16.01.18

Review: "Gaia Project" von Helge Ostertag und Jens Drögemüller

Fakten

Autor: Helge Ostertag und Jens Drögemüller

Spieleranzahl: 1-4

Verlag: Feuerland Spiele

Spieldauer: 60-150 Minuten

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2017

Preis: UVP 69,90 Euro


Spielbeschreibung

 

5 Jahre nach dem weltweiten Erfolg von Terra Mystica kommt nun mit Gaia Project der Nachfolger heraus. 

Jeder Spieler übernimmt eines von 14 Völkern und besiedelt die Planeten einer Galaxie, indem verschiedene Gebäude darauf errichtet werden. Diese werden im Laufe des Spiels in verschiedene Arten aufgewertet. Das ermöglicht den Zugriff auf mehr Ressourcen und Aktionen. Sechs Forschungsbereiche stehen zur Verfügung, um die Ausbreitung in der Galaxie schneller und effizienter als die Mitspieler voranzutreiben.

Verschiedene Völker mit unterschiedlichen Fähigkeiten, wechselnde Spiel- und Siegpunktebedingungen sowie ein variables Spielfeld: jedes Spiel bietet unzählige Kombinationen, die Gaia Project überaus wandelbar und dauerhaft spannend machen.

(Quelle: Feuerland Spiele)


Hintergrundinformationen

 

"Terra Mystica" ist eines der erfolgreichsten Expertenspiele der letzten Jahre, das international hohe Wellen geschlagen hat. Zudem konnte es etliche Preise gewinnen, wie z. B. den "Deutschen Spielepreis 2013". Zu "Terra Mystica" ist bereits auch eine Erweiterung erschienen ("Feuer & Eis"), die ebenfalls gut in der Community ankam. Weiterhin ist im Jahr 2017 mit "Gaia Project" ein Nachfolger zu "Terra Mystica" veröffentlicht worden, der sich nun Weltraum abspielt und Optimierungen des Spielsystems enthalten soll. Im Vorfeld habe ich mit dem Entwickler (Helge Ostertag) ein Interview geführt, welches ihr hier lesen könnt.


Spielmaterialien

 

Die große Schachtel ist bis zum Rand gefüllt mit Materialien, von denen bereits viele in Zip-Tüten einsortiert wurden. Die etlichen Plättchen, Figuren, Tableaus können hinsichtlich der Qualität überzeugen. Das jetzt anstatt Holzfiguren wie in "Terra Mystica" nun Plastikfiguren verwendet werden ist nicht negativ, sondern als positiv anzusehen. Zum einen wirken diese ebenso hochwertig zum anderen sind jetzt detaillierte Gebäude dargestellt worden, die das ganze Setting thematisch intensivieren. Im Rahmen der unzähligen Spielmaterialien wäre es optimal gewesen, wenn der Verlag eine Systematisierung in der Schachtel ermöglicht hätte, was schon beim Produkt "Ein Fest für Odin" in Perfektion gelungen ist. Zudem ist negativ aufgefallen, dass sich die Tableaus extrem verbiegen, was z. B. bei "Terra Mystica" nicht auftrat und die Testspieler deshalb verwunderte. Hingegen ist positiv festzustellen, dass die Tableaus leicht "geriffelt" sind, sodass sich die Figuren kaum verschieben, was bis dato einzigartig ist. Alles in allem ist zu zusammenzufassen, dass "Gaia Project" massenhaft Materialien bietet, die auch qualitativ sind.

                                                          5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Der Illustrator Dennis Lohausen hat "Terra Mystica" gekonnt in den Weltall manövriert! Die einzelnen Völkertableaus sowie die Planeten wurden ansprechend zu Papier gebracht und das charakteristische bunte Gesamtbild aus "Terra Mystica" ist weitestgehend zu erkennen. Klar ist, dass sich im Weltall nicht sehr viele gestalterische Möglichkeiten ergeben, wie es bei "Terra Mystica" der Fall war. Dennoch greift die neue Optik neben der bunten Gestaltung viele weitere bekannte Elemente aus "Terra Mystica" auf, die zu einem hohen Wiedererkennungswert führen. Zudem sind die Spielertableaus mit relativ vielen Informationen  versehen, sodass ein wesentliches optisches Charakteristikum, und zwar das "Umwandlungsrad", diesmal nicht illustriert wurde, was sehr schade ist. Letzten Endes ist es wohl Geschmacksache, ob einem "Terra Mystica" oder "Gaia Project" optisch besser gefällt. Die Testspieler jedenfalls empfanden die optische Darbietung als passend und gelungen. 

                                                         5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie ist die Spielmechanik zu bewerten?

 

Die Phasen und Abläufe ergeben Sinn und wurden gut durchdacht! Man merkt im Vergleich zu "Terra Mystica", dass bei "Gaia Project" das Spielesystem optimiert und verbessert wurde. Als Beispiel ist das Forschungstableau zu nennen, dass jetzt viel mehr mit dem eigenen Spielertableau und den Fähigkeiten verwoben ist. Zudem wird eine Anpassung an die Spieleranzahl vorgenommen, indem man das Spielfeld in der Anzahl modular zusammensetzt, was außerordentlich gut gelungen ist. Ferner existieren nun Felder bzw. Planeten, die als "neutrale Planeten" anzusehen sind und u. a. innerhalb der neuen "Gaia-Phase" terraformt werden können. In diesem Zusammenhang ist positiv aufgefallen, dass die "neutralen Planeten" bzw. deren Umwandlungsprozess, der anders als das "gewohnte" Terraforming funktioniert, sehr ausgeglichen in das bestehende Spielprinzip implementiert wurde. Im Rahmen dieses Testberichts wurden unzählige Partien in vielen verschiedenen Konstellationen absolviert und es kam wie bei "Terra Mystica" das starke Gefühl auf, dass die Völker nicht perfekt ausbalanciert wurden. Die Punkteabstände am Ende des Spiels waren meist so weit voneinander entfernt, dass man in vielen Partien von keinem knappen Rennen sprechen konnte. Es ist natürlich fast unmöglich, eine so hohe Anzahl an Völkern in ihren diversen Konstellationen auszubalancieren und für diesen Umfang muss man den Entwicklern dennoch ein großes Lob aussprechen. Alles in allem funktioniert "Terra Mystica" gut und konnte definitiv im Bereich Expertenspiele überzeugen!

                                                         4,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

"Gaia Project" ist als ein eigenständiges Spiel zu sehen, das sich im Universum von "Terra Mystica" abspielt. Es wurden viele neue Ansätze entwickelt, wobei dennoch auf das altbewährte Konzept von "Terra Mystica" zurückgegriffen wurde. Die Völker bieten komplett neue Fähigkeiten, die sehr individuell sind und kaum etwas mit den Völkern aus "Terra Mystica" gemeinsam haben, was jedes Spielerherz höher schlagen lässt. Auch der Umstand, dass das neue Forschungstableau mit den eigenen Fähigkeiten bzw. dem eigenen Volk gekoppelt ist und etliche Boni ermöglicht, macht es im Gegensatz zum Kulttableau aus "Terra Mystica" interessanter und reizvoller. Ebenso haben es sich die Entwickler nicht nehmen lassen und zwei neutrale Felderarten ins Spiel integriert, die mit sehr individuellen Abläufen terraformt werden, wodurch u. a auch eine komplett neue Phase (Gaia-Phase) ins Leben gerufen wurde. Es ist dem vorliegenden Spiel anzumerken, dass sich Ostertag und Drögemüller in gewisser Weise "Terra Mystica" treu bleiben wollten und gleichsam danach bestrebt waren, neue Impulse zu setzen, was auch sicherlich gelungen ist. Es wurden in einem sehr angemessenen Rahmen kreative Ideen verwirklicht, die bravourös  mit dem Spielsystem aus "Terra Mystica" gekoppelt wurden.

                                                       5,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Fans von "Terra Mystica" werden ohne Wenn und Aber ihren Spaß an "Gaia Project" haben. Das Spielprinzip wurde verfeinert und mit vielen zusätzlichen Elementen versehen. Dadurch wird das neue Niveau sicherlich angehoben und aus diesem Grund benötigt "Gaia Project" definitiv mehr Einarbeitungszeit als "Terra Mystica", da es viel mehr Begebenheiten zu bedenken gilt. Das Forschungstableau ist detailreicher, die neue "Gaia-Phase" ist vorauszuplanen und auch das Management der Machtsteine in den Machtschalen ist anspruchsvoller geworden. "Gaia Project" ist ein wahres Expertenspiel, das mit frischen Elementen sowie einer konstanten Weiterentwicklung von "Terra Mystica" überzeugt. Einzig und allein der Umstand, dass man in vielen Partien das Gefühl hatte, dass die Völker nicht zu 100 % austariert wurden, hat den Spielspaß etwas gemindert. Dessenungeachtet kann vor allem ExpertenspielerInnen "Gaia Project" wärmstens ans Herz gelegt werden.

                                                          5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Gaia Project" liegt bei 69,90 Euro. Das Spiel beinhaltet eine Fülle an Materialien, die von einer guten Qualität sind. Einzig und allein der Fakt, dass sich die Tableaus verbiegen, trübte den Gesamteindruck. Die Illustrationen konnten überzeugen und "Terra Mystica" ließ sich gut in das Science-Fiction Genre übertragen. Die umfassenden Abläufe und Mechanismen wurden sehr gut austariert, alleinig der Gesamteindruck der Völker wirkte etwas unausbalanciert, was den Spielspaß minderte, da die Endwertungen sehr weit voneinander entfernt lagen. Nichtsdestotrotz ist "Gaia Project" sehr reizvoll und ein "Must-Have" für ExpertenspielerInnen! "Terra Mystica" wurde sehr souverän ins Weltall "geschossen"!

                                                        4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Gaia Project", wenn du...

 

- ein Fan von "Terra Mystica" bist

 

- auf der Suche nach einem strategischem Spiel bist, das kaum Glücksmomente aufweist

 

 

Lasse die Finger von "Gaia Project", wenn du...

 

 

- ein perfekt ausbalanciertes Spiel haben willst 

 

- ein Spiel suchst, welches schnell zu erlernen und zu spielen ist

 

 

*Danke an alle Testspieler!

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß aufgerundet!