Review: "Die Portale von Molthar" von Johannes Schmidauer-König

Fakten

Autor: Johannes Schmidauer-König

Spieleranzahl: 2-5 

Verlag: Amigo

Spieldauer: 45 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 9,99 Euro


Spielbeschreibung

 

Reise durch das Portal nach Molthar, sammle magische Perlen und binde phantastische Wesen an dich, die man eigentlich nur aus Geschichten und Märchen kennt. Stärke deine Macht und erfülle die Prophezeiung. Denn nur derjenige, der als erster die 12 Insignien der Macht erhält, kann der wahre Auserwählte sein.

Quelle: Amigo


Hintergrundinformationen

 

Eine der diesjährigen Neuheiten (2015) des Verlages AMIGO heißt "Die Portale von Molthar" vom Autor Johannes Schmidauer-König. Er ist auch für u.a. für die Entwicklung der Spiele "Vienna" (2015) und "Cornwall" (2015) zuständig. Das vorliegende Kartenspiel ist das erste Spiel vom Spieleverlag AMIGO, das wir testen und umso mehr sind wir gespannt, wie gut es abschneiden wird.


Spielmaterialien

 

"Die Portale von Molthar" besteht aus 110 Spielkarten, die sich gut spielen lassen und von hoher Qualität zu sein scheinen, sodass das Kartenhüllen kaum notwendig sind. Geradezu der Glanz-Druck verleiht den Materialien nochmals einen edlen Flair und steigert die Wertigkeit im Rahmen des haptischen Spielgefühls. Einzig und allein die gefalteten Portale (Spielertableaus) wirken dann doch von minderer Qualität, da sie sehr dünn sind und sich einfach nicht sehr langlebig anfühlen. Sie trüben das hochwertige Erscheinungsbild und ergänzen nicht elegant die zu lobende Kartenqualität.

                                            5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen wurden von Dennis Lohausen angefertigt und sind sehr gelungen. Unzählige magische Kreaturen, Symbole und Elemente erzeugen eine mystische Atmosphäre und es macht wirklich Spaß, diese kleine "Fantasywelt" zu erkunden, die optisch einiges hermacht. Die ausgewählten Farbtöne passen hervorragend in die Thematik und sind gut aufeinander abgestimmt worden. Wie bereits erwähnt, sind eine Menge unterschiedlicher sowie interessanter Fantasykreaturen im Spiel enthalten und es ist wirklich schade, dass sich einige Kreaturen doppeln und es nicht angestrebt wurde, gänzlich unterschiedliche Illustrationen zu kreieren, was das Spiel noch thematischer erscheinen lassen würde. Alles in allem eine gute Arbeit im Kontext der Illustrationen!

                                         4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik


Du willst wissen, wie das Spiel funktioniert? Ein Mitarbeiter vom Verlag AMIGO erklärt es dir.

Wie ist die Spielmechanik?

Die einzelnen Aktionsmöglichkeiten greifen in "Portale von Molthar" gut ineinander. Es ist klar, dass auch Glücksmomente im Spiel vorhanden sind, die nur bis zu einem ganz bestimmten Grad verdrängt werden können. Beispielsweise ist es möglich, alle vier offenen Perlenkarten zu entfernen bzw. zu ersetzen, mit Diamantenkarten die eigenen Perlenkarten zu modifizieren oder auch mit Fähigkeiten der eigenen Kreaturen Zufällen (Kartenpech) entgegenzuwirken. Dennoch bleibt sicherlich ein bestimmter Glücksanteil vorhanden, wobei dies nicht gravierend ist, da das Spiel von Schmidauer-König nicht den Anspruch hegt, ein hochstrategisches Spiel zu sein.

Die Kosten der meisten Karten schienen in einem guten Verhältnis zu ihren Fähigkeiten zu stehen, jedoch ist uns im Spielverlauf aufgefallen, dass einzelne Karten dann doch viel zu stark waren und zur Dominanz im Spielverlauf führten. Zusammenfassend kann man sagen, dass die einzelnen Aktionen im Spiel gut miteinander verknüpft wurden und plausibel sind. Auf Glücksmomente kann der Spieler bis zu einem gewissen Punkt durch verschiedene Optionen Einfluss nehmen und die Fähigkeiten der Karten fügen sich ebenso gut in das Spielgeschehen ein, wobei die eine oder andere Karte etwas unausgegoren gewirkt hat.

                                               5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

"Die Portale von Molthar" kriegt definitiv nicht den Preis für das innovativste Spiel, da die einzelnen Aktionsmöglichkeiten und das Prinzip des Sammelns von Kartensets zu üblich ist. Dennoch hat es sich der Entwickler des Spiels nicht nehmen lassen, um dann doch zwischenzeitlich einfallsreiche Kniffe zu integrieren. Es wirkt sehr erfrischend, dass die Kosten der Kreaturenkarten immens variieren können und man unterschiedlichste Zahlenkombinationen aufweisen muss, damit man ausgewählte Kreaturen für sich gewinnt. Beispiele für Perlenkarten-Kombinationen wären u.a.: ein Paar, ein Drilling, ein Vierling, zwei beliebige Paare, drei Perlenkarten mit geraden Zahlen usw.  Es existieren demnach unterschiedliche Kosten, die zum Erwerb von Karten aufzubringen sind und sehr variieren können. Allein schon die Aufstellung dieser ganzen Konstellationen von Kosten wirkt in sich schon innovativ und neuartig.

Des Weiteren ist es noch auf eine ganz eigene Weise gelungen, die Kreaturenkarten zu konzipieren. Denn wenn man die Kreaturen auf sein Portal legt, stehen diese noch nicht auf dem Kopf und die Kosten sind gut zu erkennen. Hat man die Kreatur bezahlt, legt man sie vor sich ab und dreht sie um 180 Grad, sodass diese zwar auf dem Kopf steht, aber nun wichtige Funktionen, Siegpunkte und Diamanten richtig herum angezeigt werden. Dieser Vorgang ist zwar nicht komplex, dennoch sehr einfallsreich und zu honorieren. Alles in allem basiert "Die Portale von Molthar" auf vielen altbekannten Mechanismen, die mit einigen wenigen, dennoch gelungenen Ideen erweitert wurden.

                                            3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Die Portale von Molthar" hat allen Testspielern, egal ob Gelegenheit- oder Vielspieler, gut gefallen. Spannung kam hinsichtlich der Frage auf, ob man bestimmte Perlenkarten-Kombinationen erreichen und die zwölf Machtpunkte als erster Spieler ergattern wird. In den meisten Testpartien hat der Sieger immer nur knapp den Sieg davongetragen, was für eine spannende Spielatmosphäre spricht.

Auch wenn die Spielschachtel recht klein ist, kommen sehr viele unterschiedliche Kreatureneffekte zum Einsatz und erhöhen den Wiederspielreiz des Spiels, da man alle vorhandenen Kreaturen austesten möchte. Durch die vielen unterschiedlichen Kreaturen und deren Fähigkeiten erhöht sich zwar die Einstiegshürde, dennoch ist sie im Großen und Ganzen auch für Gelegenheitsspieler gut zu meistern. Als Spiel für zwischendurch ist "Portale von Molthar" von der Spieldauer sowie der Spieltiefe angemessen und kann auch zu mehreren Partien am Stück auffordern. 

Hingegen wird der Spielspaß dadurch getrübt, dass einige Kreaturen unausbalanciert scheinen (zu stark für die Kosten) oder wenn man durch unglaubliches Pech mit den Perlenkarten im Spiel überhaupt nicht weiterkommt. Ebenso vermisst man das große Gefühl des Staunens, da aufgrund der vielen altbekannten Mechanismen ein wirklich individueller Charakter fehlt. Nichtsdestotrotz ist der Spielspaß überdurchschnittlich zu bewerten! 

                                             4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Die Portale von Molthar" liegt bei 9,99 Euro. Die Illustrationen sind wirklich gut gelungen und der Glanz-Druck ist positiv hervorzuheben. Die Mechanismen greifen sehr gut ineinander, jedoch sind einige Kreaturenkarten dann doch etwas zu stark für ihre Kosten. Innovationen kann man punktuell und in einem nicht sehr großen Rahmen vorfinden, indem altbekannte Mechanismen an manchen Stellen einfallsreich erweitert wurden. "Die Portale von Molthar" macht sowohl Vielspielern als auch Gelegenheitsspielern Spaß und lässt sich durchaus öfter an einem Abend spielen. Die Kartenmaterialien sind von hervorragender Qualität, wohingegen die Spielerportrale (Spielertableaus) umso kurzlebiger erscheinen. Betrachtet man die vorliegende UVP von 9,99 Euro im Zusammenhang mit den Schwächen und Stärken dieses "kleinen" Spiels, so kommt es zu folgender guter Bewertung.

                                          4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- nicht weißt, was du mit deinen letzten 9,99 Euro in deiner Tasche anstellen sollst ;).

 

- ein Spiel suchst, dass eine nicht sehr hohe Spielzeit beansprucht und locker mehrmals hintereinander gespielt werden kann, da es nicht unbedingt die volle Konzentrationsleistung erfordert.

 

- ein Kartenspiel mit schönen Illustrationen kaufen willst, die ein gewisses thematisches Flair entstehen lassen, auch wenn das Spielprinzip sehr mechanisch ist.

 

Lass die Finger vom Spiel, wenn du...

 

die Nase voll hast von einem Spiel, bei dem man Karten sammeln bzw. anhäufen muss.

 

- meinst, dass der Glanz-Druck der Karten doch nur Angeberei und Schnickschnack sei ;)

 

- dir sicher bist, dass der Verwaltungsaufwand während des Spiels (z.B. immer wieder neue Karten auslegen) für dich zu hoch ist und du deshalb nur noch Spiele spielen willst, die das Diskutieren in den Vordergrund stellen :).

 

*Danke an alle Testspieler