13.04.17

Review: "Kanagawa" von Bruno Cathala und Charles Chevallier

Fakten

Autor: Bruno Cathala und Charles Chevallier

Spieleranzahl: 2-4

Verlag: IELLO/Hutter Trade

Spieldauer: ca. 45 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 25 Euro


Spielbeschreibung

 

In Kanagawa wird die hohe Kunst der japanischen Malerei spielerisch erlernt. Die Spieler erweitern ihr Atelier mit Farben und Pinseln, eignen sich neue Kniffe der Malerei an und sammeln Motive wie Landschaften, Personen, Flora oder sogar Fauna. Aber Vorsicht - die anderen Künstler sind neidisch und werfen diebische Blicke in fremde Ateliers!

 

1840: In Kanagawa, der großen Bucht von Tokio, hat sich der Meister Hokusai entschieden, eine Malschule zu eröffnen, um seine Kunst an Schüler weiterzugeben. Du bist einer dieser Schüler und dein höchstes Ziel ist es, dich als würdig vor dem „verrückten alten Künstler“ zu erweisen. Folge seinen Lektionen, um dein Atelier zu erweitern und deine Lieblingsmotive zu malen (Bäume, Tiere, Personen, Gebäude), wobei du immer auf den Wechsel der Jahreszeiten achten musst, um eine harmonische

Grafik zu erzeugen … die eine, die dein Meisterwerk werden soll!

(Quelle: Huch & friends)


Hintergrundinformationen

 

Das Spiel ist ein Werk der Autoren Bruno Cathala und Charles Chevallier. Insbesondere Bruno Cathala hat mit Titeln, wie z.B. "Kingdomino" und "7 Wonders Duel" tolle Ergebnisse abgeliefert. Auch Charles Chevallier ist kein Unbekannter und entwickelte bereits einige Spiele, wie z.B. "Antarctica" oder "Brix". Übrigens kooperierten die beiden Autoren schon beim Spiel "Abyss" und dürften demnach als Team eingespielt sein. Wir sind gespannt, was das Autorenduo zu bieten hat!


Spielmaterialien

 

Hinsichtlich der Materialien erfüllt "Kanagawa" einen hohen Qualitätsstandard! Besonders gelungen ist, dass das Spielbrett aus Materialien besteht, die einer Sushimatte extrem ähneln, was sehr individuell und überaus gut gelungen ist. Auch die Figuren und Plättchen sind hochwertig und auch ist positiv anzumerken, dass man den Spielern Malpinsel-Figuren zur Verfügung stellt, die bisher in einer derartigen Form so in keinem anderen Spiel vorzufinden sind.

Die Karten hingegen empfanden wir als etwas zu dünn, da man diese sehr oft untereinander schiebt und sie demnach sehr stark in Gebrauch sind. Hier wäre ein etwas besseres Material erwünscht gewesen, das an die im Spiel vorzufindenden Abläufe angepasst ist.

Alles in allem hinterlässt "Kanagawa" im Rahmen der Materialien einen sehr qualitativen Eindruck!

                                                         5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Den Testspielern hat die Optik außerordentlich gut gefallen! Sie passt hervorragend zur Spielthematik und wirkt erstaunlich erfrischend und neuartig. Die Illustrationen wirken so malerisch, dass man wirklich das Gefühl bekommt, an einem eigenen sowie individuellen Bild zu malen. Aus diesem Grund passt die Aufmachung des Spiels perfekt zu der Thematik, die das Malen von  Graphiken zum Gegenstand hat.

Eine perfekte Umsetzung der Thematik ist hier definitiv vorzufinden!

                                                          6 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Das vorliegende Video gibt euch einen Eindruck über den Spielablauf:

In "Kanagawa" wird sehr deutlich, dass hier erfahrene Autoren am Werk sind! Die Abläufe sind relativ einfach (auch für Familienspieler geeignet) und können ohne große Mühen verinnerlicht werden. Es entstehen dennoch genug interessante Entscheidungen, die die Spieler in gewisser Weise fordern.

Das Spiel basiert im Prinzip auf einem Wechselspiel zwischen den Feldern, auf denen meine Malpinsel-Figuren stehen und den Kartenmotiven, die ausliegen und die ich an meine Graphik legen möchte. Denn je nachdem, wie ich die Malpinsel-Figuren positioniere bzw. positioniert habe, wird es mir gestattet, nur bestimmte Motive an meine Graphik anzulegen. Steht meine Malpinsel-Figur demnach auf einem Sonnensymbol, darf ich dementsprechend nur ein Motiv an meine Graphik anlegen, die ebenfalls ein Sonnensymbol vorweist. Den Spielern ist es aber durch diverse Effekte gestattet, mehrere Malpinsel-Figuren zu generieren oder diese ein Feld weiter zu bewegen, um gewünschte Symbole abzudecken. Also könnte ich, wenn ich die Malpinsel-Figuren geschickt positioniert habe, auch eine Karte an meine Graphik legen, die zwei Symbole aufweist.

Man muss sich bei jeder Karte, die man aufnimmt, entscheiden, ob man diese an seine Graphik anlegt (falls überhaupt die Malpinsel-Figur auf dem entsprechenden Feld steht), oder umdreht und demnach als Feld benutzt, auf das möglicherweise eine Malpinsel-Figur gestellt werden kann (also in mein Atelier, um sinnbildlich meine Fähigkeiten zu erweitern). Eine sehr ansprechende Entscheidung, die mit jeder Karte gefordert wird und die sich auf verschiedenen Ebenen entfaltet.

Der Bietmechanismus, der zum Erwerb der ausliegenden Karten dient, funktioniert zwar, kann sich jedoch erst mit mehreren Spielern (ab 3 Spielern) richtig entfalten. Denn im Spiel existiert die Regel, dass der letzte Spieler in einer Runde, der noch keine Karte genommen hat, eine Karte nehmen muss und nicht aussetzen darf. Anzumerken ist, dass das Spiel einem grundsätzlich auch gestattet auszusetzen, wobei dann in einer nächsten Bietrunde zusätzlich Karten aufgedeckt werden und man so im Prinzip mehr Karten erhalten kann. Im Spiel zu zweit tritt dieser Umstand jedoch einfach zu selten ein, als das sich diese Mechanik richtig hätte entfalten können. Wenn der erste Spieler also eine Karte nimmt, wird der zweite Spieler immer automatisch auch dazu gezwungen, eine Karte zu nehmen und hat keine Chance auszusetzen, sodass mehr Karten aufgedeckt bzw. erhalten werden können. Im Spiel zu dritt bzw. zu viert kann sich der Ablauf des Aussetzens viel stärker entfalten und führt zuletzt zu einem flüssigeren Bietmechanismus, da mehrere Leute meist aussetzen und es so in eine nächste Bietrunde gehen kann. 

Was in jeglicher Spielerbesetzung nicht so gut gelugnen ist und defintiv ebenso zur Mechanik gehört, ist das Anbauen der Karten. Es ist wirklich eine nervenaufreibende Angelegenheit, die neue Karte unter die bereits bestehenden Karten zu schieben und evtl. erst einmal diverse Figuren runter zu nehmen etc. Diesen Spielabschnitt/Handlungsabschnitt hätte man sicherlich noch eleganter lösen können.

Ansonsten funktionieren die Mechanismen in diesem Spiel prima!

                                                       4 von 6 Spiegeln (2 Spieler)

                                                     5 von 6 Spielern (3 und 4 Spieler)


Innovationen

 

Wie bereits erwähnt, ist die optische Darbietung einzigartig. Auch die Thematik ist erstaunlich frisch und individuell. Natürlich wirkt sich diese sehr spezielle thematische Atmosphäre auch auf den Spielablauf aus und färbt positiv ab. Das Erwerben von Fähigkeiten sowie das Malen an einer Graphik (durch die Aneinanderreihung von Karten) setzen neue Akzente! Diesbezüglich haben sich die Entwickler wirklich was tolles Einfallen lassen!

                                                          5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Kanagawa" ist ein interessantes Spiel, das den Testspielern gut gefallen hat. Der Spielspaß mit 3 und 4 Personen ist definitiv größer als mit 2 Spielern. Zum einen gründet sich dies auf den Bietmechanismus, der sich einfach mit mehr Spielern besser entfalten kann (siehe Kategorie: Spielmechanik) zum anderen intensiviert sich der Charakter eines Wettrennes um die "besten" Diplomplättchen.

"Kanagawa" bietet nicht nur sehr interessante Entscheidungen, es macht zudem auch noch sehr viel Spaß, seine eigene Graphik zu erweitern und sein fertiggestelltes Bild zu betrachten, wobei man am Spielende definitiv das Gefühl hat, während des Spielverlaufes etwas geschafft zu haben.

Durch den Bietmechanismus ist eine direkte Interaktion gegeben, wobei eine indirekte Interaktion durch die Beobachtung der Mitspieler und dem Wetteifern um die Diplomplättchen existiert.

"Kanagawa" bietet durch seine Leichtigkeit und durch die recht kurze Spieldauer die Möglichkeit, ohne große Mühen noch eine Partie im Anschluss zu spielen. Alles in allem ist mit "Kanagawa" ein tolles Familienspiel zu erwerben, das interessante Entscheidungen fordert und auch Spannungsmomente aufweist (Bietmechanismus).

 

                                                       4 von 6 Spiegeln (2 Spieler)

                                                    5 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Kanagawa" liegt bei 25 Euro. Die Materialien sind sehr individuell und qualitativ, was einen positiven Eindruck hinterlässt. Jedoch empfanden wir in den gespielten Testrunden die Karten für ihren Zweck etwas zu dünn (die Karten werden das ganze Spiel über untereinander geschoben). Die Illustrationen sind wie die Materialien ebenso individuell und konnten auf ganzer Linie überzeugen. Weiterhin ist zusammenzufassen, dass die Mechanismen gut funktionieren, wobei diesbezüglich negativ aufgefallen ist, dass sich der Bietmechanismus mit 2 Personen nicht so gut entfaltet, wie in einer Partie mit 3 oder 4 Spielern. "Kanagawa" beinhaltet tolle Ideen, was nicht letztlich der Thematik geschuldet ist. Aber auch auf spielerischer Ebene zeichnen sich kreative Impulse ab, die sich die Autoren haben einfallen lassen. 

                                                        4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Kanagawa", wenn du...

 

- ein Spiel mit einem sehr individuellem Thema und einer schönen Aufmachung suchst

 

- ein Spiel haben willst, das auch mit Gelegenheitsspielern zu spielen ist, aber auch für Vielspieler interessant sein könnte

 

- schon immer mal ein Spielbrett haben wolltest, das eine Sushimatte ist ;)

 

 

Lasse die Finger von "Kanagawa", wenn du...

 

- ein Spiel erwartest, das mit 2 Spielern gleich gut funktioniert wie mit 3 oder 4 Spielern

 

 

* Dankeschön an alle Testspieler

* Die Gesamtwertung für 2 Spieler wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet