Review: "Die Glasstrasse" von Uwe Rosenberg

Fakten

Autor: Uwe Rosenberg 

Spieleranzahl: 1-4 Spieler

Verlag: Feuerland Spiele

Spieldauer: 20 Min/ Spieler

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2012

Preis: UVP 39,90 Euro


Spielbeschreibung

 

Uwe Rosenberg entführt dich mit unserem neuen Spiel Die Glasstraße in den Bayerischen Wald des 18. Jahrhunderts. 

Mit Hilfe von zwei raffinierten Produktionsrädern erzeugst du Glas und Ziegel und verwaltest deine Rohstoffe für die Herstellung dieser Güter. Auf deinem Spielertableau gestaltest du die Landschaft zu deinem Vorteil und baust die verschiedensten Gebäude, um daraus im Spiel Nutzen zu ziehen.

Zentrales Spielelement sind 15 Personenkarten, die jeder Spieler zur Verfügung hat, und fünf davon in jeder Bauperiode auswählt. Doch Vorsicht: Haben deine Mitspieler die gleiche Karte auf der Hand, so schränkt das deine Aktionsmöglichkeiten ein. Flexibel auf diese Unwägbarkeit reagieren zu können, ist der Schlüssel zum Erfolg!

Ob alleine, zu zweit oder zu mehreren: Die Glasstraße ist immer ein Vergnügen!

Quelle: Feuerland Spiele


Hintergrundinformationen

 

Ja, ich weiß....Das Spiel "Die Glasstraße" ist schon etwas älter (2013). Nichtsdestotrotz finde ich, dass es unbedingt getestet und rezensiert werden muss ;). Das vorliegende Brettspiel ist vom Autor Uwe Rosenberg, der einen hohen Bekanntheitsgrad durch Spiele wie "Agricola", "Le Havre" u.v.m. erreicht hat. Mal schauen, ob sich "Glasstraße" ebenso in die Reihe der "gehypten" Spiele einreihen kann...


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von überaus guter Qualität. Angefangen von den Plättchen über die Spielkarten bis hin zu den unterschiedlichen Tableaus gibt es kaum etwas hinsichtlich der "Langlebigkeit" zu beanstanden. Nichtsdestotrotz sind die Gebäudeplättchen dann doch etwas klein geraten und das Gebäudetableau hätte grundsätzlich etwas größer sein können, damit alle Spieler einen guten sowie einfachen Überblick über die einzelnen Gebäude erhalten.

Dennoch alles in allem eine sehr hochwertige Produktion.

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Illustrationen

 

Grundsätzlich ist anzuführen, dass die Karten, Plättchen, Tableaus stimmig auf die Thematik "Bayrischer Wald" abgestimmt wurden und die Farbauswahl sowie der Illustrationsstil zur Atmosphäre beitragen. Als Ausnahme von dieser Regel sind die Produktionsräder zu nennen, die nicht so sehr in das optische Gesamtbild passen. Weiterhin ist auf hohem Niveau zu kritisieren, dass sich zwar auf einigen Landschaftsplättchen individuelle Details befinden, diese Variationen sich jedoch mehr durch die Materialien hindurchziehen könnten, um mehr Individualität zu schaffen. Positiv anzuerkennen ist hingegen die Vielzahl an unterschiedlichen Gebäudeplättchen, die der Illustrator (Dennis Lohausen) angefertigt hat. Die Arbeiterkarten sehen übrigens auch sehr gelungen aus!

Alles in allem eine wirklich gute Arbeit des Illustrators!

                                           4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Ich erkläre euch mal grob, um was es geht. Die einzelnen Funktionen der 93 Gebäudeplättchen zu erklären, würde, glaub ich, den Rahmen sprengen ;).

 

Jeder Spieler erhält: 15 Handkarten, Spielertableau (darauf werden Landschaftsplättchen/Waldplättchen gelegt) und ein Produktionstableau.

 

Bei 3 und 4 Spielern:

Das Spiel verläuft über vier Runden und in jeder Runde spielt jeder Spieler drei Aktionskarten (also hat jeder Spieler mindestens drei Aktionen). Am Anfang jeder Runde wählen alle fünf Handkarten aus. Der Startspieler beginnt und legt eine Karte verdeckt vor sich ab, wobei die anderen Spieler dies ihm gleich tun. Dann deckt der Startspieler die ausgewählte Karte auf. Tritt der Fall ein, dass einer der Mitspieler (oder mehrere Mitspieler) diese Karte noch auf der Hand hat, so spielt dieser die Karte aus der Hand in eine der beiden Ausbuchtungen seines Tableaus. Beide Spieler (oder mehr) dürften in diesem Fall nur eine der zwei Aktionen der Karte ausführen (auf jeder Handkarte sind nämlich immer zwei Aktionen abgebildet). Hätte ein Spieler eine Karte aufgedeckt, die kein weiterer Mitspieler auf der Hand hat, so dürfte dieser beide Aktionen dieser Karte ausführen. Da jeder Spieler nur zwei Ausbuchtungen in seinem Spielertableau inne hat, ist es auch nur möglich, zweimal mit Aktionen anderer "mitzuziehen". Demnach macht jeder Spieler mindestens drei Aktionen (durch Karten die er vor sich ablegt) und höchstens fünf Aktionen, indem er zweimal mit anderen Aktionen mitzieht, wenn er diese ebenfalls noch auf der Hand hat. Mit den Karten kann man z.B. Waren auf dem Produktionsrad generieren, Gebäude bauen, Waldplättchen des eigenen Tableaus entfernen, Landschaftsplättchen auf sein Tableau legen u.v.m. Einige Aktionskarten kosten auch etwas. 

Von dem Gebäudetableau kann man sich mittels Kartenaktionen Gebäudeplättchen nehmen, die entweder permanent wirken (Umwandlungsaktionen), einmalig in Kraft treten, oder gegen Ende des Spiels einfach nur Siegpunkte bringen. Das heißt aber nicht, dass Gebäude, die einmalige oder permanente Effekte mit sich ziehen, keine Siegpunkte generieren. Neben den Kartenaktionen existieren im Spiel weiterhin noch die Jederzeit-Aktionen, die du jederzeit im Spiel durchführen darfst, wie z.B. Umwandlungsgebäude nutzen, oder Landschaftsplättchen (Mulden, Gehölze und Teiche) jederzeit von dem eigenen Tableau entfernen, um Platz zu schaffen. Dies muss aber mit Bedacht geschehen, da viele Kartenaktionen entsprechend der Anzahl dieser Plättchen Ressourcen generieren. 

Ein weiterer Mechanismus im Spiel basiert auf den eigenen beiden Produktionsrädern. Mit Hilfe des oberen Produktionsrades wird Glas und mittels des darunter liegenden Rades Ziegel hergestellt. Jedes Rad besteht aus zwei Zeigern, wobei auf der einen Seite das Endprodukt, sprich Glas (oberes Rad) sowie Ziegel (unteres Rad) mit entsprechenden Spielsteinen symbolisiert wird und auf der anderen Seite des Rades sich alle Rohstoffe, die zu diesem Endprodukt führen, befinden.

Beispiel Glasproduktion: Kommt es zu der Situation, dass man die Grundrohstoffe generiert, mit den Spielsteinen voranschreitet und von all diesen mindestens mehr als eine Einheit vorhanden ist, so wird der Zeiger automatisch gedreht bis entsprechende Markierungen (dunkelbraune Markierungen) nicht mehr leer stehen. Indem man den Zeiger dreht, vermindern sich die zu verarbeitenden Rohstoffe (auf der rechten Seite des Rades) wohingegen die Mengenangabe des Endproduktes steigt. 

 

Wann endet das Spiel?

 

Das Spiel endet nach vier Bauperioden (Runden), wobei die Punkte der gebauten Gebäude auf dem eigenen Tableau zusammengerechnet werden. 

 

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Im Ramen des grundlegenden Kartenmechanismus ist zu sagen, dass es von Vorteil ist, wenn man Personenkarten alleine wertet (keiner hat dieser Karte auf der Hand). Denn in diesem Fall ist es möglich, beide Aktionen einer Karte durchzuführen und man erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Mitspieler auf ihren Handkarten sitzen bleiben, da sie nicht "mitziehen" können. Im gleichen Zug sollte man sich zusätzlich Karten aussuchen, von denen man denkt, dass die Mitspieler diese ausspielen, man so selbst "mitziehen kann" und somit alle seine fünf Handkarten los wird. Denn im Grunde hat man selbst drei Aktionen und könnte zweimal mit anderen Spielern mitziehen und so alle seine Handkarten loswerden. Ganz wie ein typisches Rosenberg-Spiel hört sich das Ganze aber nicht an, da hier sowohl die Intuition gefragt ist als auch die Züge der Mitspieler vorausgeschaut werden sollten. Somit ist letztlich auch ein gewisser Glücksanteil vorhanden. Dennoch kam in den Testpartien überwiegend die "ausgleichende Gerechtigkeit" zum Vorschein, sodass kein Spieler alleinig über einen längeren Zeitraum wirklich benachteiligt wurde. Im Grunde könnte man in Anbetracht der Spieldauer von nur 20 Minuten pro Spieler sagen, dass es sich hier um ein Strategiespiel-Light handelt, in dem das Glückselement die Abläufe nicht stört, da jeder Spieler ganz bestimmte Aktionen auswählt und eine gewisse Entscheidungsgewalt vorherrscht. Die Mechanismen der Produktionsräder funktionieren elegant und einwandfrei. Ebenso wurden die Gebäudeplättchen gut austariert und stehen in einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Bei "Die Glasstraße" handelt es sich um ein gut funktionierendes Strategiespiel, welches gut miteinander verzahnte Mechanismen vorweist. Aufgrund der Möglichkeit, dass das Pech einen Spieler über einen längeren Zeitraum verfolgt und dieser dementsprechend im Gegensatz zu den anderen Spielern gravierend weniger Aktionen zur Verfügung hat, sind in der Bewertung kleinere Abstriche vorzunehmen. Denn es existieren kaum Strukturen, die bei einer übermäßigen Benachteiligung eines Spielers in Kraft treten würden, um die Balance aufrechtzuerhalten. Nichtsdestotrotz funktioniert die "Die Glasstraße" wirklich gut! 

                                             5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das man in typischen Rosenberg-Spielen ein eigenes Tableau zur Verfügung bekommt, auf welchem man Gebäude baut, ist ebenso in diesem Spiel keine Überraschung. Dessenungeachtet wirkt der Kartenmechanismus sehr untypisch, ja sogar für den Autor schon risikofreudig und alles in allem sehr belebend, wobei dieser in bestimmter Hinsicht an das Spiel "Wie verhext" anlehnt. Die Produktionsräder sind in dieser Form sehr einfallsreich und in Rahmen der Entwicklung hoch anzuerkennen. Zwar bezieht sich Rosenberg auf andere Spiele, in denen er Räder eingebaut hat. Im Kontext des vorliegenden Brettspiels und in dieser Ausführung fungieren diese dennoch sehr individuell. Alles in allem sind einige altbekannte Mechanismen vorhanden, die jedoch mit zahlreichen kreativen Ideen verknüpft wurden

                                               4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Die Glasstraße" hat allen beteiligten Spielern wirklich gut gefallen! Aufgrund der geringen Spielzeit fühlt man sich in diesem Strategiespiel auch nicht wirklich ausgelaugt und könnte direkt eine Partie dranhängen. Gerade die Auswahl der Handkarten hat Spaß gemacht, wobei man sich Gedanken machen musste, welche Karten die Mitspieler evtl. auswählen und welche nicht. Der Mechanismus der Produktionsräder bereitet gleicherweise Freude und zu sehen, wie aus den Grundrohstoffen das Endprodukt entsteht, erfüllt einen mit Genugtuung ;). Ein Wiederspielreiz ist ebenfalls gegeben, da sich sehr viele Gebäudeplättchen im Spiel befinden und für Abwechslung sorgen. Dieses Strategiespiel-Light lässt nicht hochkomplexe Strategien zu, was jedoch auch gar nicht der Anspruch ist und dementsprechend keiner Rechtfertigung bedarf. 

                                               5 von 6 Spiegeln


Preis-Leisungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Die Glasstraße" liegt bei 39,90 Euro. Es sind eine Menge Spielmaterialien vorhanden, die von überaus guter Qualität sind. Ebenso sind die Illustrationen in vielen Teilen gelungen und auch der untypische Spielmechanismus für ein Rosenberg-Spiel funktioniert in Kontext dieses weniger schwergewichtigen Strategiespiels recht gut. Innovationen sind in gewissen Maßen vorhanden und das Spiel hat allen Testspielern Spaß gemacht. Nimmt man eine Abwägung hinsichtlich der Kosten und des spielerischen Wertes  vor und beachtet dabei die kleineren Kritikpunkte, so ist folgende Bewertung angebracht. 

                                               5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf, dir "Die Glasstraße", wenn du...

 

- ein Strategiespiel spielen möchtest, in welchem ein Fünkchen Glück eine wichtige Rolle spielt. 

 

- ein Spiel mit einer hohen Variabilität besitzen möchtest.

 

- ein Spiel von Uwe Rosenberg spielen willst, das sich im Hinblick auf den Kartenmechanismus von seinen anderen Spielen abgrenzt.

 

 

Fahr zum Bayerischen Wald und lass die Finger von dem Spiel, wenn du...

 

- der Meinung bist, dass ein Rosenberg-Spiel genau wie ein Rosenberg-Spiel sein sollte und bereits ein Hauch von Veränderung nicht mehr ein Rosenberg-Spiel ist.

 

- meinst, dass das Ausspielen von Karten in diesem Spiel einen Glücksfaktor mit sich bringt, der in einem Strategiespiel fehl am Platz ist.

 

- die Nase voll hast von Rohstoffe generieren und Objekte bauen :). 

 

* Danke an alle Testspieler!

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß wurde aufgerundet.