Review: Die Schlösser des König Ludwig von Ted Alspach

Fakten

Autor: Ted Alspach

Spieleranzahl: 1-4

Verlag: Bezier Games

Spieldauer: 90 Minuten

Alter: ab 13 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 45 Euro


Spielbeschreibung

 

Die Schlösser des König Ludwig ist ein Legespiel, bei dem die Spieler versuchen, entsprechend den Wünschen des Königs atemberaubende Schlösser zu erbauen. Die Spieler sind Bauunternehmer, die versuchen Räume zu den besten Konditionen zu erwerben, während sie ihre Dienste an an andere Spieler verkaufen.


Hintergrundinformationen

 

Als ich die Spielemesse 2015 in Essen besuchte, habe ich selbstverständlich mal an dem Stand vorbei geschaut, an welchem "Die Schlösser des König Ludwig" verkauft wurde, da viele Rezensenten bereits im voraus schon positive Meinungen im "Netz" ausgesprochen haben. Als das Spiel jedoch mit einem Verkaufspreis von 45 Euro zum Verkauf stand und ich im ersten Moment dachte, dass die Spielmaterialien evtl. mit Gold veredelt wurden, musste ich zu meiner Enttäuschung feststellen, dass diese lediglich aus Pappe bestanden ;). Die Wartezeit des Kaufes hat sich im Endeffekt jedoch sehr gelohnt (siehe Preis-Leistungsverhältnis) :).

Der Autor Ted Alspach war mir bis vor einiger Zeit kaum bekannt. Ich habe diesen Namen mal flüchtig nur in Verbindung mit dem Spiel "Suburbia" wahrgenommen. Alspach entwickelte weiterhin Spiele wie z.B. Ultimate Werewolf, Mutant Meeples, Imperial und Age of Steam.

Quelle: boardgamegeek.com


Spielmaterialien

 

An den sehr vielen Spielmaterialen gibt es fast Nichts auszusetzen. Sie ließen sich sehr gut ausstanzen und sind wirklich von guter Qualität. Zu bemängeln wären zum einen, dass die Karten schon relativ dünn sind und mittels Kartenhüllen geschützt werden sollten und zum anderen, dass die Punktetafel nach einiger Zeit etwas verbogen war, was eventuell auch auf eine mindere Qualität hindeuten könnte. Aber ansonsten bietet dieses Spiel viele und auch qualitativ gute Spielmaterialien.

                                5,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

"Die Schlösser des König Ludwig" hätte so gut werden können! Leider wurde dieser Anspruch mit den Illustrationen vermasselt und das komplette Potential dieses wirklich guten Spiels nicht ausgenutzt. Illustrationen sind zwar Geschmacksache, aber keiner mit gesunden Augen und klarem Verstand kann wirklich behaupten, dass die Darstellungen auf den Plättchen gelungen sind. Wenn man bedenkt, wie man die Räume hätte gestalten können, um dadurch die thematische Dichte, die zweifellos mittels der Räume entsteht, zu stärken, überbekommt einen doch ein gewisses Unverständnis darüber, wie es zu dieser graphischen Darstellung kommen konnte. Die Illustrationen aller Spielmaterialien schwächen das Spiel, was wirklich schade ist :(.

 

                                 2,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Das Spiel ist grob gesehen relativ simpel:

- Am Anfang jeder Runde werden Raumkarten aufgedeckt, die bestimmte Ziffern (Raumgrößen) enthalten. Von den Stapeln mit den  Raumplättchen werden dann die jeweiligen Raumgrößen aufgedeckt. Liegen bis dato noch Räume aus, werden auf diese 1000 Mark drauf gelegt. Somit kann ein Raum mit der Zeit ziemlich lukrativ werden, wenn er über mehrere Runden nicht gekauft wird. Es werden nur so viele Raumplättchen nachgelegt, wie in der letzten Runde Räume gekauft wurden.

 

- Die neu aufgedeckten und alle bisherigen Räume aus älteren Runden werden offen unter den Spielplan gelegt.

 

- Der Startspieler mit dem Baumeister-Spielstein entscheidet dann, wie viel jeder Raum kosten wird.

 

- Der erste Spieler nach dem Baumeister hat dann die Wahl entweder einen der Räume zu kaufen, zu passen bzw. 5000 Mark von der Bank zu erhalten, oder einen Gang bzw. Stiegenhaus für 3000 Mark zu erwerben (Gänge und Stiegenhäuser befinden sich auf der oberen Seite des Spielplans und haben einen festen Kaufpreis).

 

- Zu guter Letzt bekommt dann der Baumeister selbst die Gelegenheit eine der Optionen auszuführen.

 

Für was erhält man Punkte?

 

Während des Spiels:

- Links oben auf den Raumplättchen sind Siegpunkte abgebildet, die man beim Verbauen der Räume direkt erhält.

 

- In der Mitte vieler Plättchen sind ebenfalls Siegpunkte abgebildet, die man nur sofort erhält oder abgezogen bekommt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden z.B. ein Wohnzimmer an ein Schlafzimmer anbauen.

 

- Des Weiteren erhält man noch zusätzliche Boni, wenn man einen bestimmter Raum fertigstellt. Fertigstellen bedeutet, dass jede Tür eines Raumes an eine andere Tür eines Raumes anknüpft und nicht zugebaut wurde. Ist dies der Fall, erhält der Spieler der Raumart entsprechend bestimmte Boni wie z.B. direkt 10.000 Mark, eine erneute Wertung des Raumes etc.

 

Am Ende des Spiels:

- Für je 10.000 Mark erhält man einen Siegpunkt.

 

- Man bekommt am Anfang des Spiels zwei Bonuskarten und kann im Spielverlauf dann weitere Bonuskarten erwerben, wenn man Wirtschaftsräume fertiggestellt hat. Ein Beispiel einer Bonuskarte ist z.B., dass man zwei Punkte für jedes gebaute Schlafzimmer erhält. Die Bonuskarten wirken auf unterschiedlichste Weise.

 

- Dann gibt es noch die "Gunst des Königs": Am Anfang des Spiels werden der Spieleranzahl entsprechend Plättchen aufgedeckt wie z.B. der Geldwunsch ("Wer am Ende des Spiels am meisten Geld besitzt") oder der Raumwunsch ("Wer am meisten Schlafzimmer gebaut hat"). Für die Erfüllung dieser Wünsche, erhält der Erstplatzierte am Spielende dann die meisten Punkte.

 

- Wenn ein Stapel einer Raumgröße völlig aufgebraucht wurde, erhält jeder Spieler für jeden vebrauten Raum dieser Raumgröße zwei Punkte.

 

Wie ist die Spielmechanik?

"Die Schlösser des König Ludwig" basiert auf einem "Bietmechanismus" und auf einem "Aneinanderreihen von Plättchen und die gegenseitige Beeinflussung-Mechanismus" :).

Der "Bietmechanismus" ist simpel und funktioniert einwandfrei. Ich hatte die Befürchtung, dass dieser in einer Partie mit zwei Spielern sehr träge und langweilig sein könnte. Jedoch ist dies überhaupt nicht der Fall gewesen, da man sich Gedanken darüber machen muss, welcher Raum von dem Mitspieler angestrebt wird und welchen man lieber selbst kaufen sollte. Beeinflusst wird die Festlegung der Preise auch dadurch, dass auf Räume vergangener Runden mehrere 1000 Mark liegen könnten. Weiterhin sind natürlich auch bestimmte Räume lukrativer als andere, da sie generell mehr Siegpunkte bringen. Es fließen demnach sehr viele Überlegungen in die Festlegung der Raumpreise mit ein und machen den "Bietmechanismus" zu einer interessanten und ausgeklügelten Angelegenheit.

Der Mechanismus, der das Aneinanderreihen der Räume umfasst, ist grundsätzlich auch gelungen und verläuft flüssig. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass er sehr seicht und einfach ist, da man lediglich Räume aneinander legt. Diese Annahme verflüchtigt sich jedoch, wenn man sich vergegenwärtigt, dass unterschiedlichste Faktoren den Kauf bzw. Anbau eines Raumes beeinflussen können. Denn jeder Spieler muss unterschiedlichste Aspekte beachten, wie z.B. seine Bonuskarten, die Gunst des Königs und seine bisher gebauten Räume (evtl. Wechselwirkung), was die ganze Sache schon komplizierter macht. Das Verbauen eines einzigen Raumes kann sich somit auf unterschiedliche Art und Weise auswirken und entfalten, was unterstreicht, dass die einzelnen Elemente dieses Mechanismus sehr gut miteinander verzahnt sind.

Dennoch ist ein Kritikpunkt anzuführen, der gerade die Spieler extrem stören könnte, die jedes Element im Spiel im Voraus planen wollen. Denn gerade im Spiel mit zwei Spielern kommen viel weniger Räume und Raumkarten ins Spiel als in einer Besetzung mit vier Spielern. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass der Spielverlauf stark unbeherrschbar bleibt und kaum vorauszuplanen ist. Welche Raumart denn nun letztendlich ins Spiel kommt, kann keiner wissen. Um es platt auszudrücken, hat man entweder Glück oder Pech mit den Räumen im Spiel, da evtl. bestimmte Bonuskarten eine Raumart fordern, die kaum auftaucht oder die "Gunst des Königs" nur aus dem Grund einem Mitspieler zuteilwurde, weil er den einzigen Raum einer Raumart im Spielverlauf ergattert, den der König sich gewünscht hat. Auch wenn man ein Stiegenhaus baut und nur daran ein Anbau von Kellerräumen möglich ist, kann es sein, dass keine Kellerräume mehr ins Spiel kommen, was für manche Spieler auch sehr frustrierend sein kann. Wie bereits erwähnt, erhält jeder Spieler weiterhin Siegpunkte, wenn ein bestimmter Raum an einen Raum einer ganz bestimmten Art angebaut wird (Wechselwirkung), was natürlich auch schief gehen kann, falls die gewünschten Raumarten nicht ins Spiel kommen.

Ihr merkt schon, dass "Die Schlösser des König Ludwig" in einer Partie zu zweit aufgrund der vielen genannten Faktoren schwer beherrschbar zu sein scheint. Dennoch suggeriert dieses Spiel zu Spielbeginn z.B. durch die Offenlegung der "Gunst des Königs" und die zwei ausgeteilten Bonuskarten, dass einem eine gewisse strategische Orientierung angeboten wird, die man auch selbstverständlich verfolgen möchte. Nur ist dies aufgrund der Willkür des Spielverlaufs nicht möglich, da man eher spontant und taktisch agiert. Vielleicht hätte man sich eine Variante extra für zwei Spieler überlegen sollen, die diesen unbeherrschbaren Spielverlauf kompensiert. Im Spiel zu viert ist dieser nämlich nicht mehr so arg unbeherrschbar, da 44 von 50 Raumkarten ins Spiel integriert werden und man wenigstens sagen kann, dass bestimmt mal jede Raumgröße im Spiel auftaucht. Auch hier kann man nicht mit aller Sicherheit bestimmen, welche 44 der 75 Raumplättchen genau aufgedeckt werden und welche Raumart sich somit hinter den einzelnen Plättchen verbirgt.

Im Grunde genommen funktionieren beide Mechanismen flüssig und rund, jedoch sind Defizite in puncto unbeherrschbarer Spielverlauf zu erkennen, was die Spielmechanik der Raumplanung schwächt. Denn die Wechselwirkungen der Räume sind mitunter das Herzstück des Spiels, die sich, wenn die Raumkarten ungünstig aufgedeckt werden und somit die benötigten Räume nicht ins Spiel kommen, nicht richtig entfalten können. Somit würde ein großer Teil der Spielmechanik, die auf dem optimalen Verbauen der Raumarten basiert, kaum funktionieren. Neben dem Einfluss auf die Wechselwirkungen, wirkt sich der willkürliche Spielverlauf mit den zufällig ins Spiel kommenden Räumen folgendermaßen aus: Bonuskarten werden nicht aktiv, die Mitspieler können nicht mehr bei der "Gunst des Königs" aufholen, auch wenn sie es beabsichtigen. In diesen Aspekten ist die Spielmechanik sehr schwach und ausbaufähig.

                                 3,5 von 6 Spiegeln


Innovation

 

Ist das Spiel innovativ?

Nö!

Der "Bietmechanismus" ist ja mittlerweile allseits bekannt und stellt, um ehrlich zu sein, keine neuwertige und gleichsam lobenswerte Innovation dar. Auch das Aneinanderreihen von Räumen bzw. Plättchen und damit das Auslösen von Wechselwirkungen kennt man, wie ich gehört habe, auch aus dem Spiel "Suburbia" des gleichnamigen Autors, wobei in Foren oft die Frage gestellt wurde, ob man sich "Die Schlösser des König Ludwig" noch kaufen soll, wenn man "Suburbia" besitzt. Ich sehe auch einige Parallelen zum Spiel "Die Burgen von Burgund" von Stefan Feld, in welchem die "Tierplättchen" punkten und dann nochmal zusätzlich punkten, wenn ein Tierplättchen der gleichen Art daneben ausgelegt wurde. Die Leute, die das Spiel gespielt haben, wissen was ich meine ;). Hier lässt sich auch eine Art Wechselwirkung zwischen nebeneinander liegenden Plättchen ausfindig machen. 

Dennoch ist mir diese Art der Thematik (Schloss des König Ludwig) und der Bau seiner Räume völlig neu, was zu einem innovativen Gefühl beiträgt. Die Raumplanung eines Schlosses mit ihren unterschiedlichen Raumarten trägt zu einem sehr frischen Spielerlebnis bei, was die Bewertung in puncto Innovation etwas anhebt.

                                 3 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Dieses Spiel macht sehr viel Spaß und ist zu empfehlen! Ok, es sieht nicht gerade optisch ansprechend aus, ist ein eher ein taktisches als ein strategisches Spiel und glänzt nicht gerade mit Innovationen. Dennoch wirkt es wirklich sehr thematisch und man hat am Spielende das Gefühl das Schloss des "verrückten" (Originaltitel) König Ludwig nachgebaut zu haben. Der Spielspaß ist dabei so stark, dass einem die Willkürlichkeit des Spielverlaufs nicht mehr so enorm auffällt. Es baut sich sogar auch ein leichter Spannungsbogen auf, indem man hofft, dass ein benötigter Raum aufgedeckt wird.

Selbstverständlich kann dies jeder für sich selbst entscheiden, wenn er das Spiel gespielt hat. Im Prinzip mag ich auch eher Spiele, die eine hohe strategische Dichte aufweisen und man eine längerfristige Strategie aufbauen kann. Dennoch schafft es dieses Spiel auf eine mir unerklärliche Weise, über die Defizite in der Spielmechanik hinwegzusehen und nicht völlig frustriert sein, falls ein benötigter Raum nicht aufgedeckt wird. 

Ted Alspach hat ein schnelles Spiel mit einer sehr angenehmen Spieldauer entwickelt (zwei Spieler ca. 60 Minuten), das sowohl Gelegenheitsspielern als auch einigen Vielspielern viel Spaß bereiten wird.

                                   5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Der Preis von 45 Euro auf der Spielemesse war geradzu unverschämt. Der jetzige Preis von 26,49 bei der Spiele-Offensive (evtl. mit Gutschein = 21,49) ist grandios. Man erhält wirklich sehr viele Spielmaterialien, zwar kein schönes Spiel, aber ein Spiel das wirklich Spaß macht und darauf kommt es an. Der Preis für diese Leistung ist optimal!

                                    5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung


Ich kann dir das Spiel empfehlen, wenn du...


- ein Spiel suchst, das mit einem frischen Thema daher kommt.


- wenigstens etwas Faible für Architektur und Raumplanung hast.


- Spiele magst, die dich dazu anregen, "Storys" zu entwickeln.


- generell gegenüber "Bietmechanismen" nicht ganz abgneigt bist.


- ein schnelles Spiel mit einer geringen Einstiegshürde suchst.




Lass die Finger von dem Spiel, wenn du...


- sagst, dass du mit der deutschen Geschichte nicht klar kommst.


- ein wirklich strategisches Spiel suchst. Denn das ist "Die Schlösser des König Ludwig" wahrlich nicht!


- mit dem "Puzzlen" nichts am Hut hast, was du beim Anordnen der Räume aber machen musst.


- eher ein Spiel suchst, was von der Mechanik her sehr stark ist und vielfältigste Strategien ermöglicht.


- einen Glücksanteil im Spiel nicht ausstehen kannst.


- sagst: Ein gutes Spiel ist nur dann ein gutes Spiel, wenn es ein schönes Spiel ist!

 

 

Die letztendliche Gesamtwertung wurde durch den hohen Faktor des Spielspaßes aufgerundet auf  4,5.