Review: Gouda Ganoven von Stefan Heller

Fakten

Autor: Stefan Heller

Spieleranzahl: 3-6 Spieler

Verlag: Goldschmidt Druck GmbH (Startnext Kampagne)

Spieldauer:  ca. 30 Min.

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 19,80 Euro


Spielbeschreibung

 

Die Ratten sind los und begehren den leckeren Käse, der verstreut im Haus herum liegt. Leider reicht er nicht für alle, Ratten-Randale ist also vorprogrammiert. Schnappt euch Waffen, Rattenfallen oder Aktionskarten und helft euren Ratten im Kampf um den Käse (online).

Setzt euch gegen eure Käse-Kontrahenten durch und schnappt euch jede Runde ein Stück Gouda. Bedient euch an 40 unterschiedlichen Waffen, legt Fallen oder nutzt Aktionskarten. Am Ende gewinnt der einzig wahre Gouda Ganove.(Anleitung)


Hintergrundinformationen

 

"Gouda Ganoven" von Stefan Heller ist ein Kartenspiel, das mittels einer Startnext Kampagne in Höhe von 10.086 Euro im Jahr 2015 finanziert wurde. Dies ist das Erstlingswerk des Autors, das von 146 Personen in der Kampagne unterstützt wurde. Mal schauen, ob sich aus der Sicht des Brettspiegels die Finanzierung gelohnt hat ;)

Quelle: Facebook


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien von "Gouda Ganoven" sind allesamt von guter Qualität. Die Karten fühlen sich stabil an, die handbemalten Käsestücke sind aus Holz und das Spielfeld ist aus einem festen Material. Dennoch weißt das Spielfeld eine enorme Schwäche auf. Es ist definitiv zu klein, wenn man zu Beginn der Runde Käsestücke mittig auf das Spielfeld "regnen" lässt. Diese sind dann nicht eindeutig Räume zuzuordnen oder liegen außerhalb des Spielfeldes, was der Funktion dessen nicht gerecht wird. Hier wurde das Spielfeld hinsichtlich des Formates nicht optimal in das Spielgeschehen eingebunden, obwohl es einen hohen Stellenwert im gesamten Spiel einnimmt (Phase Eins).

                                  4,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Aufmachung des Spiels sieht schon sehr nach Paint aus ;), was nicht schlecht sein muss. Die Illustrationen erzeugen ihren eigenen Charme bzw. Witz und beleben das Spielgefühl, hauen jetzt einen aber auch nicht vom Hocker. Gut ist, dass nicht einfach die graphische Darstellung von Mice and Mystics übernommen wurde. Warum ein Haus nur vier Räume hat, ist den Spielern auch nach mehrmaligen Debatten unklar geblieben :). Alle am Tisch waren sich einig, dass es die Illustrationen lebendiger erschienen gelassen hätte, wenn man nicht nur lediglich die Waffen darstellt, sondern auch die Ratte mitsamt ihrer Waffe (Ratte in Aktion sozusagen) illustriert. Das alleinige Abbilden der Waffen wirkte dann doch etwas leblos. Leider hat die Aufmachung dennoch keinem der Testspieler herausragend zugesagt.

                                      2,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Willst du wissen wie das Spiel funktioniert? Stefan erklärt es dir persönlich...

Quelle: youtube

Jetzt müsste euch klar sein, wie das Spiel so abläuft. 


"Gouda Ganoven" ist ein (fast) pures Glückspiel. Warum?

- Man zieht Karten und ist vollkommen abhängig von diesen

- In der Spionagephase können mehrere Spieler einem Spieler in die Auslage schauen, was schon die halbe Niederlage ist... Pech gehabt mein Freund ;)

- schlechte Karten = you loose

 

Ist der "Kartengott" dir gegenüber jedoch wohl gesonnnen so kannst du auch Glück haben. Das heißt:

- gute Karten... nimm dir ein Stück Käse

- Spezialkarten = fast schon ein Stück Käse

- Käsekarte = fast immer ein Stück Käse.

 

Man ist den Karten, eigentlich komplett ausgeliefert. Strategische Züge sind kaum und wenn nur in einem minimalen Rahmen möglich. Aus diesem Grund ist es auch schwer die Spielmechanik zu bewerten, da kaum eine wirkliche verzahnte Mechnanik existiert. Aber ich verusuch es mal:


Betrachtung einzelner Phasen:

 

- Du ziehst Karten (Glück) und kannst spionieren bzw. wirst spioniert. Dabei kann es natürlich sein, dass alle Spieler deine Karten ausspionieren. Aus diesem Grund ist diese Phase leider sehr unkontrolliert und kaum begrenzt, damit eine Balance geschaffen werden könnte. Z.B. es darf nur eine Karte jedes Spielers ausspioniert werden, wäre es optimale Alternative gewesen.

 

- Verstärkungsphase (offen): 

In diesen Phasen kann man zwar auf offene bzw. bereits ausspionierte Karten des Mitspielers reagieren und eine Art Interaktion bahnt sich an, dennoch sind kaum Reaktionsspielräume zu erkennen. Es kann z.B. auf die Spezialkarten nicht reagiert werden, das eindeutig erkennen lässt, dass einzelne Karten kaum miteinander verbunden worden sind. O.K. man addiert zwar beim Kampf die Werte, jedoch ist es doch was anderes auf eine Spezialkarte mit einer eigenen Spezialkarte reagieren zu können. 

 

Gouda Ganoven ist zwar in unterschiedliche Phasen klar strukturiert. Dennoch sind einzelne Karten nicht miteinander verbunden worden, so dass ein wirkliches "Kartengeflecht" entstehen könnte. Warum ist "Mau Mau" so gut? Weil man auf eine Acht nochmal mit einer Acht reagieren kann ;). Diese Verzahnung ist in diesem Kartenspiel leider nicht vorhanden, obwohl ein Kampf geradezu eine Interaktion der Karten fordert. 

Die einzelnen Phasen bauen zwar aufeinander auf, was auch gut ist, aber dennoch scheinen diese auch willkürlich, nicht begrenzt und meist unpassend. Im Klartext heißt dies, dass die Spionage nicht ausbalanciert wurde bzw. man taktische Züge bereits komplett entlarven kann (alle Spieler spionieren einen Spieler aus), die Verstärkungsphase kaum Reaktionsmöglichkeiten (Karteneffekte gegen Spezialkarten) aufweist und der Kampf lediglich von der Kartenstärke lebt, ohne einen "Ass im Ärmel" zu berücksichtigen.

 

Alles in allem ein gut strukturiertes Spiel, das in den einzelnen Phasen sowie auch in Bezug auf die Karten stark defizitär ist.

                                       2 von 6 Spiegeln


Innovationen


Im Prinzip ist "Gouda Ganoven" ein typisches Stich-Spiel und birgt wenig innovative Spielmechanismen. Punkten kann das Spiel jedoch durch die erste Phase, in der Käsestücke auf die Zimmer fallen gelassen und sie somit verteilt werden. Die restlichen Phasen des Spiels fühlen sich dementgegen kaum neuartig an und man bekommt das Gefühl nicht los, dass man dies und jenes schonmal in anderen Spielen gespielt hat. 

Das Thema hingegen ist wirklich spannend, lebhaft und einfallsreich. Dennoch unterstützt das Spielgeschehen diese Thematik nicht stark genug, sodass sich diese nicht vollends entfalten kann und somit diese Form der Innovation leider auf der Strecke bleibt :(. Die hitzige Stimmung, die mit einem Rattenkampf suggeriert wird, kann leider nicht erfüllt werden.  

Demnach kann man resümieren, dass das Thema des Rattenkampfes in Verbindung mit den Käsestücken in den verschiedenen Räumen als einfallsreich anzusehen ist. Jedoch konnte diese thematische Idee nicht stark genug in den Spielablauf eingebunden werden.

                                    2 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Anfänglich war jeder Spieler aufgrund der Thematik und den witzigen Illustrationen gespannt drauf, das Spiel zu spielen. Dennoch verflog dieser bereits nach einigen Partien, als dann allesamt merkten, dass es sich im Grunde doch "nur" um ein Stich-Spiel handelt ("Wer die höhere Zahl hat, gewinnt gegen den anderen"). Als unfair empfanden es die Testpersonen, dass in der Spionagephase alle Karten eines Spielers aufgedeckt wurden und andere Spieler verschont geblieben sind und man nichts dagegen machen konnte (eventuell eine Verhandlungsphase oder etwas ähnliches ;)). Dies frustrierte manch einen Spieler und förderte bei weitem nicht den Spielspaß. Weiterhin lassen sich schon sehr stark die Züge der Mitspieler vorausahnen, wenn sie eine bestimmte Spezialkarte haben und eventuell ein Raum in der Spionagephase aufgedeckt wurde (denn besitzt man eine Spezialkarte agiert man nach ganz bestimmten Spielweisen, die leider wiederum in den meisten Fällen sehr offensichtlich sind).

Spaß bzw. Emotionen blitzten in den Anfangspartien kurz mal auf, wenn z.B. eine Fallenkarte bei der Spionage aufgedeckt oder am Ende (Phase 6) dann die restlichen verdeckten Karten offengelegt wurden. Bei den Fallenkarten konnte man dann schön seiner Schadenfreude freien Lauf lassen und beim Showdown (Phase 6) war es dann letztlich "interessant" zu sehen, welcher Spieler den Kampf gewonnen hat.

Aber dennoch wirkte "Gouda Ganoven" kaum wie ein hitziger Rattenkampf, sondern eher wie ein gewöhnliches Stich-Spiel. Die Variationen der Spezialkarten sind sehr stark begrenzt, was nach einigen Testpartien dazu führte, dass keine wirkliche Abwechslung im Spielgeschehen zustande kam. Das Kartenspiel fühlte sich leider sehr mechanisch und kaum lebendig an.

Des Weiteren empfanden es alle Testspieler eindeutig als deprimierend, dass man kaum gegen die Spionage oder Spezialkarten vorgehen konnte, sodass man wirklich komplett der Kartenauslage ausgesetzt war. Die Kartenauslage basiert wiederum auf Glück, was erneut zur Dämpfung des Spielspaßes führt, wenn man vom Pechvogel verfolgt wird, da man kaum Kontrolle über den Spielablauf behält. Die Käsekarte wirkte eindeutig zu stark und auch der Erhalt der Spezialkarte des Gouda Ganoven sichert einem fast schon zu 100 % ein Käsestück. Alle Spielgruppen waren nach mehreren Testpartien nicht sehr begeistert von diesem Kartenspiel und wünschten sich mehr Eingriffe und Verteidungsmöglichkeiten, die allen Spielern mehr Kontrolle über das Spielgeschehen ermöglichen.

                                           2 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

"Gouda Ganoven" ist für 19,80 Euro zu erwerben. Geht man von dem Fakt aus, dass nicht massig Spielmaterialien vorhanden sind, die Spielmechanik Defizite aufweist, Spielspaß nicht lange anhält und man als Spieler kaum richtige Innovationen erlebt, ist der Preis definitiv zu hoch angesetzt. Daher leider nur zwei von sechs Spiegeln

                                          1,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Gouda Ganoven", wenn du...

 

- ein kurzweiliges Spiel suchst, was einige wenige Überraschungsmomente bietet.

 

- ein Kartenspiel besitzen möchtest, dass sehr schnell zu erlernen ist und auf einem hohen Glücksfaktor fußt.

 

- wenn du qualitative Spielmaterialien in den Händen halten möchtest.

 

 

Lass die Finger von diesem Kartenspiel, wenn du...

 

- Hunger auf Gouda hast und du denkst, dass du mit diesem Spiel deinen Appetit stillen kannst. 

 

- wenn du nicht unbedingt ca. 20 Euro in dieses Spiel investieren möchtest. Für diesen Preis existieren in der Brettspiellandschaft auch bessere Spiele. 

 

- wenn du dich mal frei fallen lassen möchtest d.h. ein Erlebnis der völligen Kontrollverlustes erleben willst. Spiel lieber "Gouda Ganoven" anstatt dir die "Birne voll zu saufen" ;). In diesem Spiel hat man wirklich nicht viel Einfluss.

 

* Der Spielspaß führte zu letztendlichen Abrundung des Ergebnisses

* Danke an die vielen Tester in den Spielrunden