11.08.17

Review: "Great Western Trail" von Alexander Pfister

Fakten

Autor: Alexander Pfister

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Verlag: Pegasus Spiele 

Spieldauer: 75-150 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 39,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Amerika im 19. Jahrhundert: Als Viehzüchter müssen die Spieler wiederholt ihre Herden von Texas nach Kansas City treiben, wo sie per Zug auf die Reise Richtung Westen geschickt werden. Natürlich sollen bei der Reise nach Kansas City nur die wertvollsten Rinder dabei sein. Allerdings reicht es nicht, die Herden nur gut in Schuss zu halten, auch die Gebäude entlang des Pfades müssen klug genutzt werden. Außerdem lohnt es sich, fähiges Personal wie Cowboys, Handwerker und Ingenieure einzustellen. Wer seine Herde clever managt und durch gutes Timing die Chancen und Tücken des Great Western Trail am besten meistert, wird den Sieg davontragen.

(Quelle: Pegasus Spiele)


Hintergrundinformationen

 

Der Entwickler Alexander Pfister genießt derzeit sicherlich einen Lauf! Bereits mit dem Spiel "Broom Service" sowie "Isle of Skye" hat er zweimal den begehrten Preis des "Kennerspiels" abgeräumt. Des Weiteren gewann er mit "Mombasa" den "Deutschen Spielepreis". Vor einiger Zeit ist ein Interview mit Alexander Pfister zu "Great Western Trail" erschienen, das ihr hier lesen könnt.


Spielmaterial

 

Das Spielmaterial genügt hohen Qualitätsansprüchen! Die Plättchen sind stabil und auch die Karten sind sehr robust. Einzig und allein die "Playerboards" wirkten im Gegensatz zu den anderen Spielelementen auf den ersten Blick etwas instabil. Im Rahmen der dünnen "Playerboards" bewegen sich die vorliegenden "Boards" jedoch am oberen Rand des Qualitätsniveaus und konnten auch in etlichen Partien einen guten Dienst erweisen. Weiterhin ist es super, dass ein Wertungsblock mitgeliefert wurde, was man ja in vielen anderen Spielen schmerzlich vermisst. 

P.S. Anscheinend sind die biegsamen "Playerboards" mittlerweile der neue Standart geworden, an den man sich sicherlich erst gewöhnen muss. 

                                                          6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Testspieler erachten die optische Aufmachung von "Great Western Trail" als gelungen! Für eine herausragende Bewertung hat es gemäß aller Meinungen dann letztlich nicht gereicht. Der Illustrator hat viele verschiedene Darstellungen angefertigt, wie z.B. unterschiedliche Rinder und Gebäude. Ferner wurden viele essentielle Symbole des Westerns in die graphische Darbietung integriert, sodass man direkt die wesentlichen und richtigen Assoziationen entwickelt. Alles in allem kann man beim vorliegenden Produkt von einer ansehnlichen Optik sprechen. Gute Arbeit!

                                                        4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Schaut euch das folgende Video vom Verlag "Pegasus" an, um zu erfahren, wie das Spiel funktioniert:

 

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Alexander Pfister hat ein Spiel für Experten entwickelt, das sehr viele Stellschrauben beinhaltet und vielfältige strategische Möglichkeiten zulässt. Die einzelnen Vorgänge wurden sehr gut miteinander verzahnt und es ist diesbezüglich auch keine Kritik anzubringen. Nichtsdestotrotz ist zu bemängeln, dass gerade in einer Partie mit 2 Spielern im Rahmen des "Worker-Movement-Mechanismus" zu viel Bewegungsfreiheit vorherrscht und sich das Spielfeld in einer längeren Zeitspanne zu "leer" anfühlt, da der Bewegungsmechanismus keine wirkliche Begrenzung aufweist. Durch diesen Umstand können auch keine intensiven Spannungsmomente entstehen. Mit 3 und 4 Spielern füllt sich das Spielfeld schneller, wobei es aufgrund der "gesunden" Einschränkungen durch die Mitspieler interessantere Entscheidungen zu treffen gilt, was dem Spielablauf sehr gut tut. Gerade bei 2 Spielern wäre definitiv eine Skalierung bzw. eine Anpassung des Mechanismus an die Spieleranzahl notwendig gewesen, damit sich diese mehr in die Quere kommt und sich die Bewegungsschritte nicht so belanglos anfühlen. Ebenso kam die hohe Anzahl an Runden in vielen Partien negativ zum Vorschein. Denn im Grunde bewegt man sich im Spiel von einem Startpunkt zu einem Zielpunkt und dies repetitiv. Gerade bei dieser hohen Rundenanzahl kam in den Testpartien das Gefühl eines zähen Spielflusses auf, was gar nicht direkt mit den Aktionen an sich, sondern mit dem immer wiederkehrenden Start- bzw. Zielpunkt und der damit verbunden langen Spielzeit zusammenhängt. Ergo wären hier weniger Runden in allen Spielerbesetzungen vom Gefühl her angebracht gewesen, um eine gewisse "Spielfrische" über die gesamte Spiellänge zu erhalten. Im Gegensatz zu dem Stragiespiel "Mombasa" wirkt "Great Western Trail" nicht ganz so elegant und ist auch nicht so eingängig. Eventuell wären in  diesem Fall weniger Spielelemente bereichernder gewesen, da "Great Western Trail" etwas unnötig überfrachtet wirkt. Entgegen dieser Negativpunkte ist dennoch zu erkennen, dass hier ein Profi am Werk war, da es Herr Pfister geschafft hat, sehr viele Aktionsmöglichkeiten ausgezeichnet miteinander zu verzahnen, wobei eine angemessene Balance dieser Möglichkeiten auszumachen ist.

 

                                                       4 von 6 Spiegeln (2 Spieler)

                                                    5 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)


Innovationen

 

"Great Western Trail" basiert auf in vielerlei Hinsicht auf bereits bekannten Abläufen und präsentiert diese in einer neuen abgewandelten Form. Der Entwickler hat u.a. auf den bekannten "Deckbau-Mechanismus" zurückgegriffen und diesen mit einem "Worker-Movement-Mechanismus" (Ich bewege meine Figur und führe eine Aktion aus) verwoben. Zwar wurde das Rad nicht neu erfunden, die Elemente des Spiels wurden jedoch in einem Gewand dargestellt, was gut gelungen ist und eine frische Brise erzeugt. Das Spielthema bringt ebenfalls eine gewisse Individualität mit, da den Testspielern nicht sehr viele Spiele mit dem selbigen Thema bekannt sind.

                                                         4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Great Western Trail" hat den Testspielern gut gefallen, jedoch waren die Erwartungen im Vorfeld so groß, dass die Testspieler eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen konnten. Gerade bei 2 Spielern wirkte die Anfangszeit des Spiels, die bereits einen langen Zeitraum einnimmt, unspektakulär und machte definitiv weniger Spaß als mit drei oder vier Spielern. In allen Spielerbesetzungen kam dennoch nicht die Meinung auf, dass es sich bei dem vorliegenden Spiel um ein Highlight handelt. Aufgrund des immer wiederkehrenden Rhythmus (Start- und Zielpunkt) entstand in den Partien ein starkes Gefühl der Wiederholung, was gepaart mit einer sehr langen Spielzeit zu einer Langatmigkeit und folglich zu einem verminderten Spaß beitrug. Nichtsdestotrotz bietet "Great Western Trail" sehr viele Optionen, die strategisch ausprobiert und getestet werden wollen. Alles in allem waren sich dennoch allesamt einig, dass es in dieser Sparte Spiele gibt, die man "Great Western Trail" vorziehen würde. Das Spiel hatte einfach nicht das gewisse Etwas und wirkte in vielen Teilen zu unzugänglich bzw. überfrachtet, sodass sich auch als Experte aufgrund der vielen Symbole und Feinheiten kein gewünschtes automatisiertes Spielgefühl entwickeln konnte.

                                                    4 von 6 Spiegeln (2 Spieler)

                                                4,5 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Great Western Trail" liegt bei 39,95 Euro! Die Spielmaterialien sind reichlich vorhanden und auch die Qualität kann sich definitiv sehen lassen. Die Optik konnte die Testspieler überzeugen und das Thema wurde graphisch gut umgesetzt. Die Mechanismen funktionieren, jedoch kamen in vielen Testpartien einige Mängel zum Vorschein. Der Spielspaß war vorhanden, wobei bei einer Partie mit 3 oder 4 Spielern aufgrund der Mechanismen mehr Spielspaß aufkam. "Great Western Trail" erfindet im Rahmen der Innovationen das Rad nicht neu, greift jedoch auf bereits bestehende Ideen zurück und stellt diese in einem ansprechenden Gewand vor.

                                                          4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir das Spiel, wenn du...

 

- ein Strategiespiel haben willst, das sehr viele Optionen erfordert

 

- ein Fan von dem Thema "Wilden Westen" bist. Die Thematik wird gut aufgegriffen und angemessen in das Spielgeschehen implementiert

 

 

Lasse die Finger von dem Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel spielen willst, das in allen Spielerbesetzungen gleich gut funktioniert

 

- kein Spiel haben willst, das Gefahr laufen kann, langatmig zu werden

 

 

* Danke an alle Testspieler!

* Die Gesamtwertung für 2 bzw. 3 und 4 Spieler wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet!