"Downtown" von Florian Racky

Fakten

Autor: Florian Racky

Spieleranzahl: 2-4 Spieler 

Verlag: Racky Spiele

Spieldauer: ca. 45 bis 75 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2013

Preis: UVP 16,90 Euro


Spielbeschreibung

 

Die Spieler sind die Bosse von Gangsterbanden in der Stadt „Downtown“. Sie werben für ihre Gang Leute an und erhalten bei den Informanten Tipps für lukrative „Jobs“. Die Beuten aus den Raubzügen müssen dann bei den Hehlern verkauft werden, oder, falls es sich um Geld handelt, von einem Geldwäscher zu „sauberem“ Geld gemacht werden. Welcher Spieler als erster Spieler im Besitz von mindestens 100.000,- „sauberen“ Dollars ist, gewinnt das Spiel. Das zentrale Element des Spiels ist der Mechanismus der Spielerreihenfolge: Es gibt keine geregelte Spielerreihenfolge!

Der Spieler am Spielzug bestimmt durch seinen Spielzug jeweils den nachfolgenden Spieler. Dabei sollte bestenfalls ein Mitspieler ausgewählt werden, der in dessen Spielzug voraussichtlich wieder einen selbst zum folgenden Spieler bestimmen wird. Denn je öfter man zum Spielzug kommt, desto größer sind die Chancen das Spiel zu gewinnen.

"DOWNTOWN" bietet spannende Unterhaltung für Freunde des anspruchsvollen Spiels. Eine weise Voraussicht auf die kommenden Spielzüge der Mitspieler und eine ordentliche Portion Pokerface führen hier zum Sieg.

Ein spannendes Kartenspiel für Freunde des anspruchsvollen Spiels.

(Quelle: Racky Spiele)


Hintergrundinformationen

 

Der Autor Florian Racky hat durch das im letzten Jahr erschienene Spiel über den Verlag Feuerland Spiele "Haus der Sonne" (Rezension: hier) viele positive Resonanzen erlangt. Doch auch vor der Veröffentlichung dieses Spiels hat er bereits eigene Entwicklungen über seinen eigenen Verlag herausgebracht. Werfen wir doch mal einen Blick auf eines dieser Spiele...;)


Spielmaterialien

 

Die Spielmaterialien sind von sehr guter Qualität. Die Karten, aus denen das Spiel hauptsächlich besteht, sind von sehr guter Wertigkeit und in keiner Hinsicht zu kritisieren. Ebenso zeugen die Spielsteine von einer sehr guten Qualität. Im Rahmen der Materialien ist definitiv die Höchstnote zu vergeben! Sehr schön!

                                                   6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen haben uns gut gefallen! Bei diesen steht glasklar der humoristische Aspekt im Vordergrund, der gekonnt in einen passenden Stil eingebettet wurde. Ferner sticht der Illustrationsstil sehr individuell hervor und hat seinen gewissen Charme. Es wäre dennoch schön gewesen, wenn innerhalb der einzelnen Kartenkategorien noch etwas Abwechslung in die Optik hineingearbeitet worden wäre, um mehr Feinheiten zum Ausdruck zu bringen. Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen schön anzusehen und spielen mit dem ernsten Thema "Kriminalität" auf eine sehr eigene Art und Weise. Gut gelungen!

                                                    4 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

 

Grundsätzlich zu erwähnen ist, dass jeder Spieler zwei Spielsteine besitzt und diese an verschiedene Ort einsetzt, um Aktionen durchzuführen. 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Fangen wir mal mit den einzelnen Aktionsfeldern an. Es ist definitiv zu sagen, dass diese logisch aufeinander aufbauen und stark miteinander verwoben sind. Man holt sich Gangster-Karten, führt mit diesen Raube durch und verkauft dann die geraubten Gegenstände bei den Hehlern. Es handelt sich um sehr starre Abläufe, die man definitiv durchlaufen muss, um eine große Menge Geld zu erlangen. Zwar existieren noch einige Orte, an denen man bestimmte Boni, wie z.B. Geld oder Gangster-Karten erhält, falls die Mitspieler bestimmte Aktionen genutzt haben, nichtsdestotrotz bleibt die grundlegende Handlungskette (Gangster-Karten -> Raube -> Gegenstände verkaufen) doch sehr prägnant und starr. Hierbei wäre es wünschenswert, diese Starrheit aufzubrechen und evtl. einige Variationen einzubauen die die einengende Handlungskette "aufatmen" lassen. Weiterhin ist zu benennen, dass im Spiel viele Glückselemente vorhanden sind. Glücksbasierte Elemente schaden dem Ablauf keineswegs und führen sogar zu einem Mehrwert. Denn durch diese wird ein gewisser Reiz in das Spiel implementiert und gerade Risiken sind doch allgegenwärtig im kriminellen Geschäft ;).

Den Spielern ist es übrigens auch als alternative Aktionen gestattet, sich die obersten Karten bestimmter Stapel anzuschauen und entweder auf oder unter diesen zu legen. Dennoch sind die Alternativaktion keine wirkliche Alternative, da es einem zwar gestattet wird, sich den Stapel "zurechtzulegen", jedoch andere Spieler in den meisten Fällen auf den Stapel zugreifen werden, was das "Zurechtlegen" nichtig macht. Und gerade der Umstand, dass man eine Alternativaktion anstatt einer richtigen Aktion nutzt, steht kaum in einem angemessenen Gleichgewicht.

Zu den einzelnen Abläufen während des Spielzuges ist zu benennen, dass sowohl das "Abkassieren" als auch das "Mitspieler bezahlen" überwiegend funktionieren. Der Fakt, dass mehrere Spieler sich prinzipiell zusammentun könnten, um gezielt einen Mitspieler zu schaden, verlangt dann doch noch einige Regularien. Auch die plausible Situation, dass prinzipiell alle Spieler die ganze Zeit einfach nur "abkassieren" könnten (was eigentlich keiner macht), würde zu einer Stagnation des Spielflusses führen, was ebenso klare Strukturen in der Regeln verlangt. Gerade im Spiel zu viert, konnten die Mechanismen am meisten aufleben, wohingegen das Spiel zu zweit dann doch eher keinen Platz für belebende Interaktionen bot und die Mechanismen dann letztlich sehr mechanisch wirkten.

                                               3 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)

                                                  2 von 6 Spiegeln (2 Spieler)


Innovationen

 

Die Darstellung eines "Mafia-Themas" auf eine lustige Art und Weise ist schon originell. Die grundsätzliche Handlungskette (Gangster anheuern - Raub durchführen - die Raubware bei den Hehlern verkaufen) wirkt zwar nicht sehr innovativ, aber das frische Element kommt dadurch zustande, dass man nie weiß, was die Rückseiten der Karten darstellen und wieviel Geld man letztlich für den Raub erhält. Mit diesen "Überraschungsmomenten" hat der Autor spannende wie auch thematisch starke Spielelemente entwickelt und implementiert. Ebenso der Umstand, dass die Spielerreihenfolge nicht im Uhrzeigersinn verläuft, sondern davon abhängig ist, ob Spieler "abkassiert" oder "bezahlt" werden, ist eine abwechslungsreiche Angelegenheit zu den tristen "Ich-spiele-im-Uhrzeigersinn-Spielen" ;). Es sticht hervor, dass Florian Racky bei der Konzeption der Abläufe bemüht war, neue kreative Impulse zu konzipieren, was ihm auch in einigen Bereichen des Spiels gut gelungen ist.

                                                   4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Downtown" ist nicht "von schlechten Eltern"! Hier ist jedoch ganz klar in unterschiedliche Spielerbesetzungen zu differenzieren. Bei 2 Spielern ist das Spielerlebnis eher mau, wohingegen sich bei drei und optimal bei vier Spielern der Spielspaß am meisten entfaltet, da die Auswahl der "zu bezahlenden" und "der zu kassierenden" Mitspieler steigt. Dadurch erfährt das Spiel an Lebendigkeit und vielen unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten, als in einer Besetzung von nur zwei Personen. Ebenso steigt mit zunehmender Spieleranzahl das spannungsgeladene Gefühl eines Rennes um die ersten 100.000 $. "Downtown" lebt klar von vielen Glückselementen, auf die man sich bei diesem Spiel einstellen sollte. Dennoch existieren Faktoren, die überdenkt werden sollten, wie z.B. das Erneuern der eigenen Auslage. Denn die eigene Auslage bestimmt sowohl das "Abkassieren" als auch das "Bezahlen". Wenn man abkassiert wird, ist die komplette Auslage weg, aber wenn man bezahlt wird, kriegt man den gleichen Wert, der in der eigenen Auslage vorliegt. Hier ist ein wichtiger Kniff enthalten, der immer wieder zu einer wesentlichen Entscheidung führt und die man selbstbestimmt treffen kann. Beim vorliegenden Spiel kann es auch passieren, dass sich Spieler zusammentun und geschickt einem Spieler schaden, was den Spielspaß dämpfen würde. Final muss man anführen, dass einige Abläufe nicht sehr gut in der Regel geschildert wurden und während des Spiels immer wieder Fragen aufkamen. 

                                                2 von 6 Spiegeln (2 Spieler)

                                               3,5 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)


Preis-Leistungsverähltnis

 

Die UVP von "Downtown" liegt bei 16,90 Euro. Die Materialien sind hervorragend und sind keineswegs zu kritisieren. Die Illustrationen sind schön und beleben das Thema auf einem sehr originellem Wege. Die Mechanismen funktionieren am besten in einer Besetzung von drei oder vier Personen, wohingegen bei zwei Spielern der ganze Ablauf letztendlich sehr mechanisch und trist wirkt. Grundsätzlich funktionieren die Spielphasen, jedoch ist auf jeden Fall Bedarf zur Nachjustierung vorhanden, um die Mechanismen in ein besseres Gleichgewicht zu bringen. Innovative Elemente sind vorhanden und der Spielspaß ist aufgekommen, jedoch erst bei drei oder vier Spielern. Wesentliche Defizite in der Mechanik dämpften eindeutig den Spielspaß!

                                                      3 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "Downtown", wenn du...

 

- grundsätzlich ein Spiel mit dem Thema "Mafia" magst.

 

- viele Glückselemente im Spiel suchst.

 

- ein Spiel haben willst, bei dem du deine Finanzen gut kalkulieren musst, um am Ende als erster Spieler die ersten 100.000 $ zu erreichen.

 

 

 

Lass die Finger von "Downtown" und schaue lieber die Serie "Narcos", wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das in allen Spielerbesetzungen gleich viel Spaß bereitet.

 

- Glückselemente nicht ausstehen kannst.

 

- ein Spiel mit perfekten Mechanismen suchst. "Downtown" wirkt etwas unfertig und einige Aspekte müssten verfeinert werden.

 

* Danke an alle Testspieler

* Die Gesamtwertung im Rahmen der Auswertung (3 und 4 Spieler) wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet!