Review: "Imperial Settlers" von Ignazy Trzewiczek

Fakten

Autor: Ignazy Trzewiczek

Spieleranzahl: 1-4

Verlag: Pegasus Spiele

Spieldauer: 45-90 Min.

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 34,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Es ist ein langer und ungewisser Weg von einem bloßen Staat zu einem mächtigen Imperium, der vor allem eines Bedarf: Eines klugen, weitblickenden Herrschers. In Imperial Settlers übernehmen die Spieler diese Rolle und lenken die Geschicke einer Fraktion mit individuellen Fähigkeiten. In jeder Runde kann aus einer Vielzahl von Aktionen gewählt werden, um neue Ländereien zu erschließen, Gebäude zu errichten, Handel zu treiben und Gegner zu bekämpfen. Den Ausbau ihres einzigartigen Imperiums organisieren sie dabei mit einer raffinierten Kartenauslage.

Im international erfolgreichen Strategiespiel Imperial Settlers sind die gewieften Staatsmänner (und -frauen) unter den Spielern gefragt, um mit scharfsinnigen Entscheidungen monumentale Großmächte zu errichten - kriegerisch oder friedlich. Diverse Spielvarianten sowie der Solitärmodus für Alleinherrscher sorgen zusätzlich für Abwechslung und ein rundes Spielerlebnis.

 

Quelle: buecher.de


Hintergrundinformationen

 

Jetzt ist es endlich soweit. "Imperial Settlers" wird unter die Lupe genommen. Es ist das Brettspiel, über das aktuell und in den vergangenen Monaten gefühlt am meisten geredet und geschrieben wurde. Überhäuft mit Nominierungen aus dem amerikanischen Raum, steigt gleichsam auch der Anspruch dieses Produktes, das der erfolgreiche Spieleautor Ignazy Trzewiczek (schwer zu schreiben und schwer auszusprechen.. ich weiß ;)) entwickelt hat. Ein weiteres Brettspiel, dass aus seiner Feder stammt, ist "Robinson Crusoe", das auch mit Lob und Anerkennung überschüttet wurde und wahrscheinlich euch fast allen bekannt sein sollte. 

Ob "Imperial Settlers" dieser überaus hohen Erwartungshaltung gerecht werden kann, wird der Spieletest zeigen.


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien von "Imperial Settlers" sind allesamt von hervorragender Qualität, die man vom Pegasus Spieleverlag auch in den meisten Fällen gewohnt ist. Die Karten, Plättchen und Spielsteine sind qualitativ und auch in der Anzahl ausreichend vorhanden. Lediglich die Punktetafel (Wertungsplan) bzw. die  Punkteanzeiger (Völkerplättchen) sind etwas zu klein geraten, wodurch schon etwas "Friemelarbeit" entsteht. Ansonsten Nichts zu bemängeln!

                               5,5 von 6 Spiegel


Illustration

 

Die Darstellung dieses Spiels ist witzig und passt hervorragend zum Spiel. Sie erinnert an alte PC-Spiele aus vergangener Zeit und ist sehr einzigartig auf dem Spielemarkt. Thematisch passt die optische Aufmachung auch zu den einzelnen Völkern und wurde auf diese abgestimmt. Der rote Faden der Aufmachung zieht sich durch alle Spielmaterialien durch, was das Gesamtpaket abrundet. Die Illustration lässt sich als witzig, ja sogar knuffig (verzeiht mir dieses Wort, Freunde) und retro charakterisieren, was seinen ganz eigenen Charme mit sich bringt. Auch die allgemeinen Karten, die völkerunabhängige Gebäude, Orte etc. darstellen, sind an einem ebenso individuellen Stil ausgerichtet worden, wie die Völkerkarten. Besonders gut ist, dass die Völkertafeln auch die Gebiete graphisch abgrenzen und in der Mitte geteilt werden. So wirkt alles noch thematischer und man kann sich die Landschaften besser vorstellen (Übergang vom "allgemeinen" Gebiet zum Völkergebiet). Denn links vom Spielertableau breitet man seine Völkerkarten aus und rechts legt man die allgemeinen Karten nieder.

Alles in allem ist die Illustration sehr einzigartig und hoch zu loben. Dennoch bleibt mir unklar, warum ich z. B. als Ägypter auch allgemeine Gebäude usw. bauen kann und wie diese zwei Gebietearten miteinander thematisch zu verbinden sind.

                                5,5 von 6 Spiegel


Spielmechanik

 

"Imperial Settlers" ist gar nicht mal so schwer, wie ich erwartet habe und beginnt damit, dass jeder Spieler sich ein Volk auswählt. Jedem Spieler steht somit ein individuelles Völkerdeck zur Verfügung und allen Spielern die allgemeinen Karten von einem gemeinsamen Stapel. Eine Runde läuft grob wie folgt ab:

 

1) Kartenphase:

Die Spieler dürfen eine Völkerkarte und zwei allgemeine Karten ziehen.

 

2) Ertragsphase:

Die Völkertafeln geben die Grundproduktion an, die sich aus Arbeitern, Zerstörungs- & Verteidigungsplättchen sowie je nach Volk aus Gold und/oder Rohstoffen zusammensetzt. Zusätzlich können in der Aktionsphase (das kommt gleich noch) Handelsabkommen geschlossen werden, die dann die Erträge steigern können. Zusätzlich kann man im Laufe des Spiels Produktionsorte bauen, die ebenfalls die Ertragsphase bereichern.

 

3) Aktionsphase:

 

Folgende Aktionen stehen einem Spieler zur Verfügung:

 

a) Ort bauen 

- wähle eine Handkarte.

- bezahle die Ressourcen und lege den Ort auf die richtige Seite (allgemeine Orte oder Völkerorte).

- baust du einen Produktionsort, erhältst du sofort die Produktion.

- viele Karten verlangen das Weglegen eines Ortes und du musst dann einen gebauten Ort aus deiner Auslage entfernen (lieber einen allgemeinen Ort, da diese am Ende des Spiels weniger Siegpunkte bringen als Völkerorte.

Übrigens gibt es drei Arten von Orten: Produktionsorte (bringen dir u.a. Rohstoffe), Fähigkeitenorte (statten dich mit Sonderfähigkeiten aus) und Aktionsorte (kannst du nutzen, wenn du die verlangten Rohstoffe auf die Karte legst).

 

b) Handelsabkommen treffen

- wähle eine Völkerkarte.

- bezahle eine Nahrung.

- drehe sie um und schiebe sie unter deine Völkertafel, so dass nur das Handelsabkommen-Feld der Karte sichtbar ist, worauf eine Ressource abgebildet ist. 

- Nimm dir sofort aus dem allgemeinen Vorrat die Ware, die das Handelsabkommen liefert. Zusätzlich bekommst du dann in der Ertragsphase immer wieder diese Ressource.

 

c) Zerstören

- wähle eine allgemeine Karte aus deiner Hand.

- gib ein Zerstörungsplättchen (Schwert) ab.

- Nimm dir aus dem allgemeinen Vorrat die Waren, die im Zerstörungsfeld der Karte angegeben sind.

- die Karte kommt auf den Ablagestapel

 

oder:

- du zerstörst einen allgemeinen Ort bei einem Mitspieler.

- gibst zwei Zerstörungsplättchen ab.

- du erhältst die Waren, die auf dem Zerstörungsfeld dieses Ortes angegeben sind.

- der zerstörte Ort des Mitspielers wird umgedreht und dieser enthält ein Holz als Entschädigung. Ein umgedrehter Ort, auch Fundament genannt, kann von dem Mitspieler dazu genutzt werden, neue Karten zu bezahlen, da manche Orte das Weglegen eines Ortes verlangen. 

 

d) Aktionsort aktivieren

- aktiviere eine Aktion auf eine deiner Karten genau einmal in einer Runde (außer die Karte gibt andere Anweisungen)

- lege die Ressourcen für die Aktion auf die Karte und führe diese aus

 

 

e) Arbeiter gegen Rohstoffe oder Karten tauschen

- diese Aktion erlaubt dir zwei Arbeiter gegen einen Rohstoff deiner Wahl oder eine allgemeine Karte bzw. Völkerkarte zu tauschen.

- führe diese Aktion in einem Spielzug beliebig oft aus.

 

Während deines Zuges darfst du auch ein Verteidigungsplättchen auf einen allgemeinen Ort legen, um es vor Angriffen zu schützen. Für den Angriff auf genau diesen Ort, müsste der Angreifer dann ein Angriffsplättchen (Schwert) mehr bezahlen.

Gold ist ein Jokerrohstoff und kann als beliebiger Rohstoff (Holz, Stein, Nahrung) eingesetzt werden.

 

4) Aufräumphase

- du darfst die Lagerfähigkeit deiner Völkertafel dazu nutzen, um bestimmte Waren in die nächste Runde mitzunehmen.

- danach wirfst du deine genutzten und ungenutzten Rohstoffe, Arbeiter, Gold sowie Zerstörungs- und Verteidigungplättchen ab, die du nicht lagern darfst.

 

Wie ist die Spielmechanik?

Die grundlegenden Phasen des Spiels bauen sehr gut aufeinander auf und sind hervorragend miteinander verbunden. Das gleiche gilt für die Karteneffekte, die auch in ständiger Wechselwirkung zueinander stehen und sich optimal an das Volk angepassen. Zum Beispiel darf man mit den Ägyptern Gold über die Runden hinweg lagern und es gibt aus diesem Grund einige Produktionskarten, die explizit Gold generieren. Dementsprechend sind auch viele Karteneffekte bei den Ägyptern darauf ausgelegt, mit Gold zu bezahlen z.B. zahle Gold erhalte X. Hier passen die Karteneffekte und Lagereigenschaften des jeweiligen Volkes hervorragend zusammen. In dieser Hinsicht ist die Spielmechanik enorm stark und verleiht jedem Volk eine individuelle Note.

Die Frage ist jedoch, ob die Völker gut ausbalanciert wurden? Diesbezüglich kam schon mehrmals das Gefühl auf, dass die Japaner zu stark sein könnten und einige Karten (auch allgemeine Karten) für ihre geringen Kosten ebenfalls zu viel "Power" haben. Ob diese Vermutung stimmt, ist nicht eindeutig zu sagen und verlangt etliche weitere Partien. 

So, demnach ist zu resümieren: Gut gelungen sind:

- die einzelnen Phasen

- Zusammenspiel der Fähigkeiten innerhalb eines Volkes

 

Bedenklich ist:

- Völker bzw. Karten könnten nicht ganz ausbalanciert worden sein

- mann kann sehr viel Glück beim Ziehen der Karten haben und solche erhalten, die perfekt zueinander passen! (etwas zu hoher Glücksfaktor)

                                  4,5 von 6 Spiegel


Innovation

 

Beginnen wir mal bei der Illustration. Diese ist definitiv innovativ, da sie ganz individuell und mit Eigenschaften (witzig, graphische Darstellung wie aus den 90ern) auftritt, die bisher in keinem Spiel derart eingebunden worden sind. Hingegen ist der Rundenablauf jetzt kein Meilenstein: Kartenphase (kennt man), Ertragsphase (du kriegst Rohstoffe - kennt man auch), Aktionsphase (und das sicherlich auch), Aufräumphase (gähn...ja das auch).

Die Karteneffekte sind im Rahmen der Innovation teils neuartig und teils gewöhnlich. Viele Karten bringen lediglich Erträge, oder man gibt was ab und erhält was dafür etc. Einige Karteneffekte hingegen sind sehr individuell, gut durchdacht und bringen frischen Wind in die triste Welt der Karteneffekte :)

Was hingegen wirklich für ein neuartiges Spielerlebnis sorgt, ist das Thema und die optische Aufmachung. Diese beiden Faktoren tragen regelrecht das Spiel und fühlen sich richtig innovativ und unverbraucht an. Gepaart mit einigen netten bzw. sehr individuellen Karteneffekten, ist es schon recht, dass man von einem innovativen Spiel redet.

                                   4,5 von 6 Spiegel


Spielspaß

 

"Imperial Settlers" ist leicht zu erlernen, spielt sich in einer angenehmen Spielzeit und macht viel Spaß. Ein hoher Wiederspielreiz ist durch die unterschiedlichen Völker gegeben und auch die Spielvarianten tragen ihren Teil dazu bei. Es ist schön anzusehen, wie sein eigenes Reich gedeiht und man Runde für Runde mehr und mehr Erträge erhält und einem so eine Vielzahl von Optionen zu Verfügung stehen. Dieses Brettspiel macht Spaß. Dennoch sind einige Aspekt im Spiel vorhanden, die den Spielspaß etwas stören. Zu selten gibt es Karten, die sich auf die Mitspieler beziehen und auch Angriffe auf den Gegner werden nicht oft vorgenommen. So passiert es, dass man sehr stark nebeneinander spielt, da kein gemeinsames Brettspiel vorhanden ist. Bei dem Spiel "Deus" wurde eine herovrragende Schnittstelle zwischen gemeinsamen Spielfeld und eigener Auslage geschaffen, was ich perfekt fand. In diesem Fall spielt jeder gefühlt sehr stark für sich und es ist schon schwierig alle Aktionen, die die Spieler durchführen mitzubekommen, da man zu sehr mit seinen eigenen Karten beschäftigt ist. 

                                    4,5 von 6 Spiegel


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Das Spiel ist derzeit für ca. 29,99 Euro zu haben und ist leicht zu hoch angesiedelt. Qualitative Spielmaterialien sind vorhanden, jedoch besteht "Imperial Settlers" zum größten Teil aus Karten und ist demnach in puncto Spielmaterialien definitiv zu teuer.  Dieses Werk von Trzewiczek macht auf jeden Fall Spaß, ist in vielen Bereichen zwar kaum innovativ, erzeugt jedoch ein frisches Spielgefühl, das durch eine innovative Aufmachung und Thematik entsteht. Weiterhin ist die Spielmechanik zwar stark, weist jedoch in manchen Bereichen Defizite auf (vermutlich nicht perfekt ausbalanciert, große Glückskomponente). Es ist kein perfektes, aber durchaus gutes bis sehr gutes Spiel, bei dem der Preis für die gebotene Leistung etwas zu hoch ist.

                                    4,5 von 6 Spiegel


Gesamtwertung  


Kauf dir das Spiel, wenn...


- du ein Spiel mit einem einfach Einstieg, aber eine Vielzahl von strategischen Möglichkeiten suchst

 

- du eine einmalige Illustration (wie aus den 90ern) suchst, die nostalgische Gefühle bei dir auslöst... Jetzt nicht sentimental werden ;)


- du ein neuartiges Spielgefühl erleben möchtest, das vom Thema und der Aufmachung des Spiels lebt. 

 

- du qualitative Spielmaterialien besitzen möchtest, die du zerkauen und ausspucken könntest und immer noch besser aussehen, wie Materialien bei manch anderem Verlag ;).

 



Lass die Finger vom Spiel, wenn...


-  du den Nachnahmen des Autors nicht aussprechen kannst :)

 

- du Spiele nicht magst, in denen man sehr viel für sich selbst spielt (nebeneinander mit anderen Spielern).

 

- du sagst, dass die Illustration zu wenig aufwändig erscheint und du meinst, dass nur Spiele in 3D deinen Ansprüchen genügen könnten.

 

- du Aufbauspiele nicht leiden kannst.

 

- du ein sehr innovatives Spiel suchst (mit neuen Mechaniken etc.)