Review: "Celestia" von Aaron Weissblum

Fakten

Autor: Aaron Weissblum

Spieleranzahl: 2-6 Spieler

Verlag: Heidelberger Spieleverlag

Spieldauer: 30 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 24,95 Euro


Spielbeschreibung

 

Rein ins Luftschiff, hoch in die Wolken und ab zu den fantastischen Städten Celestias! Das Ziel dieser kühnen Abenteuerreise ist klar: Reichtum und Ehre.

In Celestia zieht eine Gruppe Abenteurer mit ihrem Luftschiff los, um die Welt zu erkunden. Der Zeitpunkt des Ausstiegs muss wohlüberlegt sein, denn sonst verpasst ihr die Chance auf zahlreiche Schätze! Eure Risikofreude spielt hier eine große Rolle: Bleibt ihr im Luftschiff und haltet Ausschau nach den wertvollsten Schätzen oder steigt ihr aus und geht sofort auf die Suche? Doch Vorsicht: Wer zu lange in der Luft bleibt, riskiert von Piraten geentert zu werden oder einen Absturz im Gewitter!

Quelle: Heidelberger Spieleverlag 


Hintergrundinformationen

 

Der Autor Aaron Weissblum war mir bis zum Spiel "Celestia" nicht bekannt. Nichtsdestotrotz ergab die Recherche, dass er schon eine Menge Veröffentlichungen auf dem "Buckel" hat und bereits seit dem Jahr 1999 als Entwickler von Spielen tätig ist. "Celestia" ist demnach das erste Spiel, das wir von diesem Autor testen... Wir sind gespannt! :)


Spielmaterialien

 

Das gesamte Material von "Celestia" ist von überaus guter Qualität. Die Karten sowie die Plättchen sind robust und das Schiff, das man zusammenbaut, hält was es verspricht, und zwar, dass es nicht auseinanderfällt ;). Dennoch sind kleinere Kritikpunkte anzuführen, die uns aufgefallen sind. Das gelbe Symbol auf den Würfeln ist nicht optimal zu erkennen, was etwas den Spielfluss gestört hat. Weiterhin wäre es hilfreich gewesen, wenn eine Übersicht über die Karteneffekte zur Verfügung stehen würde (vor allem bei den ersten Partien), da die Aktionskarten keine wirklich aussagekräftigen Symbole enthalten, mittels denen man auf den konkreten Effekt schließen könnte.

Dennoch ist im Hinblick auf die Materialien großes Lob auszusprechen!

                                           5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen passen wie die Faust aufs Auge, denn das Thema Fantasiewelt wurde sehr schön optisch umgesetzt. Die Arbeit des Illustrators (Gaetan Noir) besticht durch seine Kreativität, wodurch die Reise an die magischen Orte regelrecht zum Leben erweckt wird. Ferner ist zu erwähnen, dass die Karten, die verdeckt neben den Ortschaften ausliegen und magische Gegenstände symbolisieren, sehr variabel angefertigt wurden, was für Individualität spricht. Umso mehr ist es schade, dass die Karten der letzten Ortschaften leider nur jeweils einen Gegenstand zum Vorschein bringen und die illustrative Vielseitigkeit nicht fortgeführt wird. Nichtsdestotrotz bewegt sich die Arbeit auf einem sehr hohen Level und erzeugt die gewollte Atmosphäre der Spielthematik.

                                             5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Das Spiel lässt sich folgendermaßen erklären:

 

- Die Figuren befinden sich auf einem Luftschiff und es werden neun Stadt-Plättchen aufsteigend ihrer Nummerierung ausgelegt. 

- Die Schatzkarten werden neben die Stadt-Plättchen ausgelegt. 

 

Eine Reise besteht aus fünf Phasen: 

1) Der Kapitän deckt die Ereignisse der Reise auf.

- Der Kapitän hat die Aufgabe, seine Passagiere und sich in die nächste Stadt zu fliegen. Er würfelt so viele Würfel, wie auf dem nächsten Zielplättchen (Stadt) abgebildet sind. Der Kapitän muss demnach in die nächste Stadt fliegen.

 

2) Jeder Passagier wählt, ob er die Reise fortsetzen will

- Der Spieler links vom Kapitän beginnt. 

- Die Passagiere haben zwei Möglichkeiten:

a) Der Passagier denkt, dass der Kapitän die gewürfelten Ereignisse bewältigt. Er sagt "Ich bleibe" und gibt somit bekannt, dass er die Reise im Luftschiff fortsetzt

b) Der Passagier möchte die Reise abbrechen und sagt "Ich gehe", um das Luftschiff zu verlassen. In diesem Fall nimmt er seine Abenteuer-Figur und setzt sie auf sein Abenteuer-Plättchen. Weiterhin zieht er die erste Schatzkarte vom entsprechenden Stapel der Stadt, die er keinem Spieler zeigt. Auf den Schatzkarten sind Siegpunkte abgebildet! Dieser Spieler ist somit kein Passagier mehr, beteiligt sich nicht mehr an der Reise und wartet auf die nächste Abreise.

 

3) Der Kapitän stellt sich den Ereignissen der Reise

- Der Kapitän muss die Ausrüstungskarten von seiner Hand nutzen, um die Ereignisse zu bewältigen. Es müssen die Symbole ausgespielt werden, die die Würfelseiten anzeigen. Natürlich gibt es auch Spezialkarten (Joker), die ausgespielt werden können. 

 

4) Der Kapitän bewegt das Luftschiff

- Hat der Kapitän die benötigten Karten ausgespielt, wird das Luftschiff einen Ort weiter bewegt. Alle gespielten Karten werden auf den Ablagestapel gelegt.

 

5) Der Kapitän gibt die Kontrolle an den nächsten Spieler ab.

- Egal wie die letzte Spielrunde ausgegangen ist, der Spieler zur Linken des Kapitäns wird der neue Kapitän.

- Wichtig: Ein Spieler, der bereits ausgestiegen ist, ist nicht länger Teil der Reise und kann auch nicht Kapitän werden.

 

Kann der Kapitän nicht alle Ereignisse bewältigen,  so spielt er keine Ausrüstungskarte und das Luftschiff stürzt mit allen Passagieren ab. Keiner der Passagiere erhält eine Schatzkarte. Das Luftschiff wird wieder an den Anfang platziert. Eine neue Reise beginnt und dies bedeutet, dass das Luftschiff auf der ersten Stadt platziert wird, alle Spieler wieder in das Luftschiff steigen und eine Ausrüstungskarte ziehen.

 

Wann endet das Spiel? 

 

Hat ein Spieler zu Beginn einer neuen Reise mindestens 50 Punkte, muss er die bekannt geben und beendet damit das Spiel. Der Spieler mit dem höchsten Punktestand ist der Sieger.  

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Der Ablauf von "Celestia" basiert auf mehren Glücksfaktoren, die darüber entscheiden, inwiefern eine Reise gelingt: Welche Würfel werden gewürfelt und welche Ausrüstungskarten hat man auf der Hand.

Dennoch sind diese immensen Glückselemente in diesem Familienspiel nicht zu verteufeln, wobei sogar positiv zu ergänzen ist, dass diese ganz klar den Reiz des Spiels ausmachen. Freiräume für einen Einfluss auf das Spielgeschehen bieten die Effektkarten unterschiedlichster Art, wodurch man nicht zu 100 % dem Karten- bzw. Würfelglück ausgesetzt ist. Ebenso wird eine eigene Risikoabwägung verlangt und jeder Spieler kann auch aus dem Luftschiff aussteigen, wenn er oder sie meint, dass der aktuelle Kapitän die Bedingungen der Würfel nicht erfüllen wird. Das heißt, es sitzen alle "im selben Boot" und man fiebert miteinander um das Erreichen weiterer Orte und spielt im selben Moment aber auch gegeneinander, da man das Spiel gewinnen möchte. Die Mechanismen von "Celestia" erlauben keine komplexen Strategien und befinden sich auf einer taktischen Ebene, was zu diesem Spiel hervorragend passt. Trotz alledem hat uns das Gefühl beschlichen, dass die Punkte, die man an den unterschiedlichen Orten erlangt, nicht im optimalen Verhältnis zu der Reise standen. Dies bedeutet, dass man auch schon bei Ortschaften, die keine lange Reise verlangten, sehr gut Punkte generieren konnte und das Risiko eines Absturzes es im Prinzip nicht wert war, einen Punkteverlust hinzunehmen. Ein besserer Anreiz für das Fortsetzten einer längeren Reise könnte dadurch geschaffen werden, indem die weit gelegenen Orte durch mehr Punkte lukrativer gemacht werden oder die nahgelegenen Orte nicht so viel Punkte generieren. Alles in allem funktioniert jedoch der Spielablauf!

                                         4,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

"Celestia" lehnt stark an das Brettspiel "Cloud 9" an, das vom gleichnamigen Autor entwickelt wurde. Gleichwohl ist zu sagen, dass grundsätzlich der Spielablauf dieser Spiele wirklich sehr innovativ ist. Der Gedanke, dass alle Passagiere in einem Luftschiff sitzen und von Ortschaft zu Ortschaft reisen, gegeneinander, aber auch eigentlich zusammen spielen (sitzen im selben Luftschiff), ist ein trivialer und gleichzeitig guter Ansatz! Der Ablauf wirkt einfallsreich und thematisch verknüpft, wobei eine Eingliederung in die Fantasywelt hervorragend gelingt. Auch wenn die Abläufe recht kompakt und simpel sind, ist dennoch ein starker innovativer Ansatz erkennbar, der sowohl vom Spielgefühl als auch von den tatsächlichen Spielabläufen ausgelöst wird.

                                              6 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Celestia" hat in den Testpartien überzeugt und allen Spielern gut gefallen. Schöne Spannungsmomente entstehen beim Werfen der Würfel und durch das Eingehen der Risiken, wenn man dem Kapitän vertraut. Aufgrund der nicht so langen Spielzeit, lädt "Celestia" auch zu mehreren Partien am Stück ein und ist ebenso als "Aufwärmer" oder "Absacker" eines intensiven Spieleabends geeignet. Der Spielspaß basiert natürlich ebenso auf dem belebenden bzw. einfallsreichen Spielablauf sowie der thematischen Atmosphäre. Dennoch muss angeführt werden, dass der Wiederspielreiz nach mehreren Parien abflaute, da keine wirklichen Variationsmöglichkeiten gegeben sind. Wünschenswert sind für die Zukunft Spielfaktoren, die Variationen ermöglichen und die starren Strukturen etwas auflockern. Darüber hinaus ist eine Bewertung im Rahmen der teilnehmenden Spieler zu tätigen, da das Spiel mit zwei Spielern im  Gegensatz zu einer Partie mit drei bis sechs Spielern nicht den gleichen Spaßfaktor erreichen konnte. Denn je mehr Leute teilnehmen, desto lebendiger und thematischer wird das Spiel und übt einen größeren Spielreiz aus. 

"Celestia" macht auf jeden Fall viel Spaß und ist eine Empfehlung wert. 

                                          4,5 von 6 Spiegeln (3-6 Spieler)

                                        4 von 6 Spiegeln (2 Spieler)


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Celestia" liegt bei 24,99 Euro. Das Spielmaterial und insbesondere das Luftschiff überzeugt mit sehr guter Qualität, wobei kleinere Optimierungen hinsichtlich der Würfel vorgenommen werden könnten. Die Illustrationen passen hervorragend zu der Thematik und die Mechanismen funktionieren mit kleineren Einschränkungen einwandfrei, was für das Spiel spricht. Ebenso sticht  der innovative Geist bei dem Spiel hervor und sorgt für ein neuartiges Spielerlebenis. Der Spielspaß ist reichlich vorhanden, der jedoch durch zu wenig variable Faktoren nach vielen Partien abflaut. Alles in allem bietet dieses Produkt ein gutes Preis-Leistungsverhältnis!

                                          4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Celestia", wenn du...

 

- ein Spiel haben möchtest, das sehr innovativ ist und du oft vor die Situation gestellt wirst, zu entscheiden, ob du ein bestimmtes Risiko eingehen willst.

 

- grundsätzlich dem Thema Fantasy nicht abgeneigt bist und dich freust, wenn Illustrationen eine magische Welt beleben.

 

- schon immer ein Luftschiff im 3D-Format in einem Brettspiel haben wolltest. 

 

Spiele das Spiel nicht, kaufe es und stelle das Luftschiff in deine Vitrine, wenn du...

 

- ein absoluter Realist bist und sagst, dass eine Fantasywelt bzw. Fantasie das Überflüssigste ist, was ein Gehirn leisten kann.

 

- Glücksmomente verabscheust und vor allem "Pokern" sowie das Eingehen von Risiken alle deine berechnenden Prinzipien außer Kraft setzen.

 

- viele Variationen im Spiel suchst.

 

- dir sicher bist, dass bereits das Falten eines Blattes in zwei Hälften dich vor große motorische Herausforderungen stellt und somit der Zusammenbau des Luftschiffes ein nicht zu bewältigendes Unterfangen wird ;).

 

*Danke an alle Testspieler

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß wurde die Gesamtwertung abgerundet.