Review: "Cacao" von Phil-Walker Harding

Fakten

Autor: Phil Walker-Harding

Spieleranzahl: 2-4 

Verlag: Abacus Spiele

Spieldauer: 45 Minuten

Alter: ab 8 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 24,99 Euro


Spielbeschreibung

 

Cacao ist ein Legespiel für die ganze Familie. Die leicht erlernbaren Spielregeln sorgen für einen schnellen Einstieg, und die kurze Spieldauer lädt zur sofortigen Revanche ein. Auch für zwei Spieler ist Cacao sehr gut geeignet und verspricht spannende Duelle.

Als Stammeshäuptlinge versuchen die Spieler, ihre Völker durch den Anbau und Verkauf von Cacao zu Ruhm und Wohlstand zu führen. Doch auch wer die Plantagen mit Wasser versorgt, in Goldgruben nach Reichtümern sucht oder den Göttern an den Tempeln huldigt, wird reich belohnt werden. Bei Spielende gewinnt der Spieler, der das meiste Gold besitzt.

Quelle: Abacus


Hintergrundinformationen

 

Phil-Walker Harding, der Autor von "Cacao", war mir bis zum Erscheinen dieses Spiels eher unbekannt. Gleichwohl hat er schon einige Spiele entwickelt und ist diesbezüglich kein unbeschriebenes Blatt. Mit dem vorliegenden Spiel wird ein "Legespiel" auf den Markt gebracht, in welchem man Plättchen aneinander legt. Wie jedes Spiel dieser Art, muss sich auch "Cacao" mit dem weltberühmten Vorreiter messen, und zwar "Carcasonne". Ob das Werk von Walker-Harding lohnenswert ist, oder lieber in ein Bio sowie Fairtrade Kakaoprodukt investiert werden sollte, zeigt sich im weiteren Verlauf ;).


Spielmaterialien

 

Die Materialien sind ohne Ausnahme von hervorragender Qualität. Alle Plättchen sind robust und fühlen sich sehr qualitativ an. Besonders lobenswert ist das Inlay, mit welchem man die Materialien systematisch ordnen kann und keine Unordnung mehr in der Spielschachtel vorherrscht.

Vorbildlich!

                                              6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Für das optische Erscheinungsbild ist Claus Stephan zuständig, der etliche Brettspiele illustriert hat, wie z.B. Limes, Russian Railroads, Karuba u.v.m. Die Farben passen hervorragend zur vorliegende Spielthematik und wirken im Zuge des Spiels belebend. 

Es ist positiv zu erwähnen, dass sich die vier unterschiedlichen Arten der Arbeiterplättchen u.a. mit Hilfe kleinerer Verzierungen, wie z.B. Vögel, optisch voneinander abgrenzen und somit auf eine gewisse Vielseitigkeit geachtet wurde. Nichtsdestotrotz wäre es schön gewesen, wenn diese vier Arten für jede Spielerfarbe individuell dargestellt und nicht nur die Farbe des Dorfes gewechselt werden würde, um dieser Individualität vollends gerecht zu werden. Ebenso sind im Kontext der Urwaldplättchen ungenutzte Freiräume für Individualitäten gegeben, indem Plättchen, die das gleiche Symbolisieren, variierend dargestellt werden könnten. 

Alles in allem dennoch eine gute optische Darbietung!

                                            4,5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert Cacao?

 

 

 
 

1. Anlegen

Die Spieler versuchen ihre Arbeiterplättchen geschickt anzulegen, um die Aktionen der angrenzenden Urwaldplättchen zu nutzen. An den Plantagen kann Cacao geernet werden.

 

2. Entdecken

Nach und nach entdecken die Spieler weitere Teile des Urwalds und können die Aktionen der neuen Plättchen nutzen. Hier kommt ein Markt ins Spiel.

   

3. Aktionen ausführen

An dem neu entdeckten Markt darf Cacao verkauft werden. Spieler Rot verkauft die gerade geerntete Frucht. Auch der violette Spieler darf jetzt verkaufen, da einer seiner Arbeiter an den Markt angrenzt. 

 

Was gibt es bei Cacao noch zu entdecken?

 


 
 

 

 

Wasser

Wer sich nicht um die Bewässerung der Plantagen kümmert, muss bei Spielende Gold abgeben. Fleißige Wasserträger hingegen erhalten sogar einen Bonus.

 

 Goldgrube

Tief in der Erde ist so mancher Schatz versteckt. Neben dem Anbau und Verkauf von Cacao kann sich auch ein Ausflug in eine der Goldgruben lohnen.

 

       

 

 

 Tempel

Wer bei Spielende die meisten Arbeiter um einen Tempel besitzt, wird von den Göttern reich belohnt. Auch der Zweitplatzierte darf sich über einen kleinen Goldsegen freuen.

 

 Sonnenkultstätte

Die Kultstätten sind ein mystischer Ort voller Magie. Mit den dort erworbenen Sonnensteinen können die Spieler besonders mächtige Aktionen auslösen.

 

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Die einzelnen Aktionen sind plausibel und folglich logisch nachvollziehbar. Einige Aktionen greifen sehr gut ineinander, wie z.B. Ich erhalte Kakaobohnen, um diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder am Markt zu verkaufen. Es gibt auch noch weitere Möglichkeiten im Spiel Gold (Siegpunkte) zu generieren, wie z.B. Tempel besetzen (Mehrheit am Ende des Spiels), Goldgruben aktivieren (sofort Gold erhalten), oder ein Wasserfeld aktivieren (schreite auf der Wasserleiste voran/am Ende des Spiels Siegpunkte). Demnach sind unterschiedliche Wege gegeben, um das gewünschte Gold zu vermehren. Jedoch sind die unterschiedlichen Mechanismen nicht sehr  komplex miteinander verwoben, was dem Spiel in diesem Fall überaus gut tut, da es auf die Zielgruppe der Familien abzielt und "Cacao" sich demnach in einem optimalen Schwierigkeitsgrad befindet. Berechenbare Faktoren sind in einem angemessenen Umfang vorhanden, da man aus drei unterschiedlichen Arbeiterplättchen aus der Hand sowie zwei ausliegenden Urwaldplättchen auswählen kann. Folgerichtig sind einige offensichtliche Umstände gegeben, die für das taktische Vorgehen von enormer Bedeutung sind. Glück spielt in "Cacao" ebenso mit, wenn u.a. die Mitspieler Urwaldplättchen anlegen, die einem selbst nochmals Boni bringen, oder wenn exakt zu einem perfekten Zeitpunkt optimale Urwald- bzw. Arbeiterplättchen zur Verfügung stehen. Dessenungeachtet ist ein kleiner Kritikpunkt in einem Plättchen zulässig, welches sich nur einmal im Spiel befindet. Es handelt sich um das Verkaufsplättchen (Kakaobohne = 4 Gold), das in unseren Partien etwas zu stark wirkte und zu sehr die Richtung angegeben hat, da es sich nur ein einziges Mal im Spiel befindet. Und wenn man das Pech hat, dass man kaum auf dieses Plättchen einwirken kann, so geht einem ein mächtiger Bonus durch die Hände.

Positiv zu erwähnen ist, dass man mittels der Sonnensteine gegen Ende des Spiels auf die ausliegenden Plättchen einwirken kann, indem man eigene Plättchen überbaut und diese neu aktiviert. So kann man nochmals gerissen zuschlagen und die Mitspieler zur Verzweiflung treiben ;).

Alles in allem beinhaltet "Cacao" eine gut funktionierende Spielmechanik!

                                             5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Im Sinne der einzelnen Aktionsmöglichkeiten greift "Cacao" auf altbekannte Mechanismen zurück (Waren sammeln, Siegpunkte generieren, Waren verkaufen etc.). Im Gegenteil zu "Carcasonne" wählt man aus drei Arbeiterplättchen eins aus, welches man anlegen möchte und ebenso das automatisch angelegte Urwaldplättchen wählt man selbst aus der Auslage aus. Der Fakt, dass sich eine Landschaft wie im Schachbrettmuster entwickelt, ist eine pfiffige Idee und lässt eine starke Abgrenzung zu "Carcasonne" zu. Ebenso der Umstand, dass man kurzweilig an unterschiedlichen Ecken des Spielplans arbeitet, anstatt über einen längeren Zeitraum an einem Ort z.B. an einem Gebäude zu bauen, ist ein weiteres Differenzierungskriterium. Der Kniff, dass man mittels der Drehung eigener Plättchen über die Stärke einer Aktion entscheiden kann, erhöht die taktische Komponente und lässt innerhalb eines Plättchen Variationen zu. "Cacao" basiert zwar auf altbewährte Aktionen, der Spielablauf wurde jedoch mit pfiffigen Ideen angereichert.

                                               4 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Cacao" macht Spaß und hat sowohl Gelegenheitsspielern als auch Vielspielern gut gefallen. Es ist ein nicht sehr anspruchsvolles Spiel und auch Kinder konnten sich recht schnell in den Spielablauf hineindenken. Das vorliegende Legespiel bietet verschiedene Aktionsmöglichkeiten, die kaum komplex in Erscheinung treten und somit ein Grundbaustein für ein "lockeres" Spiel gelegt wird. Dennoch werden dem Spieler unterschiedliche Entscheidungen abverlangt, die bedeutsam sind und in das eigene Vorgehen eingreifen.

Aufgrund der recht kurzen Spieldauer und dem nicht sehr hohen Schwierigkeitsgrad ist es auch möglich, dass das Spiel mehrmals hintereinander gespielt werden kann. Jedoch ist ein Abklingen des Wiederspielreizes bei Vielspielern zu vernehmen, da die Aktionen eindeutig überschaubar sind und hinsichtlich des Aktionsradius (Anzahl der grundlegenden Aktionen) keine starke Variabilität geboten wird. Eine Erweiterung bietet in Zukunft wohl hinsichtlich dieses Aspektes eine gelungene Aufwertung. Dennoch ist das Spiel allen Spielertypen zu empfehlen (außer natürlich Personen, die überhaupt keinen Glücksanteil vertragen können ;).

                                           4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

"Cacao" zeichnet sich durch qualitative Spielmaterialien aus. Der Mechanismen funktionieren zu einem überwiegenden Teil einwandfrei und die Illustrationen lehnen gut an das Spielthema an, wobei in puncto illustrative Variabilität noch "Luft nach oben" vorhanden ist. Es wurde auf altbekannte Aktionsmöglichkeiten zurückgegriffen, die mit einigen einfallsreichen Ideen erweitert wurden. Der Spielspaß ist vorhanden und dieser kam sowohl bei Vielspielern als auch Gelegenheitsspielern auf. Es war weiterhin zu vernehmen, dass bei Vielspielern der Wiederspielreiz nach einigen Partien sank. Nimmt man all diese Faktoren zusammen und setzt diese zu dem Preis von 24,99 Euro in Relation, so kommt folgende Bewertung zum Vorschein. 

                                            4,5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- gerne "Legespiele" magst.

 

- ein schnell zu erlernendes Spiel spielen möchtest, das eine gewisse Glückskomponente mit sich bringt.

 

- ein wirklich gutes Familienspiel suchst.

 

- altbewährte Aktionsmöglichkeiten nicht scheust.

 

- dein ganzes Spielerleben lang nach einem perfekten Inlay gesucht hast ;).

 

- sofort den ersten Gedanke entwickelst: Neee, nicht schon wieder ein Abklatsch von "Carcasonne". Dieses Spiel spielt sich anders!

 

 

Kauf  lieber teuren Kakao vom Bioladen deines Vertrauens und lass die Finger von diesem Spiel, wenn du...

 

- etliche Aktionsmöglichkeiten suchst, die du komplex miteinander verbinden kannst.

 

- meinst, dass ein Glücksfaktor nicht auszuhalten ist.

 

- der festen Überzeugung bist, dass ein Regelwerk mindestens 30 Seiten umfassen sollte und dieses Spiel erst dann spielbar ist ;).

 

- der Meinung bist, dass dies ganz klar ein kapitalistisches Spiel ist, da der Spieler mit dem meisten Gold gewinnt und du allem Kapitalistischen feindlich gesinnt bist :).

 

* Danke an alle Testspieler

* Aufgrund der Kategorie Spielspaß fand eine Abrundung statt.