Review: "Domus Domini" von Heinz-Georg Thiemann

Fakten

Autor: Heinz-Georg Thiemann

Spieleranzahl: 2-6 

Verlag: franjos

Spieldauer: 25 Minuten/ pro Spieler

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 44,90 Euro


Spielbeschreibung

 

Bei seinem Amtsantritt als Abt von Cluny im Jahre 1122 findet Petrus Venerabilis das Kloster in einem schlechten wirtschaftlichen Zustand vor. Um das Überleben der Klostergemeinschaft zu sichern, ruft er die Cluny angeschlossenen Klöster zur Unterstützung auf. Die Klöster sollen Lebensmittel nach Cluny liefern. Als Gegenleistung dafür erhalten sie Ablassbriefe.  

Jeder Spieler leitet als Abt ein solches Kloster.

Die Spieler erarbeiten in jedem Jahr (jeder Runde) Nahrungs-Einheiten, die sie dann bei ihrem Abt Petrus Venerabilis abliefern. Wer in einer Runde die meisten Nahrungs-Einheiten abliefert, bekommt dafür auch die meisten Ablassbriefe (Siegpunkte). Allerdings bekommt er die wenigste Unterstützung (Taler) für weitere Investitionen.

Wer in einer Runde die wenigsten Nahrungs-Einheiten abliefert, bekommt die wenigsten Ablassbriefe aber dafür die meisten Taler für weitere Investitionen. So müssen sich die Spieler in jeder Runde entscheiden, ob sie mehr Taler bekommen wollen, um in die Entwicklung ihres Klosters zu investieren oder mehr Ablassbriefe bekommen wollen, um am Ende der Gewinner zu sein.

Doch jeder Spieler verfolgt seine eigenen Pläne und so kommt es in jeder Runde zu einem Gerangel auf der Straße nach Cluny, das so manchem Spieler unliebsame Überraschungen bringt.

(Quelle: franjos)


Hintergrundinformationen

 

Hintergrundinformationen aus der Sicht von Franz-Josef Herbst, dem Verlagsinhaber von "franjos".

 

Der erste Prototyp des Autors für das Spiel hatte noch das Thema Autorennen bzw. Rennwagen-Tuning. Da das Thema aber doch eher eine Männer-Domäne ist, haben wir nach einem anderen Thema gesucht. Dabei hat sich das Thema Kloster / Nahrungserzeugung letztlich als am besten passend herausgestellt.

Bereits 2013 habe ich versucht, "DOMUS DOMINI" über ein Crowdfunding-Projekt bei startnext zur Produktion zu bringen. Leider ist die benötigte Summe für die Finanzierung nicht zu Stande gekommen. Erst im zweiten Anlauf 2015 gab es genügend Unterstützer, die dazu beigetragen haben, dass DOMUS DOMINI realisiert werden konnte. 

Von 2013 bis 2015 haben Autor und Verlag weiter an dem Spiel gearbeitet. Es sind neue Regeln hinzugekommen, einige alte Regeln wurden verworfen oder verändert.

Aus dem neuen Thema sind dabei wesentliche Ideen entstanden, die in das Spiel eingeflossen sind.

(Quelle: franjos)


Spielmaterialien

 

Auch kleine Verlage können qualitativ hochwertige Spielmaterialien an den Mann bringen ;)! Die Plättchen, Tableaus, Spielsteine und Karten sind allesamt hochwertig und von lobenswerter Qualität. Es gibt überhaupt nichts zu beanstanden und eine Höchstwertung ist hier definitiv angemessen.

                                               6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen wurden von Franz Vohwinkel (Interview: hier) angefertigt. Die Aufmachung spiegelt atmosphärisch die Thematik wieder und es wurde definitiv der passende Illustrator für das vorliegende Spiel ausgewählt. Die prägnanten Brauntöne passen hervorragend zum Mönchsthema und die einzelnen Spielelemente fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild. Schade ist nur, dass das Augenmerk bei vielen Chips/Markern nicht so sehr auf Variabilität und Details gerichtet wurde, sodass keine kleinen feinen Unterschiede zwischen Elementen einer Sorte zu erkennen sind, wodurch das Gesamtbild dann noch etwas liebevoller zum Ausdruck kommen würde. Ferner wäre es schön gewesen, dass der weiße Rand auf den graphischen Darstellungen weggefallen wäre, da diese die Ästhetik stören und keinen wirklichen Nutzen haben. Nichtsdestotrotz ist die gesamte Aufmachung wirklich lobenswert!

                                             4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Der Verlagsinhaber erklärt euch in den groben Zügen, wie das Brettspiel funktioniert: 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Die Abläufe von "Domus Domini" funktionieren und sind schlüssig! Kaum Glückselemente sorgen dafür, dass man als Spieler alle Spielfaktoren kennt und sich somit gezielt seine Vorgehensweise planen und diese durchführen kann. Ressourcen sind knapp, demzufolge sind einem beim schlechten Ressourcenmanagement auch in gewisser Weise die Hände gebunden, da die Handlungsmöglichkeiten stagnieren. Es kristallisiert sich schnell heraus, dass erfahrene Spieler gegenüber Anfängern ein planerischen Vorteil haben. Weiterhin kann es bei "Domus Domini" vorkommen, dass sich mehrere Spieler gezielt gegen einen Spieler verschwören und dieser schmerzlich Siegpunkte abgeben muss. Zwar erhält der Spieler, der am Ende der Runde auf der Straße zu Cluny hinten liegt, am meisten Geld, jedoch kann dieser Ausgleich nicht mit den Defiziten im Rahmen von Siegpunkten mithalten, was zu kritisieren ist. Ferner kam nach vielen Testpartien der Gedanke auf, dass das Kloster gegenüber den Investition in den drei Leisten evtl. doch nicht so lukrativ sein könnte. Demnach wäre kritisch zu hinterfragen, ob man lieber in den Brauerei-Ausbau, den Garten-Ausbau sowie in den Käserei-Ausbau investiert, anstatt das Kloster auszubauen. Positiv ist hingegen, dass die Fähigkeiten der Cellerare in einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis stehen und Elemente in das Spiel implementiert wurden, die die Spieler zusammenbringen, wie z.B. "Kauf der Cellerar-Karten", "Ausbau-Leisten" und "Angriffe auf die Gegner auf der Reiseleiste nach Cluny". Diese Elemente brechen ein solitäres Spiel auf und sorgen für ein gemeinsames Spielgeschehen. Final ist zu resümieren, dass die Mechanismen funktionieren, jedoch Funktionen und Wirkungsweisen einiger Elemente letztlich zu hinterfragen sind.

                                                   4,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

"Domus Domini" basiert auf vielen bekannten Abläufen, in denen einige schöne Ideen integriert wurden. Das Buhlen um die vordersten Ränge einer Leiste ist jetzt nicht unbedingt eine grandiose spielerische Neuerfindung. Jedoch wurden einige Elemente des Spiels auf geschickte Art und Weise verknüpft, sodass das Spielgeschehen in manchen Bereichen frisch wirkte. Gerade der Austausch der "Cellerar-Karten" sorgt für einen individuellen Spielabschnitt, der gut mit der Thematik und den Leisten verwoben wurde. Ebenso der Umstand, dass man auf der Reiseleiste jede Runde auf 0 gesetzt wird und immer wieder aufs Neue ein "Kampf" auf der Leiste entsteht, ist individuell, da es sich um eine zweite "Siegpunkt-Leiste" handelt, die nur für die aktuelle Runde gilt und starke Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Spiels mit sich bringt. Alles in allem ist zusammenzufassen, dass viele Abläufe gewöhnlich daherkommen, jedoch in Teilabschnitten des Spiels kreative Ideen zu erkennen sind. 

                                                 3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Domus Domini hat allen Beteiligten gut gefallen! Gerade der Fakt, dass alle Spielbegebenheiten offen ausliegen, lässt auch bei Strategen und Vielspielern Spaß aufkommen. Je öfter man das Spiel spielt, desto besser versteht man die einzelnen Facetten und hat dadurch wiederum einen besseren Überblick über den Gesamtmechanismus. Dennoch kann es passieren, dass sich auf der Reiseleiste mehrere Spieler gegen Einen verschwören, was frustrierend sein kann, da dieser stark zurückfällt. Die interaktiven Elemente gefallen und verbinden die Spieler auf eine gekonnte Weise. Die Einschätzung, dass das der "Kloster-Ausbau" nicht gleichstark wie die anderen drei Ausbau-Leisten wirkte, führt dann doch zu der ein oder anderen Diskussion. Dennoch hat man grundsätzlich viele Entscheidungen zu treffen, die definitiv im Spielgeschehen eine "Langzeitwirkung" mit sich bringen und mit Bedacht geätätigt werden sollten. Dies führt dazu, dass Anfänger in dem Spiel meist verlieren werden, da erfahrene Spieler die knapp bemessenen Ressourcen besser einplanen und sonst auch in weiteren Bereichen effektivere Entscheidungen treffen. 

Ein schönes Spiel, dass viele knifflige Momente aufweist und für einen gewissen Spielreiz sorgt!

                                                       4 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Domus Domini" liegt bei 44,90 Euro. Die Spiematerialien sind in einer Vielzahl vorhanden und die Qualität dieser konnte restlos überzeugen. Die Mechanismen funktionieren überwiegend, wohingegen einige Bereiche zur Diskussion angeregt haben und uns defizitär erschienen. Die Illustrationen fangen das Thema gut ein, es wäre jedoch ein bisschen Luft nach oben gewesen. Kreative Einfälle sind vorhanden, dennoch fußt das Spiel überwiegend auf bekannten Abläufen. Des Weiteren hat das Spiel den Spielern gefallen, die jetzt nicht vom "Hocker" gerissen wurden, es aber immer wieder gern spielen würden.

 

                                                    4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir das Spiel, wenn du...

 

- ein schön illustriertes Strategiespiel suchst.

 

-  ein Spiel spielen willst, das mit qualitativ hochwertigen Spielmaterialien daherkommt.

 

- ein Spiel suchst, das kaum Glücksmomente hat und auf zu treffenden Entscheidungen fußt.

 

Lass die Finger von "Domus Domini" und kaufe dir den Film "Im Namen der Rose", wenn du...

 

- das innovativste Spiel des Jahres suchst.

 

- es nicht leiden kannst, dass deine Mitspieler sich im Spiel gemeinsam gegen dich verschwören.

 

- kein Fan von Ressourcenmanagement und Optimierungsprozessen bist, da du meinst, dass schon genug in der Welt optimiert wird ;).

 

* Danke an alle Testspieler

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß wurde die Gesamtwertung abgerundet.