14.09.17

Review: "4 Gods" von Christophe Boelinger

Fakten

Autor: Christophe Boelinger

Spieleranzahl: 2-4 Spieler

Verlag: Asmodee

Spieldauer: ca. 30 Minuten

Alter: ab 10 Jahren

Erscheinungsjahr: 2016

Preis: UVP 39,99 Euro


Spielbeschreibung

 

Erschafft Seen, Wälder, Berge und Ebenen im schnellen Legespiel 4 Gods. Denn ihr seid die Götter einer zu Beginn noch leeren Welt, die ihr alle gleichzeitig mit Leben füllt. Zunächst ist nichts fest, nicht einmal welche Gottheit jeder Spieler verkörpert. Doch im Laufe des Spiels werdet ihr euch entscheiden, ihr werdet euch den Zwergen in den Bergen, Elfen in den Wäldern, den Menschen in den Ebenen oder den Fischmenschen in den Meeren zuordnen, ihre Städte errichten und eure Propheten entsenden. Denn auch wenn ihr gemeinsam diese Welt erschafft, nur eine Gottheit kann am Ende den meisten Ruhm und Einfluss haben.

(Quelle: Asmodee)


Hintergrundinformationen

 

Der Entwickler (Christophe Boelinger) war den Testspielern auf Anhieb nicht bekannt. Doch schaut man sich im Internet um, erfährt man, dass er bereits das Spiel "Archipelago" entwickelt hat, das definitiv seine Fans hat. Kleiner "Fun Fact": Der Illustrator Ismael Pommaz, der für die Illustrationen von "4 Gods" zuständig ist, hat bereits bei "Archipelao" für die Optik gesorgt.


Spielmaterialien

 

Die Plättchen, von denen es reichlich im Spiel gibt, sind von einer guten Qualität! Sie hielten in vielen Partien stand und grobe Abnutzungserscheinungen ließen sich nicht erkennen. Auch die Spielplanteile, die man zusammensteckt, knüpften an die gute Qualität an und ließen sich problemlos zusammenstecken. Ebenso konnten die Miniaturen den qualitativen Standard aufrecht erhalten. Es handelt sich zwar nicht um Miniaturenqualität a la "Cool Mini or Not", das muss es aber in diesem Format auch gar nicht. Als schöne "Boni" sind definitiv die Figurenschachteln zu sehen, die zum systematischen Sortieren der Miniaturen dienen. Auch die Wertigkeit der Sanduhr entspricht der Erwartungshaltung und alles in allem ist zu sagen, dass bei den Materialien nichts falsch gemacht wurde! Weiter so!

                                                          6 von 6 Spiegeln


Illustrationen

 

Die Illustrationen sind allesamt sehr gelungen! Der Illustrator hat es geschafft, detailreiche Landschaftsdarstellungen zu kreieren, die definitiv den Geschmack der Tester getroffen haben. Ebenso konnte der Stil der Schachtel sowie die der Gott- bzw. Stadtplättchen gänzlich überzeugen. Ferner wurden "göttliche Elemente" in Form der Spielplanteile optisch dargestellt. Alles in allem wurde der richtige Illustrator bzw. der passende Stil für die Thematik ausgewählt. Super!

                                                         5 von 6 Spiegeln


Spielmechanik

 

Wie funktioniert das Spiel?

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Wie ist die Spielmechanik?

 

Die Abläufe von "4 Gods" unterscheiden sich je nach Modul. Im Folgenden wird das Modul "zeitgleiches Legen" unter die Lupe genommen, das charakteristisch für das Spiel ist und den Spielreiz ausmacht, da alle Spieler zur gleichen Zeit Landschaftsplättchen auslegen und "4 Gods" auf der Basis dessen an Fahrt gewinnt. Zur gleichen Zeit legen die Spieler Landschaftsplättchen in die "Welt" und bilden dadurch eine Landschaft. Was sich erst einmal leicht anhört, entwickelt sich mit der Zeit zu einer sehr kniffligen Aufgabe, da jeder Spieler/jede Spielerin zur einem beliebigen Zeitpunkt eine Gottheit auswählt und folglich mit Bedacht Landschaftsplättchen ausgelegt werden sollten, die bestmöglich der eigenen Gottheit entsprechen. Auch das Setzen von Prophen (unabhängig von der Gottheit) sollte wohl überlegt getätigt werden, um in verschiedenen Gebieten die Merheit zu erlangen. Diesbezüglich sind kaum mechanische Mängel auszumachen und die Elemente fügen sich optimal in den Spielfluss ein.

Die mechanischen Defizite kristallisierten sich eher in den Bereichen heraus. Alle Spieler bedienen sich an Plättchen, die allesamt aus einem einzigen Beutel gezogen werden. Dies führt dazu, dass der zügige Spiefluss gestört wird, da es zu Wartezeiten kommt und demnach der Natur des Spiels, ein hektisches und schnelllebiges Spiel zu sein, entgegengewirkt wird. Dies hätte man in gewisser Hinsicht besser lösen können, um zeitliche Blockierungen im Spielfluss zu vermeiden. Des Weiteren ist es möglich, sich aus der Auslage der Mitspieler zu bedienen, die Plättchen (Vorder- und Rückseite) anzuschauen und evtl. in die "Welt" (gemeinsamer Spielplan) auszulegen. Auch dieser Ablauf ist als suboptimal zu deklarieren, da dies zu einem unkontrollierbarem Chaos führt, wenn mehrere Spieler gerade in die Auslage des jeweilig anderen Spieler greifen und wiederum andere Mitspieler gleichzeitig Plättchen in die "Welt" legen wollen. Mit dieser Regel wurde zwar beabischtigt, mehr Interaktion zwischen den Spielern zu erreichen, die Testspieler fanden diese Regel jedoch überflüssig, da zum einen das Spiel schon genug Interaktion enthält (alle Spieler bauen gemeinsam an einer  "Welt") und zum anderen ein Chaos erzeugt wird, das im Prinzip jeglichen Spieler bei seinen Handlungen blockiert.

Final ist zu resümieren, dass das Spiel funktioniert, nur kommt es oft zu zeitlichen Verzögerungen, die dem Spielsystem definitiv nicht gut tun.

                                                        3,5 von 6 Spiegeln


Innovationen

 

Das Spiel kann man sicherlich als "Carcassonne auf Zeit" betrachten. Es herrschen sehr viele spielerische Parallelen bzw. Ziele (das Anbauen der Landschaften, das Setzen von Figuren, Gebietswertungen), die nun unter Zeitdruck zu erfüllen sind. Durch diesen Zeitfaktor wirkt das Spiel lebendig und gewissermaßen frisch, was ebenso durch die "Live-Auswahl" der Gottheiten während des Spielverlaufes ergänzt wird. Da jedoch sehr viele "Carcassonne-Parallelen" vorherrschen und gerade die Endwertung (größte Gebiete/meiste Gebiete etc.) sehr an bisherige Wertungssysteme anknüpft, blieben die großen innovativen Überraschungen aus, obwohl noch sehr viel Potential vorhanden wäre.

                                                        3,5 von 6 Spiegeln


Spielspaß

 

Das Grundprinzip des zeitgleichen Legens hat den Testspielern gut gefallen. Die Feinheiten, die den Spielfluss stören (siehe Mechanik) hat die anfängliche Euphorie jedoch getrübt. Der Grundgedanke ist frisch, wurde jedoch nicht ganz zu Ende gedacht und hinsichtlich der Innovationen hätte "4 Gods" noch extrem viel Potential, das leider nicht genutzt wurde. Alles in allem kann man resümieren, dass aufgrund der kurzen Spielzeit das vorliegende Spiel als "Absacker" oder "Aufwärmer" gern auf den Tisch kommt. Die hohen Erwartungen, die gerade mit dem Titel und der sehr ansprechenden Optik geweckt wurden, konnten leider nicht ganz erfüllt werden.

                                                         3 von 6 Spiegeln


Preis-Leistungs-Verhältnis

 

Die UVP von "4 Gods" liegt bei 39,99 Euro. Die Materialien sind von einer guten Qualität und vor allem die liebevollen Figurenschacheln konnten auf ganzer Linie überzeugen. Ebenso traf die detailreiche Optik den Geschmack der Testspieler und hat Lob verdient. Die Mechanismen (vor allem beim zeitgleichen Modus) beinhalten allerdings einige Schwächen, die den Spiefluss stören und konträr zu dem raschen Spieltempo stehen. Auch in puncto Innovationen wurde sich überwiegend bekannten Abläufen bedient und diese mit kleineren Einfällen verfeinert. "4 Gods" hat den Testspielern gut gefallen und das Spiel wird sicherlich hin und wieder auf den Tisch kommen. Ob das Spiel jedoch das potential zu einem Dauerbrenner hat, ist fraglich. Alles in allem liegt ein solides Produkt vor.

                                                          3 von 6 Spiegeln


Gesamtwertung

 

Kaufe dir "4 Gods", wenn du...

 

- das Spielprinzip von "Carcassonne" magst

 

- "Carcassonne" auf Zeit spielen möchtest

 

 

 

Lasse die Finger von "4 Gods", wenn du...

 

- grundsätzlich chaotische Momente in Spielen nicht magst

 

- mittlerweile eine Abneigung dagegen hast, Plättchen gemäß ihrer Landschaft aneinander zu legen

 

 

 

* Danke an alle Testspieler!