18.09.16

Review: "CV-Das wahre Leben" von Filip Milunski

Fakten

Autor: Filip Milunski

Spieleranzahl: 2-4 

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spieldauer: 45-60 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2013

Preis: UVP 24,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Wer ist schon zufrieden mit dem Leben? All diese verpassten Chancen und unerfüllten Träume, die wir nicht aus dem Kopf bekommen. Wo ist er denn … der Traumjob als Bühnenzauberer, als Manager oder als Millionär? Was ist aus der Weltreise geworden, dem Triathlon, dem Sportwagen? Doch man soll es kaum glauben, es gibt eine Lösung dafür!

 

Mit "CV" können die Spieler einen neuen Versuch wagen und ein ganz neues Leben beginnen: "CV – Das wahre Leben". Hier bekommt jeder eine neue Chance, seine eigene Geschichte völlig neu zu schreiben und dabei jemand zu sein, der er schon immer sein wollte. Jeder Spieler verkörpert einen fiktionalen Charakter, dessen einzigartigen Lebenslauf er plant. Die Spieler können durch erwürfelte Symbole Karten kaufen, welche Lebenserrungenschaften darstellen. Ist ein Spieler am Zug, darf er die Würfel drei mal werfen und nach jedem Wurf beliebig viele Würfel zur Seite legen. Zeigen die Würfel danach die gleichen Symbole, wie sie auf einer Karte in der Auslage abgebildet sind, darf der Spieler diese Karte nehmen und vor sich ablegen. So schreiben die Spieler – Schritt für Schritt – ihre Lebensgeschichte und versuchen ihre Lebensziele zu erreichen. Bei Spielende erhalten die Spieler Siegpunkte für bestimmte Kartensets und können dann zufrieden auf all ihre erfüllten Lebensziele zurückblicken, auf ihr Curriculum Vitae (lat. Lebenslauf). Und wenn man damit noch immer nicht zufrieden sein sollte, dann kann man ja jederzeit noch eine Partie "CV" spielen.

(Quelle: Heidelberger Spieleverlag)


Hintergrundinformationen

 

Der polnische Autor Filip Milunski war uns bisher eher unbekannt. Auch das vorliegende Spiel "CV-Das wahre Leben" genoss jetzt nicht unbedingt einen "Hype" in der Brettspielszene und ist eher in der Versenkung verschwunden. Umso interessanter ist es, sich dieses Spiel mal genauer anzuschauen. Denn gerade Spiele, die man nicht so auf dem Radar hatte, stellen sich später als Geheimtip heraus. Mal schauen...:)


Spielmaterialien

 

"CV-Das wahre Leben" ist eindeutig ein qualitativ hochwertiges Produkt! Die Karten, Würfel und Marker sind von hervorragender Qualität. Besonders zu loben ist das Inlay, das ein problemloses Verstauen der einzelnen Materialien ermöglicht. Ebenso wird ein Stift und ein Block mitgeliefert, um die Siegpunkte am Spielende zu notieren, was sehr nett ist.

Super Arbeit des Heidelberger Spieleverlages!

                                              6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen sind sehr gelungen, da sie unfassbar witzig gestaltet wurden und es viel Spaß macht, die einzelnen Karten zu begutachten! Weiterhin passen die vielen Karten, die optisch sehr variabel sind, hervorragend zur Spielthematik und gerade der Aspekt, dass das Kreieren eines Lebenslaufes mit so viel Humor in Einklang gebracht wurde, macht diese Illustrationen so gut.

Im Gegenzug wird diese "Lebendigkeit" von den Markern und Würfeln gedrosselt, da sie leider leb- und farblos daherkommen und das Gesamtbild nicht abrunden.

Alles in allem dennoch sehr zu lobende Illustrationen! Toll!

                                               5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert "CV"?

 

Zu Beginn des Spiels liegen bereits einige Karten in der Auslage aus. Weiterhin werden noch drei verdeckte Stapel "Junger Erwachsener", "Mittleres Alter" und "Greisenalter" auf die entsprechenden Felder des Spielplans platziert. Jeder Spieler erhält noch eine bestimmte Zielkarte, mit der er am Spielende individuelle Siegpunkte generieren kann.

 

Die einzelnen Phasen einer Runde, die jeder Spieler durchläuft:

 

1) Würfeln

Der Spieler würfelt vier Würfel. Im späteren Spielverlauf ist es möglich, dass man mehr Würfel (bis zu  sieben Würfel) erhält. Danach darf der Spieler bis zu zwei Mal eine beliebige Anzahl Würfel neu werfen mit Ausnahme von Würfeln, die ein "Pech-Symbol" zeigen. Sie sind "eingefroren" und dürfen nicht neu gewürfelt werden.

 

2) Karten auswählen

Nun kann sich der Spieler bis zu zwei Karten von der Leiste des Spielbrettes nehmen (allgemeine Kartenauslage). Dazu muss er allerdings die Kosten für die Karten bezahlen. Das bedeutet, dass die Würfel die entsprechenden Symbole zeigen müssen, wie sie bei den Kosten auf den Karten angegeben sind. 

Es ist auch gestattet Ereigniskarten mit Soforteffekten von der Hand auszuspielen, die Symbole anzeigen und somit beim Kauf von Karten unterstützend agieren. Ebenso ist es möglich, Symbolplättchen, die durch Karten der eigenen Auslage in den eigenen "Ressourcenpool" gelangen, Karten zu bezahlen. 

Hat ein Spieler insgesamt drei "Glücks-Symbole" (von Würfeln/oder Markern), kann er diese benutzen, um eine beliebige Karte von der Leiste zu kaufen. Er muss dazu nicht ihre normalen Kosten bezahlen! Beinhalten die Kosten einer Karte zudem irgendwelche Spezialbedingungen, muss der Spieler diese dennoch erfüllen. Mit den drei "Glücks-Symbolen" lassen sich somit nur die normalen Kosten bezahlen, die durch Symbole dargestellt werden.

 

3) Pech

Für je drei "Pech-Symbole", die ein Spieler auf Würfeln und/oder Markern hat, erleidet er ein Unglück. Der Spieler muss eine aktive Karte (eine oben liegende) aus seinem Lebenslauf abwerfen

 

4) Zum Lebenslauf hinzufügen

Der Spieler nimmt sich die von der Leiste gekauften Karten u. fügt sie seinem Lebenslauf hinzu, sofern es sich nicht um eine Ereigniskarte handelt (die kommen nämlich auf die Hand). Im Lebenslauf wird für alle Karten vom gleichen Typ jeweils ein gesonderter Stapel angelegt. Dabei werden die Karten so in ihren jeweiligen Stapeln platziert, dass man nur die Titel der früheren Karten sehen kann. Die Karte, die in ihrem Stapel zu oberst liegt, wird als "aktive" Karte bezeichnet. Der Effekt jeder "aktiven" Karte kann von dem jeweiligen Spieler benutzt werden, wie z.B. (mehr Würfel/oder zusätzliche Ressourcenmarker etc.). Natürlich kann jeder Stapel nur eine "aktive" Karte haben. 

 

5) Aufräumen

Der Spieler schiebt alle Karten auf der Leiste nach links, so dass die Lücken geschlossen werden. Dann zieht er neue Karten vom aktuellen Stapel und füllt mit diesen die Leiste nach rechts wieder auf. Bei Spielbeginn werden die Karten "Junger Erwachsener"-Stapel gezogen. Sobald dieser Stapel leer ist, werden neue Karten vom "Mittleres Alter"-Stapel und wenn dieser ebenfalls leer ist, vom "Greisenalter"-Stapel gezogen.

Nun bringt der Spieler seine Marker auf den neusten Stand. Er muss exakt so viele Marker besitzen, wie "Effekt-Symbole" seiner "aktiven" Karten in seinem Lebenslauf angezeigt werden. (Marker häufen sich nicht wie Einkommen an. Sie sind einfach eine bequeme Art, um die aktuellen Symbole auf den "aktiven" Karten eines Spielers anzuzeigen).

Dann ist der nächste Spieler an der Reihe und durchläuft die Phasen!

 

Sozialhilfe

Immer wenn einer der drei Stapel leer ist, wird das Spiel sofort unterbrochen, um zu prüfen, ob ein Spieler sozialhilfeberechtigt ist. Ein Spieler ist sozialhilfeberechtigt, wenn ein anderer Spieler mindestens doppelt so viele Karten in seinem Lebenslauf hat als der Spieler, der die Sozialhilfe benötigt. Spieler, die sozialhilfeberechtigt sind, dürfen sich sofort eine Karte von der Leiste nehmen, ohne die Kosten dafür zu bezahlen und sie ihrem Lebenslauf hinzufügen.

 

Spielende

Ist eine Runde zu Ende und im "Greisenalter"-Stapel befinden sich nach dem Auffüllen der Leiste weniger Karten als Spieler im Spiel sind, ist das Spiel zu Ende und die Spieler zählen ihre Siegpunkte zusammen. Die Anzahl der gesammelten Karten in den jeweiligen Kategorien (unterschiedliche Farben) ergeben dann die Siegpunkte. Weiterhin wurden auch zu Beginn des Spiels öffentliche Lebensziele ausgelegt und der Spieler, der diese Ziele besser verwirklicht, erhält die darauf abgebildeten Siegpunkte. Zu den Siegpunkten tragen ebenso die persönlichen Lebensziele bei, die jeder für sich selbst individuell erfüllen kann.

 

Wichtig: Im Spiel gibt es Karten mit zwei Farben und man kann sich dann entscheiden, welcher Kategorie man diese Karte zuordnet. Weiterhin haben einige Karten einen Querstrich bei ihrem Effekt. Dies bedeutet, dass der Spieler diese Kosten solange zahlen muss, wie die betreffende Karte aktiv ist. Diese Unterhaltskosten müssen jede Runde in der "Zum Lebenslauf hinzufügen"-Phase gezahlt werden. Wenn eine Bezahlung nicht möglich ist, wird die Karte zurück in die Schachtel gelegt. 

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Bei den Abläufen von "CV" sind keine Logikfehler in Erscheinung getreten und die Phasen wurden gut aufeinander aufbauend konzipiert. Klar ist, dass "CV" durch das Würfeln gewisse Glücksmomente beherbergt, die jedoch durch die Option des erneuten Würfeln wie auch der Effekte der "aktiven" Karten zu einem bestimmten Grad austariert werden. Ein Restrisiko bleibt immer, schadet dem Spielverlauf jedoch nicht, da es sich hier ja nun auch nicht um ein zweistündiges, hochstrategisches Brettspiel handelt, sondern um ein Spiel, das auch gut und gerne Gelegenheitsspieler ansprechen kann. Hinsichtlich der Effekte der einzelnen Karten kam das Gefühl auf, dass einige Karten nicht so gut ausbalanciert sind und das Kosten-Effekt-Verhältnis nicht zu 100% stimmig ist. Ferner greifen zwar alle Spieler auf eine gemeinsame Auslage zu, nichtsdestotrotz bleibt die Interaktion zwischen den Spielern doch etwas zu kurz. Bei diesem lebendigen Thema wären Mechanismen ideal gewesen, die die Spielzüge der jeweiligen Spieler miteinander verknüpfen, um dem solitären Sammeln von Karten entgegenzuwirken.

Ein positiver Mechanismus ist, dass im Rahmen der "Sozialhilfe" Spieler, die stark hinten liegen, kostenlos eine Karte erhalten und dadurch der Spielverlauf etwas ausbalanciert wird. 

Alles in allem funktionieren die Mechanismen überdurchschnittlich gut. Ein bisschen Luft nach oben wäre sicherlich noch drin gewesen.

                                                 4,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Als Individualisierungsmerkmal ist ganz klar die Spielthematik mit den überaus gelungenen Illustrationen zu benennen, die das Spiel frisch erscheinen lassen. Dementgegen handelt  es sich im Rahmen des Spielablaufs um ein gewöhnliches Spiel, in welchem man Sets an Karten sammelt und Würfel wirft, die bestimmte Ressourcen (Symbole) zur Verfügung stellen. Somit also kein innovativer Meilenstein.

Alles in allem ist die Innovationskraft in der Thematik sowie in den Illustrationen zu sehen, die das Spiel in gewisser Hinsicht lebendig bzw. thematisch machen.

                                                   3 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"CV" hat in den Testspielen hinsichtlich des Spielspaßes überzeugen können. Es handelt sich um ein nicht allzu komplexes Spiel, das man gut einer Stunde beenden kann und demnach auch definitiv ein Spiel für Gelegenheitsspieler ist. Glückselemente durch das Würfeln sind im Spiel vorhanden, dennoch gibt es Möglichkeiten diese im Spiel bis zu einem gewissen Maße zu beeinflussen. Es bereitete sehr viel Freude, die Karten zu begutachten und das Leben seiner fiktionalen Figur zusammenzustellen. Dies regt definitiv zum Erzählen von Geschichten an!

Als negativer Aspekt ist der mechanische Spielablauf zu benennen, der durch fehlende Innovationen und Interaktionen auf der Strecke geblieben ist. Dessenungeachtet funktioniert dieser aber grundsätzlich aber schon. Es sind genug Karten vorhanden, die Abwechslung in das Spiel bringen und auch die Bedingungen der Siegpunkte verändern sich durch die "Lebensziel-Karten". 

                                               4 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "CV-Das wahre Leben" liegt bei 24,95 Euro. Die Materialien sind von hervorragender Qualität. Auch die wirklich sehr humorvollen Illustrationen sind ausgezeichnet und führen zu einer belebenden Spielatmosphäre. Die Mechanismen funktionieren gut, sind allerdings kaum innovativ und in bestimmten Bereichen optimierbar, gerade was die Interaktion zwischen den einzelnen Spielern belangt. Denn "CV" schreit nahezu nach mehr Interaktion, da es ein lockeres Spiel ist, das in einer angenehmen Spielzeit von ca. 45-60 Minuten zu spielen ist. Sowohl Gelegenheitsspieler auch Strategiespieler können sich dieses Spiels annehmen.

                                                  4 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "CV - Das wahre Leben", wenn du...

 

- ein Spiel haben willst, das nicht sehr lange dauert, nicht sehr anspruchsvoll ist und auch für Gelegenheitsspieler in Betracht kommt.

 

- ein schönes Thema gepaart mit witzigen Illustrationen haben möchtest, die die Atmosphäre des Spiels beleben.

 

Lasse die Finger von "CV - Das wahre Leben" und kaufe dir anstelle dessen das Computerspiel "Die Sims", wenn du...

 

-  Glückselemente im Spiel nicht ausstehen kannst.

 

- ein sehr innovatives Spiel suchst. Die Illustrationen wirken zwar sehr individuell, die Mechanik strotzt jedoch nicht voller Innovationskraft.

 

* Danke an alle Testspieler

* Die Gesamtwertung wurde aufgrund der Kategorie Spielspaß abgerundet.