22.04.17

Review: "Im Namen Odins" von Krzysztof Zieba

Fakten

Autor: Krzysztof Zieba 

Spieleranzahl: 2-5

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spieldauer: 60 Minuten

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 44,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Die Tage des alten Jarls sind gezählt und unter den Wikingerhäuptlingen entbrennt ein Wettstreit um seine Nachfolge. Nur die geschicktesten Strategen und mutigsten Kämpfer haben eine Chance auf den Titel. Wer erweist sich als würdiger Jarl und wird fortan im Namen Odins über das Land herrschen?

  

Im Namen Odins ist ein Spiel für 2–5 Spieler, das geschickte Planung und mutige Entscheidungen erfordert. Als aufstrebende Häuptlinge bauen die Spieler Gebäude und Schiffe, scharen Gefolgsleute um sich und verbünden sich mit mächtigen Helden, um auf der Suche nach Ruhm und Reichtum in ferne Lande zu segeln. In jeder Runde kann man mit seinen Handkarten sein Dorf ausbauen oder Schiffe errichten, die jeweils besondere Spielvorteile bringen, Wikinger oder Helden rekrutieren oder Raubzüge unternehmen. Wer Held und Schiff auf eine der Missionen schickt, erhält Ruhmpunkte, die man benötigt, um das Spiel zu gewinnen. Durch die unterschiedlichen Sonderfähigkeiten von Gebäuden, Helden und Schiffen entstehen immer wieder neue taktische Kombinationsmöglichkeiten, die man zu seinen Gunsten nutzen kann. Baut Häuser und Langschiffe! Rekrutiert Wikinger und sichert euch die Dienste der tapfersten Helden! Unternehmt die ruhmreichsten Raubzüge, bevor es ein anderer tut! Werdet zum neuen Jarl, um im Namen Odins zu herrschen!

(Quelle: Heidelberger Spieleverlag)


Hintergrundinformationen

 

Im Namen Odins basiert auf einer Kickstarter Kampagne des Verlages "NSKN Games". Die Kampagne hat im Jahre 2016 84.811 $ eingenommen, wobei insgesamt 1679 Unterstützer an dem Projekt mitgewirkt haben. Folgende Videos wurden zum Spiel veröffentlicht:

Nun hat sich der "Heidelberger Spieleverlag"/"Asmodee" des Spiels angenommen und es herausgebracht. Wir sind gespannt, wie das Thema Wikinger diesmal umgesetzt wurde, da in letzter Zeit doch einige Spiele, wie z.B. "Hengist", "Blood Rage", "Ein Fest für Odin" sowie "Skibe" dieselbe Thematik zum Gegenstand hatten. Auf welche Art und Weise sich "Im Namen Odins" von den anderen "Wikinger-Spielen" abhebt, zeigt sich im Verlauf des Berichtes.


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von einer guten Qualität. Die Karten, das Spielbrett und die Marker wirken eindrucksvoll qualitativ. Die Plastikfiguren sind eher als durchschnitt zu bezeichnen und können nicht ganz mit den restlichen Materialien mithalten. Zwar ist es erst einmal überhaupt schön, dass hier Plastikminiaturen anstelle von Markern mitgeliefert werden, dennoch waren sehr viele Figuren verborgen und manche auch etwas angebrochen, was den positiven Eindruck minderte. Weiterhin fehlt ganz klar eine Spielerübersicht, die gerade in den ersten Partien essentiell ist und alle Aktionsmöglichkeiten mit ihren Kosten darlegt. Denn Kosten, wie z.B. für die Baumarker wurden gar nicht auf dem Spielbrett verzeichnet.  

Dennoch ist insgesamt im Rahmen der Materialien mit "Im Namen Odins" ein hochwertiges Produkt gegeben.

                                                     4,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die optische Darbietung von "Im Namen Odins" ist außerordentlich gut gelungen. Es wurden die passenden Symbole und Farben gewählt, die die Thematik auf gelungene Weise aufkommen lassen. Der Stil der Karten und die Darstellung der Charaktere hätte nicht besser vonstatten gehen können. Nebenbei wurde auch noch auf Vielseitigkeit geachtet, da eine Menge namenhafte Helden illustriert wurden und es wirklich Spaß macht, diese zu begutachten bzw. zu bestaunen.

Ein optisches Highlight verbirgt sich hinter diesem Spiel! Super!

                                                          6 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert "Im Namen Odins"?

 

In diesem Spiel bekommen die Spieler Handkarten, auf denen Symbole abgebildet sind. Mit diesen Handkarten bzw. den darauf abgebildeten Symbolen können Aktionen ausgeführt werden, wie z.B. Wikingerfiguren rekrutieren, oder Gebäude bauen etc.

Das Hauptziel des Spiels liegt darin, Gebiete auszurauben, indem man Wikingerfiguren abgibt und so Siegpunkte generiert. Helden und Gebäude, die man im Laufe des Spiels erwirbt, bieten zudem noch Fähigkeiten und Effekte.

Wie das Spiel im Detail funktioniert, könnt ihr gerne mit der folgenden Datei erfahren:

Download
"Im Namen Odins" Spielregel
Im_Namen_Odins_Spielregel_Deutsch.pdf
Adobe Acrobat Dokument 5.7 MB

Wie ist die Spielmechanik?

 

Man kann anfänglich zusammenfassen, dass die einzelnen Aktionsmöglichkeiten gut zusammenpassen und ein sinnvolles  Spielsystem entsteht. Zentral steht das Rauben im Mittelpunkt, mit welchem man Siegpunkte generiert. Viele Aktionen sind exakt um  diesen Prozess herum aufgebaut worden, um diesen zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen, wie z.B. die Rekutierung von Wikingern, das Bauen von Gebäuden (Effekte) sowie das Anheuern von Helden, um einen Raub überhaupt zu ermöglichen etc.

Die verschiedenen Helden, die Gebäude, die Raubkarten und die Schiffe fanden wir hinsichtlich ihrer Vorteile/Siegpunkte ausgeglichen. Ebenso stimmte das "Kosten-Nutzen-Verhältnis", sodass auf ein gutes "Balancing" geschlossen werden kann. Jedoch sind auch Defizite in der Spielmechanik auszumachen. Zum Beispiel endet das Spiel sofort, wenn der aktive Spieler die letzte Raubzugkarte erfüllt hat. Das bedeutet, dass die Runde nicht mehr zu Ende gespielt wird und demnach ein immenser Vorteil für den aktiven Spieler vorliegt, da die anderen Spieler nicht mehr zum Zug kommen, was definitiv nicht gerecht ist. Ein weiteres Manko besteht darin, dass man evtl. gar nicht die letzte Raubzukarte haben will. Denn bringt diese wenig Siegpunkte ein, dann lohnt sich die Abgabe von Wikingerfiguren für diesen Raubzug kaum, da man noch am Spielende für diese Siegpunkte erhalten würde und der Siegpunktwert der Wikinger die der Raubzugkarte übertrifft. Somit kann es in bestimmtn Situationen passieren, dass die letzte Raubzukarte für einen Spieler kaum von Vorteil ist. Dann spart man sich lieber die Wikingerfiguren für das Spielende auf. Des Weiteren ist negativ anzumerken, dass es mit der Zeit immer schwieriger wird, neue Gebäude zu bauen, da die Kosten pro gebautem Gebäude steigen. Somit kommt auch der eigene Spielfluss etwas zum stocken, wodurch auch dem Grundgedanken des "Aufbaus" in gewisser Weise widersprochen wird.

Alles in allem funktioniert das Spiel, jedoch auch Defizite in den Mechanismen auszumachen. 

                                                          3 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Die optische Aufmachung des Spiels belebt wahrlich das Spiel, dennoch muss ehrlicherweise zusammengefasst werden, dass "Im Namen Odins" keine frischen und zugleich innovativen Mechanismen aufweist. Es handelt sich hierbei um ein Spiel, bei dem man mit Symbolen Aktionen ausführt und wieder Karten nachzieht. Demnach existieren während des Spielverlaufes kaum Momente, in denen man auf mechanischer Ebene wirklich überrascht wurde. Folglich kann nicht von einem kreativen Grundmechanismus geredet werden und auch die Raubüberfälle laufen relativ innovationslos ab (Wikingerfiguren abgeben).

Alles in allem ist zu sagen, dass das Spiel keine brillanten Ideen enthält und wir diesbezüglich leider enttäuscht wurden. Die Abläufe fühlen sich an wie: "Ich habe das schon 100 Mal gespielt". Schade eigentlich!

                                                          2 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Der Spielspaß ist eher im durchschnittlichen Bereich anzusiedeln. Das Spiel greift auf bekannte Mechanismen zu und hinterlässt leider einen verstaubten Eindruck. Schade ist zudem, dass sich das Spiel nur auf das Rauben konzentriert und alle weiteren Aktionen drum herum gebaut wurden. Man muss es demnach schaffen, der Spieler zu sein, der am meisten Raubkarten erfüllt. Eine andere Strategie bietet das Spiel einfach nicht, da die anderen Aktionsmöglichkeiten wenig bis keine Siegpunkte einbringen. Demnach kann man nicht unterschiedliche Strategien ausprobieren, weil das Element des Raubens einfach zu prägnant ist und alle weiteren Elemente überdeckt. Somit war der Wiederspielreiz auch nicht allzu groß, denn man konnte keine grundlegenden Variationen in der Strategie vornehmen. Klar, kann man mal andere Helden und Gebäude nehmen, aber das Gefühl etwas Neues auszuprobieren bleibt völlig auf der Strecke. Ein weiteres Manko ist, dass die Wartezeit recht lange für ein doch recht simples Spiel ist. Jeder Spieler kann so viele Aktionen machen, bis er passt oder keine Karten mehr hat und dies kann auch lange dauern. Die Wartezeit passt demnach nicht optimal zu dem Spielsystem!

 

Im Gegensatz zu den Kritikpunkten ist die optische Aufmachung zu nennen, die mehr als gelungen ist und es macht sichtlich Spaß, die einzelnen Spielelemente zu begutachten.

Alles in allem ist im Rahmen des Spielspaßes folgender Wert zu vergeben.

                                                        2,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP liegt bei 44,95 Euro. Die Spielmaterialien sind qualitativ, jedoch sind auch Schwachstellen zu erkennen. Dies ist ebenfalls für die Spielmechanik zu sagen, die auch einige Defizite beinhaltet. Dementgegen ist die optische Aufmachung sehr gelungen und es bereitet Freude, die optisch ansprechenden Materialien auf dem Spieltisch auszubreiten und mit diesen zu spielen. Dennoch sind kaum große Innovationen zu erkennen und auch der Spielspaß hielt sich arg in Grenzen. Alles in allem ist in Relation zum Preis folgende Bewertung zu vergeben.

                                                        2,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Im Namen Odins", wenn du...

 

- ein Spiel haben willst, das mit einer hervorragenden optischen Aufmachung glänzt

 

- ein Fan des Thema Wikinger bist. Es wurden thematisch die wesentlichen Elemente aufgegriffen

 

 

 

Lasse die Finger von "Im Namen Odins", wenn du...

 

- ein Spiel mit einer perfekten Mechanik suchst

 

- innovative Ideen im Spielgeschehen haben möchtest

 

 

* Danke an alle Testspieler

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet