Review: "Deus" von Sebastian Dujardin

Fakten

Autor: Sebastian Dujardin

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spieldauer: 60-90 Minuten

Alter: ab 12 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 39 Euro


Spielbeschreibung

 

Als Anführer einer antiken Zivilisation erkundest du unbekannte Länder und baust dir ein Imperium auf. Gründe neue Städte, errichte Gebäude, baue Rohstoffe ab und erschließe neue Handelsrouten. Befriede Barbarendörfer und erweitere deine wissenschaftlichen Erkenntnisse! Doch vergiss nie dich mit den Göttern gut zu stellen! Zolle Ihnen Tribut, bringe ihnen Opfergaben dar und baue sagenhafte Tempel zu ihren Ehren.

 

Deus ist ein strategisches Eroberungsspiel für 2 bis 4 Spieler. Die einfachen Regeln ermöglichen ein vielfältiges und fesselndes Spiel.


Quelle: Heidelberger Spieleverlag


Hintergrundinformationen

 

Deus, das Brettspiel von Sebastian Dujardin, einem bekannten Spieleautor (Troyes), wurde erstmals auf der Spielemesse 2014 in Essen vorgestellt.

Als ich das Spiel das erste Mal an einem der vielen Stände sah, hat es mich auf eine gewisse Art an das Spiel 7 Wonders erinnert. 7 Wonders, ein meiner Meinung nach gutes Spiel,  ist, wie viele Spieler wissen, in einer Besetzung von 2 Personen nicht empfehlenswert. Aus diesem Grund habe ich immer nach einer Alternative Ausschau gehalten. Gemäß den Fairplay Listen der Spielemesse kam Deus bei den Besuchern der Messe auch gut an. Leider waren mal wieder, wie zu erwarten, alle Spieltische besetzt, sodass wir das Spiel nicht anspielen konnten. Ich unterhielt mich etwas mit dem Spieleleiter, der mir mitteilte, dass Deus kein Spiel für mich sei, wenn ich Kartenglück nicht ausstehen könne. Hat er recht behalten? Ihr werdet es gleich herausfinden :)


Spielmaterialien

 

An den Spielmaterialien gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die Figuren, die Spielbretter und die Karten sind von guter Qualität. Einzig und allein die Spielertableaus, welche man in der Mitte falten kann, scheinen etwas instabil zu sein. Des Weiteren bietet es sich an, die Karten mittels Kartenhüllen zu schützen. Einziger Nachteil: Sehr teuer!

                              5,5 von 6 Spiegeln


Illustration


Das Spiel wurde des Öfteren dahingehend kritisiert, dass die Illustration zu modern gestaltet sei. Ich hingegen finde, dass die Illustration das "gewisse Etwas" hat, da es wahrlich nicht wie 1000 andere Spiele gestaltet wurde. Zum Glück auch! Die moderne Gestaltung des Spielbretter in Form von Tröpfchenfeldern trifft voll und ganz meinen Geschmack. Diese werden durch die Illustrationen der Karten ergänzt und runden so den modernen Touch des Spiels ab. Deus strahlt eine moderne optische Präsenz aus und präsentiert sich somit als eine individuelle Neuauflage eines Zivilisationsspiels.

Ein weiterer positiver Aspekt im Kontext der Illustration ist, dass die Kartentexte meiner Meinung nach gut lesbar sind. Dennoch sind im Hinblick auf die Karten Defizite zu erkennen:

- Verwechselungsgefahr zwischen den grünen und gelben Karten (und ich habe keine Geld-Grün-Sehschwäche ;)) 

- Das Symbol für Holz auf den Karten ist grün, das Rohstoffplättchen aber braun

 

Nichtsdestotrotz erachte ich die bildliche Darbietung für das vorliegende abstrakte Zivilisationsspiel, was Deus definitiv sein möchte, als sehr passend. Die Illustration kreiert folglich nicht das Spielgefühl, als würde man wirklich eine Zivilisation aufbauen, was aber nicht schlimm ist, wenn man sich vergegenwärtigt, dass sich das Spiel auf abstrakter Ebene abspielt.

 

Alles in allem ist zu resümieren, dass das Design nach meinem Ermessen sehr gut zu dem Spiel passt. Deus wirkt wie ein Zivilisationsspiel 2.0, was durch die optische Präsenz unterstützt wird. Dennoch sind kleine Abzüge in der Wertung wegen der kleinen Defiziten zu tätigen. Da kennt der Brettspiegel kein Erbamen...


                                5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert denn Deus?


Jeder Spieler zieht zu Beginn 5 Karten auf die Hand. Das Spiel beinhaltet unterschiedliche Kartenarten wie z.B. Militär, Seefahrt etc., von denen auch unterschiedliche Figuren existieren. Zum Spielaufbau gehört weiterhin, dass je 2 Figuren von jeder Gebäudeart auf das entsprechende Feld des Spielertableaus versetzt werden z.B. 2 Schifffiguren auf das Feld für Seefahrt (blau).

 

Es gibt 2 unterschiedliche Aktionen:  A oder B? Entscheide dich! Du hast die Qual der Wahl ;)


1) Gebäude bauen

Beispiel:

- Du legst eine blaue Seefahrtskarte auf dein Spielertableau aus und bezahlst die Kosten

- Die blaue Schiffigur wird vom Spielertableau auf das Spielbrett versetzt - angrenzend zu einer deiner Figuren! Zu Spielbeginn: Du versetzt die erste Figur an den Rand. Generelle Option: Bezahle 3 Siegpunkte = du muss nicht angrenzend bauen, baue irgendwo am Rand.

Legst du im Spielverlauf eine weitere blaue Seefahrtskarte aus, dann: erneute Aktivierung der bisher ausgelegten Seefahrtskarten + die neue Seefahrtskarte (Kettenreaktion).

 

2) Den Göttern ein Opfer bringen

- Passen dir deine Karten auf deiner Hand nicht, dann schmeiß sie einfach weg!

- Je mehr Karten du opferst, desto mehr Boni erhältst du.

Es gibt unterschiedliche Götter, die dir verschiedene Boni bringen

Beispiel: Du willst drei Karten loswerden, wobei eine dieser Karten eine blaue Seefahrtskarte ist. Du darfst die Karten also u.a. auch an den blauen Gott opfern = Für jede Karte, die du opferst, bekommst du 2 Münzen. Danach füllst du deine Hand auf 5 Karten auf + stellst dir ein blaues Seefahrtsgebäude vom allg. Vorrat auf dein Spielertableau


Wie göttlich ist die Mechanik?

 

Deus ist hauptsächlich ein Kartenspiel, welches mit Brettspielelementen verknüpft wurde (Versetzen der Figuren). Kartenspiele sind, wie die Erfahrung gezeigt hat, durch die Bedeutsamkeit der nachgezogenen Karten sehr glückslastig, was persönlich nicht meinen Geschmack trifft. Deus löst dieses "Problem" grandios, indem durch die Kartenopferung nicht gebrauchte Karten geopfert werden und man dadurch unterschiedliche Boni erhält (je nach Gott). Ein einfacher, aber gleichsam effektiver Mechanismus für ein Kartenspiel in diesem Format, der wunderbar funktioniert. Da macht das Wegschmeißen der Karten gleich viel mehr Spaß :)

Auch der Mechanismus beim Gebäude bauen, in welchem die komplette Kartenreihe erneut aktiviert wird, funktioniert sehr gut und einwandfrei. So entwickeln sich taktische Möglichkeiten, indem Kettenreaktionen von Karteneffekten ausgelöst werden können. Folglich hängen die Karten miteinander zusammen und können sich gegenseitig beeinflussen.

Nicht nur die Karten untereinander sind durch ausgeklügelte Mechanismen miteinander verzahnt. Nein, denn der Spielmechanismus verbindet nämlich die Karten mit den Spielfeldern, auf denen die Figuren gesetzt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass es essentiell ist, wo ich meine Gebäude baue denn:

1) Es gibt Barbarendörfer (graue Felder), auf denen Siegpunkte liegen. Umkreise dieses Dorf mit Figuren (min. eine Militäreinheit) und du erhälst sofort die Siegpunkte.

2) Tempelkarten (lila), für die es bei Spielende Punkte gibt z.B. 4 Punkte für das Waldfeld mit einem Gebäude.

 

Ihr merkt schon, es ist demnach wichtig, wie ihr eure Figuren... ehm... ich mein natürlich Gebäude plaziert. Ergo wird jedermann in diesem Spiel taktisch gefordert. 

 

Zusammenfassung der Spielmechanik:

 

Die Mechanik ist wirklich lobenswert:

- Ausgleich des Kartenglücks durch die Kartenopferung an verschiedene Götter.

- Karteneffekte auf den Kartentexten sind schön miteinander verwoben. Wechselwirkung ist möglich.

- Neuaktivierung von Karten beim Auslegen einer Karte.

- einwandfreie Verknüpfung zwischen dem Auslegen der Karten und dem Versetzen der Gebäude (Verbindung Brett- und Kartenspiel).

- Nur 2 Züge und dennoch eine hohe taktische Dichte = Welche Karte lege ich aus? Wo baue ich das Gebäude? Opfere ich meine Karten?

- Mechanik gerät nicht ins stocken = Spiel spielt sich flüssig.


Die Mechanik hat Schwächen:

- ständige Opferung von Karten, wenn man nicht die richtigen Karten erhält oder der Spieler hat sehr viel Glück und erhält die richtigen Karten nacheinander, so, dass unglaublich gute Kettenreaktionen zustande kommen können

= In diesen Fällen scheint das Spiel unausbalanciert

- eigene entwickelte Strategie, die man sich vor Spielbeginn zu recht gebastelt hat, ist kaum verfolgbar, da man am Ende des Tages von den gezogenen Karten abhängig ist. Dennoch sind Strategien über einen langen Zeitraum wiederum möglich, wenn man Tempelkarten ausgelegt hat und diese erfüllen möchte.


Final ist zu resümieren: Die Mechanismen funktionieren sehr gut, sind miteinander verzahnt und Elemente wie das Auslegen von Karten und das Versetzen der Figuren stehen fehlerfrei in Abhängigkeit zueinander. Ein Manko ist, dass das Spiel in seltenen Fällen unausbalanciert wirkt, da extremes Kartenglück bzw. Kartenpech doch zu Vorteilen und Nachteilen für den jeweiligen Spieler führen kann und einzelne Strategien übermächtig werden. Das Kartenglück spielt schon eine Rolle in dem Spiel, aber nicht so eine große, wie mir auf der Messe suggeriert wurde.

Dennoch für ein Spiel dieses Formates gelungene Mechanismen! Bon travail, Sebastian!


                                  5 von 6 Spiegeln


Innovation

 

Wow, Deus ist innovativ!

Ich zumindest habe Mechanismen in einer solchen Form noch nie gespielt. Dazu gehören:

- Ausbalancierung des Kartenglücks durch Kartenopferung.

- Auslegen der Karten: Aktivierung der Karten, die bereits in der Farbe ausgelegt wurden

 

Des Weiteren:

- Innovation in der Gestaltung des Spielmaterials - Zivilisationsspiel auf abstrakter Ebene


Im Rahmen eines Kartenspiels, find ich die Mechanismen sehr innovativ und vergebe deshalb 5 von 6 Spiegel.

                                  5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Und macht es Spaß, was der Dujardin so fabriziert hat?

