertabelau gelagert werden.

In der nächsten Phase wählt jeder Spieler verdeckt einen "Eselsmarker". Dieser gibt an, wie viele Schritte man auf einer "Siestaleiste" voranschreitet und wie viele Lieferungen man in dieser Runde ausführen darf. Das Voranschreiten der "Siestaleiste" macht eine Person zum Startspieler und bring diesem dann auch zum Ende der Runde Siegpunkte. Darauf aufbauend können dann Lieferungen getätigt werden, indem man Waren auf den eigenen Warenkarren des eigenen Tableaus platziert. Wurde ein Warenkarren erfüllt, erhält man entsprechend der Nummerierung der Karte Siegpunkte und setzt einen Marker auf ein Markfeld (auf dem gemeinsamen Spielplan). Dabei kann es vorkommen, dass benachbarte Figuren auf diesem gemeinsamen Spielplan verdrängt werden, da sie eine niedrigere Zahl aufweisen. Pro verdrängter Figur erhält man dann auch noch zusätzlich einen Siegpunkt, wobei am Ende der Runde die Anzahl der Figuren auf dem Markt gezählt werden und diese dann ebenfalls Siegpunkte bringen. Eine Lieferung an ein Handwerksgebäude (fest angegebene Waren auf dem gemeinsamen Spielplan/ und es wurde eine Reihe komplett beliefert) bringt dem Spieler entsprechend der Runde Siegpunkte und einen Handwerksmarker, der sehr spezielle wie auch andauernde Fähigkeiten mit sich bringt (Ressourcen, Siestaleiste etc.)

Jeder Zeit ist es außerdem noch möglich, für Geld Waren aufzuwerten oder zu verkaufen bzw. Handelswaren in bestimmte andere Ressourcen sowie Effekte umzutauschen.

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Auch wenn viele Phasen im Spiel existieren, muss man klarstellen, dass diese gut aufeinander aufbauen und nach der ersten Partie verinnerlicht sind. Die einzelnen Aktionsmöglichkeiten wurden hervorragend miteinander verzahnt und das Generieren von Waren  sowie das Beliefern mit diesen spielen sich optimal gut gegenseitig zu. Die freien Handlungsmöglichkeiten wurden passend in den eigenen Spielablauf implementiert und auch der Ertrag (Siegpunkte, Marker), den man bei den unterschiedlichen Belieferungen erhält, steht in einem angemessenen Verhältnis zu den Kosten. Bei den Karten und insbesondere bei den Personeneffekten waren wir etwas skeptisch, da einige Effekte zu stark daherkamen und wir diese dann nicht ganz ausbalanciert fanden.

Dessenungeachtet funktionieren die Mechanismen in "La Granja" sehr gut und auch der Glücksanteil, der beim Würfeln für die Aktionsfelder und mit dem Ziehen der Karten aufkommt, hat keineswegs den Spielfluss gestört. Super!

                                                     5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Am Ende des Regelwerkes steht folgende Anmerkung:

 

"Michael Kellers "Dice for the Galaxy" war Ausgangspunkt der Entwicklung von "La Granja". Der Würfelverteilungsmechanismus aus einem Prototyp namens "Arriba" von Matthias "Matze" Cramer hat uns zum Würfelmechanismus dieses Spiels inspiriert. Die hervorragende Verwendungsmöglichkeit von Karten hat Carl Chudyk in "Ruhm für Rom" (Lookout Games, 2010) erdacht; wir haben sie (hoffentlich stimmig) variiert.

Das zentrale Element in der Spielmitte wurde durch den Tempel in "Luna" (Hall Games 2010) von Stefan Feld inspiriert." 

 

Es wird klar, dass die Autoren sich von unterschiedlichen, bereits bestehenden Spielen inspirieren lassen haben und diese Ideen in einem neuen Kontext miteinander verknüpften, was gut gelungen ist. Der innovative Meilenstein bleibt dabei etwas auf der Strecke, dennoch hat die vorliegende Verknüpfung altbekannter Mechanismen auch was Frisches an sich, sodass hier eine überdurchschnittliche Bewertung angebracht ist.

                                                  3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"La Granja" hatte in den Testrunden seinen gewissen Reiz! Gerade der unterschiedliche Einsatz der Karten zeugte von hoher Variabilität, die nochmals durch die Personeneffekte verstärkt wurde. Ebenso konnte die Würfelphase überzeugen, in der nicht genommene Würfel für alle Spieler gleichsam aktiv wurden, was wir ganz angenehm fanden. Entgegen dieser Flexibilität des eigenen Spielertableaus bzw. der Einsatzbarkeit der Karten kann man anführen, dass das gemeinsame Spielfeld sehr starr ist. Die Handwerksgebäude zeigen immer wieder die gleichen Ressourcen an und sind an ganz bestimmte Handwerksmarker gekoppelt, was hinsichtlich des Wiederspielreizes hinderlich ist. Ebenso der Eindruck, dass manch eine Personenkarte sehr stark wirkte, hatte einen faden Beigeschmack. 

"La Granja" fordert viele wichtige Entscheidungen und man hat das Gefühl, dass man sein eigenes Spielgeschehen gut unter Kontrolle hat, obwohl das Spiel einige Glückselemente beherbergt. Alles in allem hat uns "La Granja" gut gefallen und wird hin und wieder auf den Spieltisch gelangen. Ein gutes wie auch solides Spiel, das seine Daseinsberechtigung hat!

                                                   4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "La Granja" liegt bei 44,80 Euro. Die Spielmaterialien sind sehr wertig, nur die "Universalmarker" haben uns nicht ganz zugesagt. Die Mechanismen funktionieren überwiegend hervorragend und greifen sehr gut ineinander. Dementgegen konnte uns die illustrative Aufmachung nicht vollends überzeugen, da diese sehr "leblos" und mechanisch wirkte. Der Innovationsgeist beruht auf vielen Mechanismen, die aus anderen Spielen bekannt waren und nun in neuer Konstellation verwendet wurden. "La Granja" ist Vielspielern zu empfehlen, die ein strategisches "Euro-Game" haben wollen und gerne an ihren Spielzügen arbeiten bzw. Fans von spielerischen Optimierungen sind.

                                                 4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "La Granja", wenn du ein Spiel haben willst, das...

 

- ein klassisches "Euro-Game" ist.

 

- viele altbekannte Mechanismen beinhaltet, die neu zusammengestellt wurden.

 

- kleinere Glücksmomente aufweist, die aber nicht so stark auffallen.

 

 

Lasse die Finger von "La Granja", wenn du....

 

- ein sehr innovatives Spiel haben willst, das gerade so vor Kreativität strotzt.

 

- ein sehr thematisches und lebendiges Spiel suchst. Eine wirklich thematische Atmosphäre kommt nicht arg zum Ausdruck.

 

- ein schön illustriertes Spiel haben willst, das unzählige kleinere Details und Feinheiten enthält.

 

 

* Danke an alle Spieler!

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß aufgerundet!