Review: "Alte Dunkle Dinge" von Simon McGregor

Fakten

Autor: Simon McGregor/Robert van Zyl (Koautor)

Spieleranzahl: 2-4 

Verlag: Feuerland Spiele

Spieldauer: 60 Minuten

Alter: ab 14 Jahren

Erscheinungsjahr: 2015

Preis: UVP 34, 90 Euro


Spielbeschreibung

 

Die Geschichte jener hoffnungslosen Expedition ist umwoben von Gerüchten.

Mit einem Flussboot fuhr eine Gruppe Abenteurer in die Tiefen eines entlegenen Dschungels auf der törichten Suche nach Ruhm und Reichtum. Das zerschlissene Tagebuch des einzigen Überlebenden, welches fantastische Aufzeichnungen über alte Geheimnisse und das Erwachen dunkler Dinge enthalten sollte, verschwand schnell in dem Ofen einer Heilanstalt.

Alte Dunkle Dinge ist ein kurzweiliges forder-dein-Glück-heraus Würfelspiel im schaurig schönen Cartoon Look für 2 bis 4 Spiel ab 14 Jahren. Du schlüpfst in die Rolle eines unerschrockenen Abenteurers, der einem unheimlichen Dschungelfluss seine alten Geheimnisse entreißen will. In jeden Zug begibst du dich an einen schicksalhaften Ort, um dort eine unheilvolle Begegnung mit deinen Würfelkombinationen und deinen Handkarten zu bezwingen. Je mehr Begegnungen du am Ende erfolgreich überstanden hast, um so besser stehst du da - aber jedes Scheitern setzt ein Dunkles Ding frei, das gegen dich zählt...

Quelle: Feuerland

 


Hintergrundinformationen

 

Auf der Spielemesse (Essen 2015) hat der Verlag Feuerland das Spiel "Alte Dunkle Dinge" veröffentlicht. Das besondere ist, dass es unter dem neuen "Blue Label" erschienen ist. Die Charakteristika dieses Labels beschreibt der Verlag wie folgt:

Wir stellen vor: Feuerland "Blue Label"

Das neue "Blue Label" wird in Zukunft Spiele von uns zieren, die etwas weniger Denkarbeit benötigen und dafür eher Glückselemente enthalten. Das richtige also, um nach einem Terra Mystica oder Arler Erde den Spieleabend entspannt ausklingen zu lassen! (Quelle Feuerland)

Wie das erste Spiel dieses Labels ankommt und ob diese Lizenzausgabe des Spiels "Ancient Terrible Things" gelungen ist, zeigt sich im weiteren Verlauf des Tests.

                     Das "Blue Label"


Spielmaterialien

Die Spielmaterialien von "Alte Dunkle Dinge" sind hervorragend! Die unterschiedlichen Würfel wirken qualitativ, die Plättchen sind robust, die Karten benötigen definitiv keine Hüllen und die Spielbretter (Spielfeld/Charaktertableau) sind 1 A!

Einzig und Allein der Fakt, dass die Charaktersteine zu bekleben sind (4 Spielsteine) trübt das überaus hochwertige Gesamtbild und eine Gravur würde stimmiger wirken.

Dennoch eine durchweg hochwertige Produktion!

                                           5,5 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Was soll man schon zu dieser Aufmachung sagen? Die Illustrationen sind lobenswert und passen vorbildlich in die vorhandene Thematik, die ebenfalls mysteriös, geheimnisvoll und unheimlich ist. Dabei fügen sich die einzelnen Darstellungen in ein harmonisches Gesamtbild ein und wirken in der Brettspiellandschaft individuell und frisch, indem ein schauriger Cartoon Look entworfen wurde. Der Illustrator Robert van Zyl hat mehrere Jahre an der optischen Aufmachung herumgewerkelt. Man muss sagen, dass ihm das Endprodukt wirklich gut gelungen ist!

                                           6 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Ich versuche euch mal einen groben Überblick über dieses Spiel zu liefern.

 

Am Anfang wählt jeder Spieler einen Charakter aus, der an unterschiedliche Startbedingungen gekoppelt ist. Des Weiteren kann noch zwischen einer zeitlich kurzen und langen sowie zwischen einer einfachen oder schweren Partie unterschieden werden. Dementsprechend sind mehr/weniger Karten im Begegnungsdeck und es wird die entsprechende Szenariokarte ausgewählt. 

Auf dem Spielfeld liegen Begegnungen aus, wobei diese verschiedene Würfelaugen zeigen. Du entscheidest dich für eine Begegnung (legst deinen Spielstein auf das Feld), darfst dir die Wertmarken, die auf jedem Begegnungsfeld ausliegen, nehmen und kannst noch freiwillig die Zusatzaktion durchführen, die auf jedem Feld angegeben ist, wie z.B. mehr Wertmarken nehmen, eigene Wertmarken gegen die Wertmarken des Mitspielers zu tauschen etc.

So, nun musst du dich noch entscheiden, wie du die Begegnung bezwingen willst. Auf jeder Begegnung sind nicht nur Würfel abgebildet, sondern auch ein Feld mit einer Zahl (lila/oben links). Du kannst entsprechend viele solcher Mutmarken (lila Marken) abgeben, um die Begegnung mittels einer Verzweiflungstat zu bezwingen. Du gibst die Anzahl der Mutmarken ab und hast somit die Begegnung bezwungen. Entscheidest du dich gegen diesen Weg, kannst du mittels des Würfelns die Begegnung bezwingen, indem du mind. die angegebene Kombination würfelst. Hast du noch Würfel übrig, so ist es dir gestattet, die restlichen Würfel gemäß der Szenariokarte in Marken umzutauschen. Wichtig: Auch wenn du eine Begegnung mit Mutmarken bezwungen hast, kannst du im Anschluss noch würfeln, damit du Wertmarken erhältst.

Nach dem Würfeln kannst du Ausrüstungs- und Handlungskarten (diese kaufst du mit blauen Marken) einsetzen, mit denen du deinen Würfelpool auf verschiedenste Weise beeinflussen kannst. Weiterhin darfst du in der Regel bis zu zweimal neu würfeln:

a) Fokussiert: Wähle bestimmte Würfel aus, bezahle pro Würfel einen Fokusmarker (grüne Marken) und würfle diese erneut. 

b) Unfokussiert: Würfle alle Würfel neu (nicht die roten Panikwürfel, die du mittels bestimmter Effekte erhalten kannst).

 

Hast du mittels der Würfel die Begegnung bezwungen, so tust du diese in deine Ablage (Siegpunkte am Spielende). Konntest du die Begegnung weder mittels einer Verzweiflungstat (Mutmarken) noch mit den Würfeln bezwingen, oder willst freiwillig keine Bezwingung durchführen, so erhältst du eine Marke "Dunkles Ding", die dir gegen Ende des Spiels Minuspunkte einbringt.

Zu guter Letzt legst du deinen Spielstein auf den Handelsposten und darfst dir eine der ausliegenden Karten kaufen (hierbei kannst du direkt eine ausliegende Karte auf den Ablagestapel, den sog. Altwarenstapel, legen und durch eine neue Karte des Zugstapels ersetzen). Als Währung, um die Gegenstände zu kaufen, zählen die gelben Wertmarken (Schatzmarken). Wenn du zwei Schatzmarken bezahlst, ist es dir außerdem gestattet, bis zu drei der offen ausliegenden Karten auf den Altwarenstapel zu legen und durch die gleiche Zahl neuer Karten vom Zugstapel zu ersetzen. Es ist übrigens auch erlaubt, die oberste Karte des Altwarenstapels (Ablagestapels) zu kaufen. Diese Gegenstände bringen dir unterschiedlichste Boni, wie z.B. neue Würfel, Veränderungen des Würfelwurfes, Siegpunkte am Spielende etc.

Was noch unbedingt werden sollte ist, dass die blauen Handlungsmarken dazu dienen, Handlungskarten (blaue Rückseiten) aus der Hand zu spielen. Diese erlauben es dir, ebenfalls Würfe etc. zu beeinflussen. 

Am Ende deines Zuges ziehst du so viele Handlungskarten nach, bis du wieder drei Karten auf der Hand hast.

Ein weiterer essentieller Aspekt des Spiels liegt noch in den Errungenschaftskarten, von denen es vier im Spiel gibt. Jede Karte stellt ein Symbol dar und bringt am Ende des Spiels Siegpunkte. Auf jeder Begegnungskarte kann man solche Symbole vorfinden. Hast du als erster Spieler drei Begegnungen bezwungen, die dasselbe Symbol aufweisen, so darfst du die entsprechende Errungenschaftskarte nehmen. Hat ein Gegenspieler im Verlauf des Spiels vier Begegnungen dieser Art bezwungen, so kann er dir diese Errungenschaft wegnehmen usw.

 

Wann endet das Spiel?

- Wenn du ein "Dunkles Ding" nehmen müsstest und keins mehr auf der Reiseleiste vorhanden ist.

- Wenn zu Beginn einer neuen Runde keine Begegnungskarten mehr auf dem Spielplan vorzufinden sind, weder auf den Orten noch im Begegnungsstapel 

 

Am Ende des Spiels erhältst du Siegpunkte für:

- Begegnungskarten im eigenen Stapel, auch Errungenschaftskarten

- Siegpunkte durch Ausrüstungskarten

- die Landkarte (ein ganz bestimmtes Plättchen, das man dem Mitspieler wegnehmen kann)

 

Von der Summe dieser Siegpunkte ziehst du die Bestrafungspunkte (die Werte der Marken "Dunkles Ding") ab.

 

 

Wie ist die Spielmechanik?

 

Die Spielmechanik ist ausgezeichnet! Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei "Alte Dunkle Dinge" um ein Spiel mit einem Glücksfaktor (Blue Label). Dennoch ist man dem Würfelwurf nicht komplett ausgeliefert und dieser Faktor wird durch ganz bestimmte Einflussfaktoren (Handlungskarten, Ausrüstungkarten, Mutmarken,  Neuwürfeln) eingeschränkt. Weiterhin verlangt das Spiel Entscheidungen, die die Risikobereitschaft ansprechen, da Begegnungen mit unterschiedlichen Wurfanforderungen gegeben sind (leichte/schwere Begegnungen). "Alte Dunkle Dinge" hält exakt das Versprechen, ein leichteres Spiel zu sein, das von Glückselementen lebt, aber dennoch mit unterschiedlichsten Einflussfaktoren zu einem optimalen Grad beeinflusst werden kann. Demnach muss also nicht nur stumpf gewürfelt, sondern wichtige Entscheidungen im Spielverlauf getroffen werden, wie z.B. Welche Marken versuche ich anzusammeln? Gehe ich auf Risiko und erhalte dadurch mehr Punkte, wenn ich eine schwierige Begegnung meistere? Inwiefern wandle ich meine Würfelaugen in Marken um? Welche Ausrüstungen kann ich erwerben bzw. effektiv einsetzen? Welche Handlungskarten sind effektiv einzusetzen?

Zusammengefasst ist zu sagen, dass "Alte Dunkle Dinge" das "Blue Label" außerordentlich gut einhält, da es ein Würfelspiel ist, das mit vielfältigen Einwirkungsmöglichkeiten auf den Würfelwurf ausgestattet ist und sich das Verhältnis von Würfelglück und Einflussmöglichkeiten in einem optimalen Verhältnis befindet.

                                             6 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das grundlegende Spielprinzip, Würfel würfeln und bestimmte Kombinationen zu erreichen, ist jetzt nicht wirklich innovativ und "Alte Dunkle Dinge" wird in der Community oft mit dem Brettspiel "Das Ältere Zeichen" verglichen. Auch wenn das Spielprinzip kein Meilenstein in der Spielentwicklung ist, kann man dann doch mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Aufmachung und die Atmosphäre schon eindeutig von anderen Spielen abgrenzen und ein individueller Charakter eindeutig zu vernehmen ist. 

Aus diesem Grund kommt es in puncto Innovationen zur folgender Bewertung.

                                           3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

"Alte Dunkle Dinge" hat allen Testpersonen wirklich gut gefallen. Es ist eher ein lockeres Spiel, das auch gut und gerne mehrmals an einem Abend gespielt werden kann. Es kann sich hierbei eigenen Bedürfnissen anpassen, da man gezielt kürzere/längere, einfache/schwere Partien aufbauen kann. Das Brettspiel ist wirklich eine Augenweide und es macht sichtlich Spaß das Spiel zu spielen. Denn das Auge spielt ja bekanntlich mit...

Das Spiel lebt von Spannung, da bei jedem Würfelwurf "gezittert" wird. Leider wird diese Spannung in der Endwertung aufgehoben, da wenn man sehr aufmerksam ist, die Endpunktzahl des Gegners bereits vor Spielende feststellen kann. Wenige Faktoren tragen nämlich zu der Endwertung bei. Im Rahmen der Variabilität waren uns etwas wenig Begegnungskarten im Spiel enthalten, da diese das Herzstück des Spiels sind und schon nach wenigen Partien allesamt bespielt wurden. Um das Mysteriöse bzw. Geheimnisvolle aufrechtzuerhalten, hätte man diese Phase des Ich-entdecke-das-Spiel mit mehr Begegnungskarten auf einen längeren Zeitraum ausdehnen können. Nichtsdestotrotz macht "Alte Dunkle Dinge" Spaß und ist sowohl Gelegenheit- als auch Vielspielern zu empfehlen!

                                           4,5 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP dieses Spiels liegt bei 34,90 Euro. Die Spielmaterialien sind prima und die Mechanismen funktionieren ohne wenn und aber. Innovationen machen sich hinsichtlich der Spielmechanik nicht bemerkbar, aber die individuelle Atmosphäre ist eine Erwähnung wert. Das Spiel macht mit kleineren Abstrichen auf jeden Fall Spaß! Bündelt man diese Feststellungen und setzt diese in Relation zu dem Preis, ist folgende Bewertung angebracht.

                                           5 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kauf dir das Spiel, wenn du...

 

- ein Spiel suchst, das nicht sehr anspruchsvoll ist und mal optisch anders daherkommt.

 

- gerne Würfelspiele magst!

 

- ein Spiel mit einem unverbrauchten und individuellem Thema suchst, welches mysteriös, gefährlich und geheimnisvoll wirkt.

 

- meinst, dass ein Spiel nur dann gut ist, wenn es aus qualitativen Spielmaterialien besteht. Das tut es auf jeden Fall.

 

 

Mache eine Expedition in den Dschungel und spiele "Alte Dunkle Dinge" nicht, wenn du...

 

- Würfelglück abgrundtief hasst!

 

- du die Farbe Grün überhaupt nicht magst. Schade, da das Spiel meist im Grünton gehalten wird.

 

- innovative Spielmechanismen suchst und dir das Thema eines Spiels egal ist, da für dich das Spielen hauptsächlich nur das Bewegen von Spielsteinen darstellt ;).

 

- meinst, dass dein Nervenkostüm ein so mysteriöses und geheimnisvolles Spiel nicht standhält ;).

 

 

*Danke an alle Testspieler