 

Ja, siggi... das Spiel ist wirklich empfehlenswert und eines meiner Highlights aus Essen 2014. In einer 2-Spieler Besetzung macht das Spiel mehr Spaß als mit mehr Spielern, da zum einen die Wartezeiten mit mehr Spielern meiner Ansicht nach für dieses rasche Spiel zu arg andauern können und zum anderen der Überblick über die anderen Spielertableaus nicht mehr möglich ist. Ich kann im Prinzip nicht mehr einordnen, was jeder Spieler für sich auf seinem Spielertableau tut. Aber dies ist nur eine kleine Kritik. Denn das Spiel macht auch mit 3 oder 4 Spielern sehr viel Spaß. 

Bei Deus spielt im Grunde jeder Spieler isoliert für sich selbst auf seinem Spielertableau, aber wiederum auch zusammen auf dem gemeinsamen Spielbrett. Dies lässt den Spielspass steigern, da jeder Spieler aus seiner isolierten Spielweise wieder in ein kollektives Spielgeschehen integriert wird.

Auch Gelegenheitsspieler können das Spiel schnell erlernen. Dennoch bietet es genug taktische Kniffe, die zu beherrschen sind und somit auch Vielspieler auf ihre Kosten kommen. 

Man fühlt sich nach dem eher lockeren bis mittelschweren Spiel nicht ausgelaugt wie nach einer Matheklausur ;). Nichtsdestotrotz sollten die Spielzüge wohlbedacht sein und man muss viele Beobachtungen anstellen, die das Spiel dann auch nicht zu locker machen. Die reine Spielzeit beträgt bei 2 Spielern ca. 40 Minuten und bei 3 Spielern ca. 60 Minuten.

Ich persönlich mag Spiele mit extremen Kartenglück nicht so sehr. Deus, das abstrakte Zivilisationsspiel, löst dieses Problem in einem möglichen Rahmen so gut wie es geht. Demzufolge hatte ich auch sehr viel Spaß beim spielen!


Defizit bei 3 und 4 Spielern:

- lange Wartezeiten (Deus ist ein so zügiges Spiel, dass man kleine Wartezeiten als lang wahrnimmt)

- keine Übersicht über andere Spielertableaus

- Spieldauer wirkt sich manchmal in die Länge gezogen

                                5 von 6 Spiegeln (2 Spieler)

                            4,5 von 6 Spiegeln (3 und 4 Spieler)


Preis-Leistungs-Verhältnis


Das Preis-Leistungs-Verhältnis von "Deus" ist schwach. Die UVP liegt ca. bei 38 Euro, was für das Spiel definitiv zu teuer ist. Die Spielkomponenten bestehen hauptsächlich aus Karten, einigen Figuren, 4 kleinen Spielertableaus, einigen Spielbrettplatten, Münzen und Siegpunkt- bzw. Rohstoffmarkern. 

Ok, das Spiel ist innovativ, aber meiner Meinung nach rechtfertigt es dennoch diesen immensen Preis nicht.

Leider schwache 3,5 Spiegel für ein eigentlich tolles Spiel

                           3,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

"Deus" ist eine Empfehlung für...

 

- Vielspieler u. Gelegenheitsspieler


- Personen, die innovative Mechanismen suchen


- die Spieler, die Kartenglück in einem gewissen Rahmen verkraften können, ohne in Selbstmitleid zu verfallen


- diejenigen, die auch mal taktisch spielen, anstatt sich drei Tage vor Spielbeginn eine Strategie zu überlegen


- die ein zügiges, lockeres Spiel suchen, welches dennoch durch wohl bedachte Züge fordernd ist


- die Spieler, die auch Spiele mögen, welche nicht vom Thema leben

 

 

"Deus" ist nicht zu empfehlen, wenn du...

 

- ein thematisches Zivilisationsspiel (wie z.B. Civilization) suchst 


- dich wie in deiner Abiturprüfung konzentrieren willst


- Kartenglück überhaupt gar nicht ausstehen kannst


- modernes Spieldesign schlecht findest