Review: "Imhotep" von Phil Walker-Harding

Fakten

Autor: Phil Walker-Harding

Spieleranzahl: 2-4 

Verlag: Kosmos

Spieldauer: ca. 40 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 34, 99 Euro


Spielbeschreibung

 

Imhotep war der erste und berühmteste Baumeister Ägyptens. In diesem Strategiespiel werden die Spieler selbst zum Baumeister und erschaffen wie Imhotep Monumente für die Ewigkeit. Dafür werden Steine benötigt, die mit Booten zu verschiedenen Baustätten gebracht werden müssen. Doch die Spieler bestimmen nicht alleine, wohin die Boote mit ihren Steinen fahren. Denn die Mitspieler haben eigene Pläne und wollen den Erfolg der jeweils anderen Baumeister verhindern. Ein heftiger Wettstreit um die wertvollsten Stein-Lieferungen entsteht. Nur mit der richtigen Taktik und etwas Glück können die Spieler erfolgreich sein und Ägyptens beste Baumeister werden. 

(Quelle: Kosmos)


Hintergrundinformationen

 

Mit dem im Jahre 2015 erschienen Brettspiel "Cacao" hat der Entwickler Phil Walker-Harding im Bereich der Familienspiele bereits einen großen Hit gelandet. Nun wird mit "Imhotep" ein Spiel auf den Markt gebracht, das zwar genauso eingängig ist, aber dennoch viel Spieltiefe bietet und ebenso die Strategen unter den Spielern und Spielerinnen ansprechen soll. Ob dieses neue Brettspiel des Autors strategischen Wünschen genügen kann, wird der vorliegende Bericht zeigen. 


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien lassen überhaupt keine Wünsche übrig! Die Spielsteine wie auch die Tableaus und Karten sind qualitativ hochwertig und ohne Einschränkungen zu empfehlen. Hier gibt es überhaupt nichts zu meckern. Wirklich sehr lobenswert!

 

                                              6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen haben die gewollte Atmosphäre erzeugt und das komplette Erscheinungsbild konnte die Thematik des alten Ägypten überzeugend transportieren. Zumal zu bedenken ist, dass die Gestaltung aufgrund der doch recht kleinen Spieltableaus platztechnisch begrenzt war und die Darstellung auf kleinem Platz erfolgen musste. Dem Illustrator Miguel Coimbra ist dies sehr gut gelungen, indem er den passenden Stil mitsamt den entsprechenden Farben kombiniert hat. Kleinere Feinheiten, wie z.B. Personen auf dem Boot,  Startfelder, bei denen die Boote vor dem Transport der Steine starten, wie auch mehr Details bei den Vorrats-Plättchen, hätten das schon nahezu perfekte Gesamtbild komplettiert, indem auch an diesen Stellen thematische Details vorhanden sein könnten. Nichtsdestotrotz befindet sich die illustrative Arbeit auf einem sehr hohen Niveau und schafft es auf kleinem Platz eine enorme thematische Dichte zu erzeugen. Sehr gut!

                                                 5 von 5 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

 

Das Spielprinzip ist eigentlich recht simpel und verläuft über 6 Runden. Zu Beginn einer Runde wird eine Rundenkarte aufgedeckt, auf der angegeben ist, welche vier Boots-Plättchen die aktuelle Runde zur Verfügung stehen. Es gibt nämlich unterschiedliche Boote mit einer unterschiedlichen Anzahl an Plätzen. Wenn du am Zug bist, bieten sich dir vier Aktionsmöglichkeiten:

1.

2.

3.

4.

 

Wenn alle vier Boote zu Orten gefahren sind, endet die laufende Runde.

 

Die Orte haben unterschiedliche Effekte, die sofort, am Ende jeder Runde sowie am Ende des Spiel in Kraft treten.

a)Markt: Für jeden Stein, der abgeliefert wird, erhält man eine Marktkarte

b)Pyramide: Für jeden Stein, der abgeliefert wird, erhält man sofort Siegpunkte entsprechend der Platzierung des Steins.

c)Tempel: Für jeden Stein, der von oben sichtbar ist, erhält man am Ende jeder Runde Siegpunkte.

usw.

 

Es gibt noch die Rückseiten der Orte (B-Seiten), die andere Effekte und Bedingungen mit sich bringen und so das Spiel variabel gestalten.

 

Die einzelnen Aktionsmöglichkeiten sind sehr gut miteinander verwoben und logisch nachzuvollziehen. Ebenso wirken die einzelnen Orte ausgewogen und auf ihre eigene Weise attraktiv, bringen auf verschiedenste Weise Siegpunkte und verlangen individuelle Anordnungen von Steinen, die sehr gut thematisch angepasst wurden. Die Mechanismen passen daher hervorragend in die Thematik des Spiels und "Imhotep" glänzt mit atmosphärischen Abläufen! Zwar bietet das Spiel einen leichten Einstieg, die zu treffenden Entscheidungen sollten dennoch wohl überlegt sein. Folgende Fragen sind in diesem Zusammenhang zentral: Auf welches Boot kommen meine Steine? Wohin fahre ich mit dem Boot? Wann lasse ich ein Boot abfahren? Lasse ich evtl. ein Boot zu einem nicht so lukrativen Ort abfahren, auf welchem sich nur Steine des Mitspielers befinden, um seine Boni so gering wie möglich zu halten? Diese Fragen spielen im selben Moment eine wichtige Rolle und lassen Strategien zu, die ebenfalls mittels der Markt-Karten beeinflusst werden können. "Imhotep" verlangt über die gesamte Spielzeit hinaus, dass man als Spieler darüber im Klaren ist, dass der Mitspieler die eigenen Vorhaben durchkreuzen kann, indem dieser Steine auf Booten besser platziert und Boote ungünstig abfahren lässt. Demzufolge sollte man sich die offenliegenden Faktoren auf dem Spielfeld anschauen und sich überlegen, was der Mitspieler anstellen wird, um den eigenen Erfolg zu minimieren und da fast alle Materialien offen ausliegen, kann man einen allumfassenden Überblick über die Spielsituation erhalten. Die Mechanismen wurden von dem Autor sehr gut austariert und bieten keine gravierenden Defizite!

                                               6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

"Imhotep" ist in seinen Abläufen sehr innovativ! Gerade der Transport zu den unterschiedlichen Orten, die eine individuelle Anordnung der Steine veranlassen, wirkt im Spielgeschehen neuwertig und frisch. Dabei hat man wirklich das Gefühl, an den Bauwerken mitzubauen, da auch die optisch ansprechenden Spielsteine je nach Bauwerk entsprechend angeordnet werden. Bei der Pyramide erfolgt somit eine Anordnung in Pyramiden-Form, beim Obelisken werden Steine aufeinander gestapelt etc. Gerade diese unterschiedliche Anordnung von Steinen, die sowohl mit der individuellen Generierung von Siegpunkten als auch dem ausgeklügelten Transport-System der Schiffe verknüpft wurde, ist ein innovativer Meilenstein!

                                         5,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Imhotep" macht sehr viel Spaß und hat allen Testspielern überaus gut gefallen. Das Spiel bietet aufgrund der Rückseiten der Orte auch variable Faktoren, die das Spielgeschehen abwechslungsreich gestalten lassen (dennoch wäre eine Erweiterung mit neuen Ort in Zukunft wünschenswert ;)). Der innovative Mechanismus gepaart mit der dichten thematischen Atmosphäre, die hervorragend in das Spielgeschehen eingebetet wurde (das individuelle Bauen von Bauwerken mittels der Spielsteine), hat einen hohen Spielspaß erzeugt. Der Spielablauf bietet zwar einen leichten Einstieg, verlangt jedoch andauernd Aufmerksamkeit und die Beobachtung aller Faktoren, um das Vorhaben der Mitspieler zu durchschauen. Das Gute ist, dass fast alle Spielmaterialien offen ausliegen und somit viele Züge und Absichten vorhersehbar sind, auf die man einwirken kann, um eigene Erfolge feiern zu können. "Imhotep" hat sowohl Gelegenheitsspielern als auch Vielspielern außerordentlich gut gefallen!

                                              5,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Imhotep" liegt bei 34,99 Euro. Die Materialien sind zwar nicht massig vorhanden, überzeugen jedoch von überaus guter Qualität, die Mechanismen funktionieren und der Spielspaß ist auch über eine längere Dauer vorhanden. Weiterhin zeugt dieses Brettspiel von frischen Abläufen und ausgeklügelten Einfällen. Ein wirklich gutes Produkt, das hier entwickelt wurde, was eine überdurchschnittliche Bewertung in dieser Kategorie mit sich zieht.

                                              5,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- einen Spielablauf im Spiel haben möchtest, der hervorragend zur Spielthematik passt.

 

- ein Brettspiel mit einem leichten Einstieg kaufen möchtest, das tiefgängiger ist, als es auf den ersten Blick scheint.

 

- ein Spiel spielen willst, das sehr innovativ ist, neuartig und individuell wirkt.

 

 

Lass die Finger vom Spiel und flieg nach "Hurghada", wenn du...

 

- es nicht magst, dass fast alle Informationen des Spiels offen ausliegen und man evtl. auch so auf deine Absichten schließen könnte, du aber ein großer Fan von Datenschutz und Persönlichkeitsrecht bist ;)

 

- keinen Gefallen daran findest, Spielsteine aufeinander oder nebeneinander zu stapeln und du als Kind Legosteine abgrundtief gehasst hast ;).

 

- ein Spiel haben willst, das grundsätzlich sehr viele Aktionsmöglichkeiten bietet.

 

*Danke an alle Testspieler

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß wurde die Gesamtwertung abgerundet