Review: "La Cosa Nostra" von Johannes Sich

Fakten

Autor: Johannes Sich

Spieleranzahl: 3-5

Verlag: Hard Boiled Games

Spieldauer: ca. 90 Minuten

Alter: ab 16 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 29,95 Euro


Spielbeschreibung

 

WILLKOMMEN IN DER MAFIA

La Cosa Nostra ist ein interaktives Spiel für 3 bis 5 Spieler.

Jeder Spieler übernimmt die Rolle eines Mafiabosses und befehligt einige Gangster. Mit den Gangstern lassen sich Aktionen ausführen, vom Zigarettenschmuggel bis zum Mordanschlag. Für die meisten Jobs benötigt man bestimmte Unternehmen. Wenn man nicht selbst über diese verfügt, muss man mit seinen Mitspielern Deals aushandeln. Mit jeder Runde werden die Möglichkeiten vielfältiger, die Jobs lukrativer, die Angriffe brutaler. Dadurch wird Zusammenarbeit attraktiver und Verrat immer verlockender. Denn am Ende gewinnt nur einer – und das ist derjenige, der das meiste Geld beiseite geschafft hat.

Quelle: Homepage "La Cosa Nostra"


Hintergrundinformationen

 

"La Cosa Nostra" ist ein Spiel, dass im Jahre 2014 via Startnext mit einem Beitrag von 20.231 Euro finanziert wurde. Der Autor Johannes Sich ist Autor und Illustrator zugleich und präsentierte sein Erstlingswerk  auf der diesjährigen Spielemesse (2015) in Essen. Ob "La Cosa Nostra" ein Mafiaspiel mit Flair ist, oder der Schuss nach hinten losging, erfahrt ihr im Laufe der Rezension.

Quelle: Boardgamegeek


Spielmaterialien

 

Bei den Spielmaterialien gibt es kaum etwas zu auszusetzen. Die Karten, woraus das Spiel hauptsächlich besteht, sind von guter Qualität, was man von den Deal-Markern und dem Geld ebenfalls behaupten kann. Einzig und allein die sehr dünn geratenen "Spielfelder" lassen doch Freiräume für Kritik zu, da sie im Gegensatz zu den restlichen hochwertigen Materialien eher von minderer Qualität daherkommen. Da ist wohl das "Schmiergeld" ausgegangen ;) Anonsten bietet "La Cosa Nostra" qualitativ hochwertige Materialien. 

                                          5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen passen hervorragend zu dem vorliegenden Spiel. Alle Elemente, die dieses Genre ausmachen, kommen gekonnt zum Vorschein und ziehen sich wie ein roter Faden durch die Karten. Die düstere Stimmung, hinterhältig dreinschauende Charaktere, unterschiedlichste Facetten der illegalen Welt und die sehr individuellen Mafia-Familien lassen das Kartenspiel sehr thematisch erscheinen. Aus optischer Sicht ist ebenfalls die Farbauswahl gelungen, da die Farbe Schwarz auf fast allen Karten mal mehr, mal weniger benutzt wurde und damit einhergehend die düstere Stimmung dieser "Untergrundszene" hervorhebt. 

Umso mehr ist es schade, dass sich Karten doppeln und demnach auch die Illustrationen. Es wäre dem Spiel im Kontext des realistischen Spielgeschehens zugute gekommen, wenn sich keine Illustrationen doppeln würden. Im Rahmen dieses Spielthemas passen die Illustrationen dennoch wie "die Faust aufs Auge" (immer diese Wortspiele....;))

                                               5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Du willst wissen, wie das Spiel funktioniert? Dann schau dir mal die Videos von dem Autor höchstpersönlich an.

Die Spielmechanik besteht aus strategischen Planungen und Verhandlungsgeschick, wodurch man die Glückskomponente, die in diesem Spiel besteht, ausmerzen kann. Durch die offene Auslage ist es jedem Spieler möglich finanzielle Kalkulationen vorzunehmen, Angriffe zu planen, aber auch zukünftige Verhandlungen zu schmieden. Eine weitere strategische Notwendigkeit liegt darin zu entscheiden, welche Auftragskarten, auf welche Gangster ich lege. Denn je nach Gangster, darf mit mehr Würfeln gewürfelt werden und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Auftrag gelingt, ist umso höher. Durch Einflusskarten, die es mir u.a. erlauben Karten der Mitspieler zu sichten, erweitert sich logischerweise das Wissen über die Spielbegebenheiten, das natürlich auch in die Planung miteinfließt. Man kann also sagen, dass "La Cosa Nostra" im Prinzip strategischer ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Selbstverständlich kann es passieren, das einem der Gegner in die Quere kommt, Vereinbarungen nicht eingehalten werden, oder Aufträge aufgrund zu niedriger Würfelaugen misslingen. Aber ist dieses Fünkchen Glück bzw. diese Gewisse Unsicherheit nicht auch Charakteristisch für die "Mafiawelt"? "La Cosa Nostra" scheint in einem weiten Sinne auch einen Workerplacement Element zu besitzen, da bestimmte "Arbeiter" (Familienmitglieder) zu ganz bestimmten Zwecken eingesetzt werden, was auch ohne jegliches Wenn und Aber funktioniert. Denn "Arbeiter" mit mehr Waffensymbolen sind auch in der Auftragsführung sicherer und es können neue "Arbeiter" gekauft werden, damit man über eine breitere Aktionsvielfalt verfügen kann. 

Der "Arbeitereinsetz-Mechanismus" (im weiten Sinne), der reibungslos in strategische Überlungen übergeht, gepaart mit Beeinflussungen, die durch Vereinbarungen (z.B. fehlende Karten ausbalancieren) entstehen, lassen das Spiel gut funktionieren. Das Fünkchen Glück, dass die Ungewissheiten eines Angriffes, ein möglicher Vereinbarungsbruch oder durch Pech im Würfelglück, besteht, wertet das Spiel nochmals auf und passt die Spielmechanik an die Thematik an (Mafia = Ungewissheit).

Einzig und Allein der Fakt, dass mehrere Spieler auf einem Spieler rumhacken können, könnte die Spielmechanik aus den Fugen bringen. Klar spiegelt dies auch die "Unterwelt" wieder, aber dennoch sind dem Angegriffenen in seiner Spielweise die Hände gebunden, wenn sich alle Spieler gegen ihn richten und das Gleichgewicht zwischen Planung und Glück gerät in eine extreme Disbalance. Hier wäre eine Begrenzung wünschenswert, und zwar dass nicht alle Spieler andauernd einen Spieler angreifen können.

Ansonsten lässt sich eine starke Spielmechanik abzeichnen!

                                           5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Man muss wahrlich sagen, dass der Brettspielmarkt nicht mit Spielen überflutet wird, die mit dem Thema Mafia behaftet sind (wenn man mal beachtet, dass gefühlt jedes zweite Spiel nach einer Stadt benannt wird ;)). Alle Tester konnten durch etliche Spielrunden bestätigen, dass "La Cosa Nostra" das kriminelle Spielgefühl auf ein neues Level bringt. Die Atmosphäre, die durch die Illustrationen entsteht und durch die Spielmechanik unterstützt wird, lassen das Spiel im Bereich Mafia Genre neuartig erscheinen. Ein klar gegliederter Spielablauf (z.B. nacheinander an Gangster mit Aufträge verteilen) steht in einem sehr starken Kontrast zu den sehr freien Vereinbarungen, die so frei sind, dass sie auch wieder gebrochen werden können. Das Spiel besteht demnach aus einem sehr starken Gegensatz zwischen starrer Ablauf und extrem freien Handlungsmöglichkeiten. Diese Mischung lässt das Spielerlebnis in völlig neuem Gewand erscheinen. 

Einige Grundelemente sind zwar bekannt (deshalb nicht die Höchstwertung), wie das Kaufen der Karten aus der Auslage und der Arbeiter-Einsetz-Mechanismus (im weiten Sinne), kommen dennoch sehr lebendig daher, indem sie hervorragend in die Thematik integriert wurden und hervorragend in den Gegensatz zwischen starren Abläufen und den extrem freien Handlungsmustern passen. Die Mechanismen lassen demnach das Mafia Genre im Brettspiel wie nie zuvor auferleben.

                                           4,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"La Cosa Nostra" hat uneingeschränkt allen Testspielern Spaß gemacht. Das Spiel ist sehr atmosphärisch, da es alle bekannten Elemente des Mafia-Genre vereint. Die Einstiegshürde ist nicht sehr hoch, sodass sich auch Gelegenheitsspieler als Mafia Bosse erproben können. Hinterhalte, Angriffe, Verhandlungen und fianzielle Kalkulationen führten zu angespannten Spielsituationen, die im Kontext der Thematik des Spiels als positiv zu erachten sind. 

Ärgerlich für jeden Spieler war es, wenn sich die Mitspieler gemeinsam gegen diesen verschworen haben, was eine Dämpfung des Spielspaßes bei dieser Person zur Folge hatte und diese fast ein reales Attentat ausübte ;). Auch diese Verschwörungen gegen einen Spieler passen zwar zum Mafia-Leben, lassen den Spielspaß jedoch bei der betroffenen Person rapide sinken, wenn sie andauernd mehreren Angriffen ausgesetzt ist. In dieser Hinsicht hätte man noch Regulationen bei der Konzeption des Spiels vornehmen können. Zwar bringt "La Cosa Nostra" eine Menge Karten mit, dennoch zeigte sich nach mehreren Partien, dass der Wiederspielreiz nicht extrem hoch ist. Denn solch ein lebendiges Thema verlangt unbedingt auch fortlaufende Abwechslungen bei den Karten, um es auch lebendig halten zu können. Wie bereits erwähnt, doppeln sich Karten und man sehnt sich nach neuen Unternehmen und Aufträgen (mit neuen Illustrationen), um wieder das Anfangsgefühl des spannenden Mafialebens genießen zu können.

Dennoch ist der Spaßfaktor bei diesem Startnext-Projekt sehr hoch!

                                         4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

"La Cosa Nostra" bietet qualitativ gute Spielmaterialien, innovative Elemente und einen hohen Spielspaß. Die Leistung des Spiels wird nach mehreren Partien durch den sinkenden Wiederspielreiz (der Fluch fast aller Kartenspiele) und minimalen Schwächen in der Spielmechanik gedämpft. Dennoch handelt es sich im Rahmen dieser Aspekte um ein wirklich gutes Spiel. Die UVP liegt bei 29,95 Euro, was jedoch das Spiel leider nicht hergibt. Es hat sich klar abgezeichnet, dass "La Cosa Nostra" ein wirklich gutes Spiel ist und die Leistung sich auf einem hohen Niveau entfaltet, dennoch muss man bedenken, dass es sich hier im Grunde lediglich um ein "Kartenspiel" handelt, das fast hauptsächlich nur aus Karten besteht und der Preis in diesem Aspekt eindeutig zu hoch angesetzt ist. Aus diese Gründen kommt es zu Abzügen in dieser Kategorie.

                                              4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...


- ein wirklich gutes Mafia Spiel haben möchtest und du das Mafia Genre magst.

 

- gerne in Spielen deinen Mitspielern einen auswischt.

 

- schon so durch das Leben gehst, als wärst du ein Mafia Boss, du aber diese Selbstreflexion aber gerne bestätigt haben würdest ;).

 

- kleinere Verlage unterstützen möchtest

 

- ein atmosphärisches Spiel erwerben willst, dass sowohl strategische Planungen als auch Glückselemente enthält.

 

 

Zünde dir lieber eine Zigarre an und lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das du X-Mal spielst, es aber nicht seinen Wiederspielreiz verliert.

 

- Fiktion und Realität nicht unterscheiden kannst und du meinst, dass du mit dem Spielen von "La Cosa Nostra" Straftaten begehst.

 

- du es nicht leiden kannst, wenn sich mehrere Leute in einem Spiel gegen dich verschwören.

 

 

* Abrundung durch den Faktor Spielspaß auf 4,5.

* Danke an alle weiteren Testspieler!