Review: "Arler Erde" von Uwe Rosenberg

Fakten

Autor: Uwe Rosenberg

Spieleranzahl: 1-2 Spieler

Verlag: Feuerland Spiele

Spieldauer: 60 Minuten/Spieler

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2014

Preis: UVP 49, 90 Euro


Spielbeschreibung

 

In Arle, einem kleinen Dorf in Ostfriesland, warten zahlreiche Aufgaben auf deine Familie: Zurückversetzt in die Zeit um 1800 sollen die Moore entwässert werden, die Ackerböden bestellt und Tiere gezüchtet werden. Entwickle das Handwerk im Dorfe und errichte die passenden Gebäude. 

Arler Erde ist das autobiografischste aller Spiele von Uwe Rosenberg. Es spielt in dem Dorf, in dem sein Vater geboren ist und seine Eltern geheiratet haben. Wir sehr dieses Spiel Uwe am Herzen liegt, zeigt sich auch daran, dass er eigens ein Begleitheft im Umfang von 36 Seiten über Ostfriesland und dessen Geschichte geschrieben hat, das dieser Ausgabe beiliegt.

Das 2-Personenspiel bietet wie alle Feuerlandspiele viel fürs Geld: Neben einem großen Spielplan hat jeder Spieler einen persönlichen Heimatplan sowie einen Scheunenplan. Viele Holztiere und Spielteile aus stabilem Karton lassen das Spielerherz höher schlagen (die Box hat das gleiche Format wie das TM Grundspiel)!

Quelle: Feuerland Spiele


Hintergrundinformationen

 

Uwe Rosenberg, der Autor von "Arler Erde", ist mittlerweile kein Unbekannter mehr und "Agricola" gehört mitunter zu seinen bekanntesten Spielen. Wie "Agricola" lehnt "Arler Erde" ebenfalls an das Thema der Landwirtschaft an. Das Besondere bei dem vorliegenden Brettspiel ist, dass es exakt für zwei Spieler (oder einen Spieler) ausgerichtet ist und an die Biographie des Autors anlehnt. Von diversen Rezensenten wurde das Spiel auf internationaler Ebene hoch gelobt. Ob sich dies bewahrheitet, wird der folgende Spielbericht aufzeigen. 


Spielmaterialien

 

Unglaublich, wie viele Spielmaterialien das Spiel enthält! Der Karton ist relativ groß und beinhaltet unzählige Plättchen, Figuren, Bretter und das gerade mal für zwei Personen. Ferner ist hinzuzufügen, dass diese von wirklich sehr guter Qualität sind und sehr stabil bzw. robust wirken. Einzig und allein der Umstand, dass die Aufkleber der Spielsteine (Warenleiste) und der acht Spielfiguren sich immer wieder lösen, trübt den hervorragenden Eindruck. Sehr lobenswert ist hingegen, dass neben dem Regelheft ein umfangreiches Begleitheft mit dabei ist, das den sehr gelungen Bezug zwischen dem Spiel bzw. einzelnen Elementen des Spiels und der Biographie des Autors herstellt. 

Alles in allem ist "Arler Erde" auf der Ebene der Spielmaterialien ein qualitativ hochwertiges Produkt! 

                                            5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen stammen von Dennis Lohausen, der schon etliche Brettspiele illustriert hat und ein gern gesehener Illustrator bei diversen Spieleverlagen ist. Wie bereits erwähnt, beinhaltet "Arler Erde" sehr viele bzw. unterschiedliche Spielmaterialien und man muss hinzufügen, dass das vorliegende Brettspiel ein rundes optisches Gesamtbild bietet. Besonders sehenswert ist, dass einzelne Plättchen, auch wenn diese das gleiche darstellen, z.B. Weizenfelder, dennoch mit kleineren individuellen Verzierungen versehen wurden (Kornkreise, Vogelscheuche), was das Spiel noch mehr aufleben lässt. Ebenfalls sind alle Spielfiguren (acht Spielsteine) mit unterschiedlichen Persönlichkeiten versehen worden, was einen individuellen Charakter des Spiels untermauert. Umso ärgerlicher ist es, dass dieser individuelle Charakter nicht vollends ausgeführt wurde, da z.B. unterschiedliche Gebäude mit gleichen Abbildungen versehen wurden, was wiederum die Variabilität sowie die thematische Atmosphäre etwas mindert. 

Alles in allem passt die Arbeit von Lohausen dennoch sehr gut zum Thema und dem Spielprinzip!

                                              5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

"Arler Erde" ist ein langandauerndes und hochstrategisches Spiel, das etliche Aktionsmöglichkeiten aufweist. Diese hier alle zu erwähnen, würde definitiv den Rahmen sprengen. Aus diesem Grund erkläre ich das Spiel auf einer allgemeineren Ebene.

Jeder Spieler hat vier Spielfiguren zur Verfügung und es befinden sich auf dem Aktionsplan Aktionsfelder, die dem Sommer und dem Winter zuzuordnen sind. Begonnen wird mit dem Sommerhalbjahr und nacheinander setzen die Spieler jeweils eine Spielfigur auf ein Aktionsfeld der "Sommerfelder" und führen die dortigen Aktionen sofort aus, um letztlich ihr eigenes Spielertableau (Heimatplan) auszubauen. 

Aktionsfelder der Sommerphase sind z.B. Tiere erhalten, Moore entwässern (damit schaffst du mehr Platz auf deinem Heimatplan), Lehm/Holz nehmen, Gebäude bauen, Pflüge bauen und Äcker auf deinen Heimatplan legen etc. 

Nachdem jeder Spieler abwechselnd vier Aktionen durchgeführt hat, geschieht folgendes am Ende des Sommerhalbjahres:

- Die Fuhrwerke werden entladen: Wenn du Fuhrwerke baust, stellst du diese auf deinem Scheunenplan ab (dein zweites Spielertableau). Du kannst entsprechend der Größe des Fuhrwerkes Waren jederzeit während du dran bist auf das Fuhrwerk legen, um diese zu verarbeiten (Leinen in Sommerkleidung, Wollstoff in Winterkleidung, Lehm in Ziegel, Holz in Bauholz etc.). Dafür drehst du, wenn das Fuhrwerk am Ende eines Halbjahres entladen wird, die jeweiligen Plättchen um und legst diese vor dir ab. Weiterhin hast du noch die Möglichkeit zu reisen, indem du Reiseplättchen auf das Fuhrwerk drauflegst, um diverse Waren zu verkaufen. In diesem Fall drehst du die Reiseplättchen beim Entladen des Fuhrwerkes um und legst sie umgedreht auf deine Reiseleiste, damit du Siegpunkte generierst. 

- Du erhältst Nährwerte (blaue Anzeiger auf deiner Warenleiste) für Schafe und Kühe. Äcker und Forstwälder auf deinem Heimatplan bringen Erträge.

- Weiterhin musst du Abgaben leisten (Nährwerte und Torf).

 

Das gleiche Spiel erfolgt im Winterhalbjahr und es stehen nun vier Aktionen für jeden Spieler im Winterhalbjahr zur Verfügung.

Aktionsfelder wären z.B. erhalte Tierhäute (brauner Anzeiger auf deiner Warenleiste), nehme dir Holz, nehme dir Lehm, baue einen Stall, erhalte Getreide etc. 

Am Ende des Winterhalbjahres werden ebenfalls die Fuhrwerke entladen. Die Tiere in Ställen sowie Stallungen bekommen Nachwuchs und Schafe liefern Wolle. Zudem musst du Nährwerte abgeben. 

 

Wichtig ist noch eine Aktion (Meisteraktion), die sowohl im Sommer als auch im Winter ausgeführt werden kann. Und zwar befinden sich noch in der Mitte des Aktionsfeldes Leisten, auf denen du mittels der Meisterkaktion voranschreiten kannst. Unterschiedliche Aktionen sind direkt an diverse Leisten gekoppelt und entscheiden über die Anzahl von Tauschaktionen und Verarbeitungsprozessen. 

Einmal im Halbjahr ist es zudem noch möglich, dass ein Spieler eine Aktion des anderen Halbjahres durchführt. In diesem Fall ist dieser Spieler definitiv im nächsten Halbjahr (also in der nächsten Runde) kein Startspieler. 

Durch unzählige Gebäude, die du bauen kannst, erweitern sich nochmals deine Handlungsmöglichkeiten, die in diesem Spiel definitiv bereits durch den Aktionsplan schon sehr breitgefächert sind. 

 

Auf deinem Heimatplan befinden sich zudem noch Moore, die mittels von Aktionen entwässert (umgedreht) werden. Auf diese werden dann Torfsteine gelegt, die man wiederum stechen sollte. Wenn dies geschehen ist, wird mehr Platz auf deinem Heimatplan frei, damit du deinen Hof weiter ausbauen kannst. Damit arbeitest du den Minuspunkten entgegen. Eine weitere Möglichkeit der Erweiterung und dem Entgegenarbeiten von Minuspunkten am Spielende ist der Deichbau. Mit diversen Aktionen kannst du deine Deichplättchen immer weiter nach oben schieben, um dadurch neue Felder auf deinem Hofplan zu gewinnen. 

 

Am Spielende gibt es Punkte für:

- Tiere auf deinem Heimatplan

- Kleidungsmarken und Baustoffe (diese erwirbst du mittels diverser Aktionen oder produzierst sie)

- Gerätschaften in der Scheune

- Reiseerfahrungen

- Warenleiste

- Alle Punkte auf deinem Heimatplan (Gebäude, evtl. Minuspunkte aufgrund von Mooren, die sich noch auf deinem Plan befinden sowie die Deiche, die nicht richtig ausgebaut wurden. Minuspunkte gibt es ebenso, wenn ein bestimmter Platz auf deinem Scheunenplan nicht mit einem passenden Fuhrwerk belegt wurde. 

 

Ich hoffe, dass die Beschreibung dir geholfen hat, die Grundprinzipien von "Arler Erde" nachzuvollziehen.

 

Wie ist denn nun die Spielmechanik? 

 

Alle Aktionsmöglichkeiten und Effekte wurden ungemein gut miteinander verzahnt. "Arler Erde" ist ein hochstrategisches Spiel, dass keinen Platz für Glückselemente übrig lässt. Die Spielmechanik funktioniert einwandfrei und man bekommt als Spieler nicht wirklich das Gefühl, dass die einzelnen Aktionen unausbalanciert sind, da die einzelnen strategischen Optionen auf ihre Weise effektiv sind. Positiv ist zu erwähnen, dass man mittels der unzähligen Aktionen einen bestimmten strategischen Weg einschlagen und diesen dann mit Hilfe von bestimmten Gebäuden noch wirkungsvoller machen kann. Ein weiterer Aspekt ist, dass Abgaben nach jedem Halbjahr in einem guten Verhältnis zu dem Ertragsgewinn stehen und sie somit nicht dem eigenen Vorhaben komplett entgegenstehen. Wie bereits beschrieben, ist es nur möglich, dass ein Spieler eine bestimmte Aktion ausführt. Das Spiel bietet jedoch ein Aktionsfeld, das gegen einen Aufpreis genutzt werden kann und mit welchem man ein bereits vom Mitspieler genutztes Aktionsfeld "imitiert". Dies hat den positiven Effekt, dass sich die Gegenspieler nicht gegenseitig vollends blockieren. Ebenso ist die Möglichkeit für einen Spieler pro Halbjahr gegeben, dass dieser ein Aktionsfeld des anderen Halbjahres nutzt, wobei dies eine elegante Lösung ist, um den Handlungsspielraum zu erweitern und mehr Verzahnungen der Mechanismen zuzulassen. Weiterhin ist als herausragend zu vernehmen, dass man im Grunde als Anfänger nicht sehr hart für seine strategischen "Fehler" bestraft wird. Denn man kommt auch als Anfänger in dem Spiel voran, indem man einfach mal Waren generiert und grundsätzlich in die richtige Richtung (Erweiterung des Heimatplanes) hinarbeitet. Die Verzahnung der einzelnen Aktionen, die man nach einigen Partien begriffen hat, ist das, was die einzelnen Mechanismen in kombinatorischer Weise aufblühen lässt.

                                           6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

 "Arler Erde" ist ein klassisches Worker-Placement-Spiel (Ich setze eine Figur auf ein Feld und führe dann eine Aktion aus) und setzt definitiv keine innovativen Meilensteine in puncto Spielmechanismen. Des Weiteren sind noch eindeutige Parallelen (sowohl thematisch als auch  im Hinblick der Aktionen) zu Rosenbergs Spiel "Agricola" zu erkennen. Dennoch enthält dieses Brettspiel thematische Twists, die mit dem Spielgeschehen verknüpft werden und etwas frischen Wind in das Spielgeschehen bringen, wie z.B. die Moore, die Deiche, das Beladen der Fuhrwerke und die damit einhergehende Veredelung von Baustoffen. Dennoch bringt das vorliegende Brettspiel sehr viel Altbekanntes auf den Spieletisch und wurde lediglich mit kleineren Ideen angereichert.

                                              3 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Ja, "Arler Erde" macht sicherlich Spaß und wenn man mal sich einen Überblick über die vielen unterschiedlichen Aktionsmöglichkeiten verschafft hat, entfaltet sich vollends das intensive Strategiespiel, das gut und gerne seine zwei Stunden Spielzeit benötigt. Es macht ungemein Spaß, die unterschiedlichen strategischen Wege zu verfolgen und verschiedenste Aktionsfelder miteinander zu kombinieren. Weiterhin gewinnt "Arler Erde" auch durch die austauschbaren Gebäude an Abwechslung. Dennoch hat es aufgrund der fehlenden Innovationen keinen "WOW-Effekt" ausgelöst, da sehr viele Abläufe von Rosenbergs bisherigen Spielen bekannt waren und eingefahrene sowie grundlegende Spielabläufe geboten wurden. Nichtsdestotrotz ist "Arler Erde" eine klare Empfehlung für Vielspieler, die ein sehr strategisches Spiel für eine längere Spielzeit suchen!

                                           4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "Arler Erde" beträgt 49,90 Euro. Die Spielmaterialien sind sehr umfangreich und qualitativ hochwertig, die Illustrationen unterstützen hervorragend die thematische Atmosphäre und die Spielmechanik lässt auch kaum Freiräume für Defizite zu. Im Kontext der Innovationen ist zu resümieren, dass auf altbewährte Abläufe zurückgegriffen wurde und gewichtige Einfälle ausgeblieben sind. Der Spielspaß ist absolut vorhanden, bewegt sich jedoch aufgrund der nicht vorhanden innovativen Meilensteine nicht auf einem Höchstpunkt. Dennoch bewegen sich sowohl die Herstellung als auch die Entwicklung auf einem sehr hohen Niveau. 

                                              5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir "Arler Erde", wenn du...

 

- ein sehr strategisches Spiel für zwei Spieler spielen willst.

 

- meinst, dass dir schon "Agricola" sehr gut gefallen hat. Dieses Spiel geht definitiv in die gleiche Richtung.

 

- ein Brettspiel spielen möchtest, das sehr thematisch.

 

- schon immer mal ein Begleitheft in einem Spiel vorfinden wolltest, das sehr umfangreich die Verknüpfung zwischen Spiel und Thema (Autobiographie) herstellt.

 

 

Kauf dir "Arler Erde" nicht, spare und fahre nach Ostfriesland, wenn du...

 

 - meinst, dass dir Spiele, die ca. zwei Stunden dauern, zu lange sind und du sich deshalb nur ein Spiel, und zwar "UNO" in deinem Spieleschrank befindet.

 

- auf der Suche nach einem innovativen Spiel bist, das auf sehr einfallsreichen Mechanismen fußt.

 

- die Meinung vertrittst, dass ein Brettspiel mit dem Thema Landwirtschaft/Viehzucht gar nicht klar geht, da das Thema Zerstörung gar nicht vorhanden ist.

 

 

 

*Danke an alle Testspieler!

* Aufgrund des Spielspaßes wurde abgerundet.