02.01.17

Review: "First Class" von Helmut Ohley

Fakten

Autor: Helmut Ohley

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Verlag: "Hans im Glück"

Spieldauer: 60-90 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP  42,99 Euro


Spielbeschreibung

 

In FIRST CLASS - Unterwegs im Orient Express spielen wir ehrgeizige Firmengründer und direkte Konkurrenten von Georges Nagelmackers, dem Gründer und Initiator des „Orient Express“. Wie er versuchen wir, möglichst viele gut zahlende Passagiere für eine prestigeträchtige Fahrt zu gewinnen. Dabei versuchen wir unter anderem mit den komfortabelsten Waggons zu punkten. Am Ende wollen wir die beste Möglichkeit anbieten in den Orient zu reisen. Dazu gibt uns das Spiel vielerlei Möglichkeiten an die Hand und viele Wege können zum Sieg führen. Es einfach mal auszuprobieren und einen schönen Zug zu bauen, kann nicht falsch sein. Aber Vorsicht, es befinden sich nicht nur ehrenwerte Leute im Orient Express. Ab und an kann es zu einem Kriminalfall kommen ...

 

(Quelle: Hans im Glück)


Hintergrundinformationen

 

Das Spiel "First Class" hat seit der Erscheinung im Jahr 2016 viele positive Resonanzen erhalten. Es wurde zum einen mit dem "Beeple Award 2017" ausgezeichnet und hat zum anderen den 5. Platz des "Deutschen Spielepreises" ergattern können. Zumal hat sich der Autor Helmut Ohley, der bereits das erfolgreiche Spiel "Russian Railroads" entwickelt hat, erneut des Themas der Züge bedient, was auch darauf schließen lässt, dass mal wieder ein "Zug-Experte" am Werke ist ;).


Spielmaterialien

 

"First Class" bietet sehr wertige Materialien! Angefangen mit den Holzfiguren über die Pappmarker bis hin zu den Tableaus ist zu resümieren, dass der Verlag sichtbar auf einen qualitativen Spielumfang Wert gelegt hat. Auch das Schachtelinlay ist hervorragend und bietet einen optimale Sortierung der Materialien, was bei den enthaltenen Modulen auch sicherlich notwendig gewesen wäre. Im Rahmen des positiven Gesamteindrucks ist dennoch kritisch anzumerken, dass das Tableau des Punktezählers zu klein geraten ist und das Abzählen der Siegpunkte unnötig erschwert wird. Ansonsten ist dem Material nur Positives zu entnehmen. 

                                                          5,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Illustrator Michael Menzel die Thematik schön umgesetzt hat. Die Module, mit denen neue Karten ins Spiel kommen, sorgen für Abwechslung und für ein sich änderndes Gesamtbild. Für das die Illustrationen auf kleinen Karten gedruckt wurden, muss man sagen, Menzel bei diesem Produkt wieder mal sein Können unter Beweis gestellt hat, da diese dennoch gut zum Ausdruck kommen. Dessenungeachtet sind einige Negativpunkte aufgekommen. Die Spielendekarten weisen Symbole auf, die nicht direkt zuzuordnen sind und häufiges Nachfragen verursachten. Hier hätte man sich sicher aussagekräftigere Symbole gewünscht. Zudem wäre es schön gewesen, wenn sich die Abbildungen einer Waggonart unterscheiden würden. Denn man merkt es dem Spiel an, dass es danach strebt, thematisch zu sein und es ist demzufolge sehr unthematisch, wenn identische Personen in einem Zug sitzen (z. B. 2 Züge nebeneinander mit dem Wert 2). In diesem Fall hätte man sich gezielt Individualitäten gewünscht, die der Illustrator in anderen Spielen gekonnt gemeistert hat.

Ansonsten konnte "First Class" optisch überzeugen!

                                                          5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

 

Schaue dir das folgende Video von "Mikes Gaming Net", um zu erfahren wie das Spiel funktioniert:

Wie ist die Mechanik zu bewerten?

 

"First Class" funktioniert mitsamt seinen Modulen sehr gut! Der Auswahlmechanismus der Karten ist sehr elegant und auch für individuelle Vorgehensweisen existieren Freiräume. Man kann nämlich seine beiden Züge mit individuellen Boni versehen und auch seine Zugstrecke, die sich auf der linken Seite des Spielertabelaus befindet, ebenso selbstbestimmt ausbauen. Gerade Kenner- und Expertenspielern werden so unterschiedlichste strategische Optionen ermöglicht, die zu verwirklichen sind. Auch  die unterschiedlichen Module sind größtenteils gelungen und das Gefühl von aufgesetzten Modulen kommt kaum auf, da sie sich außerordentlich gut in den Grundablauf einfügen. Einzig und allein das Modul "Wer ist der Mörder" nicht gelungen, da das Spielprinzip über den Haufen geworfen wird, was dem Spielsystem nicht gut tut. Es fällt schon nach wenigen Partien auf, dass hier ein erfahrener Entwickler für ein Produkt verantwortlich ist, da die einzelnen Wirkungsweisen sehr gut miteinander verzahnt wurden und wie in "Russian Railroads" Ketteneffekte gang und gäbe sind. Vom strategischen Grad her ist anzuführen, dass "First Class" nicht allzu komplex wie "Russian Railroads" ist. Eine tolle Entwicklerleistung von Helmut Ohley wurde mit "First Class" erreicht! 

                                                         5,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Wer "Russian Railroads" kennt, der wird etliche Parallelen in "First Class" sehen bzw. spielen können. Man kann es mit Fug und Recht als eine Kartenspielvariante von "Russian Railroads" bezeichnen, die im Kennerspielbereich anzusiedeln ist. Dennoch hat der Entwickler Ohley durch die abwechslungsreichen Module frische Impulse setzen können, die dazu beitragen, dass sich "First Class" von "Russian Railroads" in gewisser Weise abgrenzt. Im Großen und Ganzen ist letztlich jedoch festzuhalten, dass starke Parallelen zwischen diesen beiden Spielen vorhanden sind, die auch das Spielgefühl betreffen.

                                                         3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Wer "Russian Railroads" mochte, der ist bei dem kleineren Bruder "First Class" ebenso gut aufgehoben. Durch die Module wirkt das Spiel abwechslungsreich, wobei das Modul ("Wer ist der Mörder?") stark von den restlichen Modulen abweicht und nicht ganz überzeugen konnte. Nichtsdestrotrotz bietet das Spiel interessante Entscheidungen, die zu treffen sind. Welche Strategie man verwirklichen will, hängt von den Karten ab, die man aus der Auslage nimmt. Ob man das vorliegende Spiel als Vielspieler kaufen muss, wenn man bereits "Russian Railroadas" besitzt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Diesbezüglich ist glasklar zu benennen, dass sehr viele Parallelen existieren, die nun in ein Kartenspielformat übertragen wurden. Letztlich konnte "First Class" die Testspieler überzeugen, die Euphorie, wie bei der ersten Partie "Russian Railroads", blieb aufgrund der schwachen Innovationskraft aus. Dennoch liegt ein klasse Spiel vor!

                                                           4 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "First Class" liegt bei 42,99 Euro. Die Spielmaterialien sind von einer sehr guten Qualität, wobei das Tableau für die Siegpunkte einige Schwächen aufweist. Die Illustrationen sind gut gelungen, jedoch fehlen einige Feinheiten, die die thematische Dichte gestärkt hätten. Auf spielmechanischer Ebene sind kaum Defizite zu erkennen, einzig und allein das Modul "Wer ist der Mörder?" passt nicht in das Gesamtkonzept. Zudem ist zu erwähnen, dass "First Class" gefühlt eine umfangreiche Kartenspielvariante von "Russian Railroads" ist und es an manchen Ecken an kreativen Einfällen mangelt. Alles in allem hat "First Class" den Testspielern gut gefallen!

                                                           4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "First Class", wenn du...

 

- ein Fan von "Russian Railroads" bist. "First Class" beinhaltet ein sehr ähnliches Spielgefühl

 

- ein "Euro-Game" im Kartenspielformat suchst

 

- ein abwechslungsreiches Spiel spielen willst

 

 

Lasse die Finger von "First Class", wenn du...

 

- ein sehr innovatives Spiel suchst

 

- es nicht magst, an jedem Rundenende, viele Siegpunkte zusammenzuzählen (Wartezeiten!)

 

 

*Danke an alle Testspieler!

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet!