02.04.17

Review: "Ein Fest für Odin" von Uwe Rosenberg

Fakten

Autor: Uwe Rosenberg

Spieleranzahl: 1-4

Verlag: Feuerland Spiele

Spieldauer: 30 Minuten/Spieler

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 69,90 Euro


Spielbeschreibung

 

Ein großes Spiel verdient eine große Box!

 

Uwe Rosenberg hat sich mächtig ins Zeug gelegt und mit "Ein Fest für Odin" ein Schwergewicht von Strategiespiel erschaffen - sowohl inhaltlich als auch physisch. Über 3kg Material will durchgespielt werden! Das zentrale Element- das Puzzeln von Waren auf dem persönlichen Heimatplan - bringt ein völlig neues Spielgefühl in die Strategiespielwelt.

Werdet zum Wikinger und erkundet die Welt!

 

Für das unfangreiche Spielmaterial liegen dem Spiel zwei Plastikboxen zum Sortieren bei, so ist der Spielaufbau schnell erledigt. Ein extra für dieses Spiel angefertigter, 20 seitiger Almanach gibt ausführliche Hintergrundinformationen zum Spiel und der Wikingerzeit.

(Quelle: Feuerland Spiele)


Hintergrundinformationen

 

"Ein Fest für Odin" kam letztes Jahr über den Verlag "Feuerland Spiele" heraus. Die Erwartungen waren sehr hoch, denn das Spiel sollte das neue gigantische Strategiespiel von Uwe Rosenberg werden. Es wurde eine riesige Spielschachtel angekündigt, die über 3 Kilogramm wiegen sollte. Da uns das "Puzzle-Element" im Spiel "Patchwork" bereits gut gefiel und ein "Fest für Odin" diese Mechanik aufgreift, konnten wir es nicht erwarten, das Spiel auszuprobieren. Inwiefern es dem Autor Uwe Rosenberg gelungen ist, den "Patchwork-Mechanismus" nun auf "Ein Fest für Odin" zu übertragen, erfahrt im Verlauf des Testberichtes.


Spielmaterialien

 

Bis man die unzähligen Materialien aus den Stanzbögen herausgedrückt hat, kann schon mal eine Weile vergehen. Das Spiel besticht durch überaus viele Plättchen, Tableaus und Markern. Alle Materialien sind in einer herausragenden Qualität und sind nicht zu kritisieren. Weiterhin ist neben dem Regelheft noch ein Begleitheft mit dabei, das Hintergrundwissen über die Wikinger vermittelt. Im Zuge dessen wird auf die einzelnen Aktionsmöglichkeiten eingegangen, wobei eine thematische Einbettung erfolgt, was ein sehr schöner Bonus und hoch anzuerkennen ist. Als ein Meilenstein im Rahmen des Inlays ist definitiv zu benennen, dass zwei Sortierboxen im Spielumfang enthalten sind, in denen man die Marker systematisch ordnet, wodurch der Aufbau sowie der Abbau des Spiels merklich vereinfacht wird.

Besser kann man es hinsichtlich der Materialien nicht machen. Ein großes Lob an den Verlag!

                                                         6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

"Ein Fest für Odin" überzeugt durch kräftige Farben, die allesamt gut zur Geltung kommen. Der Illustrator hat es geschafft, ein rundes Gesamtbild zu kreieren. Natürlich kann man aufgrund der Spielmechanik nicht erwarten, dass z.B. die Inseln sehr detailreich auf´s Papier gebracht werden, da die Mechanik dies schlicht und einfach nicht erlaubt (Raster) und eine abstrakte Darstellung erfordert. Des Weiteren wurden die unzähligen Waren/Waffen sehr schön und liebevoll illustriert und verkörpern die Theamtik auf gelungene Weise. 

Dennoch hätten wir uns gewünscht, dass der persönliche Spielplan für jeden Spieler etwas individueller gestaltet worden wäre, um dem eigenen Wikingerstamm mehr Geltung zu verleihen und wirklich das Gefühl zu haben, dass man sich eines Stammes annimmt, das sich von denen der Mitspieler unterscheidet.

Ansonsten kann man hier von einer gelungenen Darstellung sprechen!

 

                                                          5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

"Ein Fest für Odin" ist ein Expertenspiel und das Regelwerk ist dementsprechend umfangreich:

Download
Regelwerk Ein Fest für Odin.pdf
Adobe Acrobat Dokument 16.5 MB

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Anfänglich ist anzuführen, dass der Spielablauf mit den vielen Phasen gut durchdacht und logisch nachvollziehbar ist. "Ein Fest für Odin" bietet den Spielern unzählige Aktionsmöglichkeiten, von denen man gerade in der ersten Partie erschlagen wird. Dennoch stellt man nach einigen Partien fest, dass gerade die Vielzahl an Aktionsmöglichkeiten den Spielern verschiedenste strategische Optionen ermöglicht, was diesem strategischen Schwergewicht zugute kommt. Ist ein Feld besetzt, bietet einem das Spiel weitere Optionen an, in einer anderen Art und Weise zu verfahren. Dies ist in der Hinsicht gut, dass man nicht völlig aufgeschmissen ist (wie in manch anderen Spielen) und ein Plan B immer verfolgt werden kann.

Ein elementarer Bereich des Spiels ist das "Puzzle-Feld", das hervorragend in das Spielgeschehen eingebunden wurde und mit den Aktionsmöglichkeiten des Spielfeldes ein perfektes Ganzes ergibt. Ein weiterer nennenswerter Punkt ist, dass bei diesem Spiel von Uwe Rosenberg u.a. auch gewürfelt wird (z.B. bei Überfällen), was schon recht ungewöhnlich für diesen Autor ist. Nichtsdestotrotz tritt der Fall nicht ein, dass man aufgrund eines schlechten Würfelwurfs verliert, da einem "Trostpreise" angeboten werden, die in gewisser Hinsicht auch lukrativ sein können. Ebenso sind Glücksfaktoren im Spiel durch das Nachziehen von Waffenkarten und Ausbildungskarten (Fähigkeiten) gegeben. Es ist ersichtlich, dass hier ein Nachziehglück vorherrscht, das jedoch nicht sehr stark ins Gewicht fällt, da man mit bestimmten Aktionen automatisch Ausbildungskarten nachzieht und so einem meist eine breitgefächerte Auswahl an solchen Karten zur Verfügung steht. Zudem hinterließen die Ausbildungskarten den Eindruck, dass diese extrem gut ausbalanciert waren und in einem optimalen Fähigkeiten-Siegpunkte-Verhältnis standen.

Den Spielern werden im Verlauf des Spiels die Optionen geboten, neue Inseln sowie Gebäude zu "bepuzzeln". Es ist offensichtlich, dass  das Puzzeln auf mehreren Plänen mehr Aufwand erfordert, nichtsdestotrotz wird man für mehr Arbeit auch entlohnt, wie z.B. durch Waren/Prämien/Siegpunkte.

Alles in allem hat der Autor im vorliegenden Spiel eine super Leistung abgeliefert, da extrem viele Karten und Aktionsfelder im Spiel vorzufinden sind, die allesamt ein ausbalanciertes Spiel ergeben. Dies erst einmal in so einem großen Umfang zu schaffen, kann wahrlich als Meisterleistung bezeichnet werden!

                                                          6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das Spiel basiert auf einem klassischen "Workeplacement-Mechanismus", der mit dem "Patchwork-Mechanismus" kombiniert wurde. Das Rad wurde also nicht komplett neu erfunden! Nichtsdestotrotz ist anzuführen, dass sich das Puzzeln hier von dem Puzzeln in "Patchwork" glasklar unterscheidet und eigentlich nur der Umstand, dass man unterschiedliche Formen aneinander puzzelt, die einzige große Gemeinsamkeit darstellt. Denn beim Puzzeln im vorliegenden Spiel ist es u.a. wichtig, auch gewisse Felder freizulassen, um Prämien zu erhalten. Des Weiteren dürfen nicht alle Arten von Markern auf das Raster gelegt werden (nur grüne und blaue Marker) und es ist demzufolge erforderlich, rote und orangefarbige Marker aufzuwerten. Auch darf die "Einkommens-Diagonale" nur nach gewissen Regeln bepuzzelt werden.

Ihr merkt schon, dass sich ein "Fest für Odin" hinsichtlich des "Puzzle-Mechanismus" sehr stark von "Patchwork" unterscheidet und viele prägnante Unterschiede vorliegen. Aus diesem Grund vermittelt das Puzzeln im vorliegenden Spiel das Gefühl einer Andersartigkeit und setzt erstaunlich frische Impulse, was wir so nicht erwartet haben. Der Mechanismus "Worker-Placement" tritt im  Gegenzug nicht in einer außergewöhnlichen Art und Weise auf.

Alles in allem wirkt der "Puzzle-Mechanismus" auf den unterschiedlichen Tableaus lebendig und frischt den "verstaubten" "Worker-Placement-Mechanismus" auf sehr gelungene Weise auf!

                                                        4,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Im Rahmen des Spielspaßes ist "Ein Fest für Odin" für uns Uwe Rosenbergs bestes Vielspielerspiel! Der "Wow-Effekt" hat ab der zweiten Partie eingesetzt, wobei man die erste Partie dazu nutzen sollte, das Spiel überhaupt kennenzulernen (denn da gibt es viel :)). Es macht unheimlich viel Spaß, die unterschiedlichen Strategien auszuprobieren und jedesmal auf andere Weise Siegpunkte zu generieren. Der Wiederspielreiz ist durch unterschiedlichste Aktionen, Plättchen, Tableaus gegeben, die man im Spielverlauf ausprobieren kann. An Variationen im Spiel kann man sich demnach überhaupt nicht beklagen! ;)

Auch zu viert hat uns das Spiel gefallen. Es ist ersichtlich, dass sich die Spieldauer in die Länge zieht, nichtsdestotrotz wird die Wartezeit damit überbrückt, indem die Spieler diese nutzen können, um jederzeit Plättchen auf ihrem Tableau zu positionieren. Aus diesem Grund kommt einem die Wartezeit auch nicht sehr lang vor. Weiterhin ist zu erwähnen, dass "Der Puzzle-Mechanismus" so elegant auftritt, dass es sehr zufriedenstellend ist, den eigenen Plan vollzukriegen und evtl. auch zusätzliche Pläne (z.B. Inseln, Gebäude) zu bepuzzeln. 

Das Spiel greift zwar die Thematik der Wikinger ausführlich auf, nichtsdestotrotz muss man ehrlicherweise anführen, dass die thematische Atmosphäre auf der Strecke bleibt, was die Testspieler aber jetzt nicht unbedingt gravierend fanden.

Alles in allem kann man zusammenfassen, dass es sich bei "Ein Fest für Odin" definitiv um ein Highlight für Vielspieler handelt! Super!

                                                        5,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Ein Fest für Odin" liegt bei 69,90 Euro. Hinsichtlich der Spielmaterialien wurde alles richtig gemacht und gerade die Aufbewahrungsboxen für die Materialien sind perfekte und zugleich hilfreiche Zusätze (hoffentlich nehmen sich andere Verlage ein Vorbild an Feuerland Spiele ;)). Die Mechanismen funktionieren ausgezeichnet und auch innovative Elemente sind zu erkennen, die zwar bereits in gewisser Weise existierten, jedoch auf elegantem Wege modifiziert wurden ("Puzzle-Mechanismus" aus "Patchwork"). Das Spiel macht unheimlich viel Spaß und ist definitiv ein Highlight für Vielspieler aus dem Jahre 2016.

                                                        5,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir ein "Fest für Odin", wenn du...

 

- ein Highlight für Vielspieler suchst, das unzählige Materialien enthält und viel Denkleistung erfordert, jedoch einen nicht überfordert

 

- ein Spiel suchst, das den "Puzzle-Mechanismus" aus "Patchwork" gelungen aufgreift und genial erweitert

 

- schon immer ein Spiel haben wolltest, das mit Aufbewahrungsboxen daherkommt ;) 

 

 

Lasse die Finger von dem Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das sehr atmosphärisch ist

 

 

* Ein Dankeschön an alle Testspieler!

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß wurde die Gesamtwertung aufgerundet!