Review: "Glastonbury" von Günter Burkhardt

Fakten

Autor: Günter Burkhardt

Spieleranzahl: 2-4 

Verlag: Franjos Spieleverlag

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2013

Preis: UVP 19, 90 Euro


Spielbeschreibung

 

Willkommen in Glastonbury, der magischen Stadt. In der High Street finden Sie alles, was Sie an wirkungsvollen Zutaten für Ihre mächtigen Zaubertränke brauchen.

Abwechselnd sammeln die Spieler Zutatenkarten für ihre Zaubertränke ein und legen sie auf ihre Ablagestapel, die „Zauberkessel“.

Jeder Spieler versucht dabei möglichst viele der Karten mit der jeweils gleichen Zutat einzusammeln. Er sieht jedoch immer nur die oberste Zutatenkarte in seinem Kessel. Daher muss er sich merken, welche Zutaten er bereits gesammelt hat. Sonst kann es bei Spielende unangenehme Überraschungen geben, denn Zutatenkarten, die nur einmal im Kessel liegen, zählen Minuspunkte.

Bei Spielende werden die gesammelten Zutaten gewertet und es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

 

Quelle: Franjos Spieleverlag


Hintergrundinformationen

 

Auf der Verlagsseite sind schöne Hintergrundinformationen zu "Glastonbury" zu finden, die euch nicht vorenthalten werden sollten:

 

Im Jahre 2001 erschien das 2-Personen-Spiel KUPFERKESSEL CO. vom Autor Günter Burkhardt bei Goldsieber. Das Spiel wurde von der Jury Spiel des Jahres 2002 auf die Auswahlliste der besten Spiele des Jahres gewählt. Ebenfalls in 2002 wurde KUPFERKESSEL CO. mit dem österreichischen Spiele-Preis "Spiele-Hit für 2" ausgezeichnet. Bei der Wahl zum Kartenspiel des Jahres der Zeitschrift FAIRPLAY erreichte das Spiel einen 8. Platz.

Trotzdem verschwand das Spiel nach einiger Zeit wieder aus den Regalen der Händler und war nur noch vereinzelt zu hohen Preisen im Internet zu bekommen.

Anfang 2013 bin ich per Zufall auf der amerikanischen Spiele-Datenbank boardgamegeek.com auf das Spiel gestoßen. Dort war auch zu lesen, dass der Autor mittlerweile eine Erweiterung für 3 Spieler vorgesehen hatte. Nach der Kontaktaufnahme mit Günter Burkhardt stellte sich heraus, dass er das Spiel weiterentwickelt hatte, so dass es jetzt sogar für bis zu vier Spieler geeignet war.

Hinzugekommen sind die Zauberkarten, die für zusätzliche Spannung sorgen. Außerdem gibt es jetzt für jeden Spieler eine Kupferkessel-Karte.

Für die ausländischen Vertriebspartner war ein neuer Titel nötig. Die Idee zu GLASTONBURY als Titel stammt vom Autor persönlich, der diese mystische Stadt im Jahre 2012 auf einer Reise kennengelernt hat.

Die Kleinstadt Glastonbury im Südwesten Endlands ist ein magischer Ort mit esoterischem Flair. Die Stadt erhebt den Anspruch, das sagenhafte Avalon zu sein. Hier soll am Fuße des Glastonbury Tor (siehe Cover) einst der Heilige Gral versteckt worden sein. An der Stelle der Ruine einer alten Abtei sollen angeblich 1190 die sterblichen Überreste von König Artus entdeckt worden sein. Heute ist die Stadt ein esoterisches und spirituelles Zentrum in England.  

Bei Freunden der Rockmusik ist sie auch durch das Glastonbury-Festival bekannt.

 

(Quelle: Franjos Spieleverlag)


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien von "Glastonbury" bestehen aus sehr vielen Karten und vier großen Figuren. Hinsichtlich der Qualität ist anzumerken, dass sich die Materialien auf einem hohen qualitativem Niveau befinden! Nur die Karten könnten etwas dicker sein, da man diese doch recht häufig im Spielablauf aufnimmt bzw. ablegt und sich diese so relativ schnell abnutzen. Nichtsdestotrotz sind diese hochwertig, wobei insbesondere die vier Figuren diesen Eindruck unterstreichen. Super!

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Illustrationen

 

Die Illustrationen wurden von dem renommierten Illustrator Franz Vohwinkel angefertigt. Man muss definitiv sagen, dass die bildliche Aufmachung was her macht und hervorragend das Spielgeschehen unterstützt. Hier wurde der richtige Illustrator zum passenden Thema ausgewählt! Zudem wäre es dennoch nett anzuschauen gewesen, wenn sich  die Karten gleicher Sorte mit kleineren Details ein wenig unterscheiden würden, um etwas Abwechslung in die bildliche Darbietung zu bringen. Nichtsdestotrotz bietet "Glastonbury" eine wirklich gelungene wie auch vielseitige illustrative Arbeit! Respekt!

                                                 5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik 

 

Wie funktioniert denn das Spiel?

 

 

Der Spielaufbau sieht bei vier Spielern folgendermaßen aus:

 

Wer an der Reihe ist, muss...

 

1. mit seiner Spielfigur ziehen:

Der Spieler zieht seine Spielfigur im Uhrzeigersinn außen um die Kartenauslage herum. Man muss so viele Schritte machen, wie die Zahl auf der obersten Zutatenkarte des Kessels anzeigt (demnach die letzte aufgenommene Karte). Jede Karte sowie jede Eckkarte zählt jeweils einen Schritt.

 

2. eine Karte aufnehmen:

Der Spieler muss eine beliebige Karte aus der Reihe nehmen, neben der seine Spielfigur nun steht. Steht sie allerdings neben einer Eckkarte, so darf der Spieler keine Karte nehmen und sein Zug endet damit. Genommene Karten werden offen oben auf den eigenen Kessel gelegt, sodass immer nur die oberste Karte zu sehen ist. Wichtig: Es darf nur die oberste Karte des Kessels gesichtet werden. Somit muss man sich die darunter liegenden Karten (Zutaten), die man schon gesammelt hat, gut einprägen.

 

3. eine neue Karte aufdecken:

Nach der Aufnahme einer Karte zieht der Spieler die oberste Karte vom Nachziehstapel und legt sie offen auf den frei gewordenen Platz.

 

Neben den normalen Zutatenkarten gibt es noch spezielle Kartenm, die man aufnehmen kann. Diese lösen unterschiedlichste Effekte aus, wie z.B. "Wenn der Spieler neben einer Eckkarte landet, darf er damit gleich noch einmal ziehen und zwar entsprechend der Zahl auf der obersten Karte in seinem Kessel",  "Alle anderen Spieler müssen die oberste Karte von ihrem Zauberkessel entfernen" etc.

 

Wann endet das Spiel?

 

Wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist, können auf die freien Plätze keine Karten mehr gelegt werden. So entstehen immer Lücken. Das Spiel endet, wenn ein Spieler die letzte Karte aus einer beliebigen Reihe nimmt. 

 

Für was gibt es Punkte?

 

Alle gesammelten Zutatenkarten im Zauberkessel werden gewertet. 

Einzelne Karten einer Zutat zählen entsprechend ihrem Wert Minuspunkte.

Zwei Karten mit der gleichen Zutat zählen nichts.

Drei Karten mit der gleichen Zutat zählen entsprechend der Summe der Zahlen auf den Karten Pluspunkte.

Vier Karten mit der gleichen Zutat zählen ebenfalls entsprechend der Summe der Zahlen auf den Karten Pluspunkte. Zusätzlich gibt es noch einen Bonus von fünf Pluspunkten.

Alle Punktwerte von Zutatenkarten der eigenen Figuren-Farbe werden außerdem verdoppelt - auch als Minuspunkte! Der Fünf-Punkte-Bonus bei vier gleichen Karten wird jedoch nicht verdoppelt!

 

Variante mit Rezeptkarten: Jeder Spieler erhält zum Spielbeginn jeweils eine Rezeptkarte der ersten und eine der zweiten Sorte. Die Rezeptkarten zeigen Zusatzaufgaben, wie z.B.  "Hat der Besitzer dieser Karte insgesamt weniger Zutatenkarten gesammelt als jeder der anderen Spieler, so bekommt er zehn Pluspunkte zusätzlich" etc.

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Die grundlegenden Abläufe eines Spielzuges bauen plausibel aufeinander auf und ergeben keine Ungereimtheiten. Ebenso passen die Zauberkarten, die wesentliche Effekte auslösen, hervorragend in das Spielgeschehen. Der Clou bei "Glastonbury" besteht darin, dass man sich die bisher gesammelten Zutaten merken muss, um so viele Zutaten einer Sorte zu sammeln und dadurch am Spielende Siegpunkte zu generieren. Weiterhin wäre es noch gut Zutaten der eigenen Spieler-Farbe zu erhalten, wodurch nochmals Pluspunkte "abgestaubt" werden. Hinzu muss man immer wieder bedenken, dass die letzte Karte, die man erhalten hat, die nächsten Schritte des Weiterziehens der Figur bestimmt. Demnach wird schon relativ schnell deutlich, dass dieses Spiel zwar einen sehr leichten Einstieg ermöglicht, jedoch an die Planungs- und Merkfähigkeit jedes Spielers appelliert. Es ist ebenso erforderlich, dass man seine Planung immer wieder an die Gegebenheiten anpasst, da die Mitspieler einem dann doch öfters in die Quere kommen werden.

Alles in allem Top!

                                                 6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das Sammeln von Kartensets ist jetzt nicht unbedingt ein Jahrhunderteinfall ;). Dennoch wurde dieses Element mit dem Weiterziehen der Spielfiguren wirklich neuartig verknüpft, sodass ein belebendes Spielgefühl entsteht. Gerade der Umstand, dass man seine bisherigen eingesammelten Zutatenkarten nicht sehen darf und die letzte Karte bzw. die aufgedruckte Zahl das Weiterziehen des  nächsten Zug bestimmt, ist eine neuartige Verknüpfung, die zu gefallen weiß. 

                                                4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Glastonbury" hat sowohl Gelegenheits- als auch Vielspielern gut gefallen. Ebenso konnten sich Kinder schnell in das Geschehen reindenken und fanden Gefallen an dem Spiel. Aufgrund der nicht zu hohen Spieldauer ist es auch möglich, zwei oder drei Partien am Stück zu spielen. Durch die Zauberkarten kommt noch ein gewisser "Pfiff" ins Spiel und die zusätzliche Variante mit den Rezeptkarten erzeugt hinzu noch Variabilität. Hochgradige Strategen könnten wahrscheinlich an diesem Spiel nach einer Zeit keinen Reiz mehr finden, da gewisse Glückselemente existieren, was diesem Familienspiel gut in die Hände spielt. "Glastonbury" hat in den Testpartien auf jeden Fall gefallen!

                                                 4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Glastonbury" liegt bei 19,90 Euro. Die Spielmaterialien sind von guter Qualität, die Illustrationen sind gelungen und die Mechanismen funktionieren einwandfrei. Das Spiel macht mit Sicherheit Spaß und beinhaltet einige Einfälle, die auf bekannten Mechanismen fußen und durch schöne Verknüpfungen frisch wirken. Es ist sicherlich nicht das beste Familienspiel der letzten Jahre, aber ein Gutes, das zu empfehlen ist und immer mal wieder auf den Tisch kommt. 

                                                 4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- Spiele magst, bei denen man sich was "a la Memory" merken muss.

 

- auch mit Glückselementen im Spiel klar kommst.

 

- auf der Suche nach einem Familienspiel bist, das keine hohe Einstiegshürde hat.

 

Lass die Finger vom Spiel und gucke lieber Harry Potter, wenn du...

 

- nicht damit leben kannst, dass ein gewisser Ärgerfaktor im Spiel vorhanden ist, der durch die Mitspieler ausgelöst wird.

 

- das innovativste Spiel der letzten zehn Jahre suchst ;).

 

*Danke an alle Testspieler!

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß wurde die Gesamtwertung abgerundet